Einleitung
Bamberg mit seinem Weltkulturerbe-Status bietet ein einzigartiges architektonisches Erbe, das sowohl Herausforderungen als auch besondere Chancen für Architekten und Bauherren darstellt. Die Stadt beherbergt zahlreiche spezialisierte Architekturbüros, die sich auf die Sanierung und den Umbau historischer Bauten konzentrieren. Diese Experten kombinieren traditionelles Wissen mit modernen Techniken, um die Erhaltung des kulturellen Erbes mit zeitgemäßen Anforderungen an Wohnkomfort und Energieeffizienz zu verbinden. Der vorliegende Artikel beleuchtet die vielfältigen Ansätze und Projekte der Architektur- und Sanierungsspezialisten in Bamberg.
Spezialisierte Architekturbüros in Bamberg
Die Architekturszene in Bamberg zeichnet sich durch spezialisierte Büros aus, die sich auf die besonderen Anforderungen an die Sanierung historischer Bauten konzentrieren. Einige dieser Büros wurden bereits in den späten 1990er Jahren gegründet und haben seither umfangreiche Erfahrung in der Bewältigung komplexer Sanierungsaufgaben gesammelt.
Das Architekturbüro Zachert wurde im Jahr 1999 gegründet und hat sich seitdem auf alle Leistungsphasen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) spezialisiert. Die Gründerin des Büros absolvierte ihr Architekturstudium an der FH Coburg mit einer Diplomarbeit im Fachbereich Altbausanierung, was die fachliche Ausrichtung des Büros von Beginn an prägte. Die Klientel umfasst private Bauherren, Immobilienverwaltungen sowie Praxen und Firmen.
Ein weiteres spezialisiertes Büro ist Geller · Bornschlögl, das 2008 in Bamberg gegründet wurde. Heute besteht das Team aus zwei Architekten, einer Innenarchitektin sowie zwei freien Mitarbeitern. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt klar bei der denkmalgeschützten, historischen Bausubstanz. Das Büro begleitet seine Objekte von der ersten Bestandsaufnahme über die Erarbeitung maßgeschneiderter Sanierungskonzepte bis hin zur baulichen Fertigstellung.
Architekturbüros wie das von Matthias Jacob in Bamberg bieten zielgerichtete Planung, Steuerung und Bauleitung nach dem Katalog der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Besonderen Wert legen sie auf natürliche Baustoffe und ökologisches Bauen als Grundvoraussetzung ihrer Arbeit. Neben der allgemeinen Architekturplanung umfasst das Dienstleistungsangebot auch denkmalpflegerische Maßnahmen mit Kontaktaufnahme zu möglichen Fördergebern.
Diese spezialisierten Büros verstehen die besondere Verantwortung, die mit der Arbeit an historischen Bauten verbunden ist, und verfügen über das spezifische Wissen, um die Balance zwischen Erhalt und Modernisierung zu finden.
Dienstleistungen und Methoden der Altbausanierung
Die Sanierung historischer Gebäude erfordert spezielle Kenntnisse und Methoden, die über die konventionelle Bauplanung hinausgehen. Die Architekturbüros in Bamberg haben sich ein breites Spektrum an Dienstleistungen erarbeitet, um den besonderen Anforderungen an die Denkmalpflege gerecht zu werden.
Die Grundlage jeder Sanierungsmaßnahme ist eine präzise Bestandsaufnahme. Moderne Büros wie Geller · Bornschlögl setzen hierfür verschiedene Messmethoden ein, um eine genaue Erfassung des Bauzustands zu gewährleisten. Dazu gehören verformungsgerechte, tachymetrische und photogrammetrische Aufmaße, die erste präzise Informationen liefern. Im Bedarfsfall werden diese modernen Messmethoden des Structure from Motion (SFM) oder 3D-Laser-Scannings ergänzt. Diese Techniken ermöglichen eine detaillierte Erfassung even komplexer Gebäudegeometrien und helfen, verborgene Schäden zu identifizieren.
Darüber hinaus bieten die Architekturbüros folgende spezialisierte Dienstleistungen an:
- Konstruktive Bauforschung und Erstellung von Baualtersplänen
- Raumbucherstellung für die Dokumentation des Bestands
- Restauratorische Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Fachrestauratoren
- Schadenskartierungen zur systematischen Erfassung von Bauschäden
- Entwicklung maßgeschneiderter Sanierungskonzepte
- Erstellung von Fördermittelanträchen
- Entwurfs- und Ausführungsplanung
- Ausschreibung und Vergabe von Bauleistungen
- Bauleitung und Objektüberwachung
Ein besonderes Augenmerk wird auf die denkmalgerechte Umsetzung der Sanierung gelegt, wobei gleichzeitig Funktionalität und gestalterische Qualität des Gebäubes gewährleistet werden müssen. Die Architekten arbeiten in einem partnerschaftlichen Dialog mit Bauherren, Fachingenieuren und Handwerkern, um Lösungen im Detail zu entwickeln, die sowohl den denkmalpflegerischen Anforderungen als auch den praktischen Bedürfnissen der Nutzer entsprechen.
