Einleitung
Im Hamburger Stadtteil Osdorf befindet sich die Wohnanlage Immenbusch/Glückstädter Weg, die in den 1960er Jahren errichtet wurde. Diese Anlage wurde in den vergangenen Jahren einer umfassenden energetischen Modernisierung unterzogen, die von der Altonaer Spar- und Bauverein eG (altoba) durchgeführt wurde. Gleichzeitig gibt es städtebauliche Planungen für die Umgestaltung des Glückstädter Wegs, die auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung gestoßen sind. Dieser Artikel beleuchtet sowohl die durchgeführte Modernisierungsmaßnahme als auch die aktuellen städtebaulichen Kontroversen in dem Hamburger Wohngebiet.
Die energetische Modernisierung durch die altoba
Umfang und Zeitplan der Maßnahme
Die Altonaer Spar- und Bauverein eG (altoba) hat im Immenbusch/Glückstädter Weg insgesamt 250 Wohnungen umfangreich energetisch modernisiert. Die Bauarbeiten dauerten knapp 3,5 Jahre und erforderten erhebliche Investitionen. Loffen der Genossenschaft wurden über 30 Millionen Euro in dieses Projekt investiert. Diese finanzielle Belastung unterstreicht die Dimension der Maßnahme, die nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch eine große Herausforderung darstellte.
Finanzierung des Projekts
Die Finanzierung der umfangreichen Modernisierungsmaßnahme erfolgte durch eine Kombination aus Fördermitteln und Krediten. Die Maßnahme wurde mit Fördermitteln der Investitions- und Förderbank Hamburg (IFB Hamburg) gefördert. Zusätzlich kamen Kredite der KfW-Bank zur Finanzierung des Projekts zum Einsatz. Diese Kombination aus öffentlichen Fördermitteln und günstigen Bankkrediten ermöglichte es der altoba, das Projekt trotz der hohen Kosten realisieren zu können.
Durchgeführte Modernisierungsmaßnahmen
Die Modernisierungsmaßnahmen konzentrierten sich auf mehrere Bereiche, die sowohl die Energieeffizienz der Gebäude als auch den Wohnkomfort für die Bewohner verbessern sollten:
Energetische Verbesserungen: - Dämmung der Fassaden - Dämmung der Dächer - Dämmung der Kellerdecken - Einbau neuer Fenster mit Dreifachverglasung
Diese Maßnahmen führen zu einer signifikanten Reduzierung des Energieverbrauchs und verbessern das Wohnklima in den Wohnungen. Die Dreifachverglasung der Fenster ist ein wesentlicher Beitrag zur Wärmedämmung, die vor allem in älteren Gebäuten oft eine Schwachstelle darstellt.
Technische Erneuerungen: - Installation einer automatischen Entlüftung in Bädern und Küchen - Erneuerung der Abwasserleitungen - Erneuerung der Trinkwasserleitungen
Die automatische Entlüftung in Nassräumen ist ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Raumluftqualität und zur Vermeidung von Schimmelbildung. Die Erneuerung der Wasserleitungen stellt nicht nur eine hygienische Verbesserung dar, sondern verhindert auch Leckagen und schützt die Bausubstanz.
Wohnkomfort-Verbesserungen: - Einbau neuer Bäder - Anbau größerer Balkone
Die neuen Bäder erhöhen nicht nur den Wohnkomfort, sondern steigern auch den Wert der Wohnungen. Der Anbau größerer Balkone verbessert die Aufenthaltsqualität im Freien und bietet den Bewohnern mehr privaten Raum im Außenbereich.
Auswirkungen auf die Wohnanlage
Die Maßnahmen insgesamt werten das Erscheinungsbild der in den 1960er-Jahren errichteten Wohnanlage sicht- und spürbar auf. Die Modernisierung verbindet energetische Effizienz mit ästhetischen Verbesserungen und schafft zeitgemäße Wohnverhältnisse in einer älteren Siedlung.
Burkhard Pawils, Vorsitzender des Vorstands der altoba, betont den Aufwand dieser Modernisierung: "Die Hälfte unseres rund 6.800 Einheiten umfassenden Wohnungsbestands ist 70 Jahre oder älter. Die Modernisierung und zeitgemäße Ausstattung dieser Wohnungen ist eine große Kraftanstrengung – nicht nur für die Genossenschaft, sondern vor allem auch für die betroffenen Bewohner."
Pawils weiter: "Die Mitglieder im Immenbusch/Glückstädter Weg haben mit ihrer Geduld und Kooperationsbereitschaft maßgeblich zum Erfolg der Maßnahme beigetragen." Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen der Genossenschaft und den Bewohnern während der oft belastenden Bauphase.
Die altoba, die 1892 gegründet wurde, ist eine Wohnungsbaugenossenschaft mit rund 16.500 Mitgliedern und bewirtschaftet rund 6.800 Wohnungen in vielen Hamburger Stadtteilen. Das Projekt im Immenbusch/Glückstädter Weg ist somit nur eines von vielen Modernisierungsprojekten, die die Genossenschaft in ihrem Bestand durchführt.
Städtebauliche Planungen für den Glückstädter Weg
Hintergrund der Planungen
Das Bezirksamt Altona plant eine Umgestaltung des Glückstädter Wegs im Stadtteil Osdorf. Diese Planung resultiert aus dem integrierten Entwicklungskonzept Osdorfer Born/Lurup und ist ein wichtiger Baustein des sogenannten Bildungsbandes. Die Planung bezieht sich speziell auf den Bereich zwischen der Einmündung Immenbusch und der Wendeanlage am westlichen Ende des Wegs.
