Einleitung
Die Gemeinde Gerbrunn hat sich für eine außergewöhnliche Lösung bei der Sanierung ihres Rathauses entschieden: Statt einer herkömmlichen energetischen Sanierung wird der rechte Anbau des Rathauses abgerissen und als Neubau errichtet. Dieser Beschluss folgt einer umfassenden Prüfung durch die Gemeinde und das mit den Planungen beauftragte Gerbrunner Architekturbüro Mauermann, die zu dem Ergebnis kamen, dass eine Sanierung des betreffenden Gebäudeteils unwirtschaftlich wäre im Vergleich zu einem Ersatzneubau. Dieser Artikel beleuchtet die architektonischen Aspekte dieses bemerkenswerten Projekts im Kontext der umfassenden Ortskernsanierung Gerbrunns.
Entscheidung für den Ersatzneubau
Die Entscheidung für den Abriss und Neubau des Rathausanbaus in Gerbrunn basiert auf einer fundierten Wirtschaftlichkeitsanalyse. Wie in der Gemeinderatssitzung vorgestellt, haben die Gemeinde und das beauftragte Architekturbüro Mauermann nachgewiesen, dass eine reine Sanierung des Gebäudeteils nicht wirtschaftlich zu vertreten wäre. Stattdessen wurde ein Antrag im Rahmen des kommunalen Investitionsprogrammes für einen Ersatzneubau gestellt.
Diese Entscheidung stellt einen interessanten architektonischen Ansatz dar, der nicht nur energetische, sondern auch städtebauliche Aspekte berücksichtigt. Die Präsentation der möglichen Gestaltung durch Beatrix Mauermann im Bau- und Umweltausschuss zeigt, dass bei diesem Projekt besonderes Augenmerk auf die architektonische Qualität und Integration in die bestehende Umgebung gelegt wird. Die Architekten müssen dabei sowohl die historische Bausubstanz des Hauptgebäudes als auch die topographische Besonderheit des Ortes berücksichtigen.
Kontext: Die Ortskernsanierung Gerbrunns
Das Rathausprojekt ist eingebettet in eine umfassende Sanierung der Ortsmitte Gerbrunns, die seit 2016 läuft und laut Planung bis ins Jahr 2026 andauern wird. Diese大规模的Städtebaumaßnahme wird von der Städtebauförderung der Regierung von Unterfranken fachlich und finanziell unterstützt.
Die Sanierung begann 2016 mit dem Bau von Stellplätzen im Schulweg und an der Alten Schule, wurde 2017 am Kirchplatz fortgesetzt und erreichte 2019 mit der Sanierung des Rathausplatzes und der Randersackerer Straße den Abschluss im eigentlichen Altort. Im vergangenen Jahr wurden die Straßenbauarbeiten in der Gieshügeler Straße begonnen, die bis Ende 2021 den Rathausplatz erreichen sollten.
Bürgermeister Stefan Wolfshörndl betont, dass "mehrere Millionen Euro seit 2016 in die Infrastruktur der Gemeinde" fließen. Die Baumaßnahmen, so der Bürgermeister weiter, "sind mit vielen Einschränkungen, Lärm und Dreck verbunden. Deshalb danken wir gerade den unmittelbar betroffenen Anwohnern für ihr Verständnis und ihre Kooperation."
Die Rahmenplanung der Gemeinde geht bis ins Jahr 2026 und umfasst abschließend auch einige weitere Straßenbereiche im Altort. Parallel soll eine Nachnutzung für den ehemaligen Gemeindebauhof sowie die Scheune an der Gieshügeler Straße gefunden werden.
Städtebauliche Vision für Gerbrunn
Die Sanierungsmaßnahmen in Gerbrunn basieren auf einer klar städtebaulichen Vision, die 2013 mit dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) verabschiedet wurde. Dieses Konzept zielt darauf ab, das Ortsinnere als gestaltete Mitte wiederzugewinnen, wobei "Mitte nicht nur räumlich verstanden wird, sondern auch sinnstiftende Aspekte aufweist".