Besonders bei historischen Gebäuden, die oft Überraschungen bergen, ist genaue Kenntnis wichtig, um Kosten- und Zeitrahmen einzuhalten. Die Architekten in Bamberg haben sich daher auf die intensive Untersuchung der Bausubstanz spezialisiert, um fundierte Entscheidungen für die Sanierung treffen zu können.
Bedeutende Sanierungsprojekte in Bamberg
Die Architekturbüros in Bamberg haben eine Reihe von bemerkenswerten Sanierungsprojekten realisiert, die die Vielfalt der historischen Bauten und die Expertise der lokalen Architekten zeigen.
Ein herausragendes Beispiel ist die Sanierung des Anwesens Obere Mühlbrücke 6 in Bamberg, ein Einzeldenmal, das umfassend saniert und umgebaut wurde. Das Projekt umfasste den Einbau von Dachgauben und den Anbau eines Stegs zum Wasser. Der Baubeginn erfolgte im Herbst 2019 und zeigt die komplexen Anforderungen an die Sanierung von Objekten in zentraler Lage mit besonderem Denkmalschutzstatus.
Ebenso bedeutend ist die Sanierung des Hauses zur "Goldenen Wappe" am Oberer Stephansberg 1, für die das Architekturbüro Zachert im Jahr 2019 den Förderpreis der Weltkulturerbe-Stiftung erhielt. Die Sanierung umfasste die Fassade, die Remisen (Nebengebäude), die Gartenanlage mit Stützmauern, den Innenhof, Durchgänge und Treppenhäuser. Das Projekt wurde in den Jahren 2018 bis 2019 realisiert und zeigt den umfassenden Ansatz, der bei der Sanierung von Einzeldenkmalen erforderlich ist.
Ein weiteres Projekt des Büros Zachert ist die Sanierung eines Anwesens im Ensembleschutz in einem Berggebiet von Bamberg. Hier wurden ein Dachanbau abgerissen und neu errichtet, ein Anbau mit einer Terrasse im Untergeschoss mit Unterkellerung neu errichtet sowie Gauben installiert. Die Fertigstellung dieser Maßnahme erfolgte im Jahr 2013.
Die Luitpoldschule in Bamberg stellt ein besonderes Sanierungsprojekt dar. Es handelt sich um ein zwei-, an der Hauptfront dreigeschossiges, zum größten Teil unterkellertes Gebäude mit weitestgehend nicht ausgebautem Dachgeschoss. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde in den Jahren 1899 bis 1901 vom damaligen Stadtbaurat und Architekten Hans Jakob Erlwein als Reformschule im Jugendstil geplant. Die während des laufenden Schulbetriebs durchzuführenden Sanierungsarbeiten begannen im Frühjahr 2021, die Fertigstellung ist bis Herbst 2023 vorgesehen. Die Planungsaufgabe umfasst alle Architektenleistungen LP 1-9 HOAI.
Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist die Modernisierung eines Mehrfamilienhauses am St.-Wolfgang-Platz 1 in Bamberg. Das 3-, an der südlichen Hofseite 4-geschossige, voll unterkellerte Gebäude wurde 1960 vom ehemaligen Stadtbaumeister Hans Rothenburger in Massivbauweise errichtet und beinhaltete ursprünglich im Erdgeschoss eine Post- sowie eine Sparkassenzweigstelle. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurde die Umnutzung der früheren Gewerbeeinheiten zu Wohnungen geplant. Die Sanierungsarbeiten wurden im Herbst 2021 begonnen, die Fertigstellung erfolgte im Frühjahr 2023.
Die Sanierung eines Bauernhauses (Wohnstallhaus) bei Bamberg zeigt einen anderen Ansatz der Altbausanierung. Das alte Bauernhaus in ruhiger und abgelegener Lage wurde mit viel Engagement und Eigenleistung der Bauherren umfassend saniert und umgebaut. Der Altbau wurde entkernt, der Dachstuhl komplett erneuert und mit Dachgauben versehen. Die Fassade mit ihren Sandsteinelementen wurde restauriert und neue Holzfenster eingesetzt. Neben der energetischen Sanierung wurde auch die Haustechnik erneuert. Besonderer Wert wurde auf die konsequente Verwendung von natürlichen und ökologischen Baustoffen gelegt.
