Sanierung und Zukunft des Aqua Toll in Schortens: Energieeffizienz und strukturelle Erneuerung

Einmal mehr steht eine kommunale Badeanlage vor einer grundlegenden Erneuerung. Das Freizeitbad Aqua Toll in Schortens, für die Region unverzichtbar, insbesondere für die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen, steht vor einer kostspieligen Sanierung. Die Anlage, die in ihrem Erlebnisbereich bereits vorübergehend geschlossen werden musste, benötigt nicht nur strukturelle Reparaturen, sondern auch eine umfassende energetische Modernisierung. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen, geplanten Maßnahmen und Finanzierungsmöglichkeiten für die Wiederbelebung des Aqua Toll zu einer zukunftsfähigen Anlage.

Strukturelle Probleme und Sanierungsbedarf

Das Aqua Toll in Schortens, das vor 20 Jahren um einen Erlebnisbereich erweitert wurde, weist erhebliche strukturelle Mängel auf, die zu einer vorsichtigen Schließung des Erlebnisbereichs im April führten. Fachleute dreier Ingenieurbüros haben im Rahmen von Gutachten nicht nur die Schäden an den tragenden Leimbindern der Dachkonstruktion erläutert, sondern das gesamte Bad von der Kellerdecke bis zum Dach, von der Elektrik und Bädertechnik über die Fenster und Fassade bis hin zur Heizung und Wärmedämmung unter die Lupe genommen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen legten einen umfassenden Maßnahmenkatalog nahe, der dringend notwendige Sanierungsarbeiten identifizierte. Besbesondere besorgniserregend erwiesen sich die Leimholzbinder, die als tragende Elemente der Dachkonstruktion eine zentrale Rolle für die Statik des Gebäudes spielen. Die Sanierung dieser kritischen Bauteile allein wird voraussichtlich 88.000 Euro kosten, was nur ein Teil der notwendigen Investitionen darstellt.

Für den ersten Bauabschnitt bezifferten die Ingenieurbüros die Gesamtkosten auf rund 825.000 Euro. Davon entfallen fast 440.000 Euro allein auf die Lüftungstechnik, was die Bedeutung einer modernen und energieeffizienten Belüftung für die Gesamtanlage unterstreicht. Die hohen Kosten für die Lüftungstechnik verdeutlichen, dass hier ein zentraler Ansatzpunkt für die Modernisierung des Bades liegt.

Um die Leimholzbinder sanieren zu können, ist ein bestimmter Trocknungsgrad erforderlich. Um diesen Prozess zu beschleunigen, sollen voraussichtlich in Kürze Trennwände zwischen Sportbad und Freizeitbad eingezogen werden. Diese Maßnahme ist notwendig, um die notwendigen klimatischen Bedingungen für die Sanierung der tragenden Elemente zu schaffen. Die Einrichtung dieser Trennwände stellt einen ersten Schritt in der geplanten Sanierungssequenz dar und ermöglicht die gezielte Bearbeitung der kritischsten Bauteile.

Die Stadt Schortens hat bereits frühzeitig reagiert und die Entscheidung für eine umfassende Sanierung getroffen. Diese Entscheidung, wie der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies betonte, sei "absolut richtig" und für die ganze Region von großer Bedeutung. Das Aqua Toll dient nicht nur der Freizeitgestaltung, sondern erfüllt auch eine wichtige öffentliche Aufgabe als Standort für die Schwimmausbildung von Schulkindern, Vereinsmitgliedern und Bürgern.

Energetische Sanierung und Biogas-Energiezentrale

Ein zentraler Aspekt der geplanten Sanierung ist die drastische Reduzierung des Energiebedarfs des Schwimmbads. Schwimmbäder weisen bekanntermaßen einen erheblichen Energieaufwand auf, der sowohl für die Beheizung des Wassers als auch für die Aufrechterhaltung der Raumtemperaturen notwendig ist. Um diesen Energieverbrauch signifikant zu senken, sieht der Plan eine umfassende energetische Sanierung vor.

