Erneuerbare Energien in der Sanierung: Aktuelle Entwicklungen und Potenziale

Einleitung

Die energetische Sanierung von Gebäuden spielt eine entscheidende Rolle im Kontext der deutschen Energiewende und Klimaziele. Während im Neubau bereits klimafreundliche Technologien dominieren, bleibt der Gebäudebestand weiterhin stark von fossilen Energieträgern abhängig. Laut Daten aus dem Dena-Gebäudereport 2025 werden 79 Prozent der rund 20 Millionen Wohngebäude in Deutschland mit Öl und Gas beheizt. Dieser Artikel untersucht den aktuellen Stand erneuerbarer Energien bei Sanierungen, beleuchtet die rechtlichen Rahmenbedingungen, technologischen Entwicklungen sowie Fördermöglichkeiten und zeigt Potenziale für die Zukunft auf.

Rechtliche Rahmenbedingungen und politische Ziele

Die deutsche Wärmewandlung steht auf mehreren rechtlichen Säulen. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das am 1. Januar 2024 novelliert in Kraft trat, fordert eine schrittweise Umstellung auf mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien beim Heizen. Parallel dazu trat das Wärmeplanungsgesetz (WPG) am selben Datum in Kraft, das ab 2028 von allen Kommunen die Vorlage kommunaler Wärmepläne verlangt. Im Februar 2024 startete die neue Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), und im Mai 2024 bestätigte der Rat der Europäischen Union die Gebäuderichtlinie EPBD.

Diese gesetzlichen Vorgaben sind eingebettet in die übergeordneten klima- und energiepolitischen Ziele, die im nationalen Klimaschutzgesetz (KSG) sowie dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG) festgeschrieben sind. Deutschland strebt an, bis 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Um diese Ziele zu erreichen, sind kontinuierliche und vorausschauende Maßnahmen im Gebäudebestand unerlässlich. Bei Anschaffungen und Arbeiten an Gebäuden muss deshalb schon heute an diese geplante Treibhausgasneutralität gedacht werden.

Ein wichtiger Grundsatz bei der zukunftsfähigen Wärmeversorgung ist das "Efficiency First"-Prinzip. Wärme soll nicht unnötig verschwendet werden, Wärmeverluste der Gebäudehülle sollen minimiert und Abwärme als Wärmequelle erschlossen werden. Diese Maßnahmen senken den Energieverbrauch von Gebäuden und erleichtern den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärmeversorgung.

Aktuelle Marktentwicklungen und Zahlen

Die Marktentwicklungen bei erneuerbaren Energien im Sanierungsbereich zeigen ein gemischtes Bild. Einerseits ist ein deutliches Wachstum bei bestimmten Technologien zu beobachten, andererseits dominieren fossile Energieträger weiterhin den Bestand.

Verkaufszahlen und Marktanteile

Lange Zeit sollten regenerative Wärmeenergieträger und -technologien bei der Sanierung gemäß dem GEG Vorrang erhalten. Die Praxis sieht jedoch anders aus: Gas- und Ölheizungen sind nach wie vor sehr beliebt. Die Verunsicherung durch das EEG lässt sich konkret in Zahlen messen. Von Januar bis September 2023 wurden 628.000 Gasheizkessel verkauft, 38 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bei den Ölkesseln waren es mit 81.000 sogar 105 Prozent mehr.

Gleichzeitig zeigen auch erneuerbare Technologien positive Entwicklungen: Bei Biomasseanlagen wurden 46.000 Geräte verkauft (+32%), bei Wärmepumpen waren es 295.000 (+86%). Dennoch machen Wärmepumpen im Bestand nur einen marginalen Anteil aus, da der Großteil im Neubau installiert wird. Dort machten sie 2023 schon 57 Prozent aller Heizgeräte aus.

