Kettwiger-Straße-Umbau: Konflikt zwischen Modernisierung und Baumfällungen spitzt sich zu

Einleitung

Die Sanierung der Kettwiger Straße in mehreren Städten des Ruhrgebiets hat erhebliche Kontroversen ausgelöst, insbesondere hinsichtlich der umfangreichen Baumfällungen und der damit verbundenen Verkehrsbeeinträchtigungen. Während die Städte Velbert und Heiligenhaus mit den Vorbereitungen für die umfassende Straßensanierung beginnen, wird die geplante Modernisierung zunehmend von Anwohnern kritisiert. Die Baumaßnahmen, die notwendig sind, um marode Infrastruktur zu erneuern und die Verkehrssicherheit zu verbessern, stehen im Spannungsfeld zu ökologischen Bedenken und Ästhetik. Dieser Artikel beleuchtet die geplanten Maßnahmen, die Kritik der Anwohner, die technischen Aspekte der Sanierung sowie die zukünftigen Entwicklungen entlang der Kettwiger Straße.

Umfangreiche Baumaßnahmen an der Kettwiger Straße

Die geplante Sanierung der Kettwiger Straße betrifft mehrere Städte im Ruhrgebiet und umfasst umfangreiche Baumaßnahmen. In Velbert und Heiligenhaus ist die Straße in drei Bauabschnitte unterteilt, die nacheinander saniert werden sollen. Der erste Bauabschnitt erstreckt sich von der Paracelsusstraße bis zum Anfang der Robert-Koch-Straße, der zweite bis zur Mitte der Hildegardstraße und der dritte bis zur Werdener Straße.

Die Bauarbeiten umfassen die vollständige Sanierung der Fahrbahn sowie der Rad- und Gehwege. Aufgrund der Intensität der Arbeiten ist eine Vollsperrung der jeweiligen Bauabschnitte für etwa fünf Wochen unumgänglich. Die Stadt Velbert weist darauf hin, dass diese Maßnahme notwendig ist, um eine qualitativ hochwertige und dauerhafte Sanierung zu gewährleisten. Die Umleitungen werden über die Werdener Straße, Kopernikusstraße, Jahnstraße, Heiligenhauser Straße sowie Abtskücher Straße ausgeschildert.

In Düsseldorf steht eine weitere Baumaßung an der Kettwiger Straße an, bei der ein 105 Meter langes Stück des Lastrings erneuert werden muss. Hierbei handelt es sich um die Erneuerung des Abwasserkanals, der sich mitten auf der Fahrbahn zwischen Höherweg und Erkrather Straße in Richtung Oberbilker Markt befindet. Die ursprüngliche Planung sah vor, alles bis auf drei Meter in unterirdischer Stollenbauweise umzusetzen, mit Baugruben, die im Hauptberufsverkehr morgens bis 9 Uhr und ab 15 Uhr mit Stahlplatten abgedeckt werden sollten.

Kontroverse um Baumfällungen

Die umfangreichen Baumfällungen an der Kettwiger Straße haben bei Anwohnern erhebliche Kritik ausgelöst. Jochen Horstmann, ein Anwohner der benachbarten Straße "Zum Wildenstein", beschrieb die Baumfällungen als "richtige Hau-Ruck-Aktion" und betonte, dass diese Bäume ein Teil der "grünen Lunge von Heiligenhaus" seien. Besonders der untere Bereich der Kettwiger Straße Richtung Rossdelle sei betroffen.

Mario Rieder vom städtischen Tiefbauamt verteidigte die Maßnahmen damit, dass die Anwohner über die Planung vorab informiert wurden und sich mehrheitlich für eine Variante mit mehr Parkplätzen und gleichzeitig weniger Bäumen ausgesprochen hätten. Die Baumfällungen seien jedoch nicht nur für den Straßenumbau selbst notwendig gewesen. Einige Bäume hätten direkt im Gehweg gestanden, und ein Teil des Gehölzes sei krank gewesen, was bei einer Begehung gemeinsam mit dem Stadtförster Hannes Johannsen festgestellt worden sei. Zudem könnten die tiefen Wurzeln alter Bäume die neue Straße nach der Sanierung wieder beschädigen, so Rieder. Im Verlauf der Straßensanierung könne sich herausstellen, dass bei Problemen mit dem Wurzelwerk weitere Baumfällungen nötig werden.

