Die Sanierung des Humboldthauses in Bad Steben – Vorbild für Denkmalschutz und Renovation

Einführung

Das Humboldthaus in Bad Steben zählt nicht nur zu den kulturhistorisch wertvollsten Baudenkmälern im Fichtelgebirge, sondern ist auch ein zentraler Ort der Erinnerung an Alexander von Humboldt, den berühmten Naturforscher, Geographen und Förderer des Bergbaus im 18. Jahrhundert. In den letzten Jahren war das Gebäude Gegenstand einer umfassenden Renovierung, die unter anderem durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) gefördert wurde. Die Sanierungsmaßnahmen trugen nicht nur zur Erhaltung des kulturellen Erbes bei, sondern sind auch als Beispiel für nachhaltige Renovation und Denkmalschutz in der Real-Estate-Branche von großem Interesse.

In diesem Artikel werden die historischen Hintergründe des Humboldthauses, die Baukonstruktion und die Materialien im Detail beschrieben, gefolgt von der Dokumentation der Sanierungsarbeiten, der Förderung durch staatliche und private Mittel sowie den heutigen Nutzungszustand. Der Fokus liegt auf den technischen Aspekten, die für Architekten, Restaurateure und Eigentümer von Baudenkmälern in ähnlicher Situation von Relevanz sind.

Historische Hintergründe

Das Humboldthaus in Bad Steben wurde im Jahr 1781 vom Wildmeister Johann Leonhard Och errichtet. Es handelt sich um ein freistehendes Wohnhaus mit zwei Vollgeschossen, einem Fachwerkgiebelteil und einem ausgebauten, verschieferten Mansarddach. Die Fassade des Hauses ist aus rotem Mainsandstein gefertigt, während die Umfassungsmauern aus Zyklopenfeldsteinmauerwerk bestehen. Die Fensterrahmung und die Eckquaderung des Putzbaus stammen aus der Zeit der Barockarchitektur und sind bis heute weitgehend erhalten.

Alexander von Humboldt, der in den Jahren 1792 bis 1795 im Humboldthaus lebte und arbeitete, war zu dieser Zeit in den Diensten Preußens als Bergassessor tätig. Er nutzte das Haus als Ausgangspunkt für seine Arbeit im Bergbau im Fichtelgebirge und im Frankenwald. In dieser Zeit gründete Humboldt die erste Bergschule in Steben, was das Gebäude in die Geschichte der Ausbildung im Bergbau eintragen sollte. Heute ist das Humboldthaus in Privatbesitz und von außen zu besichtigen, wobei eine Gedenktafel an Humboldts Aufenthalt erinnert.

Baukonstruktion und Materialien

Die Baukonstruktion des Humboldthauses ist charakteristisch für die späte Barockzeit und zeigt typische Merkmale der regionalen Bautechnik jener Zeit. Im Folgenden wird eine detaillierte Übersicht über die verwendeten Materialien und Konstruktionsteile gegeben:

Außenfassade

  • Material: Die Fassade besteht aus rotem Mainsandstein, der als Putzstein verarbeitet wurde. Mainsandstein ist ein robustes, aber empfindliches Material, das bei Fassadenrestaurierungen besondere Vorsicht erfordert, um die ursprüngliche Struktur und Erscheinung zu bewahren.
  • Putz: Der Putz ist über den Sandstein aufgetragen und dient als Schutzschicht. Bei der Sanierung war es notwendig, den alten Putz vorsichtig zu entfernen und durch einen neuen, kompatiblen Putz zu ersetzen, um die Wärmedämmung und Dichtigkeit der Fassade zu optimieren.
  • Fensterrahmung: Die Fensterrahmung und die Eckquaderung sind aus rotem Mainsandstein gefertigt und gehören zu den kulturhistorisch wertvollsten Elementen des Hauses.

Umfassungsmauern

  • Material: Die Umfassungsmauern bestehen aus Zyklopenfeldsteinmauerwerk, was bedeutet, dass die Steine unverändert und in ihrer ursprünglichen Form verwendet wurden. Dies ist ein typisches Element der regionalen Bautechnik und unterstreicht den historischen Wert des Hauses.
  • Konstruktion: Zyklopenfeldsteinmauerwerk ist charakterisiert durch die unregelmäßigen Formen der Steine und die Verwendung von Mörtel mit groben Kiesanteilen. Bei der Sanierung war es erforderlich, die Mauern zu stabilisieren, ohne die ästhetischen und historischen Merkmale zu zerstören.

Dachkonstruktion

  • Material: Das Dach des Humboldthauses ist verschiefert, was bedeutet, dass es aus Schieferplatten besteht. Schiefer ist ein traditionelles Dachmaterial, das in der Region verbreitet ist und sich aufgrund seiner Langlebigkeit und Dichtigkeit gut eignet.
  • Konstruktion: Der Dachstuhl ist aus Holz konstruiert und ist ein klassisches Beispiel für die regionale Dachbauweise. Bei der Sanierung wurde der Dachstuhl freigelegt, um Schäden durch Feuchtigkeit oder Schädlingsbefall zu erkennen und zu beheben.

Innenraum

  • Fachwerkinnenwände: Die Fachwerkinnenwände des Humboldthauses sind vollständig erhalten und bestehen aus Holzrahmen mit Lehm als Ausfachungsmaterial. Lehm ist ein traditionelles und umweltfreundliches Material, das in der Sanierung erhalten werden sollte, um die historische Authentizität zu bewahren.
  • Deckenbemalung: In der Wohnstube des Humboldthauses ist eine Deckenbemalung erhalten, die ebenfalls Teil der bauzeitlichen Ausstattung ist. Bei der Sanierung war es wichtig, die Bemalung zu dokumentieren und soweit möglich zu restaurieren.

