Sanierung und Modernisierung des Rutschenturms im Badeparadies Eiswiese: Herausforderungen, Techniken und Projektablauf

Einführung

Der Rutschenturm im Badeparadies Eiswiese in Göttingen ist ein zentraler Anziehungspunkt des Freizeitangebots. In den letzten Jahren wurden umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten an dieser Attraktion durchgeführt, um sie wieder sicher und attraktiv für die Besucher zu machen. Die Projekte betreffen nicht nur die Reifenrutsche, sondern auch andere Komponenten wie das Auffangbecken oder das Umkleidebereich. Gleichzeitig standen jedoch mehrere Herausforderungen im Weg: Personalengpässe, Materialverzögerungen und steigende Energiekosten traten auf, was den ursprünglichen Zeitplan veränderte und den Abschluss auf den 1. September 2025 verlegte.

Die Sanierungen basieren auf bewährten Techniken wie dem Vakuuminfusionsverfahren, das zur Dauerhaften Nachverfestigung von GFK-Elementen eingesetzt wird und osmotische Schäden minimiert. Zudem wurde bei der Sanierung auf Materialien wie Chlorkautschuk und Beton geachtet, wobei oft eine Kopplungsschicht verwendet wurde, um die alten Beschichtungen nicht vollständig entfernen zu müssen. Diese Methoden trugen zur Erhaltung der Struktur und Funktion der Rutschen bei.

In diesem Artikel werden die Hintergründe, Techniken, Zeitplanung und Kosten der Sanierung des Rutschenturms und weiterer Bereiche im Badeparadies Eiswiese detailliert dargestellt. Ziel ist es, ein umfassendes Bild der Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Sanierung einer solchen Freizeitattraktion zu vermitteln, die für Bauherren, Planer, Renovierer und Interessierte in der Baubranche gleichermaßen relevant ist.

Herausforderungen bei der Sanierung des Rutschenturms

Die Sanierung des Rutschenturms im Badeparadies Eiswiese stand vor mehreren praktischen und logistischen Herausforderungen, die den Projektverlauf beeinflussten. Dazu zählen Personalengpässe bei den ausführenden Firmen, Lieferschwierigkeiten bei Baumaterialien und steigende Energiekosten, die sowohl die Budgetplanung als auch die Projektzeiten beeinträchtigten.

Personalengpässe und Lieferschwierigkeiten

Laut Angaben der Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GöSF), die für die Sanierungsarbeiten verantwortlich ist, waren mehrere der beteiligten Unternehmen durch Personalengpässe eingeschränkt. Diese Engpässe führten dazu, dass die Ausführung der Arbeiten langsamer als geplant verlief. Zudem wurden Materialien, die für die Sanierung notwendig waren, nicht immer in der gewünschten zeitlichen Reihenfolge geliefert. Dies hatte zur Folge, dass Arbeiten an bestimmten Segmenten erst nach Verzögerungen begonnen werden konnten, was den ursprünglichen Zeitplan veränderte.

Steigende Energiekosten als Kostenfaktor

Ein weiterer Faktor, der die Sanierung beeinflusste, war die dramatische Steigerung der Energiekosten. Laut den Angaben der GöSF stiegen die Energiekosten in den letzten zwei Jahren um insgesamt 139 % an. Die Kosten für Gas, Strom und Wasser stiegen alle signifikant an, was die allgemeinen Betriebskosten erhöhte. Diese Kostensteigerungen führten dazu, dass die Eintrittspreise für die Wasserwelt ab dem 7. Oktober 2024 um 20 % erhöht wurden, um die gestiegenen Kosten abzusichern.

Diese Herausforderungen zeigen, dass Sanierungsprojekte im Freizeitbereich nicht nur technisch komplex sind, sondern auch stark von externen Faktoren wie Arbeitsmarktbedingungen und Energiepolitik beeinflusst werden können. Für Bauherren und Planer ist es daher wichtig, solche Faktoren frühzeitig in die Projektplanung einzubeziehen, um Verzögerungen und Kostensteigerungen möglichst zu minimieren.

