Einleitung
Die Hinterlassenschaften des Uranbergbaus stellen eine der größten technischen und ökologischen Herausforderungen des 20. Jahrhunderts dar. Besonders in den ehemaligen Bergbaugebieten Sachsens und Thüringens hinterließ die Wismut, das größte Uranbergbauunternehmen der damaligen Sowjetunion, eine verheerende Umweltbilanz. Seit 1990 bemüht sich die bundeseigene Wismut GmbH um die Sanierung dieser radioaktiven Altlasten. In den vergangenen drei Jahrzehnten sind dafür bereits Kosten in Höhe von rund sieben Milliarden Euro angefallen. Dieser Artikel beleuchtet die Dimensionen der Sanierungsprojekte, die angewandten Techniken und die internationalen Kooperationen im Bereich der Uran-Altlastensanierung.
Die Dimension des Problems: Uranbergbau in Sachsen und Thüringen
Der Uranbergbau in Sachsen und Thüringen hatte eine immense Ausdehnung und umfasste ein weites Netzwerk von Bergwerken, Aufbereitungsanlagen und Halden. Diese Infrastruktur wurde für das Atomprogramm der damaligen Sowjetunion betrieben und hinterließ nach ihrer Stilllegung im Jahr 1990 eine verheerende Umweltbilanz.
Eine der größten Herausforderungen stellt die Sanierung der industriellen Absetzanlage Helmsdorf am Rand von Zwickau dar. Diese Anlage, die zu DDR-Zeiten der Uranaufbereitung diente, barg auf einer Fläche von rund 200 Hektar 50 Millionen Kubikmeter radioaktiver Rückstände, sogenannte Tailings. Die Sanierung dieser Anlage wurde als "in technischer, ökologischer und finanzieller Hinsicht eine der anspruchsvollsten Sanierungsaufgaben" beschrieben. Laut Wismut gabe es "weder national noch internationale Erfahrungen für die Sanierung von Absetzanlagen dieser Größenordnung".
Über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren wurden in dieses Projekt rund 300 Millionen Euro investiert. Die Arbeiten begannen mit unmittelbarer Gefahrenabwehr nach dem Ende des Uranabbaus. Zunächst wurden die Ränder der Anlagen bedeckt, um zu verhindern, dass radioaktiver Staub durch den Wind verbreitet wird. Anschließend wurde der 15 Meter hohe Wasserspiegel abgepumpt und die Schlämme entwässert, um das Gelände mit verschiedenen Schichten abdecken zu können. Ein Großteil des verwendeten Materials stammte von einer Bergehalde im benachbarten Crossen.
Die Kosten der Sanierung: Eine milliardenschwere Aufgabe
Die Sanierung der Uran-Altlasten in Deutschland erfordert immense finanzielle Mittel. L aktuellen Daten der Wismut GmbH beliefen sich die Ausgaben für das vergangene Jahr auf 127,7 Millionen Euro, was 2,5 Millionen Euro mehr als im Jahr 2021 entspricht. Seit Beginn der Sanierungsmaßnahmen im Jahr 1991 haben sich die Kosten für den Bund auf rund sieben Milliarden Euro summiert.
Etwas mehr als die Hälfte dieser Beträge entfiel auf die ehemaligen Wismut-Standorte in Thüringen. Die jüngsten Sanierungsarbeiten konzentrierten sich auf die Sicherung des letzten tagesnahen Grubenbaus in Schlema-Alberoda und die Fertigstellung der Sanierung der Halde 310 in Aue-Bad Schlema.
Trotz Herausforderungen durch Lieferkettenprobleme, die Energiekrise und Inflation gelang es der Wismut, das geplante Programm in den wesentlichen Punkten zu erfüllen. "An allen Standorten befindet sich die Kernsanierung in der finalen Phase oder ist bereits abgeschlossen", teilte das Unternehmen mit.
Das langwierigste Großprojekt ist die Sanierung der Absetzanlage Culmitzsch in Ostthüringen, die einst der Uranaufbereitung diente. Nach aktuellem Stand werden die Arbeiten dort noch bis 2028 dauern.
Technologische Lösungen bei der Sanierung radioaktiver Altlasten
Die Sanierung radioaktiver Altlasten erfordert spezielle technologische Verfahren und Know-how. Die Wismut GmbH hat über die Jahre ein umfangreiches Repertoire an Techniken entwickelt, um die verschiedenen Herausforderungen des Uranbergbau-Erbes zu bewältigen.
