Das Ende einer Ära: Von der Aquafit-Sanierung zum neuen Sportzentrum in Oberkochen

Einleitung

Das Freizeitbad "aquafit" in Oberkochen beschäftigte den Gemeinderat und die Öffentlichkeit seit sieben Jahren. Die Frage nach der Zukunft des Bades – ob es geschlossen, saniert oder neu gebaut werden sollte – war Gegenstand intensiver Diskussionen. Nach einer langen Phase der Abwägung und mehreren Planungsänderungen hat sich die Stadt für den Neubau eines modernen Sportzentrums entschieden. Dieser Artikel beleuchtet den Prozess der Entscheidung für ein neues Bad statt einer Sanierung des alten aquafit, die technischen Herausforderungen, die finanziellen Aspekte und die Rolle der Öffentlichkeit in diesem bedeutenden Bauvorhaben.

Geschichte und Bedeutung des aquafit

Das Freizeitbad "aquafit" in Oberkochen ist seit mehr als sechs Jahrzehnten ein zentraler Ort für die Freizeitgestaltung der Bevölkerung. Eröffnet wurde das Bad 1962 als erstes Hallenbad im damaligen Landkreis Aalen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte es sich zu einem wichtigen kulturellen und sozialen Treffpunkt für die Region.

Das aquafit diente nicht nur der reinen Erholung, sondern hatte auch eine bedeutende Funktion für den Schulsport und den Vereinssport. Der Schwimmverein Oberkochen nutzte die Anlage intensiv, um unzählige Kinder in Schwimmkursen das Schwimmen zu lehren. Für ambitionierte Schwimmer boten Bad und Verein ein vielfältiges Angebot rund um den Schwimmsport – von Aquafitness über Wettkampfschwimmen bis zum Tauchsport.

Neben dem Sportbetrieb war das aquafit auch Veranstaltungsort für zahlreiche Sommeraktionen und Schülerschwimmfeste, die regelmäßig stattfanden. Für Familien mit Kindern Singles und kleine Gruppen war das Bad ein beliebter Treffpunkt, der einen überschaubaren aber gemütlichen Rahmen bot.

Technische Herausforderungen und strukturelle Probleme

Die Geschichte des aquafit ist auch eine Geschichte anhaltender technischer Herausforderungen. Die Bausubstanz des in den frühen 1960er Jahren errichteten Bades erwies sich im Laufe der Zeit als zunehmend problematisch.

Ein wesentlicher Mangel war der Brandschutz. Im Jahr 2014 musste das Bad kurzfristig geschlossen werden, weil es den Brandschutzanforderungen nicht mehr genügte. Die Stadt investierte daraufhin 1,5 Millionen Euro in die veraltete Bädertechnik, insbesondere in die Lüftungs- und Brandschutzanlagen. Wie Bürgermeister Peter Traub betonte, konnte damit jedoch das Grundproblem nicht behoben werden.

Die technischen Anlagen des Bades waren nicht nur veraltet, sondern auch wartungsintensiv. Die Sanierung der Schwimmbereiche war bereits 1999 erfolgt, doch die Kerntechnik blieb die ursprüngliche aus den 1960er Jahren. Diese Kombination aus veralteter Technik und notwendiger, aber teurer Nachrüstung führte zu einer zunehmenden Belastung des städtischen Haushalts.

Neben dem aquafit stand auch das historische Bergheim in Oberkochen vor bautechnischen Herausforderungen. Dieses 1937 errichtete Gebäude hatte eine wechselvolle Geschichte – von der Nutzung durch die Hitlerjugend über die Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen bis hin zu Nutzung als Progymnasium und Sonnenbergschule. Auch hier zeigte sich bei Untersuchungen, dass eine Sanierung zu aufwendig wäre. Die Verwaltung empfahl daraufhin den Abriss des Bergheims.

Finanzielle Aspekte und Kostenkalkulationen

Die finanziellen Überlegungen spielten eine zentrale Rolle bei der Entscheidung über die Zukunft des aquafit. Die Stadt Oberkochen mit ihren rund 8.000 Einwohnern stand vor erheblichen Investitionsentscheidungen, die den städtischen Haushalt stark belasten würden.

