Einleitung
Der hannoversche Stadtteil Mühlenberg befindet sich seit 2014 in einem umfassenden Sanierungsprozess, der Teil des Städtebauförderungsprogramms "Sozialer Zusammenhalt" – ehemals "Soziale Stadt" – ist. Mit einem Investitionsvolumen von rund 2,4 Millionen Euro wird das Mühlenberger Zentrum attraktiver gestaltet und die Aufenthaltsqualität für die rund 7.500 Bewohner*innen verbessert. Der Stadtteil, zwischen 1965 und 1986 als Großwohnsiedlung errichtet, weist besondere Herausforderungen auf, die durch gezielte Maßnahmen im Bereich der Wohnungsmodernisierung, Grünflächenentwicklung und städtebaulichen Aufwertung adressiert werden. Dieser Artikel beleuchtet die Ziele, Planungsprozesse und konkreten Maßnahmen der Sanierung in Mühlenberg.
Hintergrund und Kontext
Mühlenberg, ein international geprägter Stadtteil im hannoverschen Bezirk Ricklingen, liegt im Südwesten der Landeshauptstadt und grenzt an den Landschaftsraum der Region Hannover. Das Sanierungsgebiet erstreckt sich über circa 72 Hektar und deckt fast den gesamten Stadtteil ab. Die Bebauung besteht aus einer Mischung aus Reihen- und Gartenhäusern sowie mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern und Hochhäusern, die den Baustil einer typischen Großwohnsiedlung der 1960er bis 1980er Jahre repräsentieren.
Die Aufnahme in die Städtebauförderung wurde 2008 auf Basis vorbereitender Untersuchungen beschlossen, die einen hohen Modernisierungs- und Sanierungsbedarf bei vielen Wohngebäuden feststellten. Zusätzlich bestand Handlungsbedarf in sozialen Bereichen. Ende 2014 wurde Mühlenberg offiziell in das Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt" aufgenommen, und Ende 2015 beschloss der Rat der Landeshauptstadt Hannover (LHH) formal das Sanierungsgebiet Mühlenberg.
Ein wichtiges Instrument der Beteiligung war die Einrichtung der Sanierungskommission Mühlenberg Anfang 2016. Als erstes "Starterprojekt" wurde von 2015 bis 2017 der Spielplatz Schollweg erneuert, um erste sichtbare Verbesserungen für die Bewohner*innen zu schaffen.
Sanierungsziele und Rahmenplanung
Die Sanierungsziele für Mühlenberg sind in der Drucksache DS 0972/2016 und im Integrierten Entwicklungskonzept (IEK) 2020 veröffentlicht. Als verbindlicher Rahmenplan für die Sanierung dient das Freiraumentwicklungskonzept Mühlenberg (FREK Mü 2018), das in einem intensiven Beteiligungsprozess in den Jahren 2016/2017 erarbeitet und vom Rat der Stadt beschlossen wurde. Dieses Konzept beschreibt die Handlungsschwerpunkte und Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse durch Aufwertung von Grün- und Freiflächen sowie verkehrsplanerische und städtebauliche Projekte.
Die Hauptziele der Sanierung umfassen:
Die energetische Sanierung und Modernisierung der Wohnungsbestände mit gleichzeitiger Herstellung von Barrierefreiheit. Der Handlungsbedarf besteht insbesondere im Canarisweg, betrifft aber auch viele Gebäude in Privatbesitz oder im Eigentum von Wohnungsgesellschaften.
Die Aufwertung von öffentlichen Grünstrukturen, Freiräumen und des halböffentlichen Wohnumfelds. Viele Grünflächen in Mühlenberg haben zwar einen hohen Anteil, sind aber aufgrund von Privatbesitz oder fehlender Ausstattung (wie Bänke oder Spielgeräte) nur eingeschränkt nutzbar.
Die Stärkung des Einzelhandels und der gewerblichen Strukturen. Während im Zentrum immer wieder Geschäfte leerstehen, wurden in zwei Nebenzentren bereits Verbesserungen umgesetzt, darunter die Eröffnung eines neuen Einzelhandelsmarktes 2023.
