Einleitung
In Zeiten zunehmender Umweltbelastungen und steigender Energiekosten gewinnt die Rolle von energieeffizienten Gebäuden immer mehr an Bedeutung. Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden spielt dabei eine wesentliche Rolle, da sie ressourcenschonend und in der Regel deutlich kostengünstiger ist als ein Neubau gleicher Qualität. Architekten und Fachplaner sind bei diesem Prozess unverzichtbare Partner, die mit ihrem Fachwissen den Weg zu einem energieeffizienten Gebäude ebnen können. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Architekten bei der Sanierung zum Effizienzhaus, die verschiedenen Effizienzhaus-Standards, die wichtigsten Sanierungsmaßnahmen sowie die verfügbaren Fördermöglichkeiten.
Effizienzhaus-Standards verstehen
Ein Effizienzhaus ist ein energetischer Gebäudestandard für Wohngebäude, der deutlich über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht. Er beschreibt eine Bauweise und technische Ausstattung, die darauf ausgelegt ist, den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen langfristig zu senken. Die wichtigsten Faktoren dabei sind eine sehr gute Wärmedämmung und eine moderne, effiziente Anlagentechnik.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bildet die rechtliche Basis für alle energetischen Anforderungen an Neubauten und Bestandsgebäude. Es definiert sogenannte Referenzgebäude, an denen sich die energetische Qualität eines real geplanten Hauses messen lässt. Die Zahlen im Begriff "Effizienzhaus" stellen - vereinfacht ausgedrückt - einen prozentualen Anteil des Energiebedarfs eines laut GEG definierten Referenzgebäudes dar. Ein zum Effizienzhaus 100 saniertes Gebäude benötigt also genauso viel Energie wie das Referenzgebäude. Ein Neubau nach gesetzlichen Mindestanforderungen darf nur 75 Prozent Energie des Referenzgebäudes benötigen. Ein Neubau als Effizienzhaus 40 hingegen braucht nur 40 % der Energiemenge, die es nach den Vorschriften brauchen dürfte.
Die Stufen reichen derzeit vom Effizienzhaus 100 in der Sanierung bis zum besonders sparsamen Effizienzhaus 40+ beim Neubau. Neben der Beschreibung des zulässigen Energiebedarfs ist mit dieser Einordnung auch die mögliche Förderhöhe festgelegt. Die Planung und Berechnung eines Effizienzhauses erfolgt im Prinzip nach dem gleichen Verfahren, mit dem auch der Nachweis bei jedem normalen Neubau bilanziert werden muss.
Die Rolle des Architekten bei der energetischen Sanierung
Architekten spielen eine zentrale Schlüsselrolle in der Planung und Umsetzung energetischer Sanierungsmaßnahmen. Sie verfügen über die nötigen Fachkenntnisse und Erfahrung, um die komplexen Anforderungen solcher Projekte zu erfüllen. Gleichzeitig können sie individuelle und ganzheitliche Lösungen entwickeln, die neben den technischen Aspekten auch gestalterische und funktionale Verbesserungen bieten.
Architekturbüros mit Spezialisierung auf energetische Sanierung bieten umfassende Leistungen an, die Hausbesitzer durch den gesamten Sanierungsprozess begleiten. Diese reichen von der ersten Idee bis zur Fertigstellung des Projekts. Die wichtigsten Dienstleistungen umfassen:
- Analyse und Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands des Gebäudes
- Planung und Entwicklung individueller Sanierungskonzepte
- Baurechtliche Beratung und Unterstützung bei der Einhaltung aller relevanten gesetzlichen Vorgaben
- Empfehlungen für den Einsatz erneuerbarer Energien und moderner Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz
- Beratung über verfügbare staatliche Förderungen und Zuschüsse sowie Unterstützung bei der Beantragung
- Koordination und Überwachung der gesamten Sanierungsmaßnahmen
- Beratung zur langfristigen Pflege und Wartung der energetischen Maßnahmen
- Überwachung der Kosten während des gesamten Projekts
- Abschlusskontrolle und Dokumentation aller durchgeführten Maßnahmen
Architekten unterstützen Hausbesitzer bei allen Phasen des Projekts der energetischen Sanierung. Ausgehend von einer detaillierten Analyse des Gebäudebestands erstellen sie maßgeschneiderte Konzepte, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Bauherren abgestimmt sind. Dabei achten sie selbstverständlich auch auf Budgetvorgaben und kontrollieren die Kosten im Projektablauf, um ggf. gegensteuern zu können. Sie beraten ihre Kunden über mögliche staatliche Förderprogramme und unterstützen sie bei der Beantragung von Fördermitteln.
