Einleitung
Friedhofsmauern sind nicht nur einfache Grenzstrukturen, sondern auch wichtige städtebauliche Elemente, die den Charakter von Stadtteilen prägen. In verschiedenen Gemeinden Deutschlands stehen diese historischen Bauwerke jedoch vor großen Herausforderungen: Sie sind marode, stellen Sicherheitsrisiken dar und haben sich zu Symbolen von Vernachlässigung entwickelt. Insbesondere die SPD-Fraktionen in verschiedenen Städten haben sich in den letzten Jahren stark für die Sanierung dieser Mauern eingesetzt. Ihre Initiativen decken ein breites Spektrum ab - von der traditionellen Instandsetzung bis hin zu innovativen städtebaulichen Konzepten, die diese Flächen neu definieren. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Initiativen der SPD für Friedhofsmauer-Sanierungen in Hausen (Frankfurt), Söflingen (Ulm) und Pfungstadt sowie die damit verbundenen Sicherheitsbedenken und städtebaulichen Überlegungen.
Die Situation in Hausen (Frankfurt): Langjährige Vernachlässigung und neue Initiativen
In Frankfurt-Hausen steht die Sanierung der Friedhofsmauer am alten Hausener Friedhof seit Jahren auf der politischen Agenda. Die Situation ist komplex und von langen Verzögerungen geprägt, die den Zustand der Mauer weiter verschlechtert haben.
Historischer Hintergrund und aktueller Zustand
Die Friedhofsmauer in Hausen ist bereits seit Jahren ein Problemfall. Verschiedenste Anträge hatte das Stadtteilgremium in der Vergangenheit bereits zur Sanierung der Mauern abgestimmt, doch die Umsetzung blieb aus. Ende Januar hat die Stadt nun das Ergebnis einer statischen Untersuchung zur Standsicherheit der Mauer mitgeteilt. Demnach sind "die noch stehenden Mauerteile stark einsturzgefährdet". Aus diesem Grund wurden Sicherungszäune erheblich erweitert, "um eine Gefährdung von Passant:innen auszuschließen", wie der Magistrat mitteilt. Gleichzeitig wird bedauert, "dass seit einer ersten Stellungnahme zum Zustand der Mauer viel Zeit verstrichen ist".
Die Sicherheitsbedenken sind nicht unbegründet. Bereits seit Jahren sichern Absperrgitter wegen Einsturzgefahr die Mauern am alten Hausener Friedhof. Diese Situation hat sich über Jahre hinweg verschlechtert, obwohl der Zustand des Mauerwerks dem Magistrat bereits seit Jahren bekannt war. Vor vier Jahren hatte die Stadt bereits angekündigt, sich zeitnah um eine Sanierung kümmern zu wollen, doch diese Ankündigung blieb ohne konkrete Folgen.
Politische Initiativen und Anträge
In dieser Situation haben verschiedene politische Fraktionen im Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) Initiativen gestartet. Ein gemeinsamer Antrag von Grüne, SPD und Farbechte/Die Linke fordert, dass endlich mit der Umgestaltung des alten Hausener Friedhofs begonnen wird. In diesem Antrag wird betont, dass die Ideen der Bürgerinitiative "Workshop zuHausen" einfließen sollen. Der Antrag wurde jüngst mehrheitlich verabschiedet - neben den antragstellenden Fraktionen votierten auch FDP und die Fraktionslosen dafür, während CDU und BFF dagegen stimmten.
Die SPD-Fraktion hat sich dabei klar positioniert. Hans-Jürgen Sasse von der SPD gab zwar zu, dass ein Ortstermin mit dem Grünflächenamt sinnvoll sein könnte, betonte aber: "Aber nachdem mehrere Jahre nichts passiert ist, muss endlich etwas geschehen." Er argumentierte weiter, dass ein Ortstermin kaum neue Erkenntnisse bringen würde, sondern eher die Umgestaltung verzögern würde.
