Einleitung
Die Kniearthroskopie, auch als Kniespiegelung bezeichnet, ist eine minimalinvasive Operationstechnik zur Behandlung von Meniskusverletzungen. Durch kleine Hautschnitte werden eine Kamera und spezielle Instrumente in das Kniegelenk eingeführt, um den geschädigten Meniskus zu diagnostizieren und zu behandeln. Diese moderne Operationsmethode ermöglicht schonende Eingriffe mit schnellerer Erholung im Vergleich zu herkömmlichen chirurgischen Verfahren. In diesem Artikel werden die verschiedenen Aspekte der arthroskopischen Meniskus-Chirurgie detailliert beleuchtet.
Was ist der Meniskus und wofür brauchen wir ihn?
In jedem Kniegelenk befinden sich zwei Menisken, der Innen- und der Außenmeniskus. Diese halbmondförmigen, elastischen Knorpelscheiben liegen zwischen den Gelenkflächen des Ober- und Unterschenkels. Bei jeder Bewegung des Kniegelenks verschieben sich die Menisken und erfüllen dabei wichtige Funktionen: Sie stabilisieren das Knie und dienen als Puffer für eine optimale Druckverteilung zwischen den Gelenkflächen. Der Meniskus spielt eine entscheidende Rolle für die Gelenkfunktion und den Schutz des Knorpelbelags.
Wie kommt es zum Meniskusriss?
Die meisten Meniskusrisse sind verschleißbedingt und entstehen nicht primär durch Sportunfälle. Der natürliche Alterungsprozess führt zu Abnutzungserscheinungen am Meniskus, die oft unbemerkt bleiben. Ein solcher vorbestehender Verschleiß kann dann schon durch eine einzige falsche Bewegung zum Riss führen. In manchen Fällen, insbesondere bei jüngeren Menschen, können auch traumatische Ereignisse wie Sportunfälle zu Meniskusverletzungen führen.
Wie macht sich ein Meniskusriss bemerkbar?
Typisch für einen Meniscusschaden ist ein stechender Schmerz, der meist auf der Innenseite des Kniegelenks lokalisiert ist. In einigen Fällen kommt es zusätzlich zu einer Schwellung des Knies, die durch eine Flüssigkeitsansammlung im Gelenk, sogenannte Reizergüsse, verursacht wird. Durch die gestörte Gelenkmechanik produziert die Gelenkschleimhaut vermehrt Flüssigkeit, ähnlich wie die Nasenschleimhaut bei einer Erkältung. Besonders schmerzhaft sind eingeklemmte umgeschlagene Korbhenkelrisse, die oft mit einer Gelenkblockierung einhergehen.
Wie wird ein Meniskusriss diagnostiziert?
Die Diagnose eines Meniskusrisses erfolgt zunächst durch gezielte klinische Untersuchungen durch einen Knie-Spezialisten. Zur Sicherung der Diagnose und zur Beurteilung des genauen Ausmaßs des Schadens wird in der Regel eine Kernspinresonanz-Tomographie (MRT) durchgeführt. Diese bildgebende Untersuchung ermöglicht nicht nur die Beurteilung des Meniskus, sondern auch die gleichzeitige Erkennung anderer möglicher Gelenkschäden wie Knorpeldefekte oder Kreuzbandverletzungen.
Indikation für eine Arthroskopie
Ein Meniskusriss heilt in der Regel nicht von selbst, sondern wird durch die ständige Belastung im Alltag eher größer. Daher gibt es in der Regel keine Alternative zu einer arthroskopischen Operation. Eine frühzeitige exakte Diagnose ist besonders wichtig, damit aus einem kleinen Riss kein größerer Riss wird und somit weniger Meniskusgewebe entfernt werden muss als unbedingt erforderlich. Vergleiche mit Karies am Zahn drängen sich hier auf: Eine Sanierung sollte nicht erst erfolgen, wenn der Schmerz unerträglich wird.
Die arthroskopische Operation
Die Kniearthroskopie wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt, seltener unter Spinalanästhesie. Bei dieser Methode wird lediglich ein Schmerzmittel in den Rückenmarkskanal gespritzt, sodass der Patient während der Operation wach bleibt.