Antragsentwicklung bei Förderprogrammen

Ein Indikator für zukünftige Entwicklungen ist die Antragsentwicklung bei Förderprogrammen. Die Anträge im Rahmen der BEG-Einzelmaßnahmen sind im Jahr 2024 um 26 Prozent gestiegen. Hier machten Wärmepumpen mit 76,2 Prozent den Löwenanteil aus. Auch das Interesse an Energieberatungen wuchs – besonders beim individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) mit einem Plus von 31 Prozent bei den Anträgen, was die Dena als Indiz wertet, dass sich viele Eigentümer auf Sanierungen vorbereiten.

Technologien für die energetische Sanierung

Die Sanierung von Bestandsgebäuden bietet enormes Potenzial für den Einsatz erneuerbarer Energien. Vier zentrale Technologien stehen dabei im Fokus: Wärmepumpen, Solarthermie, Biomasseheizungen und Wärmenetze.

Wärmepumpen

Wärmepumpen sind die dominierende erneuerbare Technologie im Neubau und gewinnen auch im Sanierungsbereich an Bedeutung. In Deutschland werden Wärmepumpen fast ausschließlich als Luft/Wasser-Wärmepumpen installiert (92 Prozent des gesamten Wärmepumpenmarktes in 2023).

Wärmepumpen nutzen die Umgebungsluft und können aus einer kWh Strom zwischen 2 bis 3 (Luft-Wasser-Wärmepumpen) und bis zu 5 (Erdwärme- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpen) kWh Wärme erzeugen. Dieser Wert wird als Jahresarbeitszahl (JAZ) gemessen. Eine JAZ von 3 ist ideal, wird aber nicht immer erreicht. Dennoch sind diese Wärmepumpen immer noch effizienter als jede Verbrennungstechnik, die einen Wirkungsgrad von 0,96 aufweist (also aus 1 kWh Brennstoff 0,96 kWh Wärme macht).

Bei der Sanierung ist eine gut isolierte Gebäudehülle von Vorteil, aber nicht in allen Fällen zwingend erforderlich. Auch Hybridsysteme aus bestehenden Heizkesseln und Wärmepumpen sind möglich.

Solarthermie

Solarthermische Anlagen nutzen die Sonnenenergie direkt zur Wärmeerzeugung. Sie sind besonders effizient bei der Warmwasserbereitung, können aber auch zur Unterstützung der Raumheizung eingesetzt werden. Allerdings verzeichnen Solarthermieanlagen laut Dena-Gebäudereport teils historische Tiefstände bei Installationen.

Biomasseheizungen

Biomasseheizungen verzeichnen ebenfalls positive Verkaufszahlen (+32%), machen aber insgesamt noch einen kleinen Marktanteil aus. Sie sind besonders dort interessant, wo größere Mengen an Biomasse lokal verfügbar sind.

Wärmenetze

Wärmenetze, auch Fernwärme genannt, stellen eine weitere Möglichkeit dar, erneuerbare Energien in der Sanierung einzusetzen. Sie gewinnen insbesondere in urbanen Gebieten an Bedeutung, wo zentrale Anlagen effizienter betrieben werden können als dezentrale Lösungen.

Effizienzhaus-Standards und Fördermöglichkeiten

Die energetische Sanierung kann verschiedene Effizienzhaus-Standards erreichen. Jeder dieser Typen ist ein anerkannter Energiestandard für Gebäude, der durch bauliche und anlagentechnische Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz sowie die Einbindung erneuerbarer Energien erreicht werden kann.

Die verschiedenen Effizienzhaus-Standards unterscheiden sich in ihren Zielvorgaben:

Effizienzhaus QP in % von QP REF H´T in % von H´T REF
Effizienzhaus 40 (WG) 40 55
Effizienzhaus 40 (NWG) 40 -
Effizienzhaus 55 (WG) 55 70
Effizienzhaus 55 (NWG) 55 -
Effizienzhaus 70 (WG) 70 85
Effizienzhaus 70 (NWG) 70 -
Effizienzhaus 85 (WG) 85 100
Effizienzhaus Denkmal (WG) 160 -
Effizienzhaus Denkmal (NWG) 160 -

(WG = Wohngebäude, NWG = Nichtwohngebäude)