Die CDU und BFF hatten ursprünglich gebeten, den Antrag zurückzustellen, bis ein verschobener Termin mit dem Grünflächenamt stattgefunden hat. CDU-Chef Veljko Vuksanovic argumentierte: "Sonst haben wir im Vorfeld von Ortsterminen auch keine Anträge verabschiedet. Diesmal kehren wir das um und geben damit die Forderungen vor." Die CDU und BFF sorgen sich vor allem um die noch vorhandene historische Bausubstanz: Sie möchten die teilweise eingestürzte Friedhofsmauer möglichst erhalten, die seit Jahren abgesperrt sind.
Städtische Reaktion und Zeitplan
Nach jahrelangen Forderungen hat die Stadt nun reagiert. Noch im Frühjahr soll eine Planung erstellt werden, die "Abbruch und Ersatz der betroffenen Mauern" vorsehe. Diese Ankündigung löste bei CDU und BFF in der März-Sitzung erhebliche Kritik aus, da sie eine vollständige Erneuerung der historischen Mauerstruktur ablehnen.
Nach einer Debatte einigte sich der Ortsbeirat, für die April-Sitzung einen überarbeiteten Antrag vorzubereiten, in den die verschiedenen Ideen – auch von der Bürgerinitiative "Workshop zuHausen" – Eingang finden sollten. Eine Umsetzung sei laut Magistrat frühestens ab Frühjahr 2024 möglich.
Alternative Konzepte: Urban Gardening statt Mauer
Ein besonders innovativer Ansatz kommt von Farbechte/Die Linke, die in einem Antrag fordern, die Mauer nach ihrem Abbruch nicht wiederherzustellen. Stattdessen soll das Gelände beispielsweise über eine bepflanzte Rampe zu begrenzen, entlang der Mühlwiesenstraße einen Zaun zu errichten und aus dem laufenden Haushalt Mittel für Spielgeräte, Sitzmöglichkeiten und für Urban-Gardening-Projekte zu mobilisieren.
Die Fraktion begründet diesen Ansatz mit der Notwendigkeit, die Fläche als Erholungsraum, Spielfläche und Begegnungsangebot nutzbar zu machen. Diese Nutzung wurde vielfach gefordert, auch vom Ortsbeirat. Gleichzeitig werden die Sicherungszäune in der Wahrnehmung der Hausener Bevölkerung als "eine Einschränkung des öffentlichen Raums und ein Zeichen von Untätigkeit und Vernachlässigung des Stadtteils" empfunden.
Die SPD unterstützt diesen Ansatz ebenfalls und fordert in einem gemeinsamen Etatantrag mit Grünen und Farbechte/Die Linke, "ausreichend Mittel" bereitzustellen, um die Freifläche am alten Hausener Friedhof neu zu gestalten und gegebenenfalls die Sanierung der Mauer zu berücksichtigen. Sollte mehr Geld nötig sein, könne sich der Ortsbeirat daran beteiligen.
Die Situation in Söflingen (Ulm): Ein 3-Jahres-Programm für Friedhofsmauern
In Söflingen, einem Stadtteil von Ulm, stand die Sanierung der Friedhofsmauer ebenfalls auf der politischen Agenda. Der Zustand der Mauer wurde als kritisch eingestuft, was schnelles Handeln erforderte.
Politische Initiative und städtische Reaktion
In einem Schreiben vom 22. April 2012 an den SPD-Stadtrat in Ulm antwortete Oberbürgermeister Ivo Gönner auf eine Anfrage zur Sanierung der Söflinger Friedhofsmauer. Gönner bestätigte, dass schadhafte Friedhofsmauern leider nicht nur in Söflingen zu beklagen seien. Aufgrund der begrenzten Unterhaltsmittel wurde im vergangenen Jahr ein 3-Jahres-Programm zur Sanierung der Friedhofsmauern aufgestellt und entsprechende WIP-Mittel in den Planansätzen berücksichtigt.