Die Verbesserung der Orientierung im Stadtteil, die für Menschen, die die vorhandenen Einrichtungen und Wege nicht kennen, erschwert ist.
Das Mühlenberger Zentrum als Herzstück der Sanierung
Als die wichtigste Maßnahme im Bereich Städtebau ist im FREK die Umgestaltung des Mühlenberger Zentrums benannt worden. In den nachfolgenden Abstimmungen wurde die Umgestaltung als dringliches und maßgebliches Sanierungsprojekt von Seiten der politischen Gremien, der Sanierungskommission und der Verwaltung eingestuft.
Das Zentrum ist Dreh- und Angelpunkt des Quartiers, befindet sich derzeit aber in einer Trading-Down-Phase mit Funktions- und Substanzschwäche. Die Umgestaltung entspricht dem Sanierungsziel "Förderung und Stärkung der lokalen Ökonomie sowie der wohnungsnahen Versorgung" und soll den im Einzelhandelskonzept festgesetzten zentralen Versorgungsbereich (D-Zentrum) stärken.
Die Weiterentwicklung des Zentrums zu einem barrierefreien Zentrum mit hoher Aufenthaltsqualität hat große Bedeutung für die Identität der Bewohner*innen im Stadtteil und ist ein wichtiger Baustein für das Image des Stadtteils. Zudem dient sie der Stärkung des Einzelhandelsstandortes, insbesondere vor dem Hintergrund der anstehenden Entwicklung des unmittelbar angrenzenden eon-Grundstücks in der Tresckowstraße.
Besondere Herausforderung bei der Planung war die Berücksichtigung von Aspekten der sozialen Sicherheit und barrierefreien Gestaltung der Grünflächen. Die Planung wurde mit dem Beauftragten für Menschen mit Behinderung der Landeshauptstadt Hannover abgestimmt. Von der geplanten Umgestaltung sind alle Geschlechter und gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen betroffen, und bei der Ausstattung wurden deren Bedarfe gleichermaßen berücksichtigt.
Aufteilung der Bauabschnitte
Das Mühlenberger Zentrum wurde in drei Bauabschnitte aufgeteilt:
- Bauabschnitt I: Der Marktplatz
- Bauabschnitt II: Die Fußgängerzone Mühlenbergzentrum
- Bauabschnitt III: Der Park-and-Ride-Platz mit der Busumsteigeanlage und dem angrenzenden Stauffenbergplatz
Während die ersten beiden Bauabschnitte in die aktuelle Planung einbezogen werden, wird der dritte Bauabschnitt separat zu einem späteren Zeitpunkt umgestaltet.
Beteiligungsprozess und Bürgerbeteiligung
Ein zentraler Aspekt der Sanierung in Mühlenberg ist die intensive Einbindung der Bewohnerinnen und anderer Interessensgruppen. Aufbauend auf den Beteiligungsergebnissen im Rahmen des FREK wurden die Planung und Gestaltung des Mühlenberger Zentrums in einem transparenten offenen Prozess gemeinsam mit den Gewerbetreibenden, den angrenzenden Institutionen, Politik, Akteurinnen im Stadtteil und den Nutzer*innen des Mühlenberger Zentrums erarbeitet.
Für diesen Zweck wurde 2023 ein umfangreicher mehrstufiger Beteiligungsprozess durch das Büro plan zwei aus Hannover durchgeführt. Im Rahmen dieses Prozesses fanden mehrere öffentliche Abendveranstaltungen im Stadtteilzentrum in Kombination mit zwei mehrwöchigen öffentlichen Ausstellungen statt. Eine spezielle Beteiligungswebsite wurde für das Projekt eingerichtet, um Rückmeldungen, Informationen und Anregungen zu sammeln.
Am 02.06.2023 wurde direkt im Planungsgebiet ein eintägiger Freiraumtest im Rahmen des Europäischen Nachbarschaftstages durchgeführt, der sehr gut angenommen wurde. Am 14.11.2023 und 22.08.2024 erfolgten weitere Abstimmungstermine vor Ort mit dem angrenzenden Kirchenzentrum zur Planung.
