Einleitung
Der S-Bahnhof Aubing im Münchner Westen ist seit über 40 Jahren ein zentrales Thema für Anwohner, Politiker und Bürgerinitiativen. Die dringende Forderung nach barrierefreiem Zugang zu den Bahnsteigen prägt die lokale Debatte, während gleichzeitig der historische Neuaubinger Bahnhof unter Denkmalschutz-Diskussion steht. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Herausforderungen bei der Sanierung und Modernisierung der Bahnhöfe im Aubinger Raum, die jahrzehntelangen Bemühungen um Barrierefreiheit sowie die Balance zwischen Erhaltung von historischer Bausubstanz und den Anforderungen an moderne, zugängliche Infrastruktur.
Historischer Hintergrund der Bahnhöfe in Aubing und Neuaubing
Die Bahnhofsgebäude in Aubing und Neuaubing haben eine lange Geschichte, die bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückreicht. Der Neuaubinger Bahnhof wurde 1905 zunächst als einfacher Halteplatz von den Königlich-Bayerischen Staatseisenbahnen in Betrieb genommen. Im Folgejahr erhielt die Station eine Toilette und einen Unterstand. Mit der Inbetriebnahme der Centralwerkstätte Aubing, die ab 1900 südlich des Bahnhofs errichtet wurde, wurde der Haltepunkt 1906 zum Bahnhof mit eigenem Stellwerk aufgewertet.
Im Jahr 1908 erhielt der Neuaubinger Bahnhof sein bis heute erhaltenes zweigeschossiges Empfangsgebäude aus Backstein. Dieses Gebäude gilt bis heute als "prägend für den Stadtteil" und wird von Lokalpolitikern als wichtiges Zeitzeugnis der Eisenbahngeschichte betrachtet. Die Entstehung des Bahnhofs stand in direktem Zusammenhang mit der Anbindung der Centralwerkstätte an das Schienennetz, was die industrielle Entwicklung des Gebiets maßgeblich förderte.
Der Aubinger Bahnhof hat ebenfalls eine lange Geschichte, wobei die genauen historischen Details in den Quellen nicht detailliert beschrieben werden. Beide Bahnhöfe spiegeln die Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur im Münchner Westen wider und prägen bis heute das Stadtbild und die städtebauliche Entwicklung der Stadtteile.
Die Barrierefreiheitsproblematik am Aubinger Bahnhof
Die zentrale Herausforderung am Aubinger Bahnhof ist seit Jahrzehnten die fehlende Barrierefreiheit. Bislang existieren auf der Aubinger Seite zum Bahnhof und zu den Zügen lediglich Treppen. Dies stellt für zahlreiche Bevölkerungsgruppen erhebliche Hürden dar. Menschen mit Behinderungen, Eltern mit Kinderwagen, Radfahrer und ältere Bürger haben große Schwierigkeiten, den Bahnhof zu nutzen.
Ein in den Quellen erwähntes YouTube-Video zeigt eindrücklich, wie Menschen mit Gehhilfen, Rollatoren, Fahrrädern oder Kinderwagen mühsam über die steilen Treppen klettern und ihre Lasten tragen müssen. Eine Rollstuhlfahrerin wird im Video sogar gezeigt, die umdreht, da sie die Treppen nicht überwinden kann. Die Situation ist besonders problematisch, da der Aubinger Bahnhof ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist, der nicht nur dem Bahnhof selbst, sondern auch als Verbindung zur anderen Seite nach Neu-Aubing dient.
Die Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing e.V. hat die unzureichende Barrierefreiheit wiederholt thematisiert und betont, dass "die Situation nicht länger hingenommen werden kann". Die fehlende Barrierefreiheit schränkt somit die Mobilität und Teilhabe vieler Bürger erheblich ein und verstößt gegen moderne Anforderungen an eine inklusive Gesellschaft.