Nachhaltige und energieeffiziente Sanierungskonzepte
Die Architekturbüros in Bamberg legen zunehmend Wert auf nachhaltige und energieeffiziente Sanierungskonzepte, die den Erhalt historischer Bausubstanz mit modernen Anforderungen an Energieeffizienz verbinden.
Ein zentraler Baustein dabei ist die weitestgehende Nutzung des Bestandes mit seiner "grauen Energie" – der in der bereits vorhandenen Bausubstanz gespeicherten Energie, die durch Erhaltung anstatt durch Neubau genutzt werden kann. Dieser Ansatz reduziert den ökologischen Fußabdruck erheblich und ist besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden die einzige Option.
Bei der energetischen Ertüchtigung der Gebäudehüllen setzen die Architekten auf durchdachte Lösungen, die das historische Erscheinungsbild nicht beeinträchtigen. Dies kann beispielsweise durch innenseitige Vormauerung mit Zwischenraumdämmung oder die Verwendung spezieller Dämmstoffe wie Zellulosedämmung bei Dachsanierungen geschehen.
Ein Beispiel für innovative Energielösungen ist das Vereinsgebäude des WSV Neptun in Bamberg. Hier wurde ein besonders innovatives energetisches Konzept realisiert, das durch die Kombination aus PV-Technik, Wärmepumpen sowie Wärmetauschern eine nahezu CO2-neutrale Lösung zur Brauchwassererwärmung der gesamten Schwimmbeckenanlagen erreicht.
Auch bei der Generalsanierung des ETA-Hoffmann-Museums in Bamberg, das 1762 erbaut wurde und unter Denkmalschutz steht, wird besonderer Wert auf ein nachhaltiges Energetisches Konzept gelegt. Die Planung der Maßnahme wurde Anfang 2023 seitens der Stadtbau Bamberg GmbH begonnen, nach deren Abschluss der Genehmigungsplanung LP 4 wurde das Architekturbüro mit den Leistungsphasen 5-9 HOAI beauftragt. Baubeginn ist für Herbst 2023 geplant, Fertigstellung der Maßnahme für Herbst 2024.
Bei der Sanierung von Gebäuden des ehemaligen Bundessortenamtes Bamberg wird ebenfalls besonderer Wert auf ein nachhaltiges Energetisches Konzept gelegt. Die Gebäude des früheren Bundessortenamtes Im Sendelbach 15 wurden nach Schließung der Bundeseigenen Einrichtung durch die Stadt Bamberg erworben. In dem, mehrere Gebäude umfassenden Gebäudekomplex sollen Räumlichkeiten der Bamberger Service Betriebe (BSB), insbesondere Verwaltungs- und Sozialräume des Garten- und Friedhofamtes eingerichtet werden.
Denkmalschutz und Erhaltung des kulturellen Erbes
Die besondere Stellung Bambergs als Weltkulturerbe macht die Arbeit der Architekten in der Stadt besonders anspruchsvoll. Die Erhaltung des kulturellen Erbes geht Hand in Hand mit der Notwendigkeit, Gebäude für die heutige Nutzung zu adaptieren.
Die Architekturbüros in Bamberg haben sich auf die denkmalgerechte Sanierung historischer Bauten spezialisiert und verstehen die Balance zwischen Erhalt und Modernisierung. Dies erfordert nicht nur technisches Wissen, sondern auch ein tiefes Verständnis für historische Baumethoden und Materialien.
Bei der Sanierung von Einzeldenkmalen wie dem Haus zur "Goldenen Wappe" am Oberer Stephansberg 1 oder dem Anwesen Obere Mühlbrücke 6 kommen spezielle Restaurierungstechniken zum Einsatz, die den ursprünglichen Charakter der Bauten bewahren. Dies kann die Restaurierung von Sandsteinelementen, die Konservierung historischer Fenster oder die fachgerechte Instandsetzung von Fassaden umfassen.
Ein wichtiges Element der Denkmalpflege ist auch die Einholung von Fördermitteln. Die Architekturbüros in Bamberg haben umfangreiche Erfahrung in der Erstellung von Fördermittelanträchen und der Koordination mit den zuständigen Denkmalbehörden. Dies zeigt sich auch in den Auszeichnungen, die einige Projekte erhalten haben, wie der Förderpreis der Weltkulturerbe-Stiftung für die Sanierung des "Haus zur goldenen Wappe" Oberer Stephansberg 1.
