Einleitung
Die Sanierung des Freiburger Augustinermuseums stellt eines der umfassendsten und langwierigsten Bauprojekte der Stadt dar. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren wird das denkmalgeschützte mittelalterliche Gebäude grundlegend saniert und für die Anforderungen eines modernen Museums ertüchtigt. Nach jahrzehntelanger Bauarbeit nähert sich das Projekt nun seiner Vollendung, und das Museum soll im Februar 2026 wieder vollständig für Besucher geöffnet werden. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, Herausforderungen und Besonderheiten dieser außergewöhnlichen Sanierungsmaßnahme.
Historischer Hintergrund
Das Augustinermuseum in Freiburg ist ein bedeutendes historisches Gebäude, das vor rund 700 Jahren als Teil eines ehemaligen Klosters erbaut wurde. Das Gebäudeensemble steht unter Denkmalschutz und ist von großer kulturhistorischer Bedeutung für die Stadt. Vor Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 2004 entsprach das Gebäude jedoch nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Museum.
Das Museum ist bekannt für seine vielfältigen Ausstellungen und umfangreichen Sammlungen, darunter stadt- und kulturgeschichtliche Bestände sowie bürgerliche Sammlungen, die über Jahre eingelagert waren. Die denkmalgeschützte Bausubstanz, darunter spätgotischer Putz, Rankenmalereien und historische Kirchenecken, erforderte besondere Aufmerksamkeit während der Sanierungsarbeiten.
Bauphasen der Sanierung
Die Sanierung des Augustinermuseums wurde in drei großen Bauabschnitten durchgeführt, die jeweils unterschiedliche Teile des Gebäudekomplexes umfassten:
Bauphase 1: Die ehemalige Klosterkirche (2010)
Der erste Bauabschnitt konzentrierte sich auf die ehemalige Klosterkirche, die bereits 2010 als erstes Etappenziel fertiggestellt wurde. In diesem Abschnitt wurde das Kirchengebäude für museale Zwecke hergerichtet und die Grundlage für die weitere Sanierung geschaffen. Die Eröffnung dieses ersten Abschnitts markierte einen wichtigen Meilenstein im Gesamtprojekt.
Bauphase 2: Das Haus der Graphischen Sammlung (2016)
Im zweiten Bauabschnitt wurde das Haus der Graphischen Sammlung saniert. Dieser Teil des Projekts wurde 2016 abgeschlossen, und in diesem Jahr zogen die Bestände des Augustinermuseums und des Museums für Neue Kunst in die renovierten Räume ein. Damit konnten bereits Teile der Sammlungen wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Bauphase 3: Das Konventgebäude (2025-2026)
Der dritte und letzte Bauabschnitt konzentriert sich auf das ehemalige Konventgebäude. Dieser Abschnitt befindet sich derzeit in der Endphase und soll mit der Eröffnung des Museums am 28. Februar 2026 abgeschlossen sein. In diesem Teil des Projekts entstehen moderne Ausstellungsräume für die stadt- und kulturgeschichtlichen Sammlungen, die bisher eingelagert waren. Hinzu kommen ein Auditorium, die Welte-Lounge und das Museumscafé, das auch die attraktiven Außenflächen wie den Kreuzganginnenhof und den Zinnengarten einbezieht.
Technische Herausforderungen und Lösungen
Die Sanierung des Augustinermuseums stellte die Baubeteiligten vor zahlreiche technische Herausforderungen. Wie Projektleiterin Michaela Hetzel berichtete, seien während der Arbeiten Schäden zu Tage gefördert worden, die am Anfang noch gar nicht bekannt waren. So sei man ursprünglich von einem geringfügigen Austausch von Deckenbalken ausgegangen, letztendlich seien es aber 90 Prozent des Bestandes gewesen.
Ein zentrales Anliegen war die Entwicklung eines Klimakonzepts, das die wertvollen Ausstellungsobjekte schützt. Wie Andrea Kratzer, Leiterin des Gebäudemanagements, betont: "Wir brauchen eine konstante Temperatur für die Kunstwerke und müssen das Haus trocken halten." Dazu wurde die Haustechnik komplett erneuert, um optimale Bedingungen für die Exponate zu schaffen. Die Beschattung und das angenehme Klima in den Räumen sind nicht für die Besucher, sondern primär für die ausgestellten Kunstwerke notwendig.
Parallel zur Modernisierung der Technik wurden historische Bausubstanzen freigelegt und restauriert. Dazu gehören eine Kirchenecke, spätgotischer Putz und eine Rankenmalerei, die bei den Arbeiten entdeckt wurden. Diese Elemente werden bei einem Rundgang durch das Museum sichtbar sein und machen das Gebäude selbst zum Exponat.
Ein besonderes Problem ergab sich 2021, als Planungen in eine Sackgasse führten. Dies erforderte eine Neuvergabe der Arbeiten, was zu Zeitverzögerungen führte. Dennoch konnte der Zeitplan für die Fertigstellung im Großen und Ganzen eingehalten werden.
Räumliche Konzeption und Ausstattung
Nach der Sanierung wird das Augustinermuseum über moderne Ausstellungsräume verfügen, die ein besonderes Raum- und Kunsterlebnis ermöglichen. Das Konzept sieht vor, dass das Gebäude selbst als Exponat wahrgenommen wird, während gleichzeitig die Ausstellungsstücke optimal präsentiert werden.
Die neuen Ausstellungsräume müssen hohen Ansprüchen an Klima, Sicherheit und Brandschutz gerecht werden. Dazu wurden hochmoderne Technik eingebaut, von der Heizung bis hin zu zahlreichen Sensoren, die die Bedingungen im Gebäude überwachen. Die Holzböden sind bereits versiegelt worden, und vor den historischen Mauern wurden neue, glatte Wände eingezogen, hinter denen sich die Technik verbirgt.
