Sanierung der Talsperre Weida: Großprojekt mit 68 Millionen Euro im ostthüringischen Landkreis Greiz

Die Talsperre Weida, ein technisches Denkmal im ostthüringischen Landkreis Greiz, hat seit über sieben Jahrzehnten ihre Funktion als Stauanlage erfüllt. Jetzt beginnt eine umfassende Generalinstandsetzung, die sich über mehrere Jahre erstrecken wird. Mit Kosten von voraussichtlich 68 Millionen Euro zählt das Projekt zu den bedeutendsten in der Geschichte der Thüringer Fernwasserversorgung. Die Sanierung wird nicht nur die Sicherheit und Funktion der Talsperre gewährleisten, sondern auch touristische und ökologische Aspekte berücksichtigen. In diesem Artikel werden die Hintergründe, Planung, Vorbereitungen und die konkreten Maßnahmen der Sanierung detailliert beschrieben, basierend auf den verfügbaren Quellen.

Einführung: Die Talsperre Weida – ein historisches Bauwerk in Sanierung

Die Talsperre Weida ist ein zentrales Element der Wasserwirtschaft im ostthüringischen Raum. Sie staut den gleichnamigen Fluss Weida und hat über Jahrzehnte die Funktion des Hochwasserschutzes, der Wasserversorgung und der Tourismusförderung übernommen. Nach fast 70 Jahren Betrieb ist nun eine grundlegende Sanierung erforderlich. Im März 2024 wurde der rechtskräftige Planfeststellungsbeschluss durch das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz erlassen, der die Sanierung ermöglicht.

Die Talsperre Weida gehört zu den 120 Talsperren und Stauanlagen, die der Thüringer Fernwassergesellschaft unterstehen. Sie ist ein bedeutendes Projekt innerhalb des Gesamtprogramms der Thüringer Fernwasserversorgung, das auch den Rückhaltebeckenbau in Straußfurt (Kreis Sömmerda) und die Sanierung der Talsperre Schönbrunn (Kreis Hildburghausen) beinhaltet.

Hintergrund der Sanierung: Warum ist eine Generalinstandsetzung notwendig?

Die Talsperre Weida wurde 1950 in Betrieb genommen und hat seither ihre Funktion erfüllt. Nach über 70 Jahren ist eine Erneuerung der Anlage erforderlich, um die Tragsicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit zu gewährleisten. Die Stauanlage besteht aus mehreren Bauteilen und technischen Einrichtungen, die sich im Laufe der Zeit abgenutzt haben. Um die Funktionssicherheit der Talsperre auch für die Zukunft zu gewährleisten, müssen alle Komponenten einer Generalinstandsetzung unterzogen werden.

Im Zuge der Planung und der Anhörungen von Interessensvertretern, Gemeinden und Fachbehörden wurde entschieden, die Talsperre nicht zurückzubauen, sondern als technisches Denkmal zu erhalten. Die Begründung für diesen Schritt lag in den Funktionen des Hochwasserschutzes und der touristischen Nutzung der Anlage.

Vorbereitende Maßnahmen: Ausbau der Infrastruktur und Planung

Bevor mit den eigentlichen Sanierungsarbeiten begonnen werden kann, sind umfangreiche Vorbereitungen erforderlich. Dazu gehören unter anderem der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie die Durchführung von Messungen und Planungen.

Ausbau der Verkehrswege

Die Talsperre Weida liegt in einem ländlichen Gebiet, in dem der Baustellenverkehr für die Generalinstandsetzung eine besondere Herausforderung darstellt. Um den sicheren und ungehinderten Verkehr für Baumaschinen und Materialtransporte zu gewährleisten, wurden in den Monaten Juli bis September 2024 die zukünftigen Zuwegungen in den Stauraum sowie zu den Absperrbaubauwerken instandgesetzt.

Zu den Maßnahmen gehörten:

  • Der Ausbau der Gemeindestraße von Merkendorf bis zur Brücke über das Absperrbauwerk der Vorsperre Pisselsmühle mit einer Asphaltdecke.
  • Die Errichtung von neun Ausweichstellen und Knotenpunkterweiterungen auf dem Talsperrenweg, der ab der Landstraße L2331 in Richtung Bermichsmühle verläuft.

Diese Maßnahmen sind für den Zeitraum vom 15. Juli bis 30. September 2024 vorgesehen. Der Anliegerverkehr wird während der Bauzeit gewährleistet.

Planungen und Beschlüsse

Die Generalinstandsetzung der Talsperre Weida war Gegenstand umfangreicher Planungen und Anhörungen. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Messungen an den Bauwerken durchgeführt, darunter bautechnische, baustoffliche und Bauzustandsuntersuchungen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen flossen in die Planung ein.

Im März 2024 erließ das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz den rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss für die Generalinstandsetzung der Talsperre Weida. Dieser Beschluss gibt der Thüringer Fernwasserversorgung Planungssicherheit und ermöglicht die Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen.