Die Zusammenarbeit mit Restauratoren ist ein weiterer wichtiger Aspekt der denkmalgerechten Sanierung. Architekturbüros wie Geller · Bornschlögl arbeiten eng mit Restauratoren wie Ingrid Winklmann M.A. zusammen, um sicherzustellen, dass alle Maßnahmen den denkmalpflegerischen Anforderungen entsprechen.
Moderne Lösungen für historische Gebäude
Die Architekten in Bamberg zeigen, dass historische Gebäude nicht nur museale Relikte sein müssen, sondern auch moderne Funktionen erfüllen können. Durch innovative Planungsansätze werden historische Bauten für zeitgemäße Nutzungen adaptiert.
Ein Beispiel hierfür ist die Umnutzung des ehemaligen Bundessortenamtes Bamberg. Nach Schließung der Bundeseigenen Einrichtung durch die Stadt Bamberg werden in den mehreren Gebäuden nun Räumlichkeiten der Bamberger Service Betriebe (BSB), insbesondere Verwaltungs- und Sozialräume des Garten- und Friedhofamtes, eingerichtet. Dies zeigt die erfolgreiche Adaption historischer Bauten für moderne Verwaltungsfunktionen.
Auch die Modernisierung des Mehrfamilienhauses am St.-Wolfgang-Platz 1 in Bamberg zeigt diesen Ansatz. Das Gebäude, das ursprünglich im Erdgeschoss eine Post- sowie eine Sparkassenzweigstelle beherbergte, wurde so saniert, dass die früheren Gewerbeeinheiten zu Wohnungen umgenutzt werden konnten.
Bei der Sanierung des Bauernhauses bei Bamberg wurde besonderer Wert auf die Verbindung von historischer Bausubstanz mit modernem Komfort gelegt. Neben der energetischen Sanierung und der Erneuerung der Haustechnik wurde auch die Wohnqualität durch den Einbau neuer Fenster und die Sanierung der Böden verbessert.
Ein weiteres Beispiel für moderne Lösungen in historischer Umgebung ist der Neubau der Freien Waldorfschule in Haßfurt. Der Neubau fügt sich in das Ensemble aus bestehenden Altbauten zwischen der Anliegerstraße Am Ziegelbrunn und dem Hafenbecken ein. Die Errichtung des 3-geschossigen Gebäudes erfolgt in Massivbauweise, die Fassade wird überwiegend in Holzkonstruktion ausgeführt, die flachgeneigten Satteldächer sind als Gründächer konzipiert. Die Bauarbeiten wurden im Herbst 2020 begonnen, der Bezug des Schulgebäudes erfolgte im Februar 2023.
Fazit
Die Architektur- und Sanierungsszene in Bamberg zeichnet sich durch eine hohe Spezialisierung auf historische Bauten und Denkmalpflege aus. Die lokalen Architekturbüros haben sich ein breites Spektrum an Kenntnissen und Methoden erarbeitet, um die besonderen Anforderungen an die Sanierung von Weltkulturerbe-Bauten zu erfüllen.
Von der präzisen Bestandsaufnahme mit modernen Messtechniken über die Entwicklung maßgeschneiderter Sanierungskonzepte bis hin zur baubegleitenden Überwachung – die Dienstleistungen der Architekten in Bamberg sind umfassend und auf die besonderen Herausforderungen historischer Bauten zugeschnitten.
Die gezeigten Projekte verdeutlichen, dass die Erhaltung historischer Bausubstanz nicht nur einen kulturellen Wert hat, sondern auch ökologisch sinnvoll ist. Durch die Nutzung des Bestandes und die Verbindung mit nachhaltigen Energielösungen leisten die Architekten in Bamberg einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Die Auszeichnungen, die einige Projekte erhalten haben, unterstreichen die hohe Qualität der Arbeit der Architekten in Bamberg. Der Förderpreis der Weltkulturerbe-Stiftung für die Sanierung des "Haus zur goldenen Wappe" oder der Förderpreisverleihung der Kulturstiftung Unterfranken für das Alte Brauhaus Köslau sind Beispiele für die Anerkennung der geleisteten Arbeit.
Die Architekten in Bamberg zeigen damit, dass historische Bauten nicht nur erhalten, sondern auch für die Zukunft nutzbar gemacht werden können – mit Respekt vor der Vergangenheit und Verantwortung für die Zukunft.