Die Sanierung und der vierspurige Ausbau der Bundesstraße B 207 zwischen Heiligenhafen-Ost und Puttgarden auf der Insel Fehmarn ist ein langfristiges Infrastrukturprojekt, das sowohl für den regionalen Verkehr als auch für die zukünftige Anbindung der Insel Fehmarn an das Festland von großer Bedeutung ist. Nach mehreren Jahren intensiver Planung, Rechtsverfahren und Vorbereitungen ist das Projekt in seine Bauphase eingetreten. In diesem Artikel werden die Hintergründe, der aktuelle Stand, technische Aspekte und Umweltmaßnahmen dieses bedeutenden Verkehrsprojekts detailliert vorgestellt. Ziel ist es, für Architekten, Bauunternehmen, Kommunen und Interessierte im Bereich der Infrastruktur und Sanierung einen umfassenden Überblick zu bieten.
Hintergrund des Projekts
Projektumfang und Ziele
Die Bundesstraße B 207 wird auf einer Länge von 16,3 Kilometern zwischen der Anschlussstelle Puttgarden auf der Insel Fehmarn und der Anschlussstelle Heiligenhafen-Ost auf dem Festland vierspurig ausgebaut. Davon entfallen 6,3 Kilometer auf das Festland und 10 Kilometer auf die Insel Fehmarn. Der Bereich der Fehmarnsundbrücke, eine historisch bedeutende Verbindung, ist nicht Bestandteil des Ausbaus. Der Ausbau erfolgt in Absprache mit den zuständigen Behörden, darunter der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanung und -bau GmbH) und dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH).
Projektverantwortliche und Rechtsverfahren
Im Jahr 2019 wurde das Projekt der DEGES übertragen. Zuvor hatte der LBV.SH den Ausbau der B 207 geplant. Ein zentraler Meilenstein im Projektverlauf war der Planergänzungsbeschluss im Mai 2018, der nach öffentlicher Einsichtnahme und Klageverfahren erlassen wurde. Die Klagen, die im Sommer 2017 angestrengt wurden, wurden bis zum Sommer 2021 durch Vergleiche ausgeräumt. Seit August 2021 besteht somit vollziehbares Baurecht für den vierspurigen Ausbau der B 207.
Die DEGES hat seither Bauvorbereitungen durchgeführt, darunter Baugrunderkundungen und Suchschachtungen entlang der K 49 zwischen Puttgarden und der Anschlussstelle Puttgarden. Diese Arbeiten standen unter den Vorgaben der Umweltverträglichkeitsprüfung und der Lärmschutzverordnung. Der offizielle Baubeginn erfolgte am 25. August 2023.
Projektphasen und aktueller Stand
Vorbereitungsarbeiten
Die DEGES hat Baugrunderkundungen im Bereich der Großenbroder Au im Mai 2022 abgeschlossen, und die entsprechenden Absperrungen wurden aufgehoben. Im Juli 2022 fanden Suchschachtungen entlang der K 49 statt, die bis Januar 2023 durch weitere bauvorbereitende Maßnahmen ergänzt wurden. Im Bereich der zukünftigen Anschlussstelle Puttgarden wurden Fäll- und Rodungsarbeiten sowie Drainageverlegungen durchgeführt.
Bauphase und aktuelle Arbeiten
Die Sanierung der K 49 bis Presen wurde erfolgreich abgeschlossen. In den kommenden Wochen sollen die neu errichteten Bauwerke an die neue B 207 angeschlossen werden. Für diese Baustelle wurde die B 207 zwischen Burg und Puttgarden im Oktober 2025 zeitweise voll gesperrt. Autofahrer wurden gebeten, alternative Routen zu nutzen, wie die U11 über die K 49 oder die U13 über Petersdorf bis nach Burg.
Die neue Verkehrsführung der K 49 erfolgt über die neu errichteten Brücken im Bereich der Anschlussstelle Puttgarden. Hierzu sind Anpassungsarbeiten notwendig, die in zwei Bauphasen unter Vollsperrung der alten K 49 durchgeführt werden. Der erste Bauabschnitt wurde am 24. Oktober 2025 abgeschlossen. Der zweite Bauabschnitt, der bis zum 9. Dezember 2025 andauert, beinhaltet die Anschlussarbeiten der neuen K 49.
Bauabschnitte auf dem Festland und auf Fehmarn
Auf dem Festland wurden Rodungen und Baufeldfreimachungen abgeschlossen, und aktuell laufen Baugrunderkundungen im Bereich des späteren Fehmarnsundtunnels. Dieser Bereich ist von besonderer Bedeutung, da sich hier die Planungen der DEGES und der Deutschen Bahn überschneiden. Auf der Ostseite der beiden Aral-Tankstellen an der B 207 wird später das Arbeiterdorf für die unterirdische Querung entstehen.
Im Bereich der Anschlussstelle Puttgarden ist die Arbeit weit fortgeschritten. Die Brücke der K 49 über die neue Trasse der B 207 ist bereits errichtet, und die Brücke über die zukünftige Bahntrasse ist in Planung. Die Widerlager sind deutlich sichtbar.
Umweltmaßnahmen und Naturschutz
Kompensationsflächen und Naturschutz
Die Sanierung und der Ausbau der B 207 führen zu einer Versiegelung von Flächen, was negative Auswirkungen auf die lokalen Ökosysteme haben kann. Um diese zu kompensieren, hat das Land Schleswig-Holstein in enger Zusammenarbeit mit dem NABU (Naturschutzbund Deutschland) Kompensationsmaßnahmen geplant. So wurde beispielsweise in Großenbrode eine Kompensationsfläche von 4,25 Hektar erworben, die dauerhaft für den Naturschutz genutzt wird. Auf weiteren 15,6 Hektar werden zusätzliche ökologische Aufwertungen vorgenommen.
