Einleitung
Der Arnimplatz im Berliner Bezirk Pankow steht im Zentrum umfassender städtebaulicher Maßnahmen, die sowohl die bauliche Substanz als auch die Verkehrsinfrastruktur des Viertels verändern. Als Teil der Berliner Stadterneuerungsstrategie und als eines der neun Milieuschutzgebiete in Prenzlauer Berg unterliegt das Gebiet besonderen Regelungen, die soziale Strukturen und bauliche Entwicklung in Einklang bringen sollen. Gleichzeitig wird mit dem Kiezblockprojekt eine umfassende Verkehrsberuhigung implementiert, die das Lebens- und Aufenthaltsraumklima im Arnimkiez nachhaltig verbessern soll. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Entwicklungen, historischen Zusammenhänge und spezifischen Projekte im Arnimplatz-Bereich.
Historische Entwicklung der Stadterneuerung in Berlin
Die Stadterneuerung in Berlin hat eine lange Tradition und hat sich im Laufe der Zeit erheblich weiterentwickelt. Bereits 1964/65 beschloss der (West-)Berliner Senat das erste Stadterneuerungsprogramm, wobei Sanierung vor allem als Ersatz der bisherigen Bausubstanz durch Neubau verstanden wurde, die sogenannte Flächensanierung. Diese Herangehensweise führte jedoch zu Konflikten in der Umsetzung und zu einer veränderten Bewertung der Altbausubstanz.
In den 1970er Jahren entstanden erste Projekte einer erhaltenden Erneuerung, die jedoch quantitativ gegenüber dem Neubau kaum ins Gewicht fielen. Dies galt auch für Ansätze im Ostteil Berlins, die als komplexe Rekonstruktion bezeichnet wurden, etwa rund um den Arkonaplatz oder den Arnimplatz. Vor dem Hintergrund der erheblichen und zunehmend verfallenden Altbausubstanz blieben diese Ansätze jedoch randständig.
Die eskalierenden Konflikte um die Sanierungsziele Anfang der 1980er Jahre, die zu zahlreichen Hausbesetzungen führten, mündeten in die Entwicklung der Grundsätze der behutsamen Stadterneuerung. Ihr zentrales Anliegen war der weitest mögliche Erhalt des Bestandes, wobei die Sanierung gemeinsam mit den Betroffenen geplant und realisiert werden sollte. Seitdem ist es Ziel der Berliner Stadterneuerung, soziale und bauliche Fragen gleichermaßen zu berücksichtigen und in Ausgleich zu bringen.
Nach der Wiedervereinigung beschloss der Senat das Erste Gesamtberliner Stadterneuerungsprogramm, dessen Schwerpunkt auf den Gründerzeitquartieren im Ostteil der Stadt in Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain lag. In der 9. bis 11. Rechtsverordnung wurden insgesamt 22 Sanierungsgebiete festgelegt. Im Zuge der Berliner Haushaltskrise Anfang der 2000er Jahre wurden die Sanierungsaktivitäten jedoch auf die öffentlichen Flächen und Einrichtungen konzentriert. Insgesamt wurden über 2 Milliarden Euro öffentliche Mittel in diese 22 Gebiete investiert, die mittlerweile erfolgreich beendet sind. In der Durchführung befindet sich nur noch der Teilbereich des Sanierungsgebiets Niederschöneweide.
An die Erfolge dieses Programms anknüpfend hat der Senat im Jahr 2011 in der 12. Rechtsverordnung sieben weitere Gebiete als Sanierungsgebiete festgelegt: Turmstraße, Müllerstraße und Nördliche Luisenstadt (alle Mitte), Karl-Marx-Straße/Sonnenallee (Neukölln), Südliche Friedrichstadt (Friedrichshain-Kreuzberg), Frankfurter Allee Nord (Lichtenberg) und Wilhelmstadt (Spandau). Diese Gebiete befinden sich derzeit in der Durchführung.
Der Arnimplatz als Milieuschutzgebiet
Neun Viertel in Prenzlauer Berg sind als besonders geschützte Milieuschutzgebiete ausgewiesen – vor Gentrifizierung. Dazu gehören der Arnimplatz, die Bötzowstraße, der Falkplatz, der Helmholtzplatz, der Humannplatz, der Kollwitzplatz, die Ostseestraße/Grellstraße, der Teutoburger Platz und die Winsstraße.
