Einleitung
Das Münchner Stadtmuseum, als größtes kommunales Museum Deutschlands, befindet sich seit Januar 2024 in einer der umfassendsten Generalsanierungen seiner über 130-jährigen Geschichte. Das Architekturbüro Auer Weber wurde mit der anspruchsvollen Aufgabe betraut, das denkmalgeschützte Gebäudeensemble für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts fit zu machen, ohne dabei die historische Substanz zu beeinträchtigen. Mit geschätzten Kosten von 270 bis 271 Millionen Euro und einer geplanten Bauzeit bis 2031 stellt dieses Projekt eines der größten Sanierungsvorhaben Münchens dar. Dieser Artikel beleucht die Konzeption, Herausforderungen und Besonderheiten dieses ambitionierten Bauvorhabens.
Das Münchner Stadtmuseum: Historischer Überblick und bauliche Ausgangslage
Das Münchner Stadtmuseum wurde 1888 gegründet und beherbergt heute eine Sammlung von über vier Millionen Objekten, die die Geschichte Münchens von verschiedenen Perspektiven beleuchten. Die Sammlungen umfassen Fotografie, Grafik, Kunst, Mode, Musik sowie die Migrationsforschung. Zum Institutionenverbund gehört auch das Filmmuseum München.
Die bauliche Struktur des Museums ist ebenso vielfältig wie seine Sammlungen. Der Gebäudekomplex umfasst einen gesamten Block zwischen St.-Jakobs-Platz, Sebastiansplatz und Rindermarkt und erstreckt sich um zwei große Innenhöfe. Die einzelnen Bauteile stammen aus verschiedenen Epochen – einige gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück, andere sind Rekonstruktionen oder Zeugen neuerer Bauzeiten. Diese architektonische Vielfalt stellt sowohl das kulturelle als auch das technische Erbe der Stadt dar.
Laut den vorliegenden Informationen entsprachen die Bausubstanz, Infrastruktur, Serviceeinrichtungen und Ausstattung des größten kommunalen Museums Deutschlands nicht mehr den heutigen Standards. Die Generalsanierung und Neukonzeption war daher dringend erforderlich, um die Institution für die Zukunft zu rüsten.
Die Herausforderung: Denkmalschutz im Einklang mit modernen Anforderungen
Das Architekturbüro Auer Weber, das bereits vor einigen Jahren durch ein VOF-Verfahren und anschließende Verhandlungen den Zuschlag erhalten hatte, sieht die größte Herausforderung in der Verbindung von Denkmalschutz und Zukunftsfähigkeit. Der Entwurf sieht einen äußerst respektvollen Umgang mit dem Bestand vor, bei dem neue Elemente das historisch gewachsene Ensemble behutsam ergänzen.
Moritz Auer, Architekt und Geschäftsführer des Büros Auer Weber in München, beschreibt den Ansatz wie folgt: "Mit der Generalsanierung wird ein Entwurf umgesetzt, der Denkmalschutz mit Zukunftsanforderungen verbindet. Der künftig überdeckte Innenhof des Gsaengertraktes wird zur multifunktional nutzbaren Museumslobby und ist als Erweiterung des öffentlichen Raumes konzipiert."
Die Komplexität des Projekts resultiert aus der Tatsache, dass das Museum aus verschiedenen Häusern besteht, die aus den unterschiedlichsten Epochen stammen – vom 14. bis zum 20. Jahrhundert. Diese Häuser müssen im Zuge der Sanierung zu einem funktionierenden Gebäudeensemble verbunden werden, unter strikter Beachtung der Denkmalschutzauflagen. Münchens Baureferentin Dr. Jeanne-Marie Ehbauer bezeichnet dies als "keine leichte Sache", betont aber gleichzeitig die symbolische Bedeutung: "Dennoch sei es schön, wenn die Geschichte der Stadt quasi vom eigenen Museum reflektiert werde."
Kernstücke der Sanierung: Neugestaltung und Öffnung des Innenhofs
Ein zentrales Element der Sanierung ist die Neugestaltung der beiden Innenhöfe. Der nördliche Innenhof, der bisher eher unauffällig war, wird zum Herzstück des umgestalteten Museums. Er soll durch eine vollflächige Glasüberdachung zur neuen Museumslobby aufgewertet werden. Dieser Raum wird als öffentlich zugänglicher "städtischer Platz" im Herzen Münchens konzipiert, mit hohem Aufenthaltswert und multifunktionaler Nutzbarkeit.
