Einleitung
Die Generalsanierung der Jean-Paul-Schule in Wunsiedel stellt ein herausragendes Beispiel für die gelungene Balance zwischen historischem Erbe und moderner Funktionalität im Bereich der Schulbauarchitektur dar. Der Komplex, bestehend aus Grund- und Mittelschule, Dreifachturnhalle und Hallenbad, durchlief einen langen Sanierungsprozess, der vom 21.02.2008 bis zum 22.10.2021 andauerte. Besonders bemerkenswert ist die architektonische Herausforderung, die unterschiedlichen Baukörper aus verschiedenen Epochen – vom Altbau aus dem Jahr 1929 über die 1967 fertiggestellte Mittelschule bis zur 1974 eröffneten Grundschule – in einem stimmigen Gesamtkonzept zu erhalten und gleichzeitig energetisch zu modernisieren. Dieser Artikel beleuchtet die Planungsansätze, technischen Lösungen und architektonischen Entscheidungen, die zum Erfolg dieses anspruchsvollen Projekts beigetragen haben.
Historischer Kontext und Baubeschreibung
Die Jean-Paul-Schule in Wunsiedel ist architektonisch bemerkenswert, da sie verschiedene Epochen der deutschen Baugeschichte in einem einzigen Komplex vereint. Der 1929 eingeweihte Altbau präsentiert sich als "sehr originelle Mischung aus Klassizismus und Expressionismus, aus Heimat- und Jugendstil mit ebenso wunderschönen wie hochwertigen Details". Interessanterweise steht dieser bemerkenswerte Bau nicht unter Denkmalschutz.
Die 1974 eröffnete Grundschule beeindruckt durch ihre räumliche Großzügigkeit und spannende räumliche Situationen. Besonders hervorzuheben ist ihre dreieinhalb Geschosse hohe Aula, die auch "Dom" genannt wird. Die zeitgleich entstandene Turnhalle zeichnet sich durch ein ansehnliches Mero-Raumfachwerk aus, während die Decke der Schwimmhalle mit wellenförmigen Betonelementen gestaltet ist.
Im Vergleich dazu fällt die 1967 fertiggestellte Mittelschule architektonisch etwas ab. Bis auf ein sehr zeittypisches Sgraffito des Wunsiedler Künstlers Günter Rossow an der Fassade zur Egerstraße kann diese Schule architektonisch wenig Besonderheiten aufweisen. Diese Unterschiede in den Baukörpern stellten die Planer vor die Herausforderung, eine Einheitlichkeit zu schaffen, ohne die individuellen Charakteristika der verschiedenen Epochen zu verwischen.
Planungsprozess und Entscheidung für die Sanierung
Die Entscheidung zur Generalsanierung des gesamten Gebäudekomplexes wurde am 21.02.2008 durch den Stadtrat der Stadt Wunsiedel getroffen. Zu diesem Zeitpunkt zeigten sich die energetischen und sicherheitstechnischen Probleme der Jean-Paul-Schule deutlich: "Die kaum gedämmten Betonfertigteil-Fassaden von Grund- und Mittelschule erwiesen sich als Energiefresser, das räumliche Gefüge entsprach schon lange nicht mehr den brandschutz-technischen Anforderungen."
Eine besondere Herausforderung stellten die demographischen Prognosen dar, die einen drastischen Bevölkerungsrückgang voraussagten. Dies führte zu einem Ringen, ob die Schule im bisherigen Umfang saniert oder sie sich flächenmäßig besser – dem verringerten Bedarf entsprechend – verkleinern sollte. Karl-Willi Beck, der damalige Bürgermeister Wunsiedels, setzte sich jedoch für eine umfassende Sanierung ein, da er eine gut funktionierende und differenzierte Bildungslandschaft für seine zahlreichen Initiativen benötigte, die für den Wiederaufschwung der Kommune sorgen sollten.
Ein entscheidender Meilenstein war am 27. Juni 2013 erreicht, als Beck verkünden konnte: "Das ist ein ganz wichtiger Tag für Wunsiedel." An diesem Tag wurde der feierliche Auftakt zur Generalsanierung der Jean-Paul-Schule vor zahlreichen Gästen begangen. Beck hatte es zudem geschafft, bei der Staatsregierung einen Zuschuss zu den Baumaßnahmen von 90 Prozent zu erringen, was die Finanzierbarkeit des Projekts entscheidend ermöglichte.
