Ausbau und Sanierung der Bundesstraße B 207 – Planung, Umsetzung und aktueller Projektstand

Die Sanierung und der Ausbau der Bundesstraße B 207 zwischen Heiligenhafen-Ost und Puttgarden auf der Insel Fehmarn bilden einen bedeutenden Meilenstein in der Infrastrukturentwicklung der Region. Mit einer Länge von insgesamt etwa 16,3 Kilometern ist die B 207 zentraler Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Festland Schleswig-Holstein und der Insel Fehmarn und wird derzeit auf vier Fahrstreifen erweitert. Der Ausbau dient nicht nur der Entlastung des bestehenden Verkehrs, sondern auch der Anpassung an zukünftige Verkehrsströme, insbesondere im Zuge der Fehmarnbeltquerung. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die Planung, die Umsetzung sowie den aktuellsten Projektstand der Sanierung und Erweiterung der B 207, wobei der Schwerpunkt auf den Vorgängen ab dem Jahr 2017 liegt.

Planung und Genehmigungsverfahren

Der Ausbau der B 207 war bereits in den frühen 2010er Jahren in Planung. Im Jahr 2015 wurde der sogenannte Planfeststellungsbeschluss erlassen, der den rechtskräftigen Grundstein für den Ausbau legte. Dieser Beschluss war jedoch Gegenstand mehrerer Rechtsverfahren. Um die Planung weiterzuentwickeln und ggf. anzupassen, wurde ein Planergänzungsverfahren durchgeführt. Die Planunterlagen wurden im Jahr 2017 öffentlich ausgelegt und Anfang 2018 mit einem Planergänzungsbeschluss bestätigt. Damit wurde sichergestellt, dass sämtliche Anforderungen aus Umwelt- und Verkehrsplanung berücksichtigt wurden.

Im Jahr 2021 wurden die letzten Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss entweder durch Gerichte abgewiesen oder durch Verhandlungen (Vergleiche) abgeschlossen. Damit war der Weg für die umsetzungsreife Planung frei, und seit August 2021 besteht vollziehbares Baurecht für den vierstreifigen Ausbau der B 207. Die DEGES, die seit 2019 für die Umsetzung des Projekts verantwortlich ist, konnte sich darauf konzentrieren, die Baumaßnahmen geordnet und nachhaltig umzusetzen.

Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen

Die Sanierung und der Ausbau der B 207 fanden unter Berücksichtigung der geltenden Umwelt- und Lärmschutzverordnungen statt. Der Ausbau von zwei auf vier Fahrstreifen führt zu einer erheblichen Flächenversiegelung, was Auswirkungen auf die lokalen Ökosysteme hat. Um diese negativen Folgen zu kompensieren, wurden Naturschutzmaßnahmen geplant und umgesetzt.

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Schutzfläche Großenbrode, wo insgesamt 19,85 Hektar für den Naturschutz genutzt werden. Davon sind 4,25 Hektar als dauerhafte Kompensationsfläche für Amphibien, Watvögel, Reptilien und den vom Aussterben bedrohten Kriechenden Scheiberich eingerichtet. Auf weiteren 15,6 Hektar werden zusätzliche Aufwertungen durchgeführt. Die Planung und Umsetzung erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem NABU, um die biologische Vielfalt langfristig zu sichern.

Weitere Maßnahmen betreffen die Schutzmaßnahmen im Baustellenbereich. So wurden Amphibien- und Wildtierschutzzäune eingerichtet, um Tiere vor Verletzungen zu schützen. Zudem wurde der abgetragene Oberboden soweit wie möglich wiederverwendet, um die Umweltbelastung durch Aushubmaterialien zu minimieren. Fehlmengen müssen ggf. über die B 207 angeliefert werden, was in der Planung berücksichtigt wurde.

Bauvorbereitungen und Baufeldfreimachung

Nachdem die Baurechtslage sichergestellt war, standen umfangreiche Vorbereitungsmaßnahmen an. Die DEGES führte Baugrunderkundungen durch, insbesondere im Bereich der Großenbroder Au, die im Mai 2022 abgeschlossen wurden. Nach Abschluss der Erkundungen wurden Absperrungen aufgehoben, um den Zugang für Baumaschinen und Material zu ermöglichen.

Zusätzliche Vorbereitungsarbeiten, sogenannte Suchschachtungen, fanden entlang der K 49 zwischen Puttgarden und der Anschlussstelle Puttgarden statt. Diese Maßnahmen dienten der Identifizierung von versteckten Leitungen, um Baustellenunfälle zu vermeiden. Diese Arbeiten wurden im Juli 2022 begonnen und im Januar 2023 durch weiteres Vorbereiten ergänzt.

Die Baufeldfreimachung umfasste Fäll- und Rodungsarbeiten sowie Drainageverlegungen, insbesondere im Bereich der zukünftigen Anschlussstelle Puttgarden. Diese Vorbereitungen waren notwendig, um den Baubeginn ab August 2023 planmäßig realisieren zu können.

Baubeginn und aktueller Projektstand

Der offizielle Baubeginn für den vierstreifigen Ausbau der B 207 erfolgte am 25. August 2023. Die Bauarbeiten für das erste Bauwerk und den Straßenausbau laufen seitdem. Ein zentrales Projektmerkmal ist die Anbindung der neu errichteten Bauwerke an die bestehende B 207, wofür vorübergehende Sperrungen notwendig wurden. So war die B 207 im Oktober 2025 zwischen Burg und Puttgarden für einen Zeitraum voll gesperrt, um die Verkehrsweichen zu ermöglichen.

