Einleitung
Die Generalsanierung des AQUAtherm in Straubing stellt eines der bedeutendsten Bauprojekte der Stadt im Bereich der öffentlichen Freizeitinfrastruktur dar. Nach jahrzehntelangem Betrieb seit der Eröffnung im Jahr 1971 wurde die Anlage umfassend modernisiert und erweitert, um den aktuellen Anforderungen an Energieeffizienz, Besucherkomfort und Sicherheit gerecht zu werden. Das Projekt, das mit Gesamtkosten von rund 17,3 Millionen Euro veranschlagt war, verwandelte das traditionsreiche Hallenbad in ein zeitgemäßes Allwetter-Badeparadies, das ganzjährig Attraktionen für Jung und Alt bietet. Die Sanierung umfasste nicht nur die Erneuerung technischer Anlagen und die energetische Optimierung, sondern auch die Erweiterung durch Neubauten und die architektonische Aufwertung bestehender Bereiche. Besonders hervorzuheben ist die einzigartige Stahlkonstruktion, die dem Bad eine neue ästhetische Qualität verleiht und für eine besondere Atmosphäre sorgt.
Projektübersicht und Bauphasen
Die Planungsphase für die Generalsanierung des AQUAtherm begann bereits im April 2016 und wurde im März 2019 abgeschlossen. Der eigentliche Bauprocess dauerte von März 2018 bis September 2021, bevor die Anlage am 1. Oktober 2021 offiziell wiedereröffnet werden konnte. Ein besonderes Herausforderung stellte die Durchführung der Arbeiten dar, während Teile der Anlage, insbesondere das angegliederte Freibad, die Sauna sowie die integrierte Physiotherapie, weiterhin in Betrieb blieben. Diese Vorgehensweise erforderte eine sorgfältige Planung der Bauphasen und eine enge Koordination zwischen Bauarbeiten und Betrieb.
Die Stadtwerke Straubing GmbH als Bauherr beauftragten das Architekturbüro Studio Gollwitzer Architekten GmbH mit der Planung. Für die Projektleitung und -steuerung nach AHO-Honorarordnung war die Firma pm-5 verantwortlich. Die technische Umsetzung der komplexen Dachkonstruktion oblag der Leutner + Gruber GmbH aus Straubing, während die statische Planung von Prokopetz Architekten + Ingenieure GmbH aus Rötz betreut wurde.
Die mehrfache Verschiebung der Wiedereröffnung, wie in Medienberichten berichtet wurde, verdeutlicht die Komplexität des Projekts. Dreimal musste die Stadt Straubing den Eröffnungstermin verschieben, bevor das Hallenbad schließlich die Pforten für die Badegäste öffnen konnte. Dies unterstreicht die Herausforderungen, die bei der Sanierung einer laufenden Betriebsanlage entstehen.
Architektonische Besonderheiten
Das architektonische Highlight der Generalsanierung ist zweifellos die neue Stahlkonstruktion, die sich wie ein organisches Flechtwerk durch die Schwimmhalle zieht. Diese Konstruktion, angelehnt an die Leichtigkeit des Wassers selbst, verleiht dem Raum eine besondere Eleganz und Spielerei. Das aus Rundrohren (Ro 139,7x8,0 und Ro 139,7x12,5) gefertigte Flechtwerk aus Stahl und Stahlbeton zieht sich über zahlreiche Bbereiche des Bades und schafft eine einzigartige Atmosphäre.
Die Kombination aus Stahl und Stahlbeton zeigt sich hier als Baumaterial von seiner besten Seite und sorgt im Zusammenspiel mit dem einfallenden Licht sowie der Innenbeleuchtung für eine besondere Raumwirkung. Das Beleuchtungssystem, das in die elegante-verspielte Stahlkonstruktion integriert ist, ermöglicht verschiedenste Lichtstimmungen, die je nach Tageszeit und gewünschter Atmosphäre angepasst werden können. Ob im Schwimmerbecken, im Bistro, in der neuen Wasserspiellandschaft oder in der kostenlosen Dampfsauna – überall findet diese Lichtkonzepte ihre Anwendung.