Für die Söflinger Mauer wurde zugesichert, dass sie im laufenden Jahr repariert werden soll. Die Verwaltung war gerade dabei, entsprechende Angebote einzuholen, und mit der Erledigung der notwendigen Arbeiten war noch vor der Sommerpause zu rechnen. Diese rasche Reaktion stand im Kontrast zu den Entwicklungen in Hausen, wo ähnliche Probleme über Jahre ungelöst blieben.
Das 3-Jahres-Programm zur Sanierung von Friedhofsmauern
Oberbürgermeister Gönner erläuterte in seiner Antwort, dass die Stadt Ulm ein systematisches Programm zur Sanierung von Friedhofsmauern entwickelt hatte. Dieses Programm erstreckte sich über drei Jahre und war mit entsprechenden Mitteln im Haushalt veranschlagt. Der Ansatz zeigte eine strategische Herangehensweise an das Problem, das nicht nur auf einzelne Fälle, sondern auf die systematische Behebung von Mängeln in der gesamten Stadt abzielte.
Der Fall Söflingen zeigt, dass bei politischem Willen und klaren Ressourcenplanung auch komplizierte Sanierungsvorhaben zügig umgesetzt werden können. Im Gegensatz zu Hausen, wo jahrelange Verzögerungen den Zustand der Mauer weiter verschlechterten, konnte in Söflingen eine zeitnahe Lösung erreicht werden.
Die Situation in Pfungstadt: Vorbereitung auf den Hessentag
In Pfungstadt stand die Sanierung der Friedhofsmauer in der Klingsackerstraße ebenfalls auf der politischen Agenda. Hier spielte zusätzlich die bevorstehende Veranstaltung des Hessentages eine Rolle, die die Dringlichkeit des Vorhabens erhöhte.
Zustand der Friedhofsmauer in Pfungstadt
Die Friedhofsmauer in Pfungstadt weist eine besondere bauliche Struktur auf: Sie ist zur Hälfte verputzt und die andere Hälfte ist mit Ziegelsteinen gemauert. Besonders die verputzte Hälfte, auch seitlich des Haupteingangs, befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Dieser Zustand war nicht nur aus Sicherheitsgründen problematisch, sondern auch aus repräsentativen Gründen, da die Mauer während des Hessentages ein schlechtes Bild auf die Stadt werfen würde.
Politische Initiative zur Sanierung
Am 11. Oktober 2020 stellte die SPD-Fraktion in Pfungstadt einen Antrag, in dem sie die Stadtverordnetenversammlung beauftragte, eine Reparatur oder Erneuerung der Friedhofsmauer in der Klingsackerstraße zu prüfen. Der Antrag wurde begründet mit dem schlechten Zustand der Mauer und der bevorstehenden Großveranstaltung, die eine repräsentative Gestaltung der städtischen Infrastruktur erforderte.
Der Antrag forderte den Magistrat auf, eine Prüfung der notwendigen Maßnahmen durchzuführen und den Ausschüssen HFW (Haupt- und Finanzausschuss) und SBU (Sonderausschuss für Bau und Umwelt) entsprechend zu berichten. Damit sollte eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die notwendigen Sanierungsmaßnahmen geschaffen werden.
Dringlichkeit durch Hessentag
Der Hessentag als überregionale Veranstaltung erhöhte die Dringlichkeit des Antrags erheblich. Eine marode Friedhofsmauer hätte nicht nur ein Sicherheitsrisiko dargestellt, sondern auch das Image der Stadt beeinträchtigt. Die SPD-Fraktion erkannte diese Chance, zusätzliche politische Aufmerksamkeit für das Problem zu generieren und eine zeitnahe Lösung zu erreichen.
Im Vergleich zu den anderen Fällen zeigt der Pfungstädter Ansatz, wie die Kombination aus Sicherheitsbedenken und repräsentativen Anforderungen die Dringlichkeit von Sanierungsmaßnahmen erhöhen kann. Der Hessentag fungierte hier als Katalysator für politisches Handeln.