Im Rahmen dieser Sanierung sollen Außenwände, Decken, Baukonstruktion, Lüftungsanlage und Gebäudeautomation einbezogen werden. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Wärmedämmung des Gebäudes zu verbessern und den Energieverbrauch nachhaltig zu reduzieren. Besonders bemerkenswert ist jedoch die geplante Errichtung einer Biogas-Energiezentrale, die das Schwimmbad zukünftig mit Wärme versorgen soll.

Die Energiezentrale wird mit getrocknetem Laub befeuert und soll nicht nur das Schwimmbad, sondern auch die nahegelegene Grundschule mit Wärme versorgen. Diese innovative Lösung nutzt nachwachsende Rohstoffe und stellt eine nachhaltige Energieversorgung sicher. Gleichzeitig trägt die Kombination aus energetischer Sanierung und moderner Energieerzeugung dazu bei, die Treibhausgasemissionen des Schwimmbads signifikant zu senken.

Das Land Niedersachsen unterstützt diese zukunftsweisende Energielösung mit einem Förderbescheid über 1.000.000 Euro, der aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) stammt. Diese Förderung ermöglicht die Realisierung der Biogas-Energiezentrale sowie die grundlegende energetische Sanierung des Schwimmbads. Minister Lies betonte bei der Übergabe des Förderbescheids: "Umso erfreulicher ist es, dass sich die Stadt Schortens entschlossen hat, das neue Aqua Toll mit Biogas aus einer hochmodernen Energiezentrale zu beheizen."

Die Kombination aus Bausanierung und moderner Energieerzeugung stellt einen wegweisenden Ansatz dar, wie öffentliche Badeanlagen zukunftsfähig gestaltet werden können. Durch die Reduzierung des Energiebedarfs und die Nutzung erneuerbarer Energien wird nicht nur die Betriebseffizienz gesteigert, sondern auch die Umweltbelastung minimiert.

Finanzierung der Sanierung

Die Sanierung des Aqua Toll ist ein kostspieliges Unterfangen, das eine erhebliche finanzielle Belastung für die Stadt Schortens darstellen würde. Um diese Investition zu erleichtern, haben verschiedene Institutionen Finanzierungsmodelle vorgeschlagen, die eine Realisierung des Projekts ermöglichen sollen.

Das Land Niedersachsen hat bereits einen ersten wichtigen Beitrag mit einem Förderbescheid über 1.000.000 Euro geleistet. Diese Förderung, die aus EFRE-Mitteln stammt, konzentriert sich auf den Neubau der Biogas-Energiezentrale und die grundlegende energetische Sanierung des Schwimmbads. Damit wird ein wesentlicher Teil der für die Energieeffizienz notwendigen Maßnahmen finanziert.

Zusätzlich dazu schlägt der Landkreis Friesland ein umfassendes Finanzierungspaket vor, das aus drei Elementen besteht. Der Kreisverwaltung zufolge sollen 250.000 Euro als Zuschuss aus der Tourismusförderung bereitgestellt werden. Darüber hinaus sollen 750.000 Euro als zinsloser Kredit der Kreisschulbaukasse gewährt werden. Diese Finanzierungsform bietet für die Stadt Schortens erhebliche Vorteile, da der zinslose Kredit über die gesamte Laufzeit zu einer Ersparnis von mehreren hunderttausend Euro führt.

Zudem schlägt der Landkreis vor, die jährlichen Beiträge als Eintrittsgeld für die Schülerinnen und Schüler auf 72.000 Euro aufzustocken. Diese Erhöhung trägt dazu bei, die Betriebskosten des Bades zu decken, die insbesondere durch den Schulschwimmbetrieb entstehen. Der Landkreis betont jedoch, dass eine jährliche Beteiligung an den Betriebskosten aus Gründen der Gleichbehandlung aller Kommunen grundsätzlich nicht möglich sei. Stattdessen fördert der Kreis wie hier vorgeschlagen Investitionen in die Infrastruktur, nicht aber Betriebskosten städtischer und gemeindlicher Einrichtungen.

