Anton-Fugger-Realschule in Babenhausen: Achtjährige Generalsanierung schafft modernes Lernumfeld

Einleitung

Das Schulzentrum in Babenhausen hat nach einer rund achtjährigen Bauzeit seine feierliche Einweihung als modernes und zukunftsfähiges Bildungszentrum erlebt. Das Projekt, das die Anton-Fugger-Realschule und die Mittelschule Babenhausen umfasste, stellt eines der anspruchsvollsten Sanierungsvorhaben im Landkreis Unterallgäu dar. Die Generalsanierung, die ohne Aussiedlung von Containerklassen im laufenden Schulbetrieb durchgeführt wurde, transformierte den aus den 1970er Jahren stammenden Funktionsbau in ein attraktives und zeitgemäßes Schulzentrum. Mit Gesamtkosten von rund 22 Millionen Euro - davon neun Millionen Euro für die Schulerweiterung und 13 Millionen Euro für die eigentliche Sanierung - wurde nicht nur die bauliche Substanz modernisiert, sondern auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet, der der Anton-Fugger-Realschule im Dezember 2020 die Auszeichnung als "Klimaschule" einbrachte.

Historischer Hintergrund und Ausgangslage

Die Geschichte des Schulstandorts in Babenhausen ist lang und traditionsreich, wie Ministerialdirektor Herbert Püls bei der Einweihungsfeier betonte. Er spannte einen Bogen von der Lateinschule Anton Fuggers bis zum modernen Schulzentrum der Gegenwart und unterstrich: "Schule und Bildung haben in Babenhausen eine lange Tradition." Diese Tradition wurde jedoch durch den Zustand der Gebäude herausgefordert, die aus den 1970er Jahren stammten und einer umfassenden Modernisierung bedurften.

Die Weichen für die Sanierung wurden bereits 2011 gestellt, als der Kreistag ein umfassendes Schulsanierungskonzept beschloss, um alle weiterführenden Schulen im Landkreis Unterallgäu fit für die Zukunft zu machen. Zwei Jahre später, im Jahr 2013, begannen die konkreten Arbeiten an der Generalsanierung des Schulgebäudes. Die Voraussetzungen hierfür waren bereits durch einen Erweiterungsbau geschaffen worden, der die räumliche Grundlage für die nachfolgende Sanierung schuf.

Besondere Herausforderung war die Tatsache, dass im Schulzentrum zwei verschiedene Schulformen unter einem Dach vereint sind: die Mittelschule Babenhausen und die Anton-Fugger-Realschule. Diese Konstellation machte die Sanierung nicht nur pädagogisch, sondern auch organisatorisch komplex, da nicht nur ein, sondern gleich zwei Schulverbände involviert waren: der Schulverband Mittelschule und der Zweckverband Realschule.

Umfangreiche Generalsanierung in sechs Bauabschnitten

Die Generalsanierung des Schulzentrums wurde in insgesamt sechs Bauabschnitten durchgeführt, wobei systematisch verschiedene Bereiche des Gebäudes erneuert und modernisiert wurden. Diese phasweise Vorgehensweise war notwendig, um den laufenden Schulbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Die Maßnahmen umfassten sowohl bauliche als auch energetische Verbesserungen:

  1. Renovierung der Fach- und Unterrichtsräume: Besonderes Augenmerk wurde auf die naturwissenschaftlichen Räume gelegt, die für den modernen Unterricht vollständig erneuert wurden. Diese Umstellung war notwendig, um den heutigen Anforderungen an den naturwissenschaftlichen Unterricht gerecht zu werden und den Schülerinnen und Schülern praxisnares Lernen zu ermöglichen.

  2. Modernisierung der Werkräume: Die praktischen Arbeitsräume wurden ebenfalls umfassend saniert, um den technischen Anforderungen des Werkunterrichts gerecht zu werden und eine sichere und zeitgemäße Arbeitsumgebung zu schaffen.

  3. IT-Infrastruktur: Die IT-Räume wurden komplett neu ausgestattet und an die aktuellen technischen Anforderungen angepasst. Diese Maßnahme war insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung des Schulalltags und der Bildungsinhalte von zentraler Bedeutung.

  4. Klassenzimmer und Gemeinschaftsräume: Zusätzliche Klassenzimmer sowie die zentrale Aula wurden modernisiert und gestaltet. Die Aula als zentraler Versammlungsort und kultureller Mittelpunkt der Schule erhielt eine ansprechende und funktionale Neugestaltung.