Diese Maßnahmen betreffen den Schutz von Amphibien, Watvögeln, Reptilien sowie dem vom Aussterben bedrohten Kriechenden Scheiberich. Die Planung und Umsetzung erfolgen in enger Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen.
Tierschutzmaßnahmen während der Bauphase
Die DEGES setzt während der Bauarbeiten verschiedene Umweltschutzmaßnahmen um, um die Tier- und Pflanzenwelt im Baustellenbereich zu schützen. Dazu gehören beispielsweise Amphibien- und Wildtierschutzzäune, die verhindern, dass Tiere versehentlich von Baumaschinen überfahren werden. Auch das Monitoring von Tierpopulationen und die zeitliche Anpassung von Baumaßnahmen an Brut- oder Wanderzeiten sind Bestandteile des umweltverträglichen Vorgehens.
Verkehrseinschränkungen und Umleitungen
Temporäre Sperrungen
Während der Bauphase treten mehrere temporäre Sperrungen auf, die den Verkehr beeinflussen. So wurde beispielsweise im Oktober 2025 die B 207 zwischen Burg und Puttgarden für mehrere Nächte voll gesperrt, um Stahlträger und Fertigteile zu transportieren und aufzubringen. In solchen Fällen werden Umleitungswege wie die U11 über die K 49 oder die U13 über Petersdorf bis nach Burg eingerichtet.
Sanierung der Todendorfer Brücke
Ein weiterer Schwerpunkt war die Sanierung der Todendorfer Brücke. Die DEGES hat die Instandsetzungsarbeiten begonnen und plant, das Bauwerk bis etwa Mitte Februar 2025 wieder für den Verkehr freizugeben. Während der Arbeiten galt im Brückenbereich Tempo 30, und die B 207 war einstreifig befahrbar. Nach Abschluss der Sanierung wurde das Tempolimit aufgehoben, und die B 207 ist wieder uneingeschränkt passierbar.
Kommunikation und Dialog mit der Bevölkerung
Inseldialog und Informationsveranstaltungen
Die DEGES legt besonderen Wert auf eine transparente Kommunikation mit der Bevölkerung. So fand beispielsweise im November 2024 ein Inseldialog statt, an dem mehr als 250 Zuhörer teilnahmen. Die Vorhabenträger stellten den Fortgang der Projekte vor, und es gab Gelegenheit, detaillierte Fragen zu stellen. Solche Veranstaltungen dienen dazu, Transparenz herzustellen und mögliche Bedenken frühzeitig zu klären.
Öffentliche Informationen und Kontakt
Die DEGES stellt über ihre Website und Pressemitteilungen regelmäßig Informationen über den Projektstand bereit. Für Fragen, die nicht in den FAQ beantwortet werden, bietet der Projektträger ein Kontaktformular an, über das Interessierte direkt mit dem Team kommunizieren können. Diese Form der Kommunikation ist insbesondere für Kommunen, Eigentümer und Anwohner von Bedeutung, da sie frühzeitig über mögliche Veränderungen informiert werden.
Rechtliche und planerische Herausforderungen
Schöpfwerk Großenbrode
Ein besonderes Problem entstand im Zusammenhang mit dem Schöpfwerk Großenbrode, das aufgrund des Ausbaus der B 207 verlegt werden muss. Da das Schöpfwerk im Bereich der zukünftigen Bahntrassen liegt, ist eine Verlegung erforderlich. Die DEGES ist in intensiven Gesprächen mit der Bahn und dem Wasser- und Bodenverband, um Lösungen zu finden. So sind beispielsweise der vorzeitige Grunderwerb noch im Privatbesitz befindlicher Flächen und eine Kostenteilung mit der Bahn Gegenstand der Verhandlungen.
Hochwasserschutz
Eine weitere Herausforderung ist der Hochwasserschutz. Laut Planfeststellungsbeschluss bestehen gegen den Ausbau der B 207 keine grundsätzlichen küstenschutzrechtlichen Bedenken. Allerdings ist vorgesehen, dass der Objektschutz durch entsprechende Maßnahmen gewährleistet wird. Sollte es zukünftig erforderlich sein, müssen Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt werden. In solchen Fällen müsste das Land Schleswig-Holstein eine entsprechende Auflage aussprechen.
Fazit
Die Sanierung und der Ausbau der Bundesstraße B 207 zwischen Heiligenhafen-Ost und Puttgarden ist ein komplexes Infrastrukturprojekt, das sowohl planerische als auch rechtliche Herausforderungen aufgreift. Nach mehreren Jahren intensiver Planung und Vorbereitungen hat der Bau im August 2023 begonnen. Die Arbeiten umfassen nicht nur den Ausbau der Straße, sondern auch die Sanierung von Brücken, die Erstellung neuer Anschlussstellen und die Umsetzung umweltverträglicher Maßnahmen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Naturschutz, der durch Kompensationsflächen und Schutzmaßnahmen für Tiere und Pflanzen gewährleistet wird. Gleichzeitig ist die DEGES bestrebt, den Verkehr so wenig wie möglich einzuschränken und über den Projektstand transparent zu informieren.
Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Infrastrukturmaßnahmen in Einklang mit den Anforderungen des Umweltschutzes und der Verkehrssicherheit gestaltet werden können. Für Architekten, Bauunternehmen und Kommunen bietet es eine Vielzahl von Lerninhalten und Praxisbeispielen, die in anderen Sanierungsprojekten übernommen werden können. In den kommenden Jahren wird die B 207 nicht nur für den regionalen Verkehr, sondern auch für den zukünftigen Tunnelbau zwischen Fehmarn und dem Festland eine entscheidende Rolle spielen.