Die erste umfassende Kostenschätzung für eine Sanierung des aquafit aus dem Jahr 2013 belief sich auf bis zu 17,7 Millionen Euro netto. Zwei Jahre später wurden Sanierungskosten von 7,1 Millionen Euro genannt, während auch von Gesamtkosten von 40 Millionen Euro für eine umfassende Sanierung die Rede war. Diese Zahlen verdeutlichen die erhebliche finanzielle Belastung, die eine Sanierung für die Kleinstadt bedeutet hätte.

Die laufenden Betriebskosten des aquafit betrugen 938.000 Euro pro Jahr, während die jährlichen Einnahmen nur durchschnittlich 155.000 Euro betrugen. Diese Diskrepanz führte zu der Überlegung, das Bad zu schließen und stattdessen eine Gymnastikhalle zu errichten. Diese Alternative hätte Investitionskosten von 3,7 Millionen Euro und jährliche Betriebskosten von etwa 530.600 Euro bedeutet – eine signifikante finanzielle Entlastung für die Stadt.

Bürgermeister Peter Traub betonte jedoch, dass eine Sanierung des Freizeitbads erhebliche Auswirkungen auf den städtischen Haushalt und die Investitionsplanung gehabt hätte. Gleichzeitig wäre der Verwaltungshaushalt weiter belastet worden, was den finanziellen Spielraum der Stadt trotz guter Steuereinnahmen weiter eingeengt hätte. Dies hätte wahrscheinlich zur Folge gehabt, dass die bestehenden Rücklagen aufgebraucht und auf Dauer mehr Geld verbraucht als eingenommen worden wäre.

Standortprobleme und geologische Untersuchungen

Neben den technischen und finanziellen Herausforderungen standen die Stadt Oberkochen und der Gemeinderat vor der Frage nach dem geeigneten Standort für ein neues oder saniertes Schwimmbad.

Nach anfänglichen Überlegungen sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich für den Standort "Schwörz" aus, an dem neben dem Hallenbad auch eine Sporthalle entstehen sollte. Dieser Standort erwies sich jedoch als problematisch. Geologische Untersuchungen zeigten, dass nicht auszuschließen war, dass ein Bad mit entsprechender Gründung die angrenzende Trinkwasserfassung der Stadt Aalen gefährdet hätte.

Diese Erkenntnis führte zu einem langen Hin und Her zwischen den Städten Aalen und Oberkochen, die schließlich ein hydrogeologisches Gutachten in Auftrag gaben. Dieses Gutachten war letztendlich entscheidend für die weitere Planung und führte dazu, dass die ursprünglichen Pläne für den Standort "Schwörz" verworfen werden mussten.

Die Entscheidung für den Neubau

Nach jahrelangen Diskussionen und verschiedenen Planungsvarianten traf der Gemeinderat von Oberkochen im Jahr 2018 eine grundlegende Entscheidung: Man gab das Vorhaben einer Sanierung des aquafit auf und beschloss stattdessen den Bau eines neuen Sportzentrums. Diese Entscheidung fiel nicht leicht, wie Bürgermeister Peter Traub betonte, da es sich um das mit 38 Millionen Euro teuerste Investitionsvorhaben in der Geschichte Oberkochens handelte.

Das neue Sportzentrum, das aus dem Kocherbad (Hallenbad) und der Kocherhalle (Dreifelder-Sporthalle) besteht, wurde konzipiert, um Synergien in Bau, Ausstattung und Betrieb zu schaffen. Die Anlagen wurden nicht nur in einem Gebäude zusammengefasst, sondern nutzen auch Teile gemeinsam. So ermöglicht das weitläufige Foyer sowohl den Zugang zum Bad als auch zur Sporthalle.