Vor dem Eingriff wird das Kniegelenk enthaart und der Arzt legt eine Blutsperre an, indem er eine aufblasbare Manschette um den Oberschenkel legt. Diese Blutsperre unterbricht die Durchblutung des Beines, was dem Operateur eine bessere Sicht auf das Kniegelenk und einen minimierten Blutverlust ermöglicht.
Anschließend setzt der Operateur kleine Schnitte (meist 5 mm) an der vorderen oder seitlichen Seite des Kniegelenks. Durch diese Schnitte führt er das Arthroskop mit einer Spezialkamera ein, die das Operationsgeschehen auf einen Monitor überträgt. Um Blut und andere Fremdbestandteile zu entfernen, wird das Gelenk während der Untersuchung mit Kochsalzlösung gespült.
Über weitere kleine Hautschnitte werden chirurgische Arbeitsinstrumente in das Kniegelenk eingeführt. Mit Tasthaken kann die Festigkeit von Bändern, Sehnen und Knorpeln überprüft werden.
Behandlungsmöglichkeiten bei Meniskusriss
Ziel jeder arthroskopischen Meniskus-Operation ist es, so viel Meniskusgewebe wie möglich zu erhalten. Dies gelingt am besten bei einem frischen Riss. In manchen Fällen kann der gesamte Meniskus erhalten werden, indem der Riss mit einer arthroskopischen Naht zusammengefügt wird (Meniskusnaht). In den meisten Fällen befindet sich jedoch an der Risskante ein zerfaserter Teil, der entfernt werden muss, bis nur noch festes, gesundes Gewebe besteht. Man spricht dann von einer Meniskusglättung oder Meniskusresektion.
Meniskusteilresektion / Meniskusglättung
Bei der Meniskusteilresektion wird das eingerissene, instabile Meniskusgewebe mit Spezialinstrumenten entfernt und die Ränder des verbliebenen Restmeniskus geglättet. Die stabilen, funktionsfähigen Restanteile werden dabei geschont.
Früher wurde ein gerissener Meniskus häufig vollständig entfernt. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass nach kompletter Entfernung eines Meniskus die etwa 7-fache Belastung auf den Gelenkknorpel einwirkt. Ziel der Meniskustherapie sollte daher sein, möglichst viel des Meniskusgewebes zu erhalten.
Nach einer Meniskusteilresektion sollte das operierte Bein für 3-5 Tage entlastet werden, d.h. der Patient benutzt Gehstöcke beim Gehen. Die Heilungsphase sollte durch begleitende Physiotherapie, d.h. Krankengymnastik, ggf. Lymphdrainage und Elektrotherapie unterstützt werden. Die Sportfähigkeit besteht in Abhängigkeit der betriebenen Sportart nach etwa 4-8 Wochen.
Meniskus-Refixation
Bei einem akuten Meniskusriss kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Meniskusnaht erfolgen. Hierbei stehen je nach Ort und Art des Risses unterschiedliche Nahttechniken zur Verfügung: all-inside, outside-in, inside-out sowie die Verwendung von Meniskusnahtankern.
Besonders bei jüngeren Patienten sollte diese Option unbedingt in Betracht gezogen werden, da der Meniskuserhalt das Risiko für eine spätere Kniearthrose deutlich reduziert. Die Wahl der Nahttechnik hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Lokalisation des Risses, die Art des Risses und die Beschaffenheit des Gewebes.
Um ein sicheres Einheilen des refixierten Meniskus zu gewährleisten, wird das Nachbehandlungsschema im Vergleich zur Meniskusteilentfernung je nach Rissart und Lokalisation angepasst. Meist erfolgt eine Limitierung der Belastung und des Bewegungsausmaßes für einen gewissen Zeitraum.