Als Auskunft für die 37 gefällten Bäume sollen nach der Straßenumbau 15 Bäume (ein Teil davon wahrscheinlich große Büsche) neu gepflanzt werden. Laut Rieder sollen die Wurzeln dieser Bäume in den neuen Baumscheiben genug Platz finden, ohne dass die neue Straße beschädigt wird oder Gehwege – wie bislang – nicht nutzbar sind. Für Jochen Horstmann sind diese Neupflanzungen jedoch ein "schwacher Trost", da es Jahre dauern werde, bis die Bäume hochgewachsen seien. Er kritisierte auch, warum mehr Stellflächen benötigt würden, da es kaum Probleme mit dem Parken gebe. Die Bäume hätten eine wichtige ökologische Funktion für den ganzen Stadtteil, daher hätte man nicht allein die Meinung der Anwohner der Kettwiger Straße hören, sondern das große Ganze betrachten sollen.

Verkehrsbeeinträchtigungen und Verschiebung des Baubeginns

Die Sanierungsarbeiten an der Kettwiger Straße werden erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen mit sich bringen. Ursprünglich war der Beginn der Arbeiten am zweiten Bauabschnitt für Mittwoch, 7. November geplant. Die Straßenverkehrsbehörde teilte jedoch mit, dass dieser Bauabschnitt erst am Freitag, 9. November beginnen wird. Damit verschieben sich auch die Änderungen der Sperrungen – von der Robert-Koch-Straße bis Mitte Hildegardstraße – und die Umleitungen.

Die gesamte Fahrbahn sowie der Rad- und Gehweg werden saniert, weshalb eine Vollsperrung der jeweiligen Bauabschnitte für rund fünf Wochen nicht zu vermeiden ist. Während des ersten Abschnitts wird die Buslinie OV 7 direkt zum Klinikum fahren, ohne Halt an der Paracelsusstraße. Die Buslinie 774 fährt über die Paracelsusstraße, und die OV2 ohne Einschränkungen.

Die ursprünglich für diesen Herbst geplanten Straßenbauarbeiten wurden auf das Frühjahr verschoben, nachdem die Versorgungsleitungen durch die Stadtwerke umgelegt wurden. Diese Arbeiten sind erst nach der Entfernung der Bäume aus der künftigen Leitungs-Trasse möglich. Zunächst laufen nun die Kanalarbeiten (zwischen Hausnummer 82 und 86 ist die Straße für drei Wochen gesperrt), danach werden Versorgungsleitungen gelegt.

Kosteneinsparungen durch geänderte Bauweise

In Düsseldorf wird bei der Sanierung der Kettwiger Straße eine geänderte Bauweise angewendet, die zu Kosteneinsparungen führt. Ursprünglich wollte die Stadt bis auf drei Meter alles in unterirdischer Stollenbauweise umsetzen. Die erforderlichen Baugruben sollten im Hauptberufsverkehr morgens bis 9 Uhr und dann wieder ab 15 Uhr mit Stahlplatten abgedeckt werden, damit alle Fahrspuren des vielbefahrenen Lastrings zur Verfügung stehen. In der Zwischenzeit (9-15 Uhr) sollte nur eine Spur befahrbar sein.

Jetzt wird mehr als die Hälfte (55 Meter) in offener Bauweise umgesetzt, und es soll rund um die Uhr lediglich eine Fahrspur offen bleiben – und zwar nur geradeaus die Werdener Straße hoch. Gearbeitet wird von 7 bis 20 Uhr, aber – wegen des Hotels direkt an der Baustelle – nicht nachts. Dadurch reduziert sich laut Stadtentwässerungsbetrieb die Bauzeit von elf auf vier Monate, die Baukosten sinken von 900.000 auf etwa 560.000 Euro.

Die Bauarbeiten sollen von Juni bis Oktober stattfinden, also zunächst in die Sommerferien fallen. Dennoch sind Verkehrsprobleme programmiert. Autofahrer können von der Kettwiger Straße nicht mehr abbiegen, weder nach links noch nach rechts in die Erkrather Straße. Umgeleitet werden sie entweder über Höherweg und Ronsdorfer Straße oder über die Albertstraße.

Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierung der Kettwiger Straße verursacht erhebliche Kosten, die nach dem Kommunalabgabengesetz teilweise von den Hauseigentümern mitgetragen werden müssen. Die Gesamtkosten für die Maßnahmen belaufen sich auf etwa eine Million Euro. Die Verteilung der Kosten sieht wie folgt aus: 45 Prozent für Fahrbahn und Bepflanzung, 65 Prozent für Parkstreifen und Gehwege. Diese Regelung bedeutet, dass die Anwohner direkt an den Kosten der Sanierung beteiligt sind, was zu zusätzlicher Kritik führt.

Zukünftige Entwicklungen im Bereich Kettwiger Straße

Neben den aktuellen Sanierungsarbeiten gibt es weitere Zukunftspläne für den Bereich der Kettwiger Straße. In Essen wird für den Bereich "Kettwiger Straße/ Kapuzinergasse" ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt. Das Plangebiet umfasst die Fläche des heutigen Eickhauses und Derendorfhauses, die sich zwischen der Kapuzinergasse im Norden, der Kettwiger Straße im Osten, der Lindenallee bzw. dem Willy-Brandt-Platz im Süden und der Rathenaustraße im Westen befinden.

Geplant ist ein Neubau des Eickhauses und Derendorfhauses unter Beachtung der Belange des Denkmalschutzes. Dabei sollen die historisch denkmalgeschützte Fassade und das Treppenhaus des Eickhauses erhalten werden. In unterschiedlich versetzten insgesamt elf Geschossen, zuzüglich Staffelgeschoss, soll ein erweitertes Angebot an modernen Einzelhandelsflächen sowohl weiterhin im Erdgeschoss, als auch im 1. und 2. Obergeschoss mit insgesamt circa 1.600 Quadratmetern Verkaufsfläche zur Stärkung des zentralen Versorgungsbereichs A-Zentrum neu entstehen. Auch zeitgemäße Büroflächen sollen im Zentrum der Innenstadt mit insgesamt circa 7.600 Quadratmetern im Neubau geschaffen werden.

Fazit

Die geplante Sanierung der Kettwiger Straße stellt einen wesentlichen Schritt zur Modernisierung der Infrastruktur dar, geht jedoch mit erheblichen Eingriffen in die städtische Umwelt und erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen einher. Die Kontroverse um die Baumfällungen zeigt, dass bei solchen Projekten ein sensibler Ausgleich zwischen den technischen Notwendigkeiten und den ökologischen sowie ästhetischen Belangen der Anwohner gefunden werden muss.

Die Verschiebung des Baubeginns und die geänderte Bauweise in Düsseldorf demonstrieren, dass die Planung solcher Großprojekte flexibel an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden muss. Die Kosteneinsparungen durch die offene Bauweise werden durch erhöhte Verkehrsbeeinträchtigungen erkauft, was eine Abwägung zwischen wirtschaftlichen und städtebaulichen Aspekten erfordert.

Die zukünftigen Entwicklungen im Bereich der Kettwiger Straße, wie der geplante Neubau in Essen, zeigen, dass die Straße weiterhin ein wichtiger Fokuspunkt für städtebauliche Entwicklungen im Ruhrgebiet sein wird. Die Sanierungsarbeiten bieten die Möglichkeit, nicht nur die Infrastruktur zu verbessern, sondern auch die städtebauliche Qualität und Attraktivität der gesamten Straße zu erhöhen. Die Herausforderung wird darin bestehen, die verschiedenen Interessen – von den technischen Anforderungen über die ökologischen Belange bis hin zu den Wünschen der Anwohner – bestmöglich zu integrieren.

Quellen

  1. Anwohner ärgert sich über Kahlschlag an der Kettwiger Strasse
  2. Beginn des zweiten Bauabschnitts an der Kettwiger Straße verzögert sich
  3. Kettwiger Straße muss für fünf Wochen abschnittsweise gesperrt werden
  4. Kettwiger Straße wird erneut aufgerissen
  5. Sachstand: Aktueller Stand der Ausbaupläne an der Kettwiger und Werdener Straße
  6. Stadt Essen stellt Bebauungsplan für Kettwiger Straße/ Kapuzinergasse auf

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