Antoniushaus Regensburg: Denkmalschutzgereche Sanierung und neue kulturelle Nutzung

Einleitung

Das Antoniushaus im Kasernenviertel von Regensburg stellt ein bemerkenswertes Beispiel für gelungene Denkmalpflege und zeitgemäße Umnutzung dar. Ursprünglich in den frühen 1950er Jahren als Gemeindezentrum der Pfarrei St. Anton konzipiert, durchlief das Gebäude eine bemerkenswerte Entwicklung von einem kostengünstigen Veranstaltungsort zu einem preisgekrönten Kulturzentrum mit neuer kultureller Identität. Dieser Artikel beleuchtet die umfassende Sanierung des denkmalgeschützten Baus, die architektonischen Herausforderungen und die erfolgreiche Transformation in eine zeitweise Spielstätte des Theaters Regensburg.

Historie und Architektur

Das Antoniushaus wurde 1953 erbaut und 1954 eröffnet. Es handelt sich um einen Saalbau in Stahlbeton-Skelettbauweise mit Pultdach, der vom Regensburger Architekten Karl Schmid jun. entworfen wurde. Das Gebäude war ursprünglich als Gemeindezentrum der Pfarrei St. Anton konzipiert und diente bis zu seiner Sanierung als Veranstaltungszentrum mit Saal und Wirtshaus.

Ein prägendes Merkmal des Baus ist die wellenförmig verglaste Ostfassade, die zusammen mit der Materialität und der Formensprache das architektonische Gepräge des Gebäudes bestimmt. Seit 1992 steht das Antoniushaus unter Denkmalschutz, was bei späteren Sanierungsmaßnahmen besondere Berücksichtigung fand.

Das Gebäude entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der preisgünstigsten Kultur- und Veranstaltungszentren in Regensburg. Es beherbergte ein breites Spektrum an Veranstaltungen, von Kabarettabenden mit Künstlern wie Josef Hader und Hagen Rether über Treffen von Vereinen wie dem Schachclub Bavaria Regensburg oder den Aquarienfreunden bis hin zu politischen Veranstaltungen und Gewerkschaftstreffen. Diese Vielfalt trug wesentlich zum Ruf des Hauses als "etwas anderes Kulturzentrum" bei.

Sanierungsbedarf und Schließung

Bereits seit längerem war bekannt, dass das 1953 errichtete Gebäude sanierungsbedürftig war. Die Bausubstanz des Kirchenbesitzes rund um die Pfarrkirche St. Anton wurde als marode beschrieben, was dringende Maßnahmen erforderte. Die Pfarrgemeinde St. Anton hatte nach der Sanierung des neuen Pfarrzentrums und des Turms in den Jahren ab 2013 finanzielle und organisatorische Engpässe, um den weitaus größeren Rest des Geländes zu sanieren.

Im April 2018 wurde das Antoniushaus für die Öffentlichkeit geschlossen. Der bisherige Pächter Franz Treml, der das Haus seit 26 Jahren betrieben hatte, konnte sein Geschäft nicht fortführen. Die Eigentümerin, die Katholische Kirchenstiftung St. Anton, und das Bischöfliche Ordinariat entschieden sich, das Gebäude per Erbpacht an einen Investor zu vergeben und von diesem sanieren zu lassen.

Die Pfarrei befand sich zu dieser Zeit in einer finanziell prekären Situation. Bereits im Februar des Vorjahres hatten Stadtpfarrer Anton Hierl und Kirchenpfleger Heinz Schreib in einem Schreiben an die Gemeindemitglieder die schwierige finanzielle Lage geschildert und den dringenden Bedarf an Sanierungsmaßnahmen unterstrichen.

Planung und Durchführung der Sanierung

Ein Glücksfall für das Projekt war die Beteiligung von Karl Kotz, einem Regensburger Immobilieninvestor mit persönlicher Verbindung zur Gemeinde St. Anton. Kotz, der im Umfeld der Pfarrei aufgewachsen war, langjähriger Ministrant und seit über 40 Jahren mit der Theatergruppe St. Anton verbunden war, entwickelte zusammen mit dem damaligen Pfarrer Anton Hierl den Plan, das gesamte Gelände zu reaktivieren und neu zu gestalten.