In der Sanierungskommission "Sozialer Zusammenhalt Mühlenberg" wurden die Planungsideen, der Vorentwurf und der Entwurf in den Monaten Mai 2023, Juni 2024 und Januar 2025 vorgestellt und diskutiert. Durch diese umfangreiche Beteiligung konnten viele Wünsche und Ideen in den Planungsprozess einfließen.
Für die konkrete Planung wurde das hannoversche Landschaftsarchitekturbüro GrünPlan beauftragt.
Technische Herausforderungen und Lösungen bei der Umgestaltung
Bei der Planung der Umgestaltung des Mühlenberger Zentrums traten besondere technische Herausforderungen zutage, die bei der Umsetzung berücksichtigt werden müssen. Ein wesentlicher Aspekt betraf die Bäume im Zentrum.
Die im Bereich des Mühlenberger Zentrums befindlichen Baumstandorte wurden in den 1980er Jahren hergestellt. Diese entsprechen hinsichtlich ihrer zu kleinen, offenen, unversiegelten Baumscheiben sowie des fehlenden Spezialsubstrats nicht den aktuellen Regeln der Technik. Ein weiterer erschwerender Faktor ist die Tatsache, dass sich der Großteil der Bäume auf dem Tunnelbauwerk der Stadtbahn befindet, sodass ein Anschluss zum gewachsenen Boden und somit eine entsprechende Grundwasseranbindung fehlt.
Diese Faktoren haben in der Vergangenheit bereits dazu geführt, dass ein Großteil der Bäume eine nur eingeschränkte Vitalität aufweist und Einzelbäume bereits gefällt und nachgepflanzt werden mussten.
Aus den genannten Gründen wurde sich daher fachlich im Zuge der Sanierung des Mühlenberger Zentrums für eine großflächige Überarbeitung der Baumstandorte nach den aktuellen Regeln der Technik ausgesprochen. Dies bedeutet, dass großflächige Entsiegelungen und Wurzelraumvergrößerungen umgesetzt sowie ein spezielles Baumsubstrat eingebaut werden soll.
Zusätzlich mussten bei der Planung Mindestabstände zu vorhandenen Leitungen berücksichtigt werden sowie die Forderungen der Üstra bezüglich Mindestüberdeckung und Abdichtungen zum Bauwerk und Verkehrslasten.
Investitionen und Finanzierung
Die Stadt Hannover plant gut 2,4 Millionen Euro in die Umgestaltung des Mühlenberger Zentrums zu investieren, um die Aufenthaltsqualität deutlich zu verbessern. Ein Großteil dieses Projekts wird vom Bund finanziert, da das Gebiet zum Städtebauförderungsprogramm gehört. Diese Investition zielt darauf ab, das Zentrum attraktiver zu gestalten und die Lebensqualität für die Bewohner*innen nachhaltig zu verbessern.
Fazit
Die Sanierung des Stadtteils Mühlenberg stellt ein umfassendes Programm zur Aufwertung eines hannoverschen Wohngebiets dar, das seit 2014 läuft und in das Programm "Sozialer Zusammenhalt" integriert ist. Mit dem Freiraumentwicklungskonzept (FREK) von 2018 liegt ein verbindlicher Rahmenplan vor, der Handlungsschwerpunkte und Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse definiert.
Besonders hervorzuheben ist die zentrale Rolle des Mühlenberger Zentrums, das als Herzstück der Sanierung in drei Bauabschnitten umgestaltet wird. Durch intensive Bürgerbeteiligung und transparente Planungsprozesse werden die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner*innen berücksichtigt. Die technischen Herausforderungen, insbesondere bei der Gestaltung der Baumstandorte, werden durch professionelle Planung gelöst.
Die Investition von rund 2,4 Millionen Euro, wovon ein Großteil vom Bund getragen wird, unterstreicht die Bedeutung dieses Projekts für die Stadtentwicklung Hannovers. Die Sanierung in Mühlenberg zeigt, wie durch gezielte Maßnahmen die Lebensqualität in Stadtteilen verbessert werden kann, die besondere soziale und bauliche Herausforderungen aufweisen.