Jahrzehntelange Bemühungen und politische Initiativen
Die Forderung nach barrierefreiem Zugang ist seit über 40 Jahren ein Politikum in Aubing. Zahlreiche Versuche von Bürgerinitiativen, den Ausbau voranzutreiben, sind bisher gescheitert. Die Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing e.V. engagiert sich seit langem für eine konstruktive Lösung und hat mehrfach Anträge auf der Bürgerversammlung gestellt, die mit Mehrheit angenommen wurden.
Im Juli 2025 veranstaltete die SPD-Landtagsabgeordnete Katja Weitzel einen Runden Tisch mit Vertretern der Stadt, der Bahn, Bürgerinitiativen, Behindertenbeiräten und Bezirksräten, um einen Dialog über den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs zu ermöglichen. Weitzel betonte, dass die Situation nicht länger hingenommen werden könne und forderte den Freistaat auf, den vorgezogenen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs in die Tat umzusetzen. Ihr Engagement zeigt, dass hier wirklich etwas bewegt werden soll, denn der Druck aus der Bevölkerung wächst.
Die SPD-Politikerin kritisierte, dass es "nicht akzeptabel" sei, "weitere Jahrzehnte auf den barrierefreien Ausbau des Aubinger Bahnhofs zu warten". Das "breite Geflecht an Zuständigkeiten" erschwere den Prozess zusätzlich. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass der viergleisige Ausbau der S4 zwar in Planung sei, ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung jedoch fehle.
Die Behelfsrampe als Übergangslösung
Nach jahrelangen Debatten beschloss der Münchner Stadtrat schließlich einstimmig den Bau einer Behelfsrampe am Aubinger Bahnhof. Der FDP-Stadtrat Fritz Roth hatte den Antrag eingebracht, nachdem zuvor im Planungsausschuss noch ein Veto von SPD und Grünen drohte. Die Regierungskoalition handelte jedoch "pragmatisch" und unterstützte das Vorhaben.
Das Planungsreferat wurde gebeten, "so schnell wie möglich" eine Planung vorzulegen, und das Baureferat wurde beauftragt, die Behelfsrampe bis Jahresende 2023 zu errichten. Ziel war es, sowohl eine Behelfsrampe am Ausgang der Unterführung Richtung Ortsmitte Altaubing als auch eine Behelfsrampe am Bahnsteig zwischen Gleis 1 und 2 zu errichten.
Trotz dieser Beschlüsse hat sich, wie in Quellen berichtet wird, "ausser Gesprächen, nichts getan". Die Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing e.V. wandte sich daraufhin in einem offenen Brief direkt an Oberbürgermeister Dieter Reiter, um den Druck auf die Verwaltung zu erhöhen. Im Brief heißt es: "Es ist inakzeptabel, dass Menschen mit Behinderungen oder mobilen Einschränkungen nach wie vor aufgrund fehlender Barrierefreiheit am Bahnhof Aubing benachteiligt sind".
Die Unzufriedenheit der Anwohner zeigt sich auch darin, dass bereits 2020 Zweifel geäußert wurden, ob die Unterführung am Aubinger Bahnhof "bis zur 150Jahr-Feier noch barrierefrei wird". Die Bürgervereinigung appellierte an die Verwaltung, "sich zu sputen", da die Versprechen der Politik sich immer wieder als leere Worte erwiesen.
Der viergleisige Ausbau als langfristige Lösung
Ein langfristiger Lösungsansatz ist der viergleisige Ausbau der S4, der seit Januar 2025 in Planung ist und auch Barrierefreiheit vorsieht. Ein konkreter Baubeginn ist jedoch in naher Zukunft nicht absehbar. Dieser Ausbau würde den gesamten Bahnhofsbereich grundlegend verändern und endlich barrierefrei gestalten.
Die SPD-Landtagsabgeordnete Katja Weitzel betonte, dass "für den viergleisigen Ausbau der S4 die Weichen gestellt" seien, "allerdings ist nicht absehbar, wann dieses Projekt realisiert wird". Sie kritisierte, dass es "nicht akzeptabel" sei, "weitere Jahrzehnte auf den barrierefreien Ausbau des Aubinger Bahnhofs zu warten". Die Anwohner seien "dies nicht mehr zumutbar" und die Situation könne "auch nicht mehr glaubwürdig vermittelt werden".