Das Gesamtkonzept wurde in mehrere Etappen aufgeteilt:

  1. Abriss einiger kleinerer älterer Gebäude
  2. Errichtung von Eigentumswohnungen in Erbpacht und eines großzügigen Kinderhaustrakts
  3. Abriss des alten Kinderhauses, wodurch die Kirche optisch wieder freigestellt wurde
  4. Sanierung des Antoniushauses

Die Sanierung des Antoniushauses wurde von der Firma Wittmann Architektur durchgeführt und 2022 abgeschlossen. Die Baukosten wurden auf etwa drei Millionen Euro geschätzt und teils über den Verkauf der Wohnungen sowie durch neue Pachtverträge finanziert.

Die Jury des Architekturpreises Regensburg 2024 würdigte die Sanierung in der Kategorie Kulturbauten und betonte besonders die Wertschätzung und Sensibilität gegenüber der prägenden Materialität und Formensprache des Originalbaus.

Architektonische Besonderheiten

Bei der Sanierung wurde besonderen Wert auf die Erhaltung der prägenden Stilelemente des vom Regensburger Architekten Karl Schmid jun. in den frühen 1950er Jahren geplanten Gebäudes gelegt. Die wellenförmig verglaste Ostfassade, ein markantes Merkmal des Baus, konnte erhalten werden.

Die denkmalgerechte Sanierung gelang es, die charakteristischen Merkmale des Stahlbeton-Skelettbaus mit Pultdach zu bewahren und gleichzeitig die notwendigen Modernisierungen für eine zeitgemäße Nutzung umzusetzen. Die Freiflächengestaltung wurde von LAB Brenner aus Landshut durchgeführt.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Gestaltung des gastronomischen Bereichs gelegt. Das Kneitinger im Antoniushaus wurde "sehr liebevoll renoviert und neu gestaltet" und ist seit der Eröffnung "sehr rege besucht". In den Pausen bietet es wie im alten Haus ein eigenständiges gutes Getränkeangebot, das von der Gaststätte mit betrieben wird.

Neue Nutzung als Theater

Nach Abschluss der Sanierung fand das Antoniushaus zunächst eine temporäre Nutzung als Ausweichspielstätte des Theaters Regensburg. Das Theater benötigte diese neue Spielstätte, da das Velodrom aufgrund von Brandschutzmaßnahmen saniert und modernisiert werden musste.

Ursprünglich war nur eine dreijährige Nutzung des Antoniushauses geplant. Aufgrund von Verzögerungen bei den Sanierungsarbeiten am Velodrom, das seit Januar 2022 nicht mehr als Spielstätte genutzt werden kann, wurde die Nutzung jedoch verlängert. Die Stadt Regensburg musste die Sanierung des Velodroms um vier Jahre verschieben, da andere Investitionen priorisiert wurden. Somit wird das Antoniushaus nach aktuellem Stand mindestens bis 2029 als Ausweichspielstätte benötigt.

Die Kooperation zwischen dem Investor Herrn Kotz, dem Theater, der städtischen Verwaltung, dem Denkmalschutz und Brandschutz wurde positiv bewertet. Das Theater als erster Nutzer nach der Sanierung wurde von Anfang an in alle Planungen mit einbezogen.

Die Premiere im neu eröffneten Antoniushaus fand am 20. Februar 2022 mit einer Neuinszenierung von Brechts "Die Dreigroschenoper" statt. Der kaufmännische Direktor Matthias Schloderer und der technische Direktor Michael Hübner betonten, dass das Theater in dem Haus "bewegt und erreicht" werden solle und nicht nur als "Hochkultur" in der Altstadt wahrgenommen werden dürfe.