Im Zuge der Arbeiten an der K 49, die künftig als Teil der neuen Anschlussstelle Puttgarden genutzt wird, wurden zwei Bauphasen durchgeführt, bei denen die alte K 49 voll gesperrt wurde. Der erste Bauabschnitt, zwischen Kreuzung Presen und Puttgarden, wurde im Oktober 2025 abgeschlossen. Der zweite Bauabschnitt, der bis Mitte Dezember 2025 andauerte, dient der Anbindung der neuen K 49 an die B 207. Nach Abschluss der Arbeiten wurde die neue K 49 in Betrieb genommen, was Voraussetzung für den Brückenabriss und die Fertigstellung der Anschlussstelle ist.

Bis zum Juli 2025 war die K 49 bereits asphaltiert und damit für den zukünftigen Verkehr vorbereitet. Zudem wurden die Aus- und Auffahrrampen der Anschlussstelle Puttgarden weitestgehend fertiggestellt. Insgesamt war der Ausbau in Richtung Puttgarden deutlich fortgeschritten, wobei auch die nachgeordnete Gemeindestraße nach Todendorf in den Fokus genommen wurde. Hier wurden Schottertragschichten, Bordanlagen für Geh- und Radwege sowie eine Oberbodenandeckung im Böschungsbereich realisiert, um die Infrastruktur langfristig zu sichern.

Koordination mit anderen Projekten

Der Ausbau der B 207 ist Teil einer umfassenden Verkehrsinfrastrukturplanung, die auch die Neubau der Fehmarnsundquerung und die Fehmarnbeltquerung umfasst. Diese drei Projekte sind voneinander abhängig, da sie zur Verbesserung der Verbindung zwischen Deutschland, Dänemark und Skandinavien beitragen. Die B 207 dient als zentraler Verkehrsknotenpunkt, der die Straßennetze zwischen dem Festland und der Insel Fehmarn verbindet.

Die DEGES koordiniert ihre Arbeiten eng mit den anderen Projektpartnern, wie DB InfraGO und Femern A/S. Im November 2024 fand ein sogenannter Inseldialog statt, bei dem die Projektpartner ihre Fortschritte vorstellten. Die Veranstaltung zog über 250 Zuhörer an, die detaillierte Fragen stellten. Ein zentrales Thema war der Ausbau der B 207 in Richtung Puttgarden, bei dem bereits das erste Bauwerk, die Brücke der zukünftigen K 49 über die B 207, fertiggestellt wurde.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Ein zentraler Lösungsansatz im Projekt war die Koordination mit der Bahn. Das Schöpfwerk Großenbrode musste verlegt werden, da die Bahntrassen parallel zur B 207 verlaufen. Da für die Bahntrassen kein Baurecht besteht, war eine einseitige Planänderung für die DEGES nicht möglich, um das Baurecht nicht zu gefährden. Daher wurde intensiv mit der Bahn und dem Wasser- und Bodenverband in Gesprächen, um Lösungen zu finden. Ziel ist es, den Schöpfwerksneubau so zu planen, dass die Schienen der Bahn in den Planungen berücksichtigt werden können.

Zudem war die Kostenteilung ein Thema der Gespräche, um die finanzielle Belastung für den öffentlichen Haushalt zu minimieren. Der vorzeitige Grunderwerb von Flächen im Privatbesitz ist ein weiterer Schwerpunkt, um den Projektfortschritt zu beschleunigen.

Fazit

Der Ausbau der Bundesstraße B 207 zwischen Heiligenhafen-Ost und Puttgarden ist ein komplexes Projekt, das sowohl aus infrastruktureller als auch aus umwelttechnischer Sicht herausfordernd ist. Mit Beginn des Planergänzungsverfahrens im Jahr 2017 und der finalen Genehmigung im Jahr 2021 wurde der Weg für den vierstreifigen Ausbau der B 207 frei. Die DEGES hat seither die Bauvorbereitungen abgeschlossen und den offiziellen Baubeginn im August 2023 gestartet.

Der aktuelle Projektstand im Jahr 2025 zeigt, dass die B 207 deutlich in Richtung Puttgarden fertiggestellt wird. Die Anschlussstelle Puttgarden nimmt Form an, und die neuen Brückenbauwerke sind weitestgehend fertig. Zudem wurden umfassende Naturschutzmaßnahmen umgesetzt, um die Auswirkungen des Ausbaus auf die Umwelt zu kompensieren.

Die Sanierung und Erweiterung der B 207 ist nicht nur ein regionaler, sondern auch ein überregionaler Meilenstein, der die Verbindung zwischen Deutschland und Skandinavien deutlich verbessern wird. Mit der Fertigstellung der Fehmarnbeltquerung und der Fehmarnsundquerung wird die B 207 in ihrer neuen Form eine zentrale Verkehrsachse für den internationalen Straßen- und Schienenverkehr bilden.

Quellen

  1. DEGES – Ausbau der B 207
  2. Staumeldungen Bundesstraße B207
  3. DEGES – Ausbau der B 207, Fehmarnsundquerung und Fehmarnbeltquerung

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