Der Bau des neuen Sportzentrums begann im April 2021. Nach rund fünf Jahren der Planung und Bauzeit wurde das neue Sportzentrum am 16. März eröffnet, ab dem 19. März konnten sowohl das Bad als auch die Sporthalle genutzt werden. Die Einweihung durch die Stadt Oberkochen erfolgte im Januar.

Öffentlichkeitsbeteiligung und Bürgerbefragung

Die Frage nach der Zukunft des aquafit beschäftigte nicht nur den Gemeinderat und die Verwaltung, sondern auch die Öffentlichkeit. Bereits vor der Gemeinderatssitzung, bei der über die Zukunft des Bades entschieden wurde, versammelten sich zahlreiche Bürger und Mitglieder des Schwimmvereins Oberkochen mit Plakaten vor dem Rathaus und sangen "aquafit muss bleiben".

Bürgermeister Peter Traub betonte in diesem Zusammenhang: "Ich bin mir sicher, dass wir heute eine gute Lösung finden." Für ihn kam eine Schließung des Bades von Anfang an nicht in Frage.

Es gab auch Überlegungen, eine Bürgerbefragung zur Zukunft des aquafit durchzuführen. Diese sollte ursprünglich von Oktober bis zum 7. November stattfinden und nicht als Online-Umfrage, sondern als schriftliche Befragung auf kopiergeschütztem Papier durchgeführt werden, um Manipulationen vorzubeugen. Die Auszählung und Auswertung der Fragebögen sollte öffentlich erfolgen.

Bürgermeister Traub betonte, dass die geplante Bürgerbefragung ein Novum in Oberkochen sei. Allerdings wurde die Befragung vorerst abgesagt, wie in einem späteren Bericht erwähnt wurde. Richard Burger (SPD) sprach sich gegen eine Bürgerbefragung aus, da sie seiner Ansicht nach nur bei einer kontroversen Diskussion und wenn der Wunsch von unten käme sinnvoll wäre. Im vorliegenden Fall sei sie jedoch von oben aufgesetzt worden. Außerdem komme es darauf an, wie man frage, müsse sich ein Gremium erst wochenlang mit der Fragestellung beschäftigen. Schließlich sei der Gemeinderat gewählt, um solche Fragen zu entscheiden.

Fazit

Die Entscheidung für den Neubau des Sportzentrums anstelle einer Sanierung des aquafit war das Ergebnis eines langen und komplexen Prozesses, der technische, finanzielle und standortbezogene Überlegungen umfasste. Das seit über 60 Jahren bestehende Freizeitbad war nicht nur ein wichtiges sportliches und soziales Zentrum für Oberkochen und die Region, sondern auch ein Stück lokaler Geschichte.

Die Entscheidung für den Neubau mit einem Investitionsvolumen von 38 Millionen Euro spiegelt den Willen der Stadt wider, eine moderne und zukunftsfähige Sportinfrastruktur zu schaffen. Gleichzeitig zeigt der Prozess die Herausforderungen auf, mit denen kleine Städten bei der Bewältigung großer Bauprojekte konfrontiert sind – von der Finanzierung über technische Fragen bis zur Einbindung der Öffentlichkeit.

Mit dem neuen Kocherbad und der Kocherhalle hat Oberkochen nun eine Sportanlage, die nicht nur den aktuellen Anforderungen genügt, sondern auch Synergien in Betrieb und Nutzung ermöglicht. Damit endet eine Äre für das alte aquafit, aber beginnt eine neue für den Schwimmsport und die sportliche Betätigung in der Stadt.

Quellen

  1. Schwäbische: Das Freizeitbad "aquafit" soll bleiben
  2. Schwäbische Post: "Bergheim" in Oberkochen wird abgerissen – neue Wohn- und Bürogebäude
  3. Staatsanzeiger: Hallenbad mit Sporthalle und Klettergarten
  4. Schwäbische Post: Oberkochen: Adieu aquafit, hallo neues Kocherbad
  5. Schwäbische Post: Aquafit: Bürger sind gefragt
  6. Schwäbische: Aquafit: Bürgerbefragung ist vorerst wieder abgesagt

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