Die topographische Lage Gerbrunns entlang der Talstraße mit Bebauung an den flankierenden Hängen hat eine besondere Baustruktur mit Mauern, Treppen und Hangarchitektur geschaffen. Diese Qualitäten seien jedoch in den letzten Jahrzehnten durch unsachgemäße Sanierungen verloren gegangen, und die Aufenthaltsqualität wurde insbesondere durch die überrepräsentierte Bedeutung des automobilen Verkehrs gemindert.
Die Verbesserungsvorschläge zielen darauf ab, tradierte Themen der historischen Kulturlandschaft wie Weinbau, Kulinarik und Sakrallandschaft wieder aufzunehmen und in zeitgemäße Interpretation zu überführen. Einzelne Orte werden diesen Themen zugeordnet: die Sakrallandschaft unterhalb der Kirche an der Schulstraße, die Kulinarlandschaft am Rathausplatz und der Weinbau am Feuerwehrplatz.
Die Weitung und Öffnung mit Platzräumen entlang der Hauptstraße wird dabei aufgegriffen und sinnvoll weiterentwickelt. Diese städtebauliche Vision bildet den Rahmen für auch die architektonische Neugestaltung des Rathauses und seines Anbaus.
Der 7. Bauabschnitt: Rathausplatz bis Mühlweg
Für das Jahr 2026 ist der 7. Bauabschnitt der Ortskernsanierung geplant, der direkt an das Rathaus anschließt. In diesem Abschnitt werden von Rathausplatz bis zur Einmündung Mühlweg und St. Nepomuk Straße für 1,7 Millionen Euro zuzüglich der Aufwendungen für Wasser und Kanal die Straße, Gehwege und Randbereiche erneuert.
Die Gemeinde möchte in diesem Bereich auch weitere kleine Grüninseln schaffen, wie es bereits in vorhergegangenen Bauabschnitten in der Hauptstraße gut gelungen ist. Die Planungen für diesen Abschnitt sollen bereits 2025 erfolgen, der Baubeginn dann 2026. Die notwendigen Haushaltsmittel sind einzuplanen und die Maßnahmen zur Förderung anzumelden.
Diese Maßnahme ist besonders bedeutsam, da sie den Bereich um das Rathhaus direkt einbezieht und eine architektonische Gesamtgestaltung ermöglicht, die mit dem Neubau des Anbaus harmoniert.
Überarbeitung des ISEK
Nach über 10 Jahren soll das ISEK nun an die aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel, Veränderungen in älteren Siedlungsbereichen in der Gemeinde, Teilhabe und Daseinsvorsorge angepasst werden. Hierfür wird die Gemeinde die bisherigen Maßnahmen evaluieren und Workshopveranstaltungen mit Bürgern und Schlüsselpersonen durchführen, ergänzt um gesonderte Formate für Kinder und Jugendliche sowie Senioren und neue digitale Beteiligungsmöglichkeiten.
"Wir wollen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde unseren aktuellen Stand bewerten und neue Ziele definieren", so Bürgermeister Stefan Wolfshörndl. Die Kosten für die ISEK-Überarbeitung werden auf ca. 60.000 Euro geschätzt, abzüglich einer Förderung von 60% durch die Regierung von Unterfranken. Das ISEK wird dann erneut der Ortsentwicklungsfahrplan für die kommenden Jahre sein.
Weitere Bauprojekte in Gerbrunn
Neben dem Rathausprojekt gibt es weitere bedeutende Baumaßnahmen in Gerbrunn, die architektonische und städtebauliche Relevanz haben:
Die Mehrzweckhalle des Ortes wird energetisch saniert. Seit 1984 ist die Veranstaltungs- und Sporthalle in der heutigen Form Bestandteil des Gerbrunner Lebens. "Trotz regelmäßiger Unterhaltsmaßnahmen wie einem neuen Hallenboden, neuer Duschen oder der Leimbindersanierung am Hallendach, wurden umfangreiche Sanierungen fällig", so der Bürgermeister in einer Pressemitteilung.
Auch das Schwimmbad und die Schulturnhalle stehen vor einer Sanierung, die in die nächste Planungsphase geht. Die Gemeinde wird sich um Fördermittel aus dem Bundesprogramm Sportstättensanierung bewerben. Das Investitionsvolumen für beide Maßnahmen bleibt nach aktueller Kostenberechnung bei rund 12 Millionen Euro. Eine Realisierung ist allerdings nur mit erheblichen Fördergeldern denkbar, um die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde zu erhalten.