Wird ein entsprechendes Effizienzhaus-Niveau erreicht, steht eine Förderung der "Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)" zu. Dabei unterscheidet man zwischen:

  • BEG Einzelmaßnahmen: Hier gibt es Zuschüsse vom BAFA für spezifische Sanierungsmaßnahmen
  • BEG Wohngebäude: Hier erhält man zu einer Komplettsanierung eines Wohngebäudes zu einem z. B. Effizienzhaus 70 von der KfW einen zinsgünstigen Kredit mit Tilgungszuschuss

Für die Sanierung von Teilen der Gebäudehülle (z. B. Dachdämmung, neue Fenster oder Haustür) gibt es einen Zuschuss von 15 vom Hundert vom BAFA. Für neue Heizungen, die die Anforderungen des BEG erfüllen, gibt es Zuschüsse von der KfW von bis zu 70 der förderfähigen Kosten.

Seit 2020 können die Kosten einer energetischen Sanierung auch mittels Steuerermäßigung gefördert werden. Steuerlich abgesetzt werden können Aufwendungen für Einzelmaßnahmen, aber auch die Fachplanung und energetische Baubegleitung durch einen Fachbetrieb. Die Steuererstattung beträgt bis zu 40.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren. Eine Kombination von steuerlicher Förderung mit der BEG ist nicht möglich.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Die energetische Sanierung ist mit erheblichen Investitionskosten verbunden. Der Anteil der energiebedingten Kosten macht etwa 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Anteile der Mehrkosten für die energetische Sanierung variieren jedoch von Fall zu Fall in Abhängigkeit vom jeweiligen Gebäude, den Randbedingungen, Konditionen der Finanzierung und dem geplanten Effizienzhausstandard.

Ein Beispiel für die Kosten einer umfassenden Sanierung:

Position Investitionskosten Sowieso-Kosten energiebedingte Mehrkosten
Kellerdecke 4.067,00 € 0,00 € 4.067,00 €
Kellertür 600,00 € 400,00 € 200,00 €
Oberste Geschossdecke 5.311,34 € 0,00 € 5.311,34 €
Außenwand Ost 5.201,44 € 2.224,30 € 2.977,14 €
Außenwand West 8.466,40 € 3.620,50 € 4.845,90 €
Fenster Ost 3.593,70 € 2.286,90 € 1.306,80 €
Fenster West 14.493,60 € 9.223,20 € 5.270,40 €
Haustür 4.800,00 € 3.220,00 € 1.580,00 €
Steildach Ost 9.538,93 € 6.180,84 € 3.358,09 €
Dachfenster Ost 960,00 € 0,00 € 960,00 €
Steildach West 9.538,93 € 6.180,84 € 3.358,09 €
Dachfenster West 960,00 € 0,00 € 960,00 €
Luft/Wasser-Wärmepumpe 2,1 kW (50/40) 36.500,00 € 13.400,00 € 23.100,00 €
Solarthermie-Anlage 8m2 (6,5% / 53%) / Bivalenter Solarspeicher 492 l 7.300,00 € 0,00 € 7.300,00 €
8 Heizkörper / 80 m Verteilleitungen 9.300,00 € 9.300,00 € 0,00 €
Dezentrale Lüftung (90% WRG / 0,35 W/m³h) 6.400,00 € 1.700,00 € 4.700,00 €
Heizungsoptimierung 2.300,00 € 2.300,00 € 0,00 €
Gesamt 129.331,34 € 60.036,58 € 69.294,76 €

Die hohen Anfangsinvestitionen werden durch die Energieeinsparungen über die Nutzungsdauer der Maßnahmen amortisiert. Zudem steigt der Wert der Immobilie und die Wohnqualität verbessert sich.

Herausforderungen und soziale Aspekte

Die energetische Sanierung steht vor mehreren Herausforderungen. Die Bauwirtschaft steckt in einer schwierigen Lage – weniger Baugenehmigungen für Wohnungen, sinkende Fertigstellungen, rückläufiger Absatz bei Fenstern und Dämmmaterialien und steigende Kosten. Infolge der Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz, allgemeiner Verunsicherung und abwartender Haltung bei Wohnungs- und Hauseigentümern brach der Heizungsmarkt 2024 stark ein: Der Absatz von Gasheizungen ging um 41 Prozent zurück.

