Sanierung des Rutschenturms im Badeparadies Eiswiese 2018 – Ein Modell für Ersatzattraktionen und temporäre Nutzungslösungen

Einführung

Im Jahr 2018 führte das Badeparadies Eiswiese in Göttingen eine umfangreiche Sanierung des Rutschenturms durch. Die Maßnahme wurde notwendig, da sich durch Rostansätze an den Geländerbefestigungen und Wasserspuren an der Fassade eine Generalüberholung erzwang. Gleichzeitig entstand Sanierungsbedarf im Auslaufbecken der Turborutsche. Der Rutschenturm war für etwa vier Wochen gesperrt, währenddessen die Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GöSF) eine innovative Ersatzattraktion namens „Fishpipe“ bereitstellte. Diese temporäre Lösung erwies sich nicht nur als finanziell und logistisch durchdacht, sondern auch als attraktive Alternative für die Besucher.

Der vorliegende Artikel beleuchtet die Planung, Durchführung und wirtschaftliche Umsetzung der Sanierung. Dabei werden die technischen Aspekte, die Kostenstruktur und die Auswirkungen auf die Betriebsführung sowie die Gästezufriedenheit analysiert. Der Fokus liegt auf der Integration von Ersatzattraktionen in den Kontext von Sanierungsarbeiten an Freizeitbädern und bietet damit wertvolle Erkenntnisse für Betreiber, Planer und Bauherren.

Hintergrund: Notwendigkeit der Sanierung

Zustandsprobleme des Rutschenturms

Der Rutschenturm des Badeparadieses Eiswiese war im Jahr 2018 stark beansprucht. Die Materialermüdung und die Auswirkungen der Wetterbedingungen führten zu erheblichen Verschleißerscheinungen. Rostansätze an den Geländerbefestigungen machten eine Neuverstülpung der Anschlüsse notwendig. Zudem war der Turm an mehreren Stellen durch herablaufendes Wasser beschädigt, was eine erneute Verkleidung und Streichung erforderlich machte.

Die Sanierung des Auslaufbeckens der Turborutsche ergänzte das Maßnahmenpaket. Solche Reparaturen sind typisch für Freizeitbäder, in denen Rutschen und Becken nach mehreren Jahren Nutzung aufgefrischt werden müssen, um Sicherheit und Attraktivität zu gewährleisten. Die Entscheidung für eine vierwöchige Sperrung war demzufolge begründet, um die Arbeiten in einer Zeit durchzuführen, in der die Auswirkungen auf die Gästezahl möglichst gering waren.

Zeitplan und Umfang der Arbeiten

Die Sanierungsarbeiten begannen am Montag, 27. August 2018, und endeten am Samstag, 22. September 2018. In dieser Zeit wurde der Rutschenturm komplett gesperrt. Die Arbeiten umfassten:

  • Neuverstülpung der Geländerbefestigungen aufgrund von Rost
  • Streichen und Renovieren der gesamten Turmfassade
  • Sanierung des Auslaufbeckens der Turborutsche
  • Erneuerung von Fliesen und Oberflächen
  • Nachtarbeiten für laute Arbeiten, um die Störung der Gäste zu minimieren

Die Arbeiten wurden während des laufenden Betriebs durchgeführt, wobei eine Sichtschutzwand errichtet wurde, um die Baustelle optisch abzutrennen. Nachts fanden lautere Tätigkeiten statt, um den Betrieb tagsüber nicht zu stören.

Ersatzattraktion: Die „Fishpipe“

Technische Beschreibung

Als Ersatz für den gesperrten Rutschenturm wurde die „Fishpipe“ eingerichtet. Dieses Gerät besteht aus einem doppelwandigen Fass, das in einem stabilen Metallrahmen um die eigene Achse rotiert. Der Fahrgast steigt in den inneren Bereich ein und kann selbst bestimmen, wie rasant die Fahrt verläuft. Die Drehgeschwindigkeit kann bis zu 45 Umdrehungen pro Minute erreichen. Bei einer Fahrtzeit von 90 Sekunden entspricht dies einer Rutschlänge von etwa 500 Metern.

Die „Fishpipe“ ist ein aufgeblasener Plastikball, in dem die Gäste wie in einer Wäschetrommel herumgewirbelt werden. Sie ist für Badegäste leicht zugänglich und erfordert keine zusätzlichen Kosten. Die Attraktion wurde von einem Aufpasser überwacht, der für die Sicherheit sorgte.