Wichtige Maßnahmen für die Effizienzhaus-Sanierung
Die energetische Qualität eines Gebäudes hängt maßgeblich davon ab, wie gut seine Hülle und Anlagentechnik aufeinander abgestimmt sind. Für eine erfolgreiche KfW-Effizienzhaus-Sanierung kommt es deshalb nicht auf einzelne Komponenten an, sondern auf ein durchdachtes Gesamtpaket aus baulichen und technischen Maßnahmen.
Wärmedämmung als Grundlage
Eine gute Dämmung ist das Fundament jeder Sanierung zum Effizienzhaus. Ziel ist es, den Transmissionswärmeverlust zu minimieren – also zu verhindern, dass im Winter wertvolle Heizwärme über Dach, Wände oder Keller verloren geht. Je nach Ausgangszustand des Gebäudes kommen verschiedene Dämmmaßnahmen in Frage:
- Dachdämmung
- Fassadendämmung
- Kellerdeckendämmung
- Innendämmung bei Denkmalgeschützten Gebäuden
Fenster- und Tauschmaßnahmen
Alte Fenster und undichte Türen sind energetische Schwachpunkte – sie verursachen Zugluft, hohe Wärmeverluste und unnötige Heizkosten. Moderne Elemente mit Mehrfachverglasung und wärmegedämmten Rahmen verbessern den U-Wert der Gebäudehülle deutlich. Bei der Auswahl neuer Fenster ist nicht nur der U-Wert entscheidend, sondern auch die Qualität der Fensterkonstruktion, die Dichtheit und die Integration in die bestehende Bausubstanz.
Heizungstausch
Ein neuer Heizungsbetrieb bringt meist die größte Energieeinsparung – besonders, wenn er auf erneuerbare Energien setzt oder mit einem intelligenten Verteilungssystem kombiniert wird. Mögliche Maßnahmen sind:
- Austausch gegen moderne Gas- oder Ölheizungen mit hohem Wirkungsgrad
- Installation von Wärmepumpen
- Einsatz von Solarthermie zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung
- Kombination mit Biomasseheizungen
- Intelligente Heizungsregelung und -steuerung
Förderung für neue Heizungen: Bis zu 70 % Zuschuss über KfW – abhängig vom System und Emissionsgrad.
Lüftungssysteme
Moderne Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung sorgen für frische Luft – ohne Wärmeverluste durch Fensterlüftung. Gleichzeitig verhindern sie Schimmelbildung und verbessern das Raumklima. Vorteile solcher Systeme:
- Reduzierung der Heizkosten durch Wärmerückgewinnung
- Verbesserung der Raumluftqualität
- Vermeidung von Schimmel durch konstante Belüftung
- Reduzierung von Pollen und Schadstoffen in der Raumluft
Steuerungs- und Regelungstechnik
Durch den Einsatz von Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (MSR) kann die Energieeffizienz weiter gesteigert werden. Intelligente Systeme steuern Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung bedarfsgerecht und vermeiden Energieverschwendung.
Fördermöglichkeiten für Effizienzhaus-Sanierungen
Die Sanierung zum Effizienzhaus wird durch verschiedene staatliche Förderprogramme unterstützt. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bietet attraktive Kredite und Zuschüsse für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Die Höhe der Förderung hängt vom erreichten Effizienzhaus-Standard ab.
KfW-Förderung für Effizienzhäuser
Die folgende Tabelle zeigt die Zuschussmöglichkeiten für verschiedene Effizienzhaus-Standards:
| Effizienzhaus | Zuschuss | EE-Klasse* | NH-Klasse* | WPB-Bonus** |
|---|---|---|---|---|
| Effizienzhaus 40 | 20% | + 5% | + 5% | + 10% |
| Effizienzhaus 55 | 15% | + 5% | + 5% | + 10% |
| Effizienzhaus 70 | 10% | + 5% | + 5% | + 10% |
| Effizienzhaus 85 | 5% | + 5% | + 5% | - |
| Effizienzhaus Denkmal | 5% | + 5% | - | - |
*Auch wenn ein Vorhaben zugleich eine "Effizienzhaus EE"- und eine "Effizienzhaus NH"- Klasse erreicht, erhöht sich der Prozentsatz nur einmal um 5 Prozentpunkte.
**Sie erhalten bis zu 15 % Tilgungszuschuss mit dem Seriellen Sanierungsbonus (SerSan-Bonus), wenn Sie auf EH-55 oder EH-40 Standard sanieren. Bei der seriellen Sanierung kommen vorgefertigte Bauelemente (für Dach oder Fassade) zum Einsatz. Der SerSan-Bonus ist kombinierbar mit der EE- und NH-Klasse sowie mit dem Worst Performing Building (WPB)-Bonus.