Wie an einem städtischen Platz sollen sich im Erdgeschoss der denkmalgerecht sanierten Innenhoffassaden die vielfältigen Angebote des Museums gruppieren: Kasse, Museumsshop, Espressobar, Studio- und Workshopflächen sowie ein großer Veranstaltungssaal. Diese Anordnung soll das Programm des Stadtmuseums zukünftig bereichern und gleichzeitig eine neue Verbindung zur Stadt herstellen.
Ein weiteres markantes Element ist ein begehbarer weißer Würfel, der als Kernstück des neuen Innenhofs dienen soll. An seiner Außenwand sollen Hunderte LED-Leuchten ausstellungsbegleitende Bilder anzeigen. Dieser Kubus wird nicht nur ein optischer Blickfang, sondern auch ein funktionales Zentrum des Museums darstellen.
Neue Zugänglichkeit: Öffnung zur Stadt
Die Generalsanierung ermöglicht eine grundlegende Neukonzeption der Erschließung des Museums. Eine wesentliche Prämisse der Planung war es, das Museum nicht nur von Süden über den bekannten Eingang am St.-Jakobs-Platz zu erschließen, sondern auch auf der Nordseite großzügig zur Stadt hin zu öffnen.
Dazu entsteht ein neuer Haupteingang am Rindermarkt, der zukünftig direkt in den nördlichen Innenhof des Museumskomplexes führen wird. Diese neue Zugangsvariante verbessert nicht nur die Erreichbarkeit des Museums, sondern schafft auch eine städtebauliche Verbindung zu benachbarten Räumen. Ein zusätzlicher Durchgang, der den Innenhof mit dem Sebastiansplatz verbindet,进一步增强 diese Öffnung zur Innenstadt.
Kristina Frank hebt den städtebaulichen Mehrwert hervor: "Städtebaulich schafft das neue Konzept mit dem offenem Eingang und dem überdachten Innenhof gleich doppelt Mehrwehrt. Es rückt das Museum näher an die Stadt heran und ergänzt die innerstädtische Platzabfolge, in dem ein verbindendes Glied zum St.-Jakobs-Platz und dem Jüdischen Zentrum entsteht."
Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit als ziele
Neben der baulichen und konzeptionellen Neugestaltung verfolgt das Sanierungsvorhaben zwei weitere wichtige Ziele: die Umsetzung von Inklusion und Barrierefreiheit sowie die Erreichung von Klimaneutralität.
Die Generalsanierung ermöglicht es, laut Aussage der Verantwortlichen, den Wunsch von Inklusion und Barrierefreiheit umzusetzen. Diese Verbesserung der Zugänglichkeit wird ein wesentlicher Beitrag zur modernen Museumsarchitektur sein.
Darüber hinaus soll das Gebäude ertüchtigt werden, um die angestrebte Klimaneutralität des stadteigenen Gebäudebestandes zu unterstützen. Dieses Ziel entspricht den aktuellen Anforderungen an nachhaltiges Bauen und wird die Betriebskosten des Museums langfristig reduzieren.
Die Herausforderung des Exponatentransports
Bevor mit den eigentlichen Bauarbeiten beginnen kann, muss eine enorme logistische Bewältigungsaufgabe gelöst werden: der Transport von rund drei Millionen Exponaten. Die Sammlung des Museums reicht von der Kutsche eines "Floh Circus" aus dem Jahre 1906 bis zum Hausmantel von König Ludwig I. und umfasst Objekte unter extrem verschiedenen klimatischen Bedingungen.
Dr. Frauke von der Haar, Direktorin des Münchner Stadtmuseums, beschreibt diesen Prozess als "größte Herausforderung" für die kommenden eineinhalb Jahre. Besonders anspruchsvoll ist, dass die Exponate unter bestimmten klimatischen Bedingungen aufbewahrt werden müssen, die auch während des Umzugs ins Zwischenlager aufrechterhalten werden müssen.
Die Lösung für dieses Problem ist die Nutzung der ehemaligen Räume der Filmtechnikfirma Arri in der Türkenstraße als Zwischenlager. Diese Räume werden speziell für die Aufbewahrung der Kunst- und Kulturgüter hergerichtet und ermöglichen es, die notwendigen klimatischen Bedingungen während der Übergangsphase aufrechtzuerhalten.