Vergleich der Lösungsansätze: Traditionelle Sanierung vs. städtebauliche Neukonzepte
Bei den verschiedenen Initiativen der SPD für Friedhofsmauer-Sanierungen zeigen sich unterschiedliche Lösungsansätze, die von traditionellen Sanierungskonzepten bis hin zu innovativen städtebaulichen Neukonzepten reichen.
Traditionelle Sanierung: Erhalt der historischen Substanz
In den Fällen von Hausen und Pfungstadt stand die traditionelle Sanierung der Mauern im Vordergrund. Hierbei ging es primär um die Wiederherstellung der Standsicherheit und den Erhalt der historischen Bausubstanz. Die CDU und BFF in Hausen setzten sich beispielsweise dafür ein, "die Sanierung und Teilwiederherstellung der Mauer schnellstmöglich umzusetzen und damit dem Wunsch des Ortsbeirates und der Anwohner Hausens zu entsprechen".
In Ulm (Söflingen) wurde eine ähnliche Vorgehensweise gewählt, bei der die bestehende Mauer repariert und erhalten werden sollte. Der Fokus lag hier auf der Behebung von Schäden, ohne die grundsätzliche Struktur und Gestaltung der Mauer zu verändern.
Die Vorteile dieses Ansatzes liegen im Erhalt von historischer Bausubstanz und im geringeren Eingriff in das städtebauliche Gefüge. Nachteile können jedoch höhere Kosten und längere Bauzeiten sein, insbesondere wenn es sich um denkmalgeschützte Objekte handelt.
Innovative Ansätze: Urban Gardening und neue Nutzungen
In Hausen wurde von Farbechte/Die Linke und unterstützt von der SPD ein innovativer Ansatz vorgeschlagen, der über die reine Sanierung der Mauer hinausgeht. Dieser Ansatz sieht vor, die Mauer nach ihrem Abbruch nicht wiederherzustellen, sondern stattdessen das Gelände neu zu gestalten.
Konkret sollen folgende Maßnahmen umgesetzt werden: - Eine bepflanzte Rampe als Begrenzung des Geländes - Ein Zaun entlang der Mühlwiesenstraße - Installation von Spielgeräten - Schaffung von Sitzmöglichkeiten - Umsetzung von Urban-Gardening-Projekten
Dieser Ansatz transformiert das Areal von einem durch Mauern und Zäune abgeschotteten Bereich zu einem nutzbaren öffentlichen Raum, der als Erholungsraum, Spielfläche und Begegnungsangebot dient. Gleichzeitig werden die Sicherungszäune, die in der Wahrnehmung der Bevölkerung "eine Einschränkung des öffentlichen Raums und ein Zeichen von Untätigkeit und Vernachlässigung des Stadtteils" sind, beseitigt.
Die SPD unterstützt diesen Ansatz, der in einem gemeinsamen Antrag mit Grünen und Farbechte/Die Linke "ausreichend Mittel" für die Neugestaltung der Freifläche am alten Hausener Friedhof fordert. Sollte mehr Geld nötig sein, könne sich der Ortsbeirat daran beteiligen.
Politische Debatten und Kompromisslösungen
Bei den verschiedenen Initiativen zeigen sich auch unterschiedliche politische Debatten und Lösungsansätze. In Hausen kam es zu erheblichen Debatten zwischen den Fraktionen über die richtige Vorgehensweise. Während CDU und BFF den Erhalt der historischen Substanz betonten, setzten Grüne, SPD, Farbechte/Die Linke, FDP und die Fraktionslosen auf eine Neugestaltung des gesamten Areals.
Nach einer Debatte einigte sich der Ortsbeirat, für die April-Sitzung einen überarbeiteten Antrag vorzubereiten, in den die verschiedenen Ideen – auch von der Bürgerinitiative "Workshop zuHausen" – Eingang finden sollten. Dieser Kompromiss zeigt, wie unterschiedliche politische Ansätze zu einer ausgewogenen Lösung führen können.