  5. Energetische Sanierung: Eine der wesentlichen Maßnahmen war die energetische Sanierung des gesamten Schulgebäudes. Diese Maßnahme trug nicht nur zur Reduzierung der Betriebskosten bei, sondern war auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

  6. Dachsanierung: Das Flachdach des Gebäudes wurde saniert, um langfristig den Schutz des Schulgebäudes vor Witterungseinflüssen zu gewährleisten.

  7. Brandschutzanpassung: Der Brandschutz wurde den aktuellen gesetzlichen Anforderungen angepasst, um die Sicherheit aller am Schulzentrum beteiligten Personen zu erhöhen.

  8. Barrierefreiheit: Das Gebäude wurde barrierefrei gestaltet, um allen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Besuchern den Zugang zu allen Bereichen zu ermöglichen.

Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass alle diese Maßnahmen ohne die Nutzung von Containerklassen durchgeführt wurden. Wie Landrat Hans-Joachim Weirather betonte, herrsche in Babenhausen ein selbstbewusster Grundgedanke, der dazu führte, dass auf Wunsch der Schulgemeinschaft keine Containerklassen ausgesiedelt wurden. Diese Entscheidung stellte eine enorme organisatorische Herausforderung dar, ermöglichte aber eine nahtlose Integration der Baumaßnahmen in den Schulalltag.

Herausforderungen bei der Durchführung

Die Durchführung der Generalsanierung stellte alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Die Koordination zwischen den beiden Schulverbänden – dem Schulverband Mittelschule und dem Zweckverband Realschule – erforderte ständige Abstimmung und eine auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit. Die beiden Schulleiter Martin Rister (Anton-Fugger-Realschule) und Wolfgang Ostermann (Mittelschule Babenhausen) arbeiteten dabei auf Augenhöhe, wie Ministerialdirektor Herbert Püls lobend hervorhob.

Die Durchführung der Bauarbeiten während des laufenden Schulbetriebs erforderte eine präzise Planung und flexible Umsetzung. Landrat Hans-Joachim Weirather bezeichnete das Schulzentrum Babenhausen als eines der anspruchsvollsten Projekte im Reigen der Generalsanierungen im Landkreis. Die Herausforderung bestand darin, einerseits die Qualität und Sicherheit der Baumaßnahmen zu gewährleisten und andererseits den Schulbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

Ein besonderes Anliegen war es, die Schülerinnen und Schüler in den Prozess einzubinden. Wie Landrat Alex Eder bei späteren Gelegenheiten betonte, hätten alle Beteiligten viel über Bauabläufe und Organisation gelernt. Die Schülerinnen und Schüler selbst fungierten bei der Einweihungsfeier als "Zeitwächter" und hatten selbst ein Rahmenprogramm zusammengestellt, was ihre positive Einstellung zum Bauprojekt zeigte.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern und dem Elternbeirat war ebenfalls ein wichtiger Erfolgsfaktor. Die beiden Elternbeiratsvorsitzenden Sonja Henle (Realschule) und Bianca Stölzle-Schaupp überreichten bei der Einweihungsfeier ein Apfelbäumchen zum Einpflanzen in die Außenanlage, ein Symbol für Wachstum und Zukunft.

Kosten und Finanzierung des Projekts

Die Finanzierung des umfassenden Sanierungsvorhabens war eine komplexe Angelegenheit, da mehrere öffentliche Träger beteiligt waren. Die Gesamtkosten für alle Maßnahmen innerhalb der achtjährigen Bauzeit betrugen knapp 22 Millionen Euro. Davon entfielen neun Millionen Euro auf die Schulerweiterung und 13 Millionen Euro auf die eigentliche Generalsanierung.

Die Aufteilung der Kosten für die Generalsanierung gestaltete sich wie folgt: - Der Freistaat Bayern beteiligte sich mit rund 3,5 Millionen Euro - Der Zweckverband Realschule trug 56 Prozent der Kosten, was etwa vier Millionen Euro entspricht (davon entfiel ein erheblicher Teil auf den Landkreis Unterallgäu) - Der Schulverband Mittelschule übernahm 44 Prozent der restlichen Kosten

Diese Finanzierungsstruktur verdeutlicht die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen öffentlichen Trägern auf kommunaler und Landesebene. Die Beteiligung des Freistaats war dabei ein wichtiger Faktor, der das Vorhaben erst ermöglichte.