Ein weiteres großes Bauvorhaben betrifft die Brücke an der Alten Landstraße / Roßsteige, die abgebrochen und vollständig erneuert werden soll.
Die Gemeinde bearbeitet derzeit verschiedene Bebauungspläne, darunter den Bebauungsplan Roßsteige, der eine etwas größere Bebauung ermöglichen und alte Bauvorschriften der heutigen Zeit anpassen soll. Für Bereiche im Altort oder Richtung Gieshügeler Straße wird geringfügig nachverdichtet, um neue Bauplätze zu schaffen – getreu dem Motto "innen vor außen", um wichtige Flächen für Natur und Landwirtschaft zu erhalten.
Architektonische Herausforderungen und Lösungen
Die Architektur in Gerbrunn steht vor besonderen Herausforderungen aufgrund der topographischen Lage und der Notwendigkeit, historische Strukturen zu erhalten und gleichzeitig zeitgemäße Lösungen zu schaffen. Die Hanglage des Ortes erfordert besondere architektonische Lösungen, die in den Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden.
Die Nachverdichtung im Bestand ist ein weiteres wichtiges architektonisches Thema in Gerbrunn. Die Gemeinde möchte im Bestand nachverdichten, um wichtige Flächen für Natur und Landwirtschaft zu erhalten. "Ganz einfach ist die Nachverdichtung nicht, dann das Verfahren ist mindestens genauso aufwändig wie 'auf der grünen Wiese' – mit dem Unterschied, dass i.d.R. nur wenige neue Baufenster entstehen können", so die Verwaltung.
Die Feuerwehr erhält eine Drehleiter. Die Haushaltsmittel wurden für 2022 und 2023 eingestellt, und dank des Einsatzes von Bürgermeister und Kreisrat Stefan Wolfshörndl konnte auch eine Co-Förderung des Landkreises erreicht werden. Für gut 750.000 Euro wird vermutlich dann ab Frühjahr 2023 eine Drehleiter auch in Gerbrunn für mehr Sicherheit bei Feuer oder technischen Hilfeleistungen sorgen.
Fazit
Die Sanierung des Rathauses in Gerbrunn durch einen Ersatzneubau des Anbaus stellt eine bemerkenswerte architektonische Entscheidung dar, die Wirtschaftlichkeit und Gestaltungsqualität verbindet. Eingebettet in die umfassende Ortskernsanierung, die seit 2016 läuft und bis 2026 andauern soll, trägt dieses Projekt zur Wiederbelebung des Ortsmittels bei.
Die besondere Herausforderung besteht darin, die historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig zeitgemäße Lösungen für Energieeffizienz und Aufenthaltsqualität zu schaffen. Die Zusammenarbeit mit dem lokalen Architekturbüro Mauermann und die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in den Planungsprozess zeigen, dass in Gerbrunn ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird, der nicht nur technische, sondern auch soziale und kulturelle Aspekte berücksichtigt.
Die geplante Neugestaltung des Rathausplatzes im 7. Bauabschnitt ab 2026 wird diese architektonische Entwicklung weiter vorantreiben und dazu beitragen, Gerbrunn als lebendige, gestaltete Mitte in der Würzburger Agglomeration zu etablieren. Die konsequente Umsetzung des ISEK-Konzepts, das nun an aktuelle Herausforderungen angepasst wird, sichert die langfristige städtebauliche Entwicklung des Ortes.
Quellen
- Mainpost - Ersatzneubau statt Sanierung
- Gerbrunn - Sanierung Ortsmitte geht in den 3. Bauabschnitt
- Heimat-Info - Nächster Abschnitt Ortskernsanierung in Gerbrunn
- Planb-Konzept - Neue Mitte Gerbrunn
- Gerbrunn - Nächster Abschnitt Ortskernsanierung in Gerbrunn
- Mainpost - Mehrzweckhalle wird energetisch saniert
- SPD Gerbrunn - Nachlese 2022
- SPD Gerbrunn - Nachlese 2025