Zeitplan und Kosten des Sanierungsprojekts
Der Zeitplan für das Sanierungsprojekt ist ambitioniert und umfasst mehrere Phasen:
Phase 1 (2024-2025): Vorbereitungs- und Umzugsphase
- Schließung des Museums im Januar 2024
- Umzug der Exponate ins Arri-Zwischenlager (laufend)
- Abschluss der Vorbereitungsarbeiten (geplant bis Mitte 2025)
Phase 2 (2025-2031): Hauptbauphase
- Beginn der eigentlichen Sanierungs- und Umbauarbeiten (geplant Mitte 2025)
- Umsetzung der geplanten architektonischen Veränderungen
- Neukonzeption der Ausstellungsräume
Phase 3 (2031): Wiedereröffnung
- Geplante Wiedereröffnung des Museums im Jahr 2031
Die Kosten für das gesamte Projekt werden auf 270 bis 271 Millionen Euro geschätzt. Diese Summe spiegelt den Umfang und die Komplexität des Vorhabens wider, das nicht nur die Sanierung bestehender Bausubstanz, sondern auch die Neukonzeption großer Bereiche des Gebäudekomplexes umfasst.
Das Projekt im Kontext Münchner Stadtpolitik
Das Generalsanierungsprojekt wird nicht nur als kulturelle, sondern auch als städtebauliche Maßnahme verstanden. Es koordiniert das Kommunalreferat mit seiner breiten Erfahrung in Kulturbauten. Kristina Frank erklärt: "Als Objektverantwortlicher und Bauherr koordiniert so das Kommunalreferat mit seiner breiten Erfahrung in Kulturbauten die Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums."
Besonders erwähnenswert ist die bereits realisierte Interimslösung auf dem Arri-Gelände, die alle Anforderungen des Museums erfüllt: Büro- und Arbeitsräume für Personal, Depotbedarf für Kunst- und Kulturgut sowie Restaurierungs-Ateliers. Diese Lösung ermöglicht es dem Museum, auch während der Schließzeit seine Arbeit fortzusetzen.
Das Museum während der Schließzeit
Obwohl die physischen Türen des Museums geschlossen sind, bleibt die Institution sichtbar und aktiv. Eine Kooperation mit der Kunsthalle München wurde bereits begonnen, und 2024 wird dort eine Ausstellung zum Münchner Jugendstil stattfinden. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass das Stadtmuseum auch während der langen Schließzeit präsent bleibt und seine Bildungs- und Kulturarbeit fortsetzen kann.
Dr. Frauke von der Haar betont: "Wir wollen sichtbar bleiben." Diese Philosophie spiegelt sich in den verschiedenen Maßnahmen wider, mit denen das Museum seine Präsenz in der Stadt aufrechterhält, während das Hauptgebäume saniert wird.
Fazit
Die Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums durch Auer Weber stellt eines der anspruchsvollsten Bauvorhaben Münchens der kommenden Jahre dar. Das Projekt beweist, wie Denkmalschutz und moderne Architekturansprüche in Einklang gebracht werden können. Die Neugestaltung der Innenhöfe, die Schaffung neuer Zugänge und die Umsetzung von Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit machen das Museum zukunftsfähig, ohne seinen historischen Charakter zu verlieren.
Mit der geplanten Wiedereröffnung 2031 wird das Münchner Stadtmuseum nicht nur als kulturelle Einrichtung, sondern auch als städtebaulicher Akzent im Herzen Münchens eine neue Qualität erreichen. Die Verbindung zwischen dem historischen Gebäudeensemble und den modernen Elementen schafft einen Raum, der sowohl die Geschichte Münchens bewahrt als auch Platz für zukünftige kulturelle Entwicklungen bietet.
Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie große Sanierungsvorhaben nicht nur technische Herausforderungen lösen, sondern auch städtebauliche und kulturelle Impulse setzen können. Die enge Abstimmung zwischen den beteiligten Institutionen, die professionelle Planung durch Auer Weber und die sorgfältige Umsetzung der Denkmalschutzauflagen werden entscheidend für den Erfolg dieses ambitionierten Vorhabens sein.