Die Verzögerungen beim Ausbau sind auf ein "breites Geflecht an Zuständigkeiten" zurückzuführen, was den Prozess zusätzlich erschwert. Während die Planung für den Ausbau vorangetrieben wird, bleiben die kurzfristigen Lösungen wie die geplante Behelfsrampe aus.
Denkmalschutz und historische Bausubstanz in Neuaubing
Während die Diskussionen um die Barrierefreiheit am Aubinger Bahnhof andauern, gibt es parallel Bestrebungen, den historischen Neuaubinger Bahnhof unter Denkmalschutz zu stellen. Der örtliche Bezirksaussuss hat einen Antrag der CSU im August einstimmig verabschiedet, der das unter Denkmalschutz stellen des Neuaubinger Bahnhofs wünscht.
Das Gebäude sei 1908 errichtet worden und noch heute prägend für den Stadtteil, heißt es im Antrag. Initiator Sebastian Kriesel (CSU) möchte ein Vorgehen wie beim Aubinger Bahnhofsgebäude verhindern, das in den 80er-Jahren abgerissen wurde, "was unter heutigen Denkmalschutzkriterien sicher nicht mehr möglich wäre". Der Backsteinbau soll als "Zeitzeugnis unbedingt erhalten und wieder geschätzt" werden.
Die historische Bedeutung des Neuaubinger Bahnhofs wird auch durch seine Entstehungsgeschichte unterstrichen. Die Station entstand, weil die Centralwerkstätte Aubing, die ab 1900 südlich davon errichtet wurde, ans Schienennetz angebunden werden sollte. Die Königlich-Bayerischen Staatseisenbahnen nahmen die Station am 20. November 1905 zunächst als Halteplatz in Betrieb, bevor sie 1906 zum Bahnhof aufgewertet wurde.
Fazit
Die Sanierung und Modernisierung der Bahnhöfe in Aubing und Neuaubing steht vor erheblichen Herausforderungen. Einerseits besteht ein dringender Bedarf an barrierefreien Zugängen, der seit über 40 Jahren nicht gelöst wurde. Andererseits gilt es, den historischen Charakter des Neuaubinger Bahnhofs zu erhalten. Während kurzfristig eine Behelfsrampe als Übergangslösung geplant ist, bleibt die langfristige Lösung durch den viergleisigen Ausbau ungewiss.
Die komplexen Zuständigkeiten und Verzögerungen im Planungsprozess haben dazu geführt, dass die dringenden Bedürfnisse der Bevölkerung bisher nur unzureichend adressiert wurden. Die weiter anhaltenden Bemühungen von Politikern wie Katja Weitzel und Bürgerinitiativen deuten jedoch darauf hin, dass das Thema weiter auf der Agenda bleiben wird.
Die Balance zwischen Denkmalschutz und Modernisierung stellt eine besondere Herausforderung dar. Während der historische Neuaubinger Bahnhof erhalten bleiben soll, muss gleichzeitig der Aubinger Bahnhof dringend barrierefrei gestaltet werden. Die Lösung dieser Spannungsfelder erfordert weiterhin konstruktive Gespräche zwischen allen Beteiligten und eine klare Priorisierung der Bedürfnisse der Anwohner.
Quellen
- Bürgerdialog.online - Bahnhof Aubing Barrierefreiheit
- tz.de - Denkmalschutz für Bahnhof im Münchner Westen gefordert
- Süddeutsche Zeitung - Aubing Bahnhof Rampe
- mein-muenchen.net - Barriererefreier Bahnhof Aubing
- Katja Weitzel - Barriererefreier Ausbau Bahnhof Aubing
- lebenswertesaubing - Barrierefreier S4 Bahnhof Aubing
- Wochenanzeiger - Wann wird die S-Bahn Station Aubing barrierefrei
- lebenswertesaubing - Telegramm Barrierefreier S4 Bahnhof Aubing