Besonders hervorzuheben ist auch die einzigartige Dachkonstruktion, die bei der Sanierung des Hallenbads erstellt wurde. Das gesamte Dach musste in kleinteiliger Handarbeit gefertigt werden, wobei alle Teile gekrümmt mit Innen- oder Außenschwung, bombiert (also wölbend verformt) waren und trotzdem wie eine einzige Dachfläche anmuten sollten. Herausfordernd war dabei insbesondere die Aufteilung des Dachs in unzählige, nur 0,8 Quadratmeter kleine Trapezflächen mit Holzschalung. Die Dämmung musste passgenau zugeschnitten, eingepasst und mechanisch befestigt werden.
Noch komplexer gestaltete sich die Verlegung der Kunststoffabdichtungsbahnen auf dem bis zu 85 Grad steil geneigten Dach des Rutschenturms. Um die konische Fläche formen zu können, wurden die Dachbahnen in rautenförmige Teile zerschnitten, die alle eine andere Form und Fläche hatten. Diese Teile wurden nummeriert und in einer bestimmten Reihenfolge verarbeitet – eine Präzisionsarbeit, die hohe handwerkliche Fähigkeiten erforderte.
Technische Modernisierung
Ein zentraler Aspekt der Generalsanierung war die umfassende Erneuerung der technischen Anlagen entsprechend den neuesten Technologien und den anerkannten Regeln der Technik. Die energetische Sanierung der technischen Anlagen war ein Kernziel des Projekts, um die Betriebskosten langfristig zu senken und die Umweltbelastung zu reduzieren. Die genauen Kosten für die Technikkosten werden in den Quellen nur teilweise genannt, machen aber einen erheblichen Teil der Gesamtinvestition aus.
Besonders hervorzuheben ist die Wasseraufbereitung im AQUAtherm. Die meisten Becken sind mit Thermal- und Mineralwasser aus der staatlich anerkannten Heilquelle Sorviodurum gefüllt, das besondere Eigenschaften für das Badeerlebnis bietet. Zusätzlich kommt ein fortschrittliches Ozon-Wasseraufbereitungssystem zum Einsatz, das eine hygienisch einwandfreie Wasserqualität gewährleistet und gleichzeitig den Chemikalieneinsatz reduziert.
Die Beleuchtungstechnik wurde vollständig erneuert und integriert sich nahtlos in die architektonische Gestaltung. Das neue Beleuchtungssystem ermöglicht verschiedene Lichtstimmungen, die je nach Tageszeit und Nutzungsbereich angepasst werden können. Diese flexible Lichtgestaltung trägt erheblich zur Atmosphäre im Bad bei und schafft unterschiedliche Ambiente-Eindrücke.
Erweiterungen und Neubauten
Die Generalsanierung umfasste nicht nur die Sanierung bestehender Anlagenteile, sondern auch bedeutende Erweiterungen und Neubauten. Ein zentrales Element ist der neue Rutschenturm, der sowohl im Sommer als auch im Winter betrieben werden kann. Die Rutsche ist wärmegedämmt ausgeführt und hat eine Länge von etwa 100 Metern (Familienrutsche) bzw. 60 Metern (Turborutsche). Der Rutschenturm trägt das etwa 500 Quadratmeter große Dach der Erweiterung und stellt architektonisch wie funktional ein Highlight dar.
Ein weiterer bedeutender Neubau ist der westliche Badehallenanbau, der unter anderem ein 30 Quadratmeter großes Kinderplanschbecken, einen Bademeisterstand, einen Kinderbereich und einen Liegebereich sowie einen Erste-Hilfe-Raum umfasst. Diese Erweiterung schafft zusätzliche Flächen für Familien mit Kindern und verbessert die Raumsituation im Hallenbad erheblich.
Die Sanierung der Umkleiden, Duschen und WCs war ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Hierbei wurde der Abbruchbestand entfernt und neu aufgebaut, unter anderem mit neuen Fußböden, Wänden, einer verbesserten Lüftung und einer Brandschutzertüchtigung. Es wurden neue Garderobenkästchen installiert: 450 Stück für den Schwimmbereich und 120 Stück für die Saunabereiche.