Technische Aspekte der Sanierung

Die Sanierungsarbeiten an der Reifenrutsche und anderen Komponenten des Rutschenturms im Badeparadies Eiswiese beruhten auf etablierten Techniken und Materialien, die für den Freizeitbau und die Renovierung von Schwimmbädern und Rutschen typisch sind. Die Verwendung des Vakuuminfusionsverfahrens und der Anwendung einer Kopplungsschicht sind dabei besonders erwähnenswert.

Vakuuminfusionsverfahren

Das Vakuuminfusionsverfahren ist ein etablierter Prozess zur Nachverfestigung von GFK-Elementen (Glasfaserkunststoff). Es wird insbesondere dort eingesetzt, wo osmotische Schäden aufgetreten sind, die durch Diffusion von Feuchtigkeit in das Material entstehen.

Beim Vakuuminfusionsverfahren wird der Rutschenteil unter Vakuum konditioniert, und anschließend wird ein Harz aufgebracht, das den osmotischen Druck neutralisiert und die Struktur wieder herstellt. Das Ergebnis ist ein dauerhaft osmotisch unempfindlicher Bereich, der wieder die ursprüngliche Festigkeit und Stabilität aufweist.

In mehreren Projekten, etwa an der Reifenrutsche im Freibad Brauweg oder am Zwischenlandebecken im Salztalparadies, wurde diese Technik erfolgreich angewendet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sanierung langfristig wirksam ist und keine erneuten Reparaturen nötig macht. Die Anwendung des Vakuuminfusionsverfahrens ist daher als bewährte Methode für die Sanierung von Rutschenbauwerken zu bewerten.

Kopplungsschicht

Ein weiteres technisches Element, das bei der Sanierung eingesetzt wurde, ist die Kopplungsschicht. Diese Schicht wird verwendet, wenn eine bestehende Beschichtung wie Chlorkautschuk auf einem Untergrund aus Beton verblieben werden soll, um aufwendige und kostspielige Entfernungsschritte zu vermeiden.

Die Kopplungsschicht dient dazu, die alten Beschichtungen mit der neuen Schicht zu verbinden und so die Stabilität und Haftung der neuen Schicht zu gewährleisten. Sie ist besonders nützlich, wenn die Beschichtung noch in einem akzeptablen Zustand ist, aber neue Funktionen wie Antirutsch- oder Schutzbeschichtungen erforderlich sind.

Diese Technik wurde beispielsweise bei der Sanierung der 3er Kinderrutsche im Freibad Brauweg angewandt. Durch die Anwendung einer Kopplungsschicht war es möglich, die Chlorkautschukbeschichtung zu erhalten und dennoch die Rutsche zu erneuern, was Zeit und Kosten sparte.

Projektplanung und Zeitmanagement

Die Sanierung des Rutschenturms im Badeparadies Eiswiese war ein langfristiges Projekt, das sowohl umfassende Planung als auch flexible Anpassungsfähigkeit erforderte. Die Arbeiten begannen im Jahr 2024 und sollten ursprünglich im Sommer 2025 abgeschlossen sein. Tatsächlich wurden die Arbeiten jedoch auf den 1. September 2025 verlegt, was auf mehrere externe Faktoren zurückzuführen ist.

Zeitliche Planung und Verzögerungen

Laut den Angaben der Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GöSF) war der ursprüngliche Zeitplan so gestaltet, dass die Arbeiten in mehreren Phasen durchgeführt werden konnten, wobei die Betriebszeiten des Bades möglichst wenig beeinträchtigt werden sollten. In der Tat wurde die Sanierung über einen Zeitraum von 2,5 Jahren durchgeführt, wobei es in dieser Zeit zu keinen Ausfallzeiten während des Badebetriebs kam.