Die Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft aus Dömges Architekten und Büro Kuchenreuther, die mit der Planung und Bauleitung dieser Sanierung beauftragt wurde, war nicht einfach. Einerseits ging es um den Erhalt vorhandener Qualitäten und damit der Unverwechselbarkeit der Schule, andererseits um eine dringend notwendige Modernisierung aller Gebäudeteile – bei einem eher schmalen Budget der Kommune.
Technische Lösungsansätze und Materialien
Die Planer verfolgten einen differenzierten Ansatz, der sowohl die energetische Modernisierung als auch den Erhalt der architektonischen Qualitäten zum Ziel hatte. Ein zentrales Element war die Fassadensanierung aller Baukörper. Grund- und Mittelschule erhielten neue Fassaden aus Faserzementplatten in verschiedenen Gelb- bzw. Blautönen, kombiniert mit einer 25 Zentimeter starken Mineralwolldämmung.
Besonders sensibel wurde mit dem Sgraffito an der Fassade der Mittelschule umgegangen. Hier wurde die Fläche des Sgraffitos bei der Fassadensanierung ausgespart. Die Wand, auf die es aufgetragen wurde, erhielt eine Innendämmung, um das Kunstwerk zu erhalten. Der Altbau wurde ebenfalls gedämmt, und zwar mit 20 Zentimetern Mineralwolle – allerdings nicht hinter der Eternitverkleidung, sondern hinter Putz.
Ein weiteres wichtiges Element des Sanierungskonzepts war die Integration erneuerbarer Energien. Die Brüstungen auf der Südseite der Turnhalle und der Grundschule sowie das Dach erhielten Photovoltaik-Elemente. Mit dieser Maßnahme leistet die Schule einen Beitrag zur "autarken Energieversorgung mit erneuerbaren Energien", die bereits zum "sprichwörtlich gewordenen Wunsiedler Weg" gehört.
Die Modernisierung umfasste auch die technische Infrastruktur der Schule. So wurden digitale Tafeln in den Klassenzimmern installiert, die den Schülern eine moderne Ausbildung ermöglichen. Berichten zufolge haben diese digitalen Tafeln die Schüler bereits so weit vorbereitet, dass mit zusätzlich angemieteten Tablets der Distanzunterricht während der Corona-Pandemie ohne größere Probleme ablaufen konnte.
Umsetzung und Zeitlicher Ablauf
Die Generalsanierung der Jean-Paul-Schule war ein langwieriger Prozess, der sich über 13 Jahre erstreckte. Vom 21.02.2008, als der Stadtrat die Sanierung des Gesamtgebäudekomplexes beschloss, bis zur kompletten Fertigstellung am 22.10.2021 war es ein langer Weg.
Ein besonders wichtiger Aspekt des Projekts war der Erhalt der Lehrschwimmhalle, die von der städtischen Grund- und Mittelschule, den weiterführenden staatlichen Schulen (Wirtschaftsschule, Realschule, Gymnasium) sowie von Vereinen genutzt wird. Der Fortbestand dieser Halle war lange Zeit unklar, konnte jedoch letztendlich mit Hilfe staatlicher Förderung gesichert werden.
Ein Teilprojekt der Gesamtmaßnahme war die Garten- und Landschaftsbauarbeiten, die am 10.06.2020 vergeben wurden. Der Auftrag ging an Karl Roth Baumeister in Wunsiedel mit einer Auftragssumme von 66.577,25 EUR. Das Verfahren wurde als offenes Verfahren (VOB/A) durchgeführt, bei dem zwei Angebote eingereicht wurden. Die Ausführungsphase dauerte vom 13.07.2020 bis zum 04.09.2020.
Die Arbeiten umfassten auch die Installation der Elektroanlagen, Fernmelde- und informationstechnischen Anlagen sowie Fördertechnik im Rahmen der Sanierung.
Außenanlagen und Infrastruktur
Mit dem dritten Bauabschnitt der Freianlagen zur Jean-Paul-Schule schloss die Gesamtmaßnahme "Generalsanierung der Jean-Paul-Schule, Grund- und Mittelschule mit Dreifachturnhalle und Lehrschwimmhalle" ab. Bei strahlendem Sonnenschein konnte Erster Bürgermeister Nicolas Lahovnik die Gäste zur Einweihung des Lehrschwimmbeckens sowie des letzten Abschnitts der Außenlagen der Jean-Paul-Schule im Pausenhof der Wunsiedler Mittelschule begrüßen.
