Asbest im 70er-Jahre-Haus: Gefahren, Sanierung und sicheres Handeln

Einleitung

In den 1970er Jahren galt Asbest als vielseitiger und nützlicher Baustoff, der aufgrund seiner Hitzebeständigkeit, Festigkeit und Feuerfestigkeit in vielen Bereichen des Bauwesens eingesetzt wurde. Heute wissen wir jedoch, dass dieser Stoff erhebliche Gesundheitsrisiken birgt. Etwa 20 Prozent aller Gebäude in Deutschland könnten nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) Asbest enthalten, was einer Menge von rund 35 Millionen Tonnen entspricht. Besonders betroffen sind Häuser, deren Bau vor dem 31. Oktober 1993 begonnen wurde, da Asbest in Deutschland erst zu diesem Zeitpunkt verboten wurde.

Vor allem Gebäude aus den 1960er bis 1980er Jahren, insbesondere aus den 1970er Jahren, weisen häufig asbesthaltige Materialien auf. Dies stellt für Hausbesitzer und Renovierungsinteressierte eine besondere Herausforderung dar, da unsachgemäßer Umgang mit Asbest zu schweren Gesundheitsschäden führen kann. Dieser Artikel beleuchtet, wo sich Asbest in 70er-Jahre-Häusern verstecken kann, wie man ihn erkennt und wie man sicher damit umgeht, insbesondere bei Sanierungsarbeiten.

Asbest in Häusern der 70er Jahre: Wo versteckt er sich?

In den 1970er Jahren war Asbest aufgrund seiner vielfältigen positiven Eigenschaften ein beliebter Baustoff. Er wurde in zahlreichen Bereichen des Gebäudes verbaut, oft ohne dass die Bewohner dies erkannten. Die häufigsten Verbaustellen für asbesthaltige Materialien in Häusern dieser Zeit sind:

Dacheindeckungen

Dachziegel, Dachpappen und Wellplatten aus Asbestzement waren aufgrund ihrer Feuerfestigkeit und Witterungsbeständigkeit weit verbreitet. Diese Materialien enthalten fest gebundenen Asbest, bei dem die Fasern fest im Zementmatrix eingebunden sind und bei intaktem Zustand keine Gesundheitsgefahr darstellen.

Fassaden

Außenwände wurden häufig mit asbesthaltigen Platten und Verkleidungen versehen. Auch ältere Putzschichten sind oft betroffen. Bei energetischen Sanierungen, bei denen zusätzliche Dämmschichten angebracht werden müssen, werden oft Bohrungen in der alten Fassade vorgenommen, was zur Freisetzung von Asbestfasern führen kann.

Innenwände und Decken

Besonders häufig findet sich Asbest in Leichtbauplatten, die in den 1970er Jahren weit verbreitet waren. In Ostdeutschland wurden diese Platten unter den Markennamen Sokalit, Baufatherm und Neptunit, in Westdeutschland unter der Bezeichnung Promabest vertrieben. Asbest machte diese Platten belastbarer, feuerfest und erhöhte ihre wärmedämmende Funktion. Auch Spachtelmassen und Isolierungen in Trennwänden enthalten häufig Asbest.

Bodenbeläge

PVC-Böden und deren Kleber können Asbest enthalten. Insbesondere Vinyl-Asbest-Fliesen, sogenannte Floor-Flex- oder Flex-Platten, enthalten etwa 15 Prozent fest gebundenen Asbest. Auch Cushion-Vinyl-Beläge aus den 1960er Jahren können eine Asbest-Trägerpappe enthalten, die zu 90 Prozent aus schwach gebundenem Asbest besteht. Diese Beläge sind für Laien oft schwer von asbestfreien PVC-Bodenbelägen zu unterscheiden.

Installationen

Abwasserrohre, Heizungsrohre und Lüftungssysteme wurden häufig aus asbesthaltigen Materialien hergestellt. Auch Nachtspeicheröfen können schwach gebundenen Asbest enthalten, was bei deren Austausch besondere Vorsicht erfordert.

Weitere Bauteile

Weitere potenzielle Asbestquellen in 70er-Jahre-Häusern sind Fensterbänke, Blumenkästen, Kabelkanäle und Fallrohre, die oft aus Asbestzement gefertigt wurden.