Wirtschaftliche Aspekte

Die wirtschaftlichen Aspekte der Sanierung und der neuen Nutzung sind vielschichtig. Der bisherige Pächter Franz Treml, der das Antoniushaus 26 Jahre lang betrieben hatte, konnte sein Geschäft nach der Sanierung nicht fortführen. Die Pacht, die zuvor "deutlich unter 5.000 Euro" pro Monat betragen hatte, sollte nach der Sanierung etwa das Dreifache erreichen. Treml bezeichnete die neue Pacht als "einfach nicht machbar" und bestätigte, dass die Investitionen, die er selbst in das Antoniushaus getätigt hatte, sich noch nicht amortisiert hatten.

Die Erhöhungen der Mietkosten haben Auswirkungen auf das Veranstaltungsspektrum. Die günstigen Konditionen, zu denen in der Vergangenheit Jugendschachturniere, Treffen von Aquarienfreunden, Volksmusikabende oder Kabarettveranstaltungen stattfanden, werden voraussichtlich nicht mehr aufrechterhalten werden können.

Die Sanierungskosten von etwa drei Millionen Euro wurden teils über den Verkauf der auf dem Gelände neu errichteten Eigentumswohnungen in Erbpacht finanziert. Die Pfarrei St. Anton konnte auf diese Weise die dringend benötigten Mittel für die aufwändige Sanierung aufbringen, ohne sich selbst finanziell über Gebühr zu belasten.

Zukunftsaussichten

Das Antoniushaus hat sich nach seiner Sanierung zu einem neuen kulturellen Anziehungspunkt für den Südosten Regensburg entwickelt. Die Stadt erhofft sich vom wieder eröffneten Antoniushaus, "dem Stadtosten etwas mehr Leben einzuhauchen".

Die Spielstätte ist bestens durch den RVV mit zwei direkt vor Ort haltenden Linien und den naheliegenden Hauptbahnhof (ca. 900m) erschlossen, Parkplätze sind im Umfeld ebenfalls ausreichend vorhanden. Die gute Erreichbarkeit trägt zur Attraktivität des Hauses bei.

Das Theater Regensburg plant spezielle Produktionen für den Standort. Die Auftragsarbeit "Nachbarn" wurde konkret für den Südosten produziert, da das Kasernenviertel ein Stadtteil mit hoher Fluktuation und vielen neu ankommenden Stadtbewohnern ist. Das Theater möchte von diesen zahlreichen Geschichten des Ankommens lernen und in das Quartier eingebunden sein.

Langfristig bleibt die Frage nach der Nutzung des Antoniushauses nach der Sanierung des Velodroms ab 2029. Ob das Gebäude dann wieder als reines Veranstaltungszentrum mit Gastronomie genutzt wird oder möglicherweise eine andere kulturelle oder soziale Funktion übernimmt, wird sich zeigen.

Fazit

Die Sanierung des Antoniushauses in Regensburg ist ein gelungenes Beispiel für den Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz aus der Nachkriegszeit. Die Wertschätzung gegenüber der prägenden Materialität und Formensprache des Originalbaus durch Karl Schmid jun. wurde ebenso gewahrt wie die Schaffung einer zeitgemäßen Nutzung.

Die Umwandlung von einem kostengünstigen Veranstaltungszentrum in eine kulturelle Spielstätte des Theaters Regensburg hat dem Stadtteil einen neuen identitätsstiftenden Ort zurückgegeben. Die Herausforderungen bei der Finanzierung und die Veränderung der Nutzungsbedingungen zeigen jedoch auch die Spannungsfelder zwischen Denkmalschutz, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und sozialer Inklusivität auf.

Mit dem Antoniushaus wurde nicht nur ein historisch wertvoller Bau saniert, sondern auch ein neues kulturelles Zentrum für den Südosten Regensburg geschaffen, das über die reine Theaternutzung hinaus Potenzial für vielfältige kulturelle und soziale Aktivitäten bietet.

Quellen

  1. Antoniushaus – Architekturpreis Regensburg 2024
  2. Das Antoniushaus muss dichtmachen
  3. Neue Spielstätte für das Theater Regensburg
  4. Antoniushaus renoviert
  5. Antoniushaus Theaterbetrieb
  6. Antoniushaus Diskussion

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