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Behandlung der radioaktiven Rückstände (Tailings). Diese werden zunächst entwässert, um das Volumen zu reduzieren und die Stabilität zu erhöhen. Anschließend werden die Schlämme mit speziellen Deckschichten abgedeckt, um die Ausbreitung radioaktiver Partikel zu verhindern. Diese Deckschichten bestehen aus mehreren Schichten mit unterschiedlichen Funktionen: eine Filterschicht, eine Drainageschicht und eine Schutzschicht aus Materialien wie Ton oder Geotextilien.
Bei der Sanierung der Absetzanlage Helmsdorf wurde beispielsweise ein Großteil des Materials von einer Bergehalde im benachbarten Crossen verwendet. Diese Materialien wurden so aufbereitet, dass sie als stabile Deckschicht dienen konnten.
Ein weiteres wichtiges Element ist die Sicherung von Bergbauanlagen. Dazu gehören das Versiegeln von Schächten, das Abdecken von Halden und die Stabilisierung von Böschungen. Besonders bei tagesnahen Grubenbauten ist es notwendig, Einstürze und das Eindringen von Oberflächenwasser zu verhindern, um die Auswaschung radioaktiver Substanzen zu verhindern.
Reduzierung des Abfallaufkommens
Ein bemerkenswerter Fortschritt in den Sanierungsarbeiten ist die signifikante Reduzierung des bei den Sanierungsarbeiten anfallenden Abfallaufkommens. Laut dem aktuellen Umweltbericht der Wismut sind im vergangenen Jahr nur noch knapp 3.600 Tonnen Abfall angefallen. Gegenüber 2021 ist die Menge somit um mehr als die Hälfte gefallen.
Diese Reduzierung ist das Ergebnis verbesserter Verfahren und einer effizienteren Nutzung der Ressourcen. Durch die Optimierung des Recyclings und die Wiederverwendung von Materialien vor Ort konnte der Bedarf an externen Deponieräumen deutlich verringert werden.
Internationale Kooperationen und Wissenstransfer
Die Expertise, die die Wismut GmbH bei der Sanierung der Uran-Altlasten in Deutschland gewonnen hat, wird international weitergegeben. Im April 2023 unterzeichnete das Unternehmen in Wien eine "Praktische Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Stilllegung, Sanierung und Nachsorge von Uran- und nuklearen Altlasten" mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA).
Dieses Abkommen markiert einen bedeutenden Schritt in der Partnerschaft, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten entwickelt hat. Der Wissenstransfer soll nun per Vertrag besiegelt und auf eine neue Stufe gehoben werden. "Das Abkommen schafft einen klaren Rahmen für zukünftige gemeinsame Initiativen und Aktivitäten", erklärte die Wismut GmbH.
Ziel der Zusammenarbeit ist es, "bestehende und künftige globale Herausforderungen bei der Stilllegung und Sanierung von Uran-Altlasten anzugehen". Dr. Michael Paul, Technischer Geschäftsführer der Wismut GmbH, betont: "Durch die enge Zusammenarbeit mit der IAEA tragen wir aktiv dazu bei, innovative und kosteneffiziente Lösungen für die Sanierung von Bergbau-Altlasten zu entwickeln."
Ein besonderer Schwerpunkt der zukünftigen Zusammenarbeit liegt auf der Ausweitung der von der IAEA koordinierten Aktivitäten zur Altlastensanierung in Zentralasien und auf dem afrikanischen Kontinent, insbesondere in der Koordinationsgruppe für Uran-Altlasten (CGULS) für Afrika.
Ein weiteres gemeinsames Ziel ist die stärkere Ausrichtung der Altlastensanierung auf die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Dadurch soll nicht nur die Umweltbelastung reduziert, sondern auch die Ressourceneffizienz verbessert werden.
Sanierungsprojekte in Zentralasien
Auch außerhalb Deutschlands gibt es erhebliche Anstrengungen zur Sanierung von Uran-Altlasten. Besonders in Zentralasien, wo seit Mitte der 1940er-Jahre eine wichtige Uranproduktionsregion in der ehemaligen Sowjetunion existierte, wurden große Mengen radioaktiv kontaminierten Materials in Abraumhalden und Deponien gelagert.
Nach der Schließung der meisten Minen Mitte der 1990er-Jahre blieben diese unsanierten Rückstände als Gefahr für die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung zurück. Zu den größten Gefahren zählte die mögliche Verschmutzung von Grund- und Oberflächenwasser.