Die Größe eines Gebäudes hilft bei der Einschätzung des Asbestrisikos nur bedingt, da sowohl große Mehrfamilienhäuser in Städten als auch einfache Einfamilienhäuser auf dem Land betroffen sein können. Entscheidend ist vor allem das Baujahr und ob Umbauarbeiten stattgefunden haben, die asbesthaltige Materialien eingeführt haben könnten.

Gesundheitsrisiken und Gefahren

Asbestfasern sind so fein, dass sie beim Einatmen in die Lunge gelangen können und dort Krebs auslösen. Mit bloßem Auge sind diese Fasern nicht erkennbar, was die Gefahr besonders schwer fassbar macht. Die Risiken durch Asbestexposition sind vielfältig und ernst zu nehmen:

Asbestose

Asbestose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege und Lunge, die durch Einatmen von Asbestfasern ausgelöst wird. Sie wurde bereits 1936 als Berufskrankheit anerkannt. Die Erkrankung führt zu Vernarbungen des Lungengewebes, was die Atmung zunehmend erschwert.

Krebserkrankungen

Asbest kann verschiedene Krebserkrankungen verursachen, darunter Lungenkrebs, Rippenfellkrebs (Mesotheliom) und Kehlkopfkrebs. Besonders das Mesotheliom ist fast ausschließlich mit Asbestexposition verbunden und hat eine sehr hohe Mortalitätsrate.

Latenzperioden

Eine besondere Gefahr des Asbest liegt in seiner langen Latenzzeit. Zwischen dem Einatmen der Asbest-Partikel und dem ersten Auftreten von Krankheitsanzeichen können bis zu 30 Jahre vergehen. Das bedeutet, dass Erkrankungen oft erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Exposition diagnostiziert werden, wenn die ursprüngliche Ursache nicht mehr erkannt wird.

Wann wird Asbest gefährlich?

Solange Asbest fest in Materialien wie Dachplatten oder Fassaden eingebunden ist, besteht in der Regel keine unmittelbare Gefahr. Die Gefahr entsteht erst, wenn die Fasern freigesetzt werden und eingeatmet werden können. Dies kann bei:

  • Beschädigung von asbesthaltigen Materialien
  • Renovierungsarbeiten oder Sanierungen
  • Abbruch oder Entfernung asbesthaltiger Bauteile
  • Bürsten oder Abschleifen asbesthaltiger Oberflächen

besonders hoch sein. Die Asbestfasern sind chemisch sehr beständig, unempfindlich gegen Hitze und nicht brennbar, was sie zu einem gefährlichen Feinstaub macht, der sich in der Luft lange halten kann.

Asbest erkennen: Untersuchungsmethoden

Da asbesthaltige Materialien oft verdeckt eingebaut sind, unregelmäßig im Gebäude verteilt und daher nicht leicht zu identifizieren sind, ist eine systematische Untersuchung erforderlich, insbesondere vor Renovierungsarbeiten:

Professionelle Asbestuntersuchung

Die verlässlichste Methode zur Feststellung von Asbest ist die Untersuchung durch eine zertifizierte Fachfirma. Diese führt eine Materialprobenentnahme durch und analysiert die Proben im Labor. Der Bericht liefert nicht nur Informationen über das Vorhandensein von Asbest, sondern auch über die Form und Konzentration.

Vorteile einer professionellen Untersuchung: - Wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse - Sicherheit durch spezielle Sicherheitsvorkehrungen bei der Probenentnahme - Rechtlich verwertbarer Bericht

Raumluftproben

Bei gesundheitlichen Bedenken können Raumluftproben schnell Aufschluss über die Asbestfaser-Belastung geben. Diese dürfen jedoch nur von zertifizierten Fachfirmen durchgeführt werden, die über die notwendigen Sicherheitsauflagen und das technische Know-how verfügen.