In diesen Gebieten müssen bestimmte Modernisierungen vom Amt genehmigt werden, darunter der Einbau von Fahrstühlen, neue Fenster, neue Heizungen und Grundrissänderungen. Die Verwaltung veröffentlicht regelmäßig die Ausnahmen, die seit 2014 gemacht wurden. Dabei zeigt sich, dass der Arnimplatz-Bereich mit 159 Genehmigungen besonders aktiv ist und bei den meisten Kategorien an erster Stelle liegt:
- Genehmigte Aufzüge: 41
- Grundrissänderungen: 20
- Zentralheizung und Warmwasser: 38
- Fenstertausch: 47
- Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnraum: 13
Damit liegt der Arnimplatz-Bereich immer im vorderen Rang – sei es bei den genehmigten Aufzügen, den Grundrissänderungen, bei der Zentralheizung und Warmwasser, beim Fenstertausch oder bei der Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnraum.
Auf dem zweiten Platz folgt das Gebiet um den Falkplatz mit 142 Genehmigungen, wobei hier besonders viele neue Fenster (51 Fälle) und zahlreiche genehmigte Grundrissänderungen (35 Fälle) auffallen. Knapp dahinter liegt das Gebiet um den Helmholtzplatz mit 137 Genehmigungen.
Die abgelehnten Anträge – im Amtsdeutsch "Versagungen" – sind jedoch übersichtlich. Acht Anträge wurden am Teutoburger Platz und am Falkplatz abgelehnt, sieben an der Bötzowstraße und sechs am Kollwitzplatz. Als Gründe nennt das Bezirksamt etwa die "Überschreitung zeitgemäßer Ausstattungsstandards", einen "Zweitbalkon" und einen "aufwendigen Aufzug (individuelle Lösung)". Am Humannplatz und an der Ostseestraße/Grellstraße gab es seit 2014 gar keine abgelehnten Modernisierungswünsche.
"Mit Hilfe der Sozialen Erhaltungsverordnungen soll die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung erhalten werden", erklärt das Bezirksamt Pankow. Dies ist die grundlegende Idee hinter den Milieuschutzgebieten.
Aktuelle Sanierungsprojekte im Arnimplatz-Bereich
Neben den genehmigten Modernisierungen einzelner Gebäude gibt es mehrere größere Projekte im Arnimplatz-Bereich, die die städtebauliche Entwicklung prägen:
Passivhaus Arnimplatz 42
Ein herausragendes Beispiel für moderne nachhaltige Sanierung ist das Projekt Passivhaus Arnimplatz 42. Es handelt sich um ein siebengeschossiges Wohn- und Geschäftshaus als Blockrandbebauung mit einem achten Geschoss als Penthouse. Das Gebäude umfasst 41 Wohneinheiten und 4 Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss sowie eine Tiefgarage mit 23 Stellplätzen und einen großzügigen Gemeinschaftsgarten.
Die Wohnfläche beträgt ca. 4.600 m², die Nutzfläche der Gewerbeeinheiten ca. 650 m². Die Wohnungen zwischen ca. 40 und ca. 170 m² sind vorrangig für Familien konzipiert. Die Wohneinheiten (1. OG-DG) sind als "Passivhaus" geplant, berechnet (PHPP) und hergestellt, während die gewerblichen Einheiten im Erdgeschoss die Kriterien des KfW-Energieeffizienzhaus 55 (EnEV 7/2007) erfüllen.
Die technischen specifications des Gebäudes beeindrucken: - Spezifischer Wärmebedarf Heizung Wohnen: 12 kWh/m²/a - Spezifischer Wärmebedarf Heizung Gewerbe: 28 kWh/m²/a
Das Gebäude wird durch ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk und eine Gas-Brennwerttherme zur Redundanz und Spitzenlastabdeckung mit Restwärmebedarf und Warmwasser versorgt. Die Be- und Entlüftung des Gebäudes erfolgt durch insgesamt 3 zentrale Zu- und Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung.
Ein besonderes Merkmal des Gebäudes ist die Grauwasserrecyclinganlage mit vorgeschalteter Wärmerückgewinnung, die als Pilotprojekt konzipiert wurde. Der Wärmerückgewinnungsertrag pro Jahr beträgt 11.000 kWh/a. Auf den extensiv begrünten Dächern sind insgesamt 92 Photovoltaik-Module errichtet mit einer berechneten "total power" von 20,24 kWp.