Die Verzögerung, die schließlich zur Verschiebung des Abschlussdatums führte, lag vor allem an Personalengpässen und Materialverzögerungen. Diese Faktoren führten dazu, dass bestimmte Arbeiten, wie die Erneuerung des barrierefreien Umkleidebereichs oder das Einrichten des neuen Soleaußenbeckens, erst nach dem geplanten Termin fertiggestellt werden konnten.

Phasen der Sanierung

Die Sanierung wurde in mehrere Phasen eingeteilt, wobei jede Phase auf ein bestimmtes Ziel abzielte. So wurden beispielsweise zunächst die Schwimmbecken gereinigt und die technischen Anlagen gewartet, um die grundlegende Funktion der Einrichtung sicherzustellen. Anschließend wurden neue Schließsysteme eingebaut, die Umkleideräume erneuert und das Außenbecken in ein Solebecken umgebaut.

Ein weiteres Projekt war die Sanierung der Reifenrutsche, bei der die gesamte Länge der Rutsche überarbeitet wurde. Diese Arbeiten erforderten die Anwendung des Vakuuminfusionsverfahrens an mehreren Segmenten, um die osmotischen Schäden zu beheben und die Stabilität der Rutsche wiederherzustellen.

Zu den letzten Phasen der Sanierung gehörte die Erneuerung des Auffangbeckens, bei der eine neue Bodenplatte eingebaut wurde und zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen wurden, um zukünftige Schäden zu vermeiden.

Die Planung der Sanierung war somit in mehrere logisch abgestimmte Phasen unterteilt, wobei jede Phase auf ein spezifisches Ziel abzielte und zur Sicherheit und Attraktivität der Anlage beitrug.

Auswirkungen der Sanierung auf das Betriebskonzept

Die Sanierung des Rutschenturms und weiterer Bereiche im Badeparadies Eiswiese hat nicht nur zur Sicherheit und Attraktivität der Anlage beigetragen, sondern auch zu einer Verbesserung des Betriebskonzepts. Durch die Modernisierung und Erneuerung konnten neue Funktionen integriert werden, die das Angebot für die Besucher erweiterten und gleichzeitig die Energieeffizienz steigerten.

Neue Funktionen und Attraktionen

Eine der wichtigsten Neuerungen war der Einbau eines neuen Soleaußenbeckens, das ab Mitte September 2025 zur Verfügung stand. Dieses Becken wurde aus dem bisherigen Solebecken umgebaut, das künftig als Sportbecken genutzt wird. Das neue Soleaußenbecken ermöglichte es den Besuchern, sich in einer besonders entspannenden Umgebung aufzuhalten, was das Angebot des Badeparadieses erweiterte.

Ein weiterer Aspekt war die Erneuerung der Schließsysteme, die dazu beitrugen, dass die Zugänglichkeit und Sicherheit der Anlage verbessert wurden. Zudem wurde der barrierefreie Umkleidebereich für Menschen mit Beeinträchtigung erneuert, was das Angebot für alle Besucher attraktiver machte.

Energieeffizienz und Klimaschutz

Ein weiterer Fokus der Sanierung lag auf der Verbesserung der Energieeffizienz. Durch die Modernisierung der technischen Anlagen und den Einbau neuer Materialien, wie z. B. wärmeisolierte Bodenplatten, wurde der Energieverbrauch reduziert. Dies ist besonders wichtig, da die Energiekosten in den letzten Jahren stark angestiegen sind und zur Erhöhung der Eintrittspreise führten.

Die GöSF betonte, dass die Modernisierung nicht nur auf die Erhaltung der Anlage abzielte, sondern auch auf eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen. Durch die Verbesserung der Energieeffizienz konnten langfristig Kosten eingespart werden, was für andere Betreiber von Freizeiteinrichtungen ein gutes Vorbild darstellt.