Um diese Hinterlassenschaften zu sanieren, unterzeichnete die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) im Januar 2017 mit Kirgistan eine Rahmenvereinbarung. Die Aufräumarbeiten begannen in Schekaftar im Juli 2020 und wurden vom Environmental Remediation Account for Central Asia (ERA) finanziert, der von der EBRD verwaltet wird. Größte Geldgeberin ist die EU, aber auch Belgien, Litauen, Norwegen, Spanien, die Schweiz und die USA haben Beiträge geleistet.
Ende März 2022 verkündete die EBRD, dass die Sanierungsmaßnahmen in Min-Kusch und Schekaftar – trotz Schwierigkeiten wegen der Covid-19-Pandemie – fristgerecht und unter dem veranschlagten Budget abgeschlossen werden konnten. "Beide Standorte wurden im Dezember 2021 beziehungsweise Februar 2022 von den kirgisischen Behörden zertifiziert und abgenommen", so die EBRD.
Bei den Sanierungsarbeiten in Schekaftar, das im südwestlichen Teil Kirgistans nahe der usbekischen Grenze liegt und rund 3700 Einwohner hat, wurden Minenöffnungen geschlossen, Abraumhalden beseitigt und Bergbauanlagen abgerissen und entsorgt. Besonders hervorzuheben ist der Aspekt der Nachhaltigkeit: "Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten in Schekaftar erhielten die Anwohner neue Flächen für die private, kommunale und geschäftliche Nutzung", erklärte die EBRD. Zum Umfang der Arbeiten gehörte auch die Modernisierung wichtiger lokaler Infrastrukturen wie einer Wasserleitung, die nun eine zusätzliche und dringend benötigte Wasserversorgung für die Bevölkerung gewährleistet, sowie einer Brücke und von Straßen.
Auch das Dorf Min-Kusch, was auf Kirgisisch "tausend Vögel" bedeutet und etwa 130 Kilometer südlich von Bischkek am Ufer des Min-Kusch-Flusses im Tian-Shan-Gebirge liegt, wurde erfolgreich saniert.
Fazit
Die Sanierung der Uran-Altlasten in Deutschland und international ist eine der größten technischen und finanziellen Herausforderungen im Bereich des Umweltschutzes. Die bundeseigene Wismut GmbH hat seit 1990 beeindruckende Fortschritte bei der Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranbergbaus in Sachsen und Thüringen erzielt. Mit Investitionen von rund sieben Milliarden Euro wurden zahlreiche Großprojekte abgeschlossen, darunter die Sanierung der industriellen Absetzanlage Helmsdorf bei Zwickau.
Die entwickelten Technologien und Verfahren haben sich bewährt – das bei den Sanierungsarbeiten anfallende Abfallaufkommen hat sich in den letzten Jahren mehr als halbiert. Gleichzeitig hat die Wismut ihr Know-how international geteilt und arbeitet nun eng mit der IAEA zusammen, um globale Herausforderungen bei der Sanierung von Uran-Altlasten zu bewältigen.
Auch in anderen Regionen wie Zentralasien werden erfolgreich Uran-Altlasten saniert, oft mit internationaler Unterstützung. Diese Projekte zeigen, dass die Sanierung radioaktiver Altlasten zwar aufwendig und teuer, aber machbar ist und nicht nur die Umwelt schützt, sondern auch zur nachhaltigen Entwicklung der betroffenen Regionen beiträgt.
Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass die Kernsanierung der Uran-Altlasten in Deutschland in die finale Phase eingetreten ist. Das langwierigste Großprojekt, die Sanierung der Absetzanlage Culmitzsch in Ostthüringen, wird voraussichtlich bis 2028 andauern. Danach könnte Deutschland eine der ersten Länder sein, die die Sanierung der Uran-Altlasten aus der Zeit des Kalten Krieges erfolgreich abgeschlossen haben.
Quellen
- Sanierung von Altlasten des Uranabbaus : Materialsammlung
- Kosten für Wismut-Sanierung liegen mittlerweile bei über sieben Mrd. Euro
- Sanierung von Uranbergbau-Altlasten abgeschlossen
- Experte für Uran-Altlasten in Thüringen und Sachsen: Wismut gibt Know-how an die Welt weiter
- Sanierung von Uranbergbau-Altlasten abgeschlossen
- Kirgistan: Altlastensanierung an zwei Standorten abgeschlossen
- Uranerzbergbau in Sachsen und Thüringen: Die Sanierung der Hinterlassenschaften