Die Stromerzeugung erfolgt durch: - BHKW: 84.704 kWh/a - Photovoltaik (20 kWp): 18.000 kWh/a
Weitere Bauprojekte
Neben dem Passivhaus gibt es weitere bedeutende Bauprojekte im Arnimkiez:
Schwedter Steg: Die Fuß- und Radwegbrücke zwischen Schwedter Straße und Behmstraßenbrücke wird ab Spätsommer für gut drei Monate saniert. Grund sind Risse im Boden, die die Unfallgefahr erhöhen. Die wichtige Brücke erhält einen neuen Belag. Für den Kiez bedeutet dies Umwege über die Swinemünder Straße im Wedding oder über die Schönfließer Brücke. Der Schwedter Steg, der inzwischen auch ein beliebter Treffpunkt am Abend ist, soll ab Anfang 2025 wieder instand gesetzt sein.
Brückenneubau an der Schönhauser Allee: Abriss und Neubau der Brücke an der Schönhauser Allee steht ebenfalls an.
Verkehrsberuhigung: Der Kiezblock Arnimplatz
Ein zentrales Projekt, das das Leben im Arnimkiez nachhaltig verändern soll, ist die Verkehrsberuhigung rund um den Arnimplatz. Der Kiezblock ist seit Jahren ein Anliegen der Anwohner*innen, das sich jedoch immer wieder in der konkreten Planung verzögerte. Mittlerweile ist das Verkehrskonzept abgeschlossen, und die Beteiligung hat bereits im letzten Jahr stattgefunden.
Das Planungsbüro stadtraum GmbH wurde mit dem Ziel beauftragt, ein Verkehrskonzept zu entwerfen, das den Durchgangsverkehr effektiv aus dem Arnimkiez heraushält. Der Entwurf fundiert auf eigens durchgeführten Verkehrszählungen aus dem Frühjahr 2022, Erhebungen des Durchgangsverkehrs im Mai 2022 sowie einer umfassenden Bestandsanalyse.
Das Verkehrskonzept sieht in seiner ersten Stufe mehrere Einbahnstraßen vor, die eine durchgehende Querung des Viertels größtenteils verhindern. Um die verkehrsberuhigende Wirkung der Einbahnstraßen zu unterstützen, sollen in der Czarnikauer Straße und der Seelower Straße die Stellplätze neu geordnet werden. Dabei werden keine Stellplätze entfallen.
Im westlichen Teil des Arnimkiezes soll eine Fahrradzone entstehen. Die Norwegerstraße, Finnländische Straße, Ueckermünder Straße und Isländische Straße werden zu Fahrradstraßen und bilden somit die Fahrradzone. Anlieger sind in der Fahrradzone weiterhin zugelassen und dürfen sie befahren. In einer Fahrradzone gelten folgende Verkehrsregeln: - Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. - Das Nebeneinanderfahren ist erlaubt. - Auf Radfahrer muss besondere Rücksicht genommen werden.
Zur Vorbereitung der Umgestaltung der Paul-Robeson-Straße zwischen Schönfließer Straße und Seelower Straße wird dieser Straßenabschnitt zur Sackgasse. Die Umgestaltung findet nach der Umsetzung des Verkehrskonzepts statt, hierzu wird es eine gesonderte Beteiligung der Anwohnenden des Arnimkiezes geben.
Sollte sich die Einbahnstraßenregelung wegen wiederholter Missachtung durch Autofahrende als unwirksam erweisen, ist eine Erweiterung mit Diagonalsperren vorgesehen. Diese sogenannten modalen Filter sind weiterhin durchlässig für den Rad- und Fußverkehr sowie für Müll- und Rettungsfahrzeuge, verhindern jedoch die Durchfahrt von Privat-Pkw.
Die konkreten Maßnahmen umfassen: - Die Schönfließer Straße soll zu einer Fahrradstraße inklusive Einbahnstraßenregelung umgewidmet werden. - In der Seelower Straße, der Paul-Robeson-Straße, der Czarnikauer Straße, der Driesener Straße und der Malmöer Straße dürfen Pkws zukünftig nur noch in eine Richtung fahren. - Zwischen Norwegerstraße, Finnländische Straße, Malmöer Straße und Behmstraße ist nur noch Anliegerverkehr erlaubt. - Die Durchfahrt von der Norwegerstraße auf die Bornholmer Straße sowie von der Dänenstraße auf die Schönhauser Allee ist verboten.
In den kommenden Wochen führt das Bezirksamt eine erneute Begehung des Arnimkiezes mit der Polizei durch, danach könnten die Bauleistungen ausgeschrieben werden. Je nach W