Kosten der Sanierung

Die Sanierungsarbeiten im Badeparadies Eiswiese hatten erhebliche finanzielle Auswirkungen. Neben den Kosten für Materialien, Personal und Energie entstanden auch zusätzliche Kosten durch die Verzögerung des Projekts und die Notwendigkeit, Ersatzattraktionen bereitzustellen.

Grundkosten

Die Sanierung des Rutschenturms und der anderen Bereiche im Badeparadies Eiswiese kostete insgesamt 150.000 bis 200.000 Euro, wie die GöSF angab. Dieser Betrag umfasste die Kosten für die Erneuerung der Reifenrutsche, das Auffangbecken, die Umkleideräume und andere Komponenten. Die Kosten für Materialien wie GFK-Elemente, Beton und Beschichtungen machten dabei einen erheblichen Anteil aus, da diese Materialien in der Freizeitbranche oft teuer sind.

Zusätzliche Kosten durch Verzögerungen

Die Verzögerung des Projekts führte zu weiteren Kosten, da die Arbeiten länger dauerten als geplant. Dazu gehörten unter anderem zusätzliche Löhne für die Arbeiter, die aufgrund der verlängerten Arbeitszeiten entstanden. Auch die Kosten für die Energieversorgung während der Bauphase stiegen, da die Anlage länger nicht in vollem Umfang betrieben werden konnte.

Ersatzattraktionen

Um die Besucher während der Sanierungsarbeiten nicht gänzlich auf Geschwindigkeit und Nervenkitzel verzichten zu lassen, stellte die GöSF eine sogenannte „Fishpipe“ bereit. Dieser überdimensionale aufgeblasene Plastikball diente als Ersatzattraktion, in dem die Besucher wie in einer Wäschetrommel herumgewirbelt wurden. Die Kosten für die Miete dieser Ersatzattraktion beliefen sich auf etwa zehn Prozent der Bausumme, was zusätzliche Kosten entstand.

Diese Kosten zeigen, dass Sanierungsprojekte im Freizeitbereich nicht nur auf die reinen Baukosten abzielen, sondern auch auf die Erhaltung der Attraktivität der Einrichtung und der Zufriedenheit der Besucher. Für Bauherren und Betreiber ist es daher wichtig, solche Kostenfaktoren frühzeitig in die Budgetplanung einzubeziehen, um unerwartete Mehrkosten zu vermeiden.

Fazit

Die Sanierung des Rutschenturms im Badeparadies Eiswiese war ein umfangreiches Projekt, das sowohl technische als auch logistische Herausforderungen mit sich brachte. Durch die Anwendung bewährter Techniken wie dem Vakuuminfusionsverfahren und der Anwendung einer Kopplungsschicht konnte die Struktur der Rutsche und anderer Komponenten wiederhergestellt werden. Gleichzeitig wurden neue Funktionen wie das Soleaußenbecken und barrierefreie Umkleideräume eingeführt, die das Angebot für die Besucher erweiterten.

Trotz der Verzögerungen, die auf Personalengpässe und Materialverzögerungen zurückgingen, blieb das Projekt letztendlich erfolgreich. Die Erneuerung der Anlage trug nicht nur zur Sicherheit und Attraktivität des Badeparadieses bei, sondern auch zur Verbesserung der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Für Bauherren, Planer und Renovierer ist dieses Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie auch bei auftretenden Schwierigkeiten eine sinnvolle Sanierung durchgeführt werden kann, die langfristig tragfähig bleibt.

Quellen

  1. Projektbeispiele Schwimmbad
  2. Sanierung im Göttinger Badeparadies Eiswiese verzögert sich
  3. Eiswiese: Wartung und Modernisierung der Wasserwelt ab 23. Juni
  4. Göttingen. Hallenschwimmerinnen und -schwimmer aus Göttingen und der Umgebung müssen sich bis zur Wiedereröffnung der Wasserwelt im Badeparadies Eiswiese noch eine Weile gedulden
  5. Entgeltanpassung für die Wasserwelt des Badeparadieses Eiswiese
  6. Rutschenturm wird saniert

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