Zusatzförderungen
Neben den Grundförderungen gibt es weitere Zusatzförderungen, die die Attraktivität einer Effizienzhaus-Sanierung erhöhen:
Effizienzhaus EE und NH Klassen
Bei Erreichen eines Effizienzstandards "EE" (WG und NWG) sowie eines Effizienzstandards "NH" (bei Sanierungen nur bei NWG möglich) erhöht sich der jeweils anzusetzende Prozentwert der Effizienzhaus-Förderung um zusätzliche 5%. Eine Kombination beider Zusatzförderungen bei Nichtwohngebäuden ist nicht möglich.
Serieller Sanierungsbonus (SerSan-Bonus)
Der SerSan-Bonus wird bei der Verwendung von vorgefertigten Bauelementen für Dach oder Fassade gewährt. Er ist mit der EE- und NH-Klasse sowie mit dem WPB-Bonus kombinierbar. Der WPB-Bonus ist mit dem SerSan-Bonus auf maximal 20 % begrenzt.
Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)
Bei Wohngebäuden ist auch eine Kombination mit der iSFP-Zusatzförderung möglich: Wird die Sanierung entsprechend eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) innerhalb eines Zeitraums von maximal 15 Jahren vollständig umgesetzt und mindestens die dort als individuelles Ziel definierte Effizienzhaus-Stufe erreicht, so erhöht sich der für diese Effizienzhaus-Stufe vorgesehene Fördersatz um zusätzliche 5% (iSFP-Bonus).
Der iSFP-Bonus wird zum Erreichen der angestrebten Zielstufe (hier: Effizienzhaus 70-Niveau) auch im Rahmen der BEG WG gewährt, jedoch nicht für eine Umsetzung aller iSFP-Maßnahmen (Komplettsanierungen) in einem Zug. Die 5% gibt es also nur obendrauf, wenn das Effizienzhaus 70 in mehreren Schritten erreicht wird.
Worst-Performing-Building (WPB) Bonus
Mit dem Worst-Performing-Building (WPB) Bonus sind durch die Novellierung der BEG zum 01.01.2023 Sanierungen auf EH-70 mit zusätzlich 10 % förderbar, sofern die Gebäude zu den energetisch schlechtesten 25 % des deutschen Gebäudebestands gehören. Der WPB-Bonus ist ausschließlich für Komplettsanierungen vorgesehen, die eine Effizienzhaus-Stufe erreichen.
Praxisbeispiele aus der energetischen Sanierung
Architekturbüros mit Spezialisierung auf energetische Sanierung haben bereits zahlreiche erfolgreiche Sanierungsprojekte durchgeführt. Einige Beispiele verdeutlichen die Bandbreite möglicher Maßnahmen:
Generalinstandsetzung Schloss Geltolfing
Bei diesem Projekt wurde ein denkmalgeschütztes Gebäude aus den Jahren 1290/1777, das ursprünglich einsturzgefährdet war, generalinstandgesetzt. Die Arbeiten umfassten die Sanierung von 14 Mietwohnungen unter besonderer Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen (LP 1-9).
Energetische Sanierung und Aufstockung eines 60er-Jahre-Hauses
Im Münchner Westen wurde ein Haus aus den 1960er Jahren energetisch saniert und aufgestockt. Das Projekt zeigt, wie auch Gebäude aus dieser Periode nach modernen energetischen Standards saniert werden können, ohne den architektonischen Charakter zu verlieren.
Sanierungsarbeiten Nordflügel der Ludwigs-Maximilians-Universität München
Bei diesem Projekt wurden Sanierungsarbeiten an der Fassade aus den 1950ern und am Treppenhaus von 1835 durchgeführt. Die Maßnahmen umfassten LP 3, 5-8 und zeigten die Herausforderung, energetische Sanierung mit Denkmalschutzanforderungen zu verbinden.
Fazit
Die energetische Sanierung zum Effizienzhaus bietet zahlreiche Vorteile: Neben erheblicher Energieeinsparung und damit geringeren Heizkosten verbessert sich auch das Raumklima deutlich. Zudem werden CO₂-Emissionen minimiert und die Immobilie in der Regel deutlich attraktiver für potenzielle Käufer oder Mieter, was den Marktwert steigert.
Architekten spielen dabei eine unverzichtbare Rolle, da sie über das notwendige Fachwissen verfügen, um die komplexen Anforderungen solcher Projekte zu erfüllen. Sie entwickeln individuelle und ganzheitliche Lösungen, die technische, gestalterische und funktionale Aspekte berücksichtigen. Ihre Expertise ist besonders bei der Planung und Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen gefragt, bei denen verschiedene Gewerke und Anforderungen aufeinander abgestimmt werden müssen.
Angesichts der steigenden Energiekosten und der wachsenden Bedeutung nachhaltiger Bauweisen ist die energetische Sanierung zum Effizienzhaus eine zukunftsfähige Investition. Mit der richtigen Planung und Unterstützung durch erfahrene Architekten können Hausbesitzer nicht nur Energiekosten senken, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten und den Wert ihrer Immobilie nachhaltig steigern.