Öffnungszeiten und Betriebsmodell

Die „Fishpipe“ war in den folgenden Zeiten geöffnet:

  • Montags bis freitags: 15.00 – 20.00 Uhr
  • Samstags und sonntags: 12.00 – 20.00 Uhr

Damit wurde ein breiter Zugang für die Besucher ermöglicht, der sowohl den schulischen Tagesablauf als auch das Wochenende berücksichtigte. Die Kosten für die Ersatzattraktion entfielen für die Gäste, da sie in die Sanierungskosten eingepreist wurden.

Wirtschaftliche Bewertung der Sanierungsmaßnahme

Kosten für die Sanierung

Die Sanierung des Rutschenturms kostete den Betreiber zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Dieser Betrag umfasste die Material- und Handwerkerkosten für die Neuverstülpung, Streichung und Sanierung. Hinzu kamen ca. 10 % der Bausumme als Miete für die „Fishpipe“, sowie die Kosten für das Aufsichtspersonal und die Stromkosten der Ersatzattraktion.

Die Investition war somit in der Größenordnung von ca. 170.000 bis 220.000 Euro angesetzt. Der Betreiber erklärte, dass die Kosten gerechtfertigt seien, da der Rutschenturm eine der beliebtesten Attraktionen im Badeparadies sei und eine Schließung ohne Ersatzangebot die Gästezahlen beeinträchtigt hätte.

Kostengünstigkeit der Ersatzattraktion

Die „Fishpipe“ erwies sich als wirtschaftlich attraktive Lösung, da sie keine zusätzlichen Kosten für die Besucher verursachte und den Betreiber vor einem Umsatzverlust schützte. Die Attraktion war für die Dauer der Sanierung kostenlos und zugänglich, was zur Stabilität des Betriebs beitrug.

Zudem erwies sich die Ersatzattraktion als effizient in ihrer Umsetzung. Sie war leicht transportabel, schnell aufbaubar und erforderte keine dauerhafte Infrastruktur. Somit war sie ideal geeignet, um während der Sanierungsarbeiten die Attraktivität des Bades aufrechtzuerhalten.

Auswirkungen auf den Betrieb

Betriebszeit ohne Betriebspause

Die Sanierung wurde ohne eine längere Betriebspause durchgeführt. Der Betreiber verzichtete auf eine Schließung des gesamten Bades, um die Attraktivität für die Gäste zu bewahren. Dies stand im Kontrast zu anderen Bädern, die oft zu dieser Zeit Betriebspausen einlegten.

Alexander Hirt, Prokurist der GöSF, erklärte, dass dies auch im Hinblick auf den Weender Parkbad-Betrieb notwendig gewesen sei. In diesem Jahr waren zusätzliche Bauarbeiten geplant, weshalb eine zusätzliche Schließung im Eiswiese-Bad nicht akzeptabel gewesen wäre.

Einfluss auf die Gästezahlen

Die Auswirkung der Turmsperrung auf die Gästezahlen war nicht eindeutig. Hirt verwies auf die Übergangszeit von der Freibad- auf die Hallenbadsaison, in der der Einfluss der fehlenden Rutschen schwer abzuschätzen sei. Gäste könnten sich aus Klimagründen oder aus dem Fehlen von Attraktionen gegen einen Besuch entscheiden.

Im Jahr 2011 hatte es eine drei Monate dauernde Sanierung gegeben, bei der es zu einem deutlichen Rückgang der Individualbadegäste kam. Dies legt nahe, dass eine längere Schließung in Kombination mit einem schwachen Wetterbericht die Gästezahlen negativ beeinflussen könnte.

Die „Fishpipe“ diente als Ausgleich und sorgte dafür, dass die Gäste nicht gänzlich auf Geschwindigkeit verzichten mussten. Die Attraktion war zwar nicht identisch mit den Rutschen, erfüllte aber den Anspruch auf Action und Unterhaltung.

Planung und Organisation

Zeitliche Planung

Die Sanierung war in den August und September gelegt, um die Auswirkungen auf den Betrieb zu minimieren. Die Entscheidung fiel bewusst in eine Phase, in der die Gästezahlen noch relativ stabil waren und die Wetterbedingungen noch förderlich für den Badebetrieb.