Die neuen Freianlagen umfassten: - Die endgültige Haupterschließung der Dreifachturnhalle über die Schulstraße - Ein Allwetterplatz für die Schulen - Ein Minibasketballfeld - 22 PKW-Stellplätze auf dem Schulgelände
Zusätzlich wurde eine neue Ein- und Zufahrt über die Schulstraße eingerichtet. Im Pausenhof der Mittelschule wurden beispielsweise ein Street-Basketballfeld und ein Allwetterplatz geschaffen. Die Mensa, im Untergeschoss des Altbaus, hat eine Versorgungszufahrt sowie eine Rettungszufahrt erhalten.
Herausforderungen und Besonderheiten
Die Sanierung der Jean-Paul-Schule stellte die Planer vor mehrere besondere Herausforderungen. Eine zentrale Frage war, ob nicht ein Abriss und Neubau günstiger wäre als eine Generalsanierung. Die Architekten entschieden sich jedoch für den Erhalt des Bestands und entwickelten ein Konzept, das aus dem "oder" ein "und" machte, aus dem Gegensatz ein Miteinander.
Die Farbwahl der Fassadenverkleidung, die zunächst für Irritationen gesorgt hatte, macht den Wert von Bildung auch im öffentlichen Straßenraum deutlich. Die unterschiedlichen Farben für Grundschule (Gelbtöne) und Mittelschule (Blautöne) unterstreichen die Eigenständigkeit der einzelnen Baukörper, während gleichzeitig eine Einheitlichkeit des Gesamtkomplexes geschaffen wird.
Besonders sensibel mussten mit den historischen Elementen umgegangen werden. Während beim Altbau die Entscheidung für eine Außendämmung hinter der bestehenden Verkleidung getroffen wurde, musste beim Sgraffito eine Innendämmung gewählt werden, um das Kunstwerk zu erhalten. Diese differenzierte Vorgehensweise zeigt die hohe Qualität der Planung, die den Charakter der einzelnen Baukörper respektierte, während gleichzeitig die energetischen Anforderungen erfüllt wurden.
Fazit
Die Generalsanierung der Jean-Paul-Schule in Wunsiedel ist ein gelungenes Beispiel für die Balance zwischen historischem Erbe und moderner Funktionalität. Die Arbeitsgemeinschaft aus Dömges Architekten und Büro Kuchenreuther hat es geschafft, die vorhandenen Qualitäten der einzelnen Bauvolumina zu stärken und die nötigen Anpassungen an Gegenwart und Zukunft sensibel zu leisten.
Das Projekt zeigt, dass eine Generalsanierung auch bei komplexen Gebäudeensembles aus verschiedenen Epochen eine sinnvolle Alternative zum Abriss und Neubau sein kann. Die gelungene Kombination aus energetischer Modernisierung, Erhalt historischer Elemente und Integration erneuerbarer Energien macht die Jean-Paul-Schule zu einem Vorbild für zukünftige Sanierungsprojekte.
Besonders bemerkenswert ist der langfristige Ansatz des Projekts, das nicht nur aktuelle Anforderungen erfüllt, sondern auch zukünftige Herausforderungen wie die Digitalisierung im Bildungsbereich berücksichtigt. Die Installation digitaler Tafeln und die Schaffung der technischen Infrastruktur für Distanzunterricht während der Corona-Pandemie zeigen die Weitsicht der Planer.
Die Jean-Paul-Schule in Wunsiedel ist somit nicht nur ein saniertes Schulgebäude, sondern ein lebendiges Beispiel für gelungene Stadtentwicklung und den Umgang mit historischer Bausubstanz im 21. Jahrhundert.
Quellen
- Generalsanierung der Jean-Paul-Schule, Grund- und Mittelschule mit Dreifachturnhalle und Hallenbad in Wunsiedel
- Jean-Paul-Schule Wunsiedel - Kuchenreuther Architekten
- Generalsanierung der Jean-Paul-Schule in Wunsiedel abgeschlossen
- Sanierung der Kellergassen - Stadt Wunsiedel
- Jean-Paul-Schule Wunsiedel - Dömges Architekten
- Jean-Paul-Schule Wunsiedel - ZD Plan
- Sanierung Jean-Paul-Schule in Wunsiedel - Bauindex Online