Ein weiteres Highlight ist die erweiterte kostenlose Dampfsauna, die den Entspannungsbereich des Bades deutlich aufwertet. Auch das Bistro wurde im Rahmen der Sanierung modernisiert und erweitert, um den gastronomischen Service für die Badegäste zu verbessern.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Generalsanierung des AQUAtherm stellte alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Eine besondere Schwierigkeit war die Durchführung der Arbeiten während des laufenden Betriebs, da das angegliederte Freibad, die Sauna sowie die integrierte Physiotherapie weiterhin in Betrieb bleiben mussten. Dies erforderte eine sorgfältige Planung der Bauphasen und eine enge Koordination zwischen Bauarbeiten und Betrieb, um die Beeinträchtigungen für die Besucher so gering wie möglich zu halten.
Die komplexe Dachkonstruktion stellte handwerkliche und technische Herausforderungen dar. Die Verlegung der Kunststoffabdichtungsbahnen auf dem bis zu 85 Grad steil geneigten Dach des Rutschenturms war ungewöhnlich und entsprechend anspruchsvoll. Die Dachbahnen mussten in rautenförmige Teile zerschnitten werden, die alle eine andere Form und Fläche hatten, nummeriert und in einer bestimmten Reihenfolge verarbeitet werden.
Auch die Integration der neuen Stahlkonstruktion in die bestehende Bausubstanz erforderte präzise Planung und Ausführung. Das Flechtwerk aus Stahl und Stahlbeton musste so konstruiert werden, dass es sich harmonisch in den vorhandenen Raum einfügt und gleichzeitig die nötige Stabilität für die verschiedenen Bereiche gewährleistet.
Wirtschaftliche und soziale Bedeutung
Die Generalsanierung des AQUAtherm mit Gesamtkosten von rund 17,3 Millionen Euro stellt eine erhebliche Investition für die Stadt Straubing und die Region dar. Diese Investition rechtfertigt sich jedoch durch die langfristigen Nutzen: Die energetische Sanierung führt zu deutlich reduzierten Betriebskosten, die Modernisierung der technischen Anlagen erhöht die Betriebssicherheit und die Attraktivitätssteigerung des Bades zieht mehr Besucher an.
Sozial betrachtet schafft das modernisierte AQUAtherm ein attraktives Freizeitangebot für die Bevölkerung von Straubing und der umliegenden Region. Die Anlage bietet nunmehr vielfältige Möglichkeiten für Sport, Spiel und Entspannung für alle Altersgruppen und Interessen. Die Nutzung von Thermal- und Mineralwasser aus der lokalen Heilquelle Sorviodurum kommt zudem dem Gesundheitsgedanken zugute.
Touristisch gesehen trägt das modernisierte Bad zur Attraktivität der Gäubodenstadt bei und kann als Standortfaktor für die Region gewertet werden. Die einzigartige Architektur und die vielfältigen Attraktionen machen das AQUAtherm zu einem Besuchermagneten, der nicht nur die lokale Bevölkerung, sondern auch Touristen anzieht.
Fazit
Die Generalsanierung des AQUAtherm in Straubing ist gelungenes Beispiel für die Transformation einer älteren Sport- und Freizeitanlage in eine moderne, energieeffiziente und architektonisch ansprechende Einrichtung. Die Kombination aus Sanierung bestehender Anlagenteile und strategischer Erweiterungen hat zu einer deutlichen Aufwertung des Angebots geführt. Besonders hervorzuheben sind die einzigartige Stahlkonstruktion, die dem Bad eine besondere Ästhetik verleiht, sowie die sorgfältige Planung und Durchführung der Arbeiten während des laufenden Betriebs.
Das Projekt zeigt, dass auch anspruchsvolle Sanierungsvorhaben bei guter Planung und Zusammenarbeit aller Beteiligten erfolgreich umgesetzt werden können. Das AQUAtherm dient nun als ganzjährig nutzbares Badeparadies, das den Anforderungen moderner Freizeitanlagen gerecht wird und den Bürgern von Straubing sowie der Region eine hochwertige Infrastruktur für Sport, Erholung und Gesundheitsförderung bietet.
Quellen
- Generalsanierung Aquatherm Straubing - Objektplanungsleistungen Gebäude
- Generalsanierung und Modernisierung des Hallenbads Aquatherm Straubing
- DLUBAL Kundenprojekt Aquatherm Straubing
- Aussergewöhnliche Formen abgedichtet - Flachdach Aquatherm Straubing
- Nach dreieinhalb Jahren Hallenbad Aquatherm Straubing öffnet endlich
- Aquatherm Straubing - Offizielle Seite der Stadt Straubing
- Referenz Aquatherm Straubing - Möller Meyer