Sanierungsarbeiten: Etappenweise Entleerung und Baustraße

Die Generalinstandsetzung der Talsperre Weida erfolgt in mehreren Etappen. Der erste Schritt besteht darin, das Wasser abzulassen, um die Bauarbeiten an der Wasserseite durchführen zu können.

Etappenweises Ablassen des Wassers

Das Ablassen des Wassers erfolgt nicht in einem einzigen Schritt, sondern in vier Etappen bis Anfang 2025. In der kommenden Woche, ab dem 22. September 2024, beginnt der erste Abschnitt des Abstaus. Dabei wird das Wasser schrittweise reduziert, um den Hochwasserschutz und die ökologischen Aspekte zu berücksichtigen.

Ziel der Sanierung ist es, die Absperrbauwerke und technischen Anlagen der Hauptsperre von der Wasserseite her zu sanieren. Dazu wird eine Baustraße in die leere Talsperre gelegt, die ab 2026 genutzt werden kann. Diese Straße ermöglicht den Zugang zu den Absperrbauwerken, um sie von Grund auf zu erneuern.

Hochwasserschutz durch Talsperre Zeulenroda

Während der Sanierung der Talsperre Weida übernimmt die benachbarte Talsperre Zeulenroda den Hochwasserschutz für das Gebiet. Um zusätzlichen Speicherraum für mögliche Hochwasserereignisse bereitzustellen, wurde der Wasserspiegel der Talsperre Zeulenroda um etwa zwei Meter abgesenkt.

Die Talsperre Zeulenroda ist eine vorgelagerte Stauanlage, die in den kommenden Jahren eine höhere Funktion für den Hochwasserschutz einnimmt. In den ersten Etappen der Sanierung der Talsperre Weida wird die Talsperre Zeulenroda bis Anfang 2025 weiterhin als temporärer Speicher dienen.

Ökologische Aspekte: Fledermausschutz und Eingriffsvermeidung

Die Sanierung der Talsperre Weida berücksichtigt auch ökologische Aspekte. So wurden kleine Dämme in die Armen des Stausees errichtet, um die Jagdgebiete der dort lebenden Fledermäuse zu erhalten. Dies ist ein wichtiger Schutzmaßnahme für die Tierwelt, die im Zuge der Entleerung der Talsperre bedroht gewesen wäre.

Die Talsperre Weida ist nicht nur ein technisches Bauwerk, sondern auch ein Teil der lokalen Natur. Die Maßnahmen zur Sanierung sind daher so geplant, dass sie die ökologische Balance im Stausee so weit wie möglich erhalten.

Tourismus und Freizeit: Rundweg, Informationspunkte und Wanderparkplatz

Neben den technischen und ökologischen Aspekten der Sanierung ist auch die touristische Nutzung der Talsperre Weida ein zentrales Thema. Für Besucher ist ein Rundweg mit Informationspunkten und einem neuen Wanderparkplatz geplant. Dieser Rundweg ermöglicht es, die Talsperre und ihre Umgebung zu erkunden, und unterstreicht die Bedeutung der Anlage als touristisches Ziel.

Die Talsperre Weida zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Landkreis Greiz. Mit der Sanierung wird auch der touristische Charakter der Anlage gestärkt. Die Erneuerung der Infrastruktur und der neue Wanderparkplatz sollen den Komfort für Besucher erhöhen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität im Stausee verbessern.

Fazit

Die Generalinstandsetzung der Talsperre Weida ist ein umfassendes Projekt, das sich über mehrere Jahre erstreckt. Mit Kosten von 68 Millionen Euro zählt es zu den bedeutendsten Sanierungsmaßnahmen in der Geschichte der Thüringer Fernwasserversorgung. Die Talsperre, die seit über sieben Jahrzehnten in Betrieb ist, wird nicht zurückgebaut, sondern als technisches Denkmal erhalten. Die Sanierung umfasst die Erneuerung der Absperrbauwerke und technischen Einrichtungen, die Schaffung einer Baustraße im leeren Stausee und die Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Ökologische Aspekte wie der Schutz der Fledermäuse und der touristische Charakter der Anlage werden dabei berücksichtigt.

Die Sanierung der Talsperre Weida ist ein Beispiel dafür, wie historische Bauwerke im 21. Jahrhundert erneuert und modernisiert werden können, um sie für die Zukunft fit zu machen. Sie zeigt, dass Investitionen in Infrastruktur, Sicherheit und Umwelt nicht nur technische Vorteile bringen, sondern auch zur Entwicklung der Region beitragen können.

Quellen

  1. Talsperre Weida – Teilabsenkung und Abstau der Stauanlagen
  2. Großprojekt Talsperre Weida wird mit viel Aufwand saniert
  3. Talsperre Weida – Vorbereitende Maßnahmen für die Sanierung
  4. Talsperre Weida – Wasser wird in Etappen abgelassen
  5. Talsperre Weida in Ostthüringen wird grundlegend saniert

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