Der Hintergrund für die Umgestaltung liegt im Neubau der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule. Mit der Neuorientierung der Schule in Richtung Glückstädter Weg soll der Zugang zum Schulgelände verbessert werden. Die Planung zielt darauf ab, die örtlichen Bildungs- und Freizeiteinrichtungen mit den Kulturstätten und dem Straßenraum zu verknüpfen.
Ziele der Umgestaltung
Die primären Ziele der geplanten Umgestaltung sind:
- Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
- Schaffung eines übersichtlicheren Zugangsbereichs zum Schulgelände
- Verbesserung der Schulwegsicherung
Diese Ziele spiegeln die städtebauliche Philosophie wider, die öffentliche Räume nicht nur als Verkehrswege, sondern auch als soziale und kulturelle Treffpunkte zu gestalten.
Beteiligungsformate für die Öffentlichkeit
Um die Nachbarinnen und Nachbarn sowie die interessierte Öffentlichkeit zu informieren und einzubinden, wurden zwei Beteiligungsformate umgesetzt. Zum einen gab es eine digitale Informationsveranstaltung, zum anderen wurde an zwei Tagen vor Ort informiert und diskutiert. Diese Form der Bürgerbeteiligung soll sicherstellen, dass die Interessen der Anwohner in die Planung einfließen.
Kontroverse um die Neugestaltung der Kehre
Planungsstand und Kosten
Seit 2018 bestehen Planungen, die Kehre des Glückstädter Wegs umzubauen. Der Anlass ist der Zugang zum Gelände der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule, der seit Fertigstellung des Schulneubaus über den Glückstädter Weg erfolgt. Ziel ist es, den Zugangsbereich zum Schulgelände übersichtlicher zu gestalten, um die Schulwegsicherheit zu verbessern.
Die Planung ist in der bereits siebenmal überarbeitet worden. Die geschätzten Baukosten für die aktuelle Planung belaufen sich auf 2,85 Millionen Euro. Dabei sind die Baukostensteigerungen der letzten beiden Jahre noch gar nicht berücksichtigt.
Bürgerproteste und Bedenken
Die Umsetzung der Pläne des Amtes für eine Neugestaltung der Kehre des Glückstädter Wegs setzt einen Grundstückstausch zwischen Stadt und der altoba voraus. Nach bisherigem Stand will die altoba diesen Grundstückstausch nur dann vollziehen, wenn die Mieter:innen der Wohnanlage mehrheitlich damit einverstanden sind.
Eine große Mehrheit der Mieter:innen hat sich jedoch gegen den Tausch ausgesprochen, da sich dadurch die Lage der für die Siedlung bestimmten Pkw-Stellplätze zum Nachteil der Mieter:innen verändert. Dieser Widerstand ist durch entsprechende Unterschriftensammlungen dokumentiert.
Zusätzliche Kritikpunkte sind:
- Der Wegfall von Parkplätzen im öffentlichen Straßenraum
- Die beabsichtigten Baumfällungen
In einer Großsiedlung, die seit Jahrzehnten vergeblich auf die Realisierung einer Schienenanbindung wartet, ist eine Reduzierung aktuell noch dringend benötigter Pkw-Stellplätze sachlich nicht zu vertreten.
Politische Entscheidung
Vor diesem Hintergrund hat der Ausschuss für regionale Stadtteilentwicklung und Wirtschaft mehrheitlich gegen die Stimmen der Fraktion GRÜNE empfohlen, das Bezirksamt gemäß § 19 Abs. [unvollständige Information] anzuweisen, von den Plänen abzusehen.
Die Kritik am Projekt umfasst auch die als unverhältnismäßig empfundenen Baukosten von rund 3,0 Millionen Euro. Die politische Entscheidung gegen das Projekt zeigt die Macht der Bürgerbeteiligung und die Bedeutung der Berücksichtigung lokaler Interessen in städtebaulichen Planungen.
Fazit
Die Modernisierung der Wohnanlage Immenbusch/Glückstädter Weg durch die altoba zeigt, wie erfolgreiche energetische Sanierungen in älteren Wohnsiedlungen aussehen können. Mit Investitionen von über 30 Millionen Euro, die durch Fördermittel und Kredite finanziert wurden, wurden 250 Wohnungen energieeffizienter und komfortabler gemacht. Die Maßnahmen von der Fassadendämmung bis zum Einbau neuer Bäder und größerer Balkone verbessern nicht nur die Wohnqualität, sondern auch den Wert der Immobilien.
Gleichzeitig zeigt der Konflikt um die Neugestaltung der Kehre des Glückstädter Wegs die Herausforderungen städtebaulicher Planungen in bestehenden Wohngebieten. Während das Bezirksamt mit den Umgestaltungsplänen Ziele wie verbesserte Schulwege und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verfolgt, stoßen diese auf den Widerstand der Anwohner, die um Parkplätze und Bäume fürchten. Der politische Beschluss gegen das Projekt unterstreicht die Wichtigkeit der Bürgerbeteiligung und des Ausgleichs zwischen städtebaulichen Visionen und den praktischen Bedürfnissen der Bewohner.
Die beiden Entwicklungen in Osdorf - die erfolgreiche Modernisierung durch die altoba und die gescheiterte städtebauliche Neugestaltung - zeigen exemplarisch die Spannungsfelder zwischen privater Wohnungsmodernisierung und öffentlicher Stadtentwicklung in modernen Großstädten.