Die Sperrung des Rutschenturms betrug insgesamt etwa vier Wochen, was als akzeptabler Zeitraum für die Durchführung der Arbeiten angesehen wurde. Die Ersatzattraktion wurde in dieser Zeit eingesetzt, um die Lücke zu füllen.

Ressourcenplanung

Die Ressourcenplanung umfasste neben der Beauftragung der Handwerker und der Beschaffung der Materialien auch die Organisation der „Fishpipe“. Der Betreiber musste dafür sorgen, dass die Ersatzattraktion rechtzeitig geliefert, montiert und in Betrieb genommen wurde.

Zudem war ein Aufsichtspersonal für die „Fishpipe“ erforderlich, das für die Sicherheit und die ordnungsgemäße Benutzung sorgte. Die Stromkosten für die Attraktion waren ebenfalls in die Planung einzurechnen.

Zukunftsperspektiven und weitere Projekte

Langfristige Pläne der GöSF

Alexander Hirt gab bekannt, dass für das folgende Jahr eine deutlich längere Betriebspause als die üblichen zehn Tage geplant sei. In dieser Zeit seien mehr Bauarbeiten angedacht, um das Bad weiter zu modernisieren und sicherzustellen, dass es den Anforderungen der Zukunft entspricht.

Zudem gab es im Jahr 2018 bereits Planungen für einen 20-jährigen Jubiläumsgedächtnis. Das Bad war vor 20 Jahren in Betrieb genommen worden, und die Bauarbeiten sollten bis Ende September abgeschlossen sein, um das Jubiläum mit einer neuen Ausstrahlung zu feiern.

Im September 2018 war mit einer Sauna-Nacht, vergünstigten Eintrittspreisen, einer Poolparty, griechischen Spezialitäten, Drachenbootrennen und Meerjungfrauschwimmen geplant.

Erfolgsfaktoren der Maßnahme

Die Sanierung des Rutschenturms im Jahr 2018 erwies sich als ein Erfolg, da sie sowohl technisch als auch wirtschaftlich gut geplant und umgesetzt wurde. Die Kombination aus Generalüberholung und Ersatzattraktion ermöglichte es, den Betrieb nahezu unbeeinträchtigt fortzusetzen.

Die Erfahrungen aus diesem Projekt können als Modell für andere Bäder dienen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Die Planung, Durchführung und der Betrieb der Ersatzattraktion boten eine nachahmenswerte Strategie, um die Attraktivität des Bades aufrechtzuerhalten, während umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt wurden.

Fazit

Die Sanierung des Rutschenturms im Badeparadies Eiswiese im Jahr 2018 war ein gelungenes Projekt, das sowohl technische als auch wirtschaftliche Herausforderungen meisterte. Die Generalüberholung der Struktur und der Oberflächen war notwendig, um die Sicherheit und Attraktivität des Rutschenbereichs zu gewährleisten. Gleichzeitig war die Ersatzattraktion „Fishpipe“ eine innovative und wirtschaftlich sinnvolle Lösung, die die Gästezufriedenheit bewahrte und zusätzliche Kosten vermeidete.

Die Organisation, Planung und Durchführung der Maßnahme zeigten, dass es möglich ist, umfangreiche Sanierungsarbeiten ohne Betriebsstörungen durchzuführen, vorausgesetzt, sie werden gut vorbereitet und mit alternativen Angeboten kombiniert. Dieses Vorgehen bietet wertvolle Anregungen für Betreiber von Freizeitbädern, die sich mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sehen.

Die Erfahrungen aus diesem Projekt können als Leitfaden für zukünftige Sanierungsmaßnahmen dienen und zeigen, dass Investitionen in Sicherheit, Technik und Attraktivität langfristig lohnenswert sind.

Quellen

  1. Rutschensperrung und "Fishpipe" im Badeparadies vom 27.08.-23.09.2018
  2. Rutschenturm im Badeparadies vier Wochen lang gesperrt
  3. Ersatz-Attraktion in Göttinger Freibad Eiswiese
  4. Badeparadies Eiswiese: Wasserwelt schließt vom 23. Juni bis 2. Juli
  5. Sanierung im Göttinger Badeparadies Eiswiese verzögert sich
  6. Neue Attraktion für Göttinger Badeparadies Eiswiese
  7. Rutschenturm wird saniert

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