Besonders hervorzuheben ist die Integration der Außenbereiche. Das Museumscafé wird die attraktiven Außenflächen wie den Kreuzganginnenhof und den Zinnengarten einbeziehen und so eine Verbindung zwischen dem historischen Ensemble und moderner Museumsnutzung schaffen.
Kosten und Finanzierung
Die Sanierung des Augustinermuseums ist ein außergewöhnlich teures Projekt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 91 bis 95 Millionen Euro, wobei die Quellen leicht differieren. So berichtet eine Quelle von 91,405 Millionen Euro, während eine andere von rund 95 Millionen Euro spricht.
Finanziert wurde das Projekt durch öffentliche Zuschüsse und private Spenden. Allein das bürgerschaftliche Kuratorium Augustinermuseum war maßgeblich an der Einwerbung von Spendengeldern beteiligt. Wie die Stadt weiter mitteilt, konnten durch diese Fördermittel des Landes, Bundes und durch Spenden - insgesamt rund 16 Millionen Euro - die umfangreiche Sanierung überhaupt erst ermöglicht werden.
Baubürgermeister Martin Haag räumte ein: "Wir wussten anfangs nicht, wie aufwendig diese Sanierung sein wird." Die Kostenentwicklung über die mehr als 20 Jahre des Projekts spiegelt die Komplexität und die unvorhergesehenen Herausforderungen wider, die bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes auf modernem technischem Niveau auftreten können.
Zeitplan und aktueller Stand
Die Sanierung des Augustinermuseums begann im Jahr 2004 und ist nun nach mehr als 20 Jahren ihrem Ende entgegen. Derzeit befindet sich der dritte und letzte Bauabschnitt in der Endphase. Laut Pressemeldung der Stadt sind bereits Rohbauarbeiten, Fassadenarbeiten und der Innenausbau in den ersten beiden Obergeschossen fertiggestellt. Auch die Übergänge zu den bereits fertiggestellten Bauabschnitten I und II sind abgeschlossen.
Letzte Arbeiten an den Außenanlagen, den drei Höfen und der Rückbau der Baustelle sollen bis Ende 2025 fertig sein. Damit steht dem offiziellen Eröffnungstermin am 28. Februar 2026 nichts mehr im Wege, bestätigten Baubürgermeister Martin Haag und Museumschefin Jutta Götzmann.
Die Direktorin des Museums, Jutta Götzmann, beschreibt das Ergebnis der Sanierung als ein "Vorzeige-Museum". Die Kombination von denkmalgeschütztem Gebäude und wertvollen Ausstellungsstücken sei so ziemlich einzigartig. Bereits werden erste Kunstwerke in den neuen Abschnitten zur Probe aufgehängen, was die Vorfreude bei allen Beteiligten unterstreicht.
Bedeutung für Freiburg
Die Sanierung des Augustinermuseums hat für die Stadt Freiburg eine große kultur- und stadtgeschichtliche Bedeutung. Das Gebäudeensemble ist ein wichtiges Zeugnis der mittelalterlichen Baukultur und prägt das Stadtbild von Freiburg maßgeblich.
Nach der Fertigstellung wird das Museum nicht nur seine Sammlungen wieder vollständig ausstellen können, sondern auch als modernes Kulturzentrum mit Auditorium, Lounge und Café neue Nutzungsmöglichkeiten bieten. Die Einbeziehung der Außenbereiche schafft attraktive öffentliche Räume, die das Museum in das städtische Leben integrieren.
Wie Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach betont, ist das Museum nach der Sanierung für die nächsten Jahrhunderte gerüstet. Das Projekt zeigt, wie historische Bausubstanz mit modernen Anforderungen an Museumsnutzung verbunden werden kann, ohne den denkmalgeschützten Charakter zu beeinträchtigen.
Fazit
Die Sanierung des Freiburger Augustinermuseums ist ein beeindruckendes Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz und moderner Museumspraxis. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren wurde ein denkmalgeschütztes mittelalterliches Gebäude grundlegend saniert und für die Anforderungen eines modernen Museums ertüchtigt.
Das Projekt, das mit Kosten von rund 92 Millionen Euro zu den größten Sanierungsmaßnahmen in Freiburg zählt, zeigt die Komplexität der Arbeit an historischen Bauten. Unerwartete strukturelle Schäden, wie der Austausch von 90 Prozent der Deckenbalken, verdeutlichen, dass bei der Sanierung von Denkmälern stets mit Überraschungen gerechnet werden muss.
Das Ergebnis der Sanierung wird ein modernes Kulturzentrum sein, das die historische Bausubstanz bewahrt und gleichzeitig optimale Bedingungen für die Ausstellung wertvoller Kunstwerke bietet. Mit der Eröffnung am 28. Februar 2026 wird das Augustinermuseum nicht nur seine Sammlungen wieder vollständig präsentieren können, sondern auch als Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs dienen.
Die Sanierung ist auch ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Fachexperten und bürgerschaftlichem Engagement. Durch die Einwerbung von Spendengeldern und die professionelle Planung und Durchführung konnte dieses bedeutende Projekt für Freiburg realisiert werden.
Quellen
- Museen Freiburg - Baustelle Augustinermuseum
- RegioTrends - Ende der Sanierung des Augustinermuseums
- Freiburger Wochenbericht - Sanierung auf der Zielgeraden
- Schwarzwälder Bote - Erste Kunstwerke sind zurück
- Schwarzwälder Bote - Ziellinie rückt näher
- Badische Zeitung - Sanierung auf Zielgeraden
- Chilli Freiburg - Eröffnung 2026