Ein besonderes Augenmerk ist auf soziale Aspekte zu legen. Energetische Sanierungen können für einkommensschwache Haushalte eine Belastung darstellen. Diese Haushalte werden als energiearme oder auch vulnerable Haushalte bezeichnet. Eine wichtige Aufgabe für soziale Klimapolitik ist es daher, Maßnahmen und Instrumente bereitzustellen, die es energiearmen und vulnerablen Haushalten ermöglichen, ihren fossilen Energiebedarf zu reduzieren.

Auch mangelnde Entscheidungsbefugnisse über Sanierungsmaßnahmen bei Mietenden verengen die Handlungsspielräume. Die Verteilung der Kosten für energetische Sanierungen zwischen Mietenden und Vermietenden muss so gestaltet werden, dass energetische Modernisierungsmaßnahmen angereizt werden.

Rolle der Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteure

Die Wärmewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die jedoch vor Ort umgesetzt wird. Kommunen kommen dabei eine wichtige Rolle zu, da sie im Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern, der lokalen Wirtschaft sowie diversen sozialen und kulturellen Einrichtungen stehen und direkten Zugriff auf die gebaute Infrastruktur haben.

Mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) wird diese Rolle weiter gestärkt, da ab 2028 alle Kommunen einen kommunalen Wärmeplan vorlegen müssen. Diese Pläne sollen die Grundlage für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in den Kommunen bilden und die Umsetzung erneuerbarer Energien im Bestand vorantreiben.

Potenziale und Ausblick

Die Sanierung von Bestandsgebäuden bietet enormes Potenzial für den Einsatz erneuerbarer Energien. Sie kann die Energieeffizienz steigern und den CO2-Fußabdruck senken. Gleichzeitig kann die klimafreundliche Sanierung des großen Gebäudebestands der Bauwirtschaft neuen Schub geben und regionale Wertschöpfung stärken – allerdings nur mit einer verlässlichen Förderkulisse, um Investitionen zu sichern.

Insgesamt zeigt sich, dass erneuerbare Energien bei Sanierungen zwar noch einen geringen Anteil haben, aber deutlich an Bedeutung gewinnen. Der positive Trend bei Wärmepumpen und den Anträgen für Förderprogramme deuten darauf hin, dass sich Eigentümer zunehmend auf Sanierungen vorbereiten.

Fazit

Die energetische Sanierung mit erneuerbaren Energien steht vor großen Herausforderungen, bietet aber auch enorme Chancen für den Klimaschutz und die Wirtschaft. Während fossile Energieträger im Bestand noch dominieren, zeigt sich ein positiver Trend bei erneuerbaren Technologien, insbesondere bei Wärmepumpen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen wie das novellierte GEG und das Wärmeplanungsgesetz schaffen die notwendige Grundlage für eine beschleunigte Wärmewende.

Förderprogramme wie die BEG und steuerliche Anreize machen Sanierungen wirtschaftlicher. Gleichzeitig müssen soziale Aspekte berücksichtigt werden, um keine gesellschaftlichen Spaltungen zu schaffen. Kommunen spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Wärmewende vor Ort.

Die Zukunft der energetischen Sanierung hängt davon ab, wie es gelingt, die Potenziale erneuerbarer Energien im Bestand zu heben, die Wirtschaftlichkeit weiter zu verbessern und soziale Ungleichheiten zu vermeiden. Die Weichen dafür werden heute gestellt.

Quellen

  1. Erneuerbare Energien bei Sanierungsfällen: Neue Serie auf haustec.de
  2. Dena-Gebäudereport 2025
  3. Wärmewende - Umweltbundesamt
  4. Effizienzhaus 70 - Energie-Experten
  5. Erneuerbare Energien - Bauindustrie

Ähnliche Beiträge