Baugeschichte

Im Laufe der Jahrhunderte unterging das Humboldthaus mehrere Umbauten und Renovationen. Besonders hervorzuheben ist der Bürgermeister, der das Haus im 19. Jahrhundert in den Besitz erwarb und wesentlich veränderte, darunter den Anbau eines Pferdestalls und die Errichtung einer Holztreppe. Diese Umbauten trugen dazu bei, das Gebäude an die veränderten Bedürfnisse der Zeit anzupassen, ohne jedoch den kulturellen Charakter des Hauses zu zerstören.

Sanierungsmaßnahmen

Im Jahr 2018 fand eine umfassende Sanierung des Humboldthauses statt, die unter anderem durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit Mitteln der Rentenlotterie GlücksSpirale gefördert wurde. Die Renovierungsarbeiten konzentrierten sich auf die Fassade, die Dachkonstruktion und die Stabilisierung der Umfassungsmauern. Ziel war es, das Gebäude in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen, ohne jedoch die historischen Merkmale zu zerstören.

Fassadenrestaurierung

Die Fassadenrestaurierung war ein zentrales Element der Sanierung. Der alte Putz wurde vorsichtig entfernt, und die Sandsteinplatten wurden gereinigt, um die ursprüngliche Erscheinung zu bewahren. Danach wurde ein neuer Putz aufgetragen, der in Material und Farbe mit dem alten Putz kompatibel war. Die Fensterrahmung und die Eckquaderung wurden ebenfalls restauriert, wobei besondere Vorsicht geboten war, um die historischen Strukturen nicht zu beschädigen.

Dachsanierung

Die Dachkonstruktion wurde vollständig freigelegt, um Schäden durch Feuchtigkeit oder Schädlingsbefall zu erkennen und zu beheben. Schieferplatten wurden ausgetauscht, wo nötig, und das Dachgerüst wurde verstärkt, um die Langlebigkeit der Konstruktion zu sichern.

Stabilisierung der Umfassungsmauern

Die Umfassungsmauern aus Zyklopenfeldsteinmauerwerk wurden überprüft und notwendige Stabilisierungsmaßnahmen durchgeführt. Dies umfasste das Reinigen der Mauern, das Auffüllen von Lücken im Mörtel sowie die Verstärkung der tragenden Elemente.

Förderung durch private und staatliche Mittel

Die Sanierung des Humboldthauses war nicht nur ein kulturelles Projekt, sondern auch ein gutes Beispiel dafür, wie private und staatliche Mittel in Kombination genutzt werden können, um Baudenkmäler zu erhalten.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD)

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte die Sanierungsmaßnahmen des Humboldthauses mit 30.000 Euro, die aus den Mitteln der Rentenlotterie GlücksSpirale stammten. Die DSD ist eine private Stiftung, die sich für den Denkmalschutz einsetzt und in ganz Deutschland Projekte fördert, die zur Erhaltung kulturell wertvoller Bauten beitragen.

Bronzetafel als Anerkennung

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wurde die Denkmaleigentümerin Ina Blohm eine Bronzetafel überreicht, die den Namen der DSD und der Rentenlotterie trägt. Diese Tafel dient nicht nur als Anerkennung für die finanzielle Unterstützung, sondern auch als Erinnerung an die Bedeutung des Denkmalschutzes. Die Tafel ist an der Fassade des Humboldthauses angebracht und soll zukünftige Eigentümer und Besucher ermutigen, sich für den Erhalt von Baudenkmälern einzusetzen.

Heutiger Zustand und Nutzung

Heute gehört das Humboldthaus in Bad Steben zu den über 460 Projekten, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bayern allein durch Spenden, Erträge ihrer Treuhandstiftungen sowie durch Mittel der GlücksSpirale unterstützen konnte. Das Gebäude ist in Privatbesitz und von außen zu besichtigen. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an Alexander von Humboldts Aufenthalt im Jahr 1792 bis 1795.

Das Humboldthaus ist nicht nur ein historisches Baudenkmal, sondern auch ein touristischer Anziehungspunkt, der Besuchern einen Einblick in die Geschichte des Bergbaus und der Wissenschaft im 18. Jahrhundert bietet. Es ist ein Symbol für die Kombination von historischem Erbe und moderner Renovation, die es ermöglicht, Baudenkmäler in ihrer ursprünglichen Form zu bewahren.

Fazit

Die Sanierung des Humboldthauses in Bad Steben ist ein gutes Beispiel dafür, wie Baudenkmäler durch eine Kombination von privater und staatlicher Förderung erhalten werden können. Die Restaurierungsarbeiten an der Fassade, der Dachkonstruktion und den Umfassungsmauern wurden sorgfältig durchgeführt, um die historischen Merkmale des Hauses zu bewahren. Das Humboldthaus ist heute nicht nur ein kulturell wertvolles Gebäude, sondern auch ein Vorbild für nachhaltige Renovation und Denkmalschutz. Für Eigentümer, Architekten und Renovatoren von Baudenkmälern bietet das Projekt wertvolle Anregungen, wie man historische Bauten in ihrer ursprünglichen Form bewahren kann, ohne dabei auf moderne Techniken und Materialien verzichten zu müssen.

Quellen

  1. Deutsche Stiftung Denkmalschutz – Pressemeldung Humboldthaus
  2. Bad Steben – Humboldthaus
  3. Alexander von Humboldt Klinik
  4. Geopark Bayern – Humboldthaus

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