Um die Lasten noch besser zu verteilen, regt der Landkreis zudem interkommunale Zusammenarbeit der Stadt Schortens mit ihren Nachbarn an. Eine solche Kooperation könnte die Finanzierung des Bades auf mehrere Schultern verteilen und die Belastung für die einzelne Gemeinde reduzieren. Gleichzeitig schlägt der Landkreis vor, die Höhe der Gesamtinvestition für das Aqua Toll zu überprüfen sowie einen Blick auf die künftigen Benutzungsgebühren und -zeiten zu werfen, um den öffentlichen Zuschussbedarf grundsätzlich zu reduzieren.

Die Vorschläge der Kreisverwaltung werden von den politischen Gremien beraten. Die erste Beratung fand am 15. Januar im Kreisausschuss statt, bevor der Kreistag am 20. März 2014 eine abschließende Entscheidung treffen sollte. Dieser Zeitplan zeigt, wie dringlich die Sanierung des Bades ist und wie intensiv die politischen Gremien mit dem Thema beschäftigt sind.

Zukunftsplanung und politische Entscheidungen

Die Sanierung des Aqua Toll ist nicht nur eine technische und finanzielle Herausforderung, sondern auch ein politisches Vorhaben, das sorgfältige Abwägungen erfordert. Nach der Präsentation der Gutachten durch die Ingenieurbüros und den ersten Finanzierungszusagen stehen nun politische Entscheidungen an, die den zukünftigen Weg des Bades bestimmen werden.

Eine wichtige Entwicklung ist die Absicht, Teile des vorhandenen Umbau- und Sanierungsplanes zu verändern. Wie Udo Borkenstein, Sprecher der Ratsgruppe SPD-FDP, berichtet, geht es dabei nicht um ein kleineres Bad, sondern darum, preiswertere Alternativen im Gesamtplan zu entdecken. Die Gruppe will möglicherweise Teile des bisherigen Planes ändern, um die Kosten für die Sanierung zu senken, ohne die grundlegende Funktionalität und Bedeutung der Anlage in Frage zu stellen.

Diese Überarbeitung des Plans zeigt, dass die Verantwortlichen sensibel auf die finanziellen Herausforderungen reagieren und nach kosteneffizienten Lösungen suchen. Gleichzeitig wird betont, dass das Ziel eine vollwertige Sanierung des Bades ist, die seine zentrale Rolle für die Region sicherstellt.

Die politische Beratung der Vorschläge verläuft parallel zu den technischen Planungen. Der Kreisaussuss hat bereits am 15. Januar 2014 über die Finanzierungsvorschläge beraten, bevor der Kreistag am 20. März 2014 eine endgültige Entscheidung treffen sollte. Dieser Zeitplan unterstreicht die Dringlichkeit des Projekts und den politischen Willen, eine zügige Realisierung zu ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der zukünftigen Planung ist die interkommunale Zusammenarbeit, die der Landkreis Friesland vorschlägt. Solche Kooperationen könnten nicht nur die Finanzierung erleichtern, sondern auch die Nutzung des Bades optimieren und die Betriebskosten senken. Die genaue Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit ist jedoch noch offen und wird in den weiteren politischen Beratungen erörtert werden.

Zudem wird erwartet, dass nach der Sanierung eine Überarbeitung der Benutzungsgebühren und -zeiten erfolgen könnte. Der Landkreis schlägt vor, diesen Aspekt zu prüfen, um den öffentlichen Zuschussbedarf zu reduzieren. Solche Maßnahmen sind jedoch sensibel, da sie die Zugänglichkeit des Bades für verschiedene Nutzergruppen beeinflussen können.

Bedeutung für die Region

Das Aqua Toll in Schortens ist weit mehr als nur ein Freizeitbad. Es erfüllt eine Vielzahl von Funktionen, die für die Region von zentraler Bedeutung sind. Die Anlage wird intensiv für die Schwimmausbildung von Schülerinnen und Schülern genutzt und stellt damit einen unverzichtbaren Teil der Bildungsinfrastruktur dar. Viele der kreiseigenen Schulen nutzen das Bad für den Schulschwimmunterricht, was die zentrale Bedeutung für die Bildung der Kinder und Jugendlichen unterstreicht.