Probenentnahme an asbestverdächtigen Putzen oder Spachtelmassen

Die Entnahme der Materialproben an asbestverdächtigen Putzen oder Spachtelmassen erfolgt mit einem emissionsarmen Verfahren, um die Freisetzung von Asbestfasern bei der Probenahme zu verhindern. Die Verfahrensschritte sind:

  1. Die Schutzfolie des doppelseitigen Klebebands auf der Rückseite der Stanzschleuse entfernen und die Schleuse mit dem Verschluss nach oben auf die Wand kleben.
  2. Schutzfolie des doppelseitigen Klebebands auf der Vorderseite der Schleuse entfernen.
  3. Locheisen mit dem Korken einseitig verschließen.
  4. Wandbekleidung mithilfe des Locheisens und des Hammers abstemmen. Den Korken entfernen. Die Probe mit dem Schraubenzieher durch das Locheisen in die Schleuse drücken.
  5. Restfaserbindemittel durch die Eindringstelle des Locheisens auf die bearbeitete Fläche und die abgestemmte Wandbekleidung auftragen.

Für diese Probenahme sind spezielle Materialien erforderlich: Locheisen und Korken, Stanzschleuse, Hammer, Spachtelmasse, Restfaserbindemittel, feuchte Tücher, Spachtel, Schraubenzieher, entspanntes Wasser und eine FFP2-Maske für Havariefälle.

Sanierung von Asbest: Worauf ist zu achten?

Wenn Asbest in einem Haus nachgewiesen wird, ist sorgfältiges und geplantes Vorgehen erforderlich, um die Gesundheit der Bewohner und der ausführenden Kräfte zu schützen:

Sofortige Vorsichtsmaßnahmen

Bei Verdacht auf Asbestfreisetzung sollten sofort folgende Maßnahmen ergriffen werden: - Betroffene Bereiche absperren und deutlich kennzeichnen - Staubentwicklung minimieren - Verzicht auf Staubsauger oder Besen, da diese Asbestfasern aufwirbeln können - Kleidung und Gegenstände, die mit asbesthaltigem Material in Kontakt gekommen sein könnten, nicht bewegen

Fachgerechte Unterstützung einholen

  • Kontakt zu zertifizierten Fachfirmen für die Untersuchung und eventuell nötige Sanierung aufnehmen
  • Probenanalyse nur durch qualifiziertes Personal durchführen lassen
  • Bei Sanierung nur Fachfirmen beauftragen, die über die notwendige Ausrüstung und das Wissen für die sichere Entfernung und Entsorgung von Asbest verfügen

Rechtliche Rahmenbedingungen

Der Umgang mit Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten ist in der Technischen Regel für Gefahrstoffe 519 (TRGS 519) geregelt, die auch von Privatpersonen einzuhalten ist. Diese Regel befindet sich aktuell in Überarbeitung, um auch den "neuen" Asbestproblemen in Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern (so genannte PSF-Produkte) gerecht zu werden.

Bei der Entsorgung asbesthaltiger Produkte sind die Vorgaben des Abfallrechts zu beachten. Da keine Unbedenklichkeitsschwelle festgelegt werden konnte, reicht der positive Nachweis einer Probe im Mischabfall aus, damit der gesamte Abfall als gefährlicher Abfall gilt.

Sanierungsoptionen und Entsorgung

  • Sanierung sorgfältig mit dem beauftragten Unternehmen planen
  • Detaillierter Maßnahmenplan erstellen
  • Entsorgung des Asbests muss den gesetzlichen Vorgaben entsprechen
  • Kosten für die Entsorgung und Sanierung variieren stark und können mehrere Tausend Euro betragen, abhängig von der Menge und Art des verbauten Asbests

Unterschiede zwischen fest und schwach gebundenem Asbest

Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen fest gebundenem und schwach gebundenem Asbest:

Fest gebundener Asbest - Bei Asbestzementprodukten (Dachplatten, Fassadenplatten, Blumenkästen, Fallrohre, Kabelkanäle etc.) - Asbestanteil ca. 10 bis 15 Prozent - Dichte von mindestens 1.400 Kilogramm pro Kubikmeter - Auch Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber enthalten fest gebundenen Asbest - In Vinyl-Asbest-Fliesen (Floor-Flex- oder Flex-Platten) sind etwa 15 Prozent Asbest enthalten

Schwach gebundener Asbest - In Dämmmaterialien, Spritzasbest und einigen Bodenbelägen - Asbestfasern sind weniger fest im Material gebunden - Höhere Gefahr der Freisetzung von Fasern - In Vinyl-Bodenbelägen (Cushion-Vinyl-Beläge) aus den 1960er Jahren kann eine Asbest-Trägerpappe enthalten sein, die zu 90 Prozent aus schwach gebundenem As

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