Bürgermeister Otto Göppel betonte bei der Einweihungsfeier, dass die Investition in die Schulsanierung eine gute Verwendung der öffentlichen Mittel sei: "Die Schule wurde für die Zukunft fit gemacht", erklärte der Babenhausener Rathauschef. "Ich bin überzeugt, das Geld ist gut angelegt."

Klimafreundliche Ausrichtung der Schule

Ein besonderes Merkmal des modernisierten Schulzentrums ist seine klimafreundliche Ausrichtung. Die Anton-Fugger-Realschule darf sich seit Dezember 2020 offiziell "Klimaschule" nennen. Dieser Titel wurde vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung verliehen, das das Konzept der Klimaschule ursprünglich entwickelt hat.

Die Auszeichnung basiert auf einem umfassenden Klimaschutzkonzept, das 2018 seinen Startschuss hatte. Damals suchte die gesamte Schulfamilie – von Schülern und Lehrkräften bis hin zu den Hausmeistern – gemeinsam mit der Fachstelle für Klimaschutz am Landratsamt Unterallgäu und dem Energie- und Umweltzentrum Allgäu nach Wegen für ein nachhaltiges, klimafreundliches Schulumfeld. Der Landkreis Unterallgäu trug dabei die Projektkosten.

Klimaschutzmanagerin Sandra ten Bulte erklärte: "Langfristiges Ziel ist die CO₂-Neutralität". Dazu ermittelten Schüler und Lehrer gemeinsam mit einem externen Energieberater den CO₂-Fußabdruck der Schule und erstellten anschließend einen Klimaschutzplan mit konkreten Maßnahmen, um Treibhausgasse einzusparen.

Das Konzept "Klimaschule" sieht vor, das Thema Klimaschutz kontinuierlich in den Schulalltag zu integrieren. Dies geschieht beispielsweise durch die Behandlung in verschiedenen Schulfächern, durch Plakate im Schulgebäude oder durch die Einrichtung von "Klimabotschaftern", die für jede Klasse gewählt werden. Die Treibhausgasemissionen, die trotz aller Maßnahmen nicht vermieden werden können, sollen langfristig kompensiert werden, etwa durch Baumpflanzungen.

Die Anton-Fugger-Realschule ist damit die erste Schule im Unterallgäu, die diesen Titel erhalten hat. Um den Titel behalten zu dürfen, muss sich die Schule regelmäßig rezertifizieren lassen. Gleichzeitig hat auch die Berufsschule Mindelheim den Weg zur Klimaschule eingeschlagen.

Am Bayerischen Kultusministerium wird derzeit die Frage bearbeitet, inwieweit ein eigenes Konzept für eine "bayerische Klimaschule" in Anlehnung an das Hamburger Konzept aufgestellt werden kann. Die Anton-Fugger-Realschule könnte damit wegweisend für andere Schulen in Bayern werden.

Landrat Alex Eder, Schirmherr des Projekts, lobte den Beitrag der Realschule zum Klimaschutz: "Die Realschule leistet einen Beitrag zum Klimaschutz - gleichzeitig haben alle Beteiligten viel über Klimaschutz gelernt und können nun ihr Wissen weitertragen in ihre Familien, in den Freundeskreis und später sogar in den Ausbildungsbetrieb."

Sportstättenerweiterung als Teil des Gesamtkonzepts

Neben der Sanierung der Schulgebäude gibt es weitere Bauprojekte im Zusammenhang mit dem Schulzentrum in Babenhausen. Aktuell wird die Dreifachsporthalle zur Vierfachhalle erweitert. Die Konturen der Olympischen Ringe, die einmal das markante Merkmal der Westfassade waren, sind noch leicht zu erkennen, während der Anbau bereits in vollem Gange ist.

Laut Michael Schwarz vom Memminger Büro PSP Architekten, das für den Bau verantwortlich zeichnet, läuft die Planung und Ausführung termingerecht. Man gehe davon aus, dass die Erweiterung pünktlich im August 2026 fertiggestellt wird und die Halle für den Sportbetrieb zum Schuljahr 2026/2027 zur Verfügung stehen wird.

Diese Erweiterung ist Teil des umfassenden Konzepts, das Schulzentrum nicht nur in pädagogischer und energetischer Hinsicht zu modernisieren, sondern auch die sportlichen Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler sowie die öffentliche Nutzung zu erweitern. Die Sportstätten sind ein wichtiger Bestandteil des Schulzentrums und werden intensiv von beiden Schulen genutzt.