Neben dieser schulischen Nutzung dient das Aqua Toll auch den Vereinen und der breiten Öffentlichkeit als wichtiger Standort für Sport und Freizeit. Die Schließung des Erlebnisbereichs hat bereits spürbare Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung der Bürger gezeigt, was die hohe Akzeptanz und Wertschätzung der Anlage in der Bevölkerung belegt.

Die geplante Sanierung und Modernisierung des Bades ist daher nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern auch eine Investition in die Lebensqualität der Region. Durch die Sanierung der strukturellen Mängel und die Modernisierung der Technik wird sichergestellt, dass das Aqua Toll auch in Zukunft seinen Aufgaben nachkommen kann.

Besonders hervorzuheben ist die innovative Energiekonzept mit der Biogas-Energiezentrale. Dieses Projekt stellt einen wegweisenden Ansatz dar, wie öffentliche Einrichtungen nachhaltig gestaltet werden können. Durch die Nutzung von getrocknetem Laub als Brennstoff und die Koppelung mit der Wärmeversorgung der Grundschule wird nicht nur der Energieverbrauch des Bades reduziert, sondern auch eine regionale Energieversorgung geschaffen.

Die Bedeutung des Projekts wird auch von der Politik klar erkannt. Wie Minister Lies betonte, ist der Umbau des Aqua Toll "für die ganze Region von großer Bedeutung". Die Unterstützung durch das Land und den Landkreis zeigt, dass das Projekt als prioritäre Maßnahme für die regionale Infrastruktur betrachtet wird.

Fazit

Die Sanierung des Aqua Toll in Schortens ist ein komplexes und kostspieliges Vorhaben, das strukturelle, energetische und finanzielle Herausforderungen bewältigen muss. Die Identifizierung von Schäden an den tragenden Leimbindern und der umfassende Sanierungsbedarf unterstreichen die Dringlichkeit der Maßnahmen. Gleichzeitig bietet die Sanierung die Chance, das Bad zu einer modernen, energieeffizienten und zukunftsfähigen Anlage zu entwickeln.

Die geplante Biogas-Energiezentrale stellt einen innovativen Ansatz dar, den Energieverbrauch signifikant zu reduzieren und gleichzeitig eine nachhaltige Energieversorgung sicherzustellen. Die Kombination aus energetischer Sanierung und moderner Energieerzeugung macht das Aqua Toll zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltige Badeanlagen.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch eine Kombination aus Landesförderung, Landkreiszuschuss und zinslosem Kredit, die eine Realisierung ermöglichen. Die politische Unterstützung auf verschiedenen Ebenen zeigt die hohe Priorität, die das Projekt für die Region hat. Gleichzeitig werden Wege gesucht, die Kosten weiter zu optimieren, ohne die grundlegende Qualität und Funktionalität der Anlage zu beeinträchtigen.

Für die Region Schortens ist die Sanierung des Aqua Toll eine wichtige Investition in die Zukunft. Sie sichert nicht nur die Schwimmausbildung für kommende Generationen, sondern schafft auch eine moderne Infrastruktur für Sport und Freizeit. Durch die nachhaltige Energienutzung trägt das Projekt zudem zum Umweltschutz bei und setzt ein Zeichen für zukunftsweisendes kommunales Handeln.

Die bevorstehenden politischen Entscheidungen werden darüber entscheiden, wie schnell und in welchem Umfang die Sanierungsarbeiten umgesetzt werden können. Unabhängig von den Details des Endplans steht jedoch fest, dass das Aqua Toll nach der Sanierung eine wichtige Rolle in der Infrastruktur der Region spielen wird – als Ausbildungsstätte für Schwimmen, als Sportstätte für Vereine und als Treffpunkt für die Bürger.

Quellen

  1. Minister Lies übergibt Förderbescheid über 1.000.000 Euro für das Aqua Toll in Schortens
  2. Schortens - Freizeitbad Aqua Toll - ein kostspieliger Sanierungsfall
  3. Aqua Toll: Kreis will mehr als eine Million bereitstellen
  4. Schortens - Aqua Toll Umbau Plan noch mal genau untersuchen
  5. Neubau und Sanierung Hallenbad Aqua Toll in Schortens

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