Nach arthroskopischer Meniskusnaht dauert die Nachbehandlung deutlich länger. Das Knie darf in der Regel für einige Wochen nicht voll belastet werden und bestimmte Bewegungen sind untersagt. Der Patient wird zum Schutz mit einer stabilisierenden Knie-Orthese versorgt, die bestimmte Bewegungen blockiert, damit der genähte Meniskus heilen kann. Eine Motorbewegungsschiene (CPM = Continuous Passive Motion) wird zum täglichen Üben für zu Hause verordnet, zudem ist stabilisierende Krankengymnastik zum Muskelaufbau notwendig. Zunehmende Belastung unter Freigabe der Beweglichkeit und langsamer Sportaufbau erfolgen nach etwa 6-12 Wochen.
Seltene Behandlungsoptionen
In seltenen Fällen kommt eine komplette Entfernung des Meniskus mit einem Meniskusersatz (Meniskustransplantation) in Betracht. Diese Operation kann ebenfalls über eine Kniespiegelung durchgeführt werden.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten durch Arthroskopie
Neben der Behandlung von Meniskusverletzungen kann die Kniearthroskopie auch für andere Eingriffe am Kniegelenk eingesetzt werden:
- Behandlung von Knorpeldefekten
- Behandlung von Kreuzbandverletzungen
- Entfernung abgebrochener Knorpel- oder Knochenteile
- Behandlung von Gelenkentzündungen oder -infektionen
- Synovektomie (Entfernung entzündeter Gelenkschleimhaut)
- Knorpelzelltransplantation
Verhalten nach der Kniegelenkspiegelung
Der Patient kann meist am selben Tag oder am Folgetag die Klinik verlassen. Aufgrund der körperlichen Einschränkung sollte der Patient zu Hause Hilfe haben. Der weitere Verlauf hängt von den in der Operation durchgeführten Maßnahmen ab. Individuell ist immer eine ärztliche Absprache notwendig, bevor das Knie weiter belastet wird.
Nach einer Meniskusteilresektion muss das Knie für einige Tage mit Unterarmgehstützen entlastet werden. Nach einer Meniskusnaht ist die Entlastungsphase deutlich länger und meist auch eine Orthese notwendig.
Kniearthroskopie – Nachbehandlung
Nach den meisten arthroskopischen Eingriffen erfolgt keine Ruhigstellung des Knies. Das Kniegelenk kann je nach Schmerztoleranz bereits voll belastet werden. Unterarmgehstützen sollten in Abhängigkeit von Schwellneigung für einige Tage verwendet werden. Ein spezielles krankengymnastisches Übungsprogramm ist nur bei anhaltenden Bewegungseinschränkungen notwendig.
Nach komplexeren Eingriffen, insbesondere nach Meniskusnähten, ist eine längere Nachbehandlung notwendig. Hierzu gehören: - Tragen einer Knie-Orthese - Einsatz einer Motorbewegungsschiene (CPM) - Krankengymnastik zum Muskelaufbau - Langsamer Wiederaufbau der Belastung - Stufenweiser Wiedereinstieg in sportliche Aktivitäten
Krankenhausaufenthalt
Die Kniespiegelung wird in der Regel ambulant durchgeführt. Der Patient kommt etwa eine Stunde vor der Operation in die Klinik und kann das Krankenhaus entweder am selben Tag oder nach einer Nacht wieder verlassen. Ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt kann bei komplizierteren Eingriffen notwendig werden, die eine Ruhigstellung des Knies oder aufwendigere Nachbehandlungen erfordern. Auch bei älteren Patienten empfehlen Ärzte häufig einen Krankenhausaufenthalt von zwei bis drei Tagen. Innerhalb dieser Zeit wird auch die Redon-Drainage wieder entfernt.
Fazit
Die arthroskopische Meniskus-Chirurgie hat sich als minimalinvasive und schonende Behandlungsmethode etabliert. Durch kleine Schnitte können complexe Eingriffe am Kniegelenk durchgeführt werden, was zu schnellerer Erholung und geringerer Belastung für den Patienten führt. Die Wahl zwischen einer Meniskusteilresektion und einer Meniskusnaht hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Patienten, die Art und Lokalisation des Risses sowie der Zeitpunkt der Verletzung. Ziel der Behandlung ist immer der Erhalt von so viel Meniskusgewebe wie möglich, da dies das Risiko für eine spätere Kniearthrose reduziert. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtige Voraussetzungen, um dauerhafte Gelenkschäden zu vermeiden.