Zukunftsperspektiven und Nachhaltigkeit

Das sanierte und erweiterte Schulzentrum in Babenhausen steht nun als modernes Bildungszentrum für die Zukunft bereit. Die Investitionen in die energetische Sanierung und die klimafreundliche Ausrichtung unterstreichen das Bemühen, nicht nur kurzfristige Qualitätsverbesserungen zu erreichen, sondern auch langfristig nachhaltige und zukunftsfähige Strukturen zu schaffen.

Die Anton-Fugger-Realschule hat als erste Schule im Unterallgäu den Titel "Klimaschule" erhalten, was ihre Vorbildfunktion im Bereich des Klimaschutzes unterstreicht. Die Einbindung der gesamten Schulgemeinschaft in den Prozess der Klimaschutzmaßnahmen hat nicht nur zu konkreten Verbesserungen geführt, sondern auch das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln bei allen Beteiligten geschärft.

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Schulen unter einem Dach, die während der Sanierung intensiviert wurde, hat zu einer positiven Entwicklung der Schulpartnerschaft beigetragen. Die beiden Schulleiter Martin Rister und Wolfgang Ostermann arbeiteten eng zusammen und demonstrierten, wie unterschiedliche Schulformen im gemeinsamen Gebäude erfolgreich kooperieren können.

Die Sanierung des Schulzentrums ist somit mehr als nur eine bauliche Maßnahme – sie ist ein Symbol für die Entwicklung Babenhausens als modernen und zukunftsorientierten Standort für Bildung. Die Investitionen in die Bildungsinfrastuktur werden langfristig positive Auswirkungen auf die Attraktivität des Standorts haben und die Bedingungen für die schulische und persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen verbessern.

Fazit

Die Generalsanierung des Schulzentrums Babenhausen, insbesondere der Anton-Fugger-Realschule, stellt ein beeindruckendes Beispiel für erfolgreiche Bauprojekte im Bildungsbau dar. Mit einer Bauzeit von acht Jahren, Gesamtkosten von rund 22 Millionen Euro und der Herausforderung, die Arbeiten im laufenden Schulbetrieb durchzuführen, wurde ein herausragendes Ergebnis erzielt.

Die Umwandlung des aus den 1970er Jahren stammenden Funktionsbaus in ein modernes und attraktives Schulzentrum hat nicht nur die baulichen und energetischen Standards verbessert, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Die Auszeichnung als "Klimaschule" unterstreicht diese besondere Ausrichtung.

Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Schulträgern, den Schulleitungen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Elternbeirat ist ein Beispiel gelungener Kooperation, die trotz der komplexen Herausforderungen zu einem positiven Ergebnis geführt hat. Die Entscheidung, keine Containerklassen zu verwenden, sondern die Sanierung im laufenden Betrieb durchzuführen, hat zwar die Komplexität erhöht, aber auch die Integration aller Beteiligten in den Prozess ermöglicht.

Die weitere Sportstättenerweiterung, die voraussichtlich 2026 abgeschlossen sein wird, wird die Attraktivität des Schulzentrums weiter erhöhen und den Schülerinnen und Schülern sowie der Öffentlichkeit moderne Sportanbietungen zur Verfügung stellen.

Das Projekt zeigt, dass ambitionierte Sanierungsvorhaben im Bildungsbau bei guter Planung, ausreichender Finanzierung und engagierter Umsetzung erfolgreich realisiert werden können. Das Schulzentrum Babenhausen steht nun als modernes, nachhaltiges und zukunftsfähiges Bildungszentrum für die Schülerinnen und Schüler der Region bereit.

Quellen

  1. Kurierverlag Memmingen: Babenhausener Schulzentrum nach Generalsanierung feierlich eingeweiht
  2. Landratsamt Unterallgäu: Anton-Fugger-Realschule Babenhausen ist jetzt Klimaschule
  3. Augsburger Allgemeine: Babenhausen - Zwei Schulen, ein Haus
  4. Augsburger Allgemeine: Babenhausen - Das ist der aktuelle Stand bei Sanierung und Neubau der Turnhallen
  5. Augsburger Allgemeine: Decide the citizens of Babenhausen on the renovation of the Zehentstadel
  6. Bayerisches Kultusministerium: Anton-Fugger-Realschule Babenhausen

Ähnliche Beiträge