Die deutsche Bahn ist in einem kritischen Zustand. Jahrzehntelange Vernachlässigung der Wartung und Sanierung des Schienennetzes haben zu einem erheblichen Sanierungsstau geführt. Nach Angaben des Bundesrechnungshofs (BRH) beläuft sich der Sanierungsbedarf auf etwa 123 Milliarden Euro. Dieser Betrag spiegelt den Wiederbeschaffungswert aller Anlagen wider, die ihre durchschnittliche technische Nutzungsdauer überschritten haben. Um das Problem zu bekämpfen, plant die Bundesregierung massive Investitionen in die Schieneninfrastruktur, mit dem Ziel, das Bahnnetz bis 2029 um 107 Milliarden Euro zu modernisieren. Dieser Investitionsplan ist Teil eines umfassenden Infrastrukturprogramms im Gesamtvolumen von 166 Milliarden Euro, das auch Autobahnbrücken und Wasserstraßen einschließt. Zudem ist die Digitalisierung der Bahn ein zentraler Punkt, der durch moderne Stellwerke und das europäische Zugsicherungssystem (ETCS) ermöglicht werden soll.
In diesem Artikel wird der aktuelle Zustand der deutschen Schieneninfrastruktur analysiert, gefolgt von einer Bewertung der geplanten Investitionen, der kritischen Hintergründe der Finanzierung und der langfristigen Perspektiven der Sanierungsmaßnahmen. Schwerpunkte bilden dabei die aktuelle Finanzierungssituation, die Rolle des Bundesrechnungshofes in der Kritik an der bestehenden Finanzierungsstruktur, die geplanten Investitionen und die Herausforderungen, die bei der Umsetzung auftreten können.
Der Zustand der Schieneninfrastruktur
Die aktuelle Situation der Schieneninfrastruktur in Deutschland ist alarmierend. Laut einem Bericht des Bundesrechnungshofs ist der Sanierungsstau erheblich höher als ursprünglich angenommen. Der Wiederbeschaffungswert aller Anlagen, die ihre durchschnittliche technische Nutzungsdauer überschritten haben, beläuft sich auf rund 123 Milliarden Euro. Dieser Betrag unterstreicht die Dringlichkeit der Sanierungsmaßnahmen. Die überlastete Infrastruktur führt zu hohen Verspätungen und Ausfällen, was die Pünktlichkeit der Bahn stark beeinträchtigt. Im ersten Halbjahr 2025 kamen nur 63,4 Prozent aller Fernverkehrszüge pünktlich an, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur eine geringe Verbesserung darstellt.
Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2025 ihren Sanierungskurs fortgesetzt und den operativen Verlust (EBIT, bereinigt) um fast eine Milliarde Euro im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2024 verringert. Ein entscheidender Faktor für diese Verbesserung war die Übernahme von Vorleistungen durch den Bund für die Instandhaltung der Infrastruktur. Zudem führte eine strikte Kostendisziplin in allen DB-Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie die Verschlankung der Verwaltung zu einer positiven Entwicklung. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Infrastruktur weiterhin störanfällig, was die Pünktlichkeit weiterhin beeinträchtigt.
Die geplanten Investitionen
Um die Situation langfristig zu verbessern, hat die Bundesregierung ein umfassendes Infrastrukturprogramm im Umfang von 166 Milliarden Euro beschlossen. Davon fließen 107 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur, weitere 52 Milliarden Euro in Bundesstraßen und acht Milliarden Euro in Wasserwege. Die Verkehrsinvestitionen werden damit gegenüber dem Zeitraum 2020 bis 2024 um etwa 60 Prozent gesteigert. Diese Investitionen sind Teil des geplanten Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz, das mit bis zu 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre dotiert ist.
Ein zentraler Aspekt der Investitionen ist die Sanierung überlasteter Strecken, alter Stellwerke und beschädigter Brücken. Die Deutsche Bahn plant die Generalsanierung von über 40 besonders belasteten Strecken. Die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim war 2023 der erste Abschnitt, und in diesem Jahr ist die Strecke Hamburg-Berlin dran. Die Bahn strebt an, die Generalsanierungen bis Mitte der 2030er Jahre abzuschließen, obwohl das ursprüngliche Zieljahr 2031 als nicht mehr haltbar gilt.
Ein weiterer Schwerpunkt der Investitionen ist die Digitalisierung der Bahn. Mit Milliardeninvestitionen in das europäische Zugsicherungssystem (ETCS) und modernere Stellwerke soll die Bahn effizienter und sicherer werden. ETCS ermöglicht es beispielsweise, dass Züge miteinander kommunizieren und dichter hintereinander fahren können, was die Kapazität und Pünktlichkeit erhöht. Zudem sind über 40 hochbelastete Strecken geplant, bis Mitte der 2030er-Jahre generalsaniert zu werden.
Kritische Hintergründe der Finanzierung
Die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen ist jedoch nicht ohne Kritik. Der Bundesrechnungshof hat in einem Bericht auf die Probleme der bestehenden Finanzierungsstruktur aufmerksam gemacht. Konkret kritisiert der BRH die geplante Finanzierungsvereinbarung (LuFV), die derzeit von den zuständigen Ausschüssen bewertet wird. Die LuFV hat sich laut den Prüfern als ungeeignet erwiesen, um das Schienennetz zu erhalten und zu verbessern. Dennoch plant das Verkehrsministerium, den Finanzbedarf durch einen dritten Nachtrag um mehr als 19 Milliarden Euro aufzustocken. Die Prüfer warnen davor, dass dieser Nachtrag eine Vertragsänderung zum Nachteil des Bundes und letztlich zu Lasten der Allgemeinheit darstellen würde.
Ein weiteres Problem bei der Finanzierung ist der geplante Sondervermögen für Infrastruktur, das mit bis zu 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre dotiert ist. Obwohl sich CDU, CSU und SPD in ihren Sondierungsgesprächen auf diesen Topf geeinigt haben, ist er bislang nicht beschlossen worden. Zudem ist es noch unklar, wie viel Geld aus diesem Sondervermögen für die einzelnen Verkehrsträger bereitgestellt wird. Die Deutsche Bahn betont, dass stabile Finanzierungsversprechen über 2027 hinaus erforderlich sind, um Personal und Maschinen frühzeitig aufzustocken. Ohne langfristige Planungssicherheit könnten die Sanierungsmaßnahmen nicht effektiv umgesetzt werden.
Die Rolle der Deutschen Bahn und der Bund
Die Deutsche Bahn begrüßt die zusätzlichen Mittel und betont, dass der "neue finanzielle Maßstab" eine positive Entwicklung darstellt. Für eine langfristige Planung sind jedoch stabile Zusagen über 2027 hinaus erforderlich, da Personal und Maschinen frühzeitig aufgebaut werden müssen. Im Jahr 2024 investiert die Bahn zusammen mit Bund und Ländern insgesamt 16,4 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur. Dieser Betrag soll den Verfall des Bahnnetzes zum Stillstand bringen, was laut Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der Bahntochter DB InfraGO AG, zum ersten Mal seit vielen Jahren gelingen wird.
Im ersten Halbjahr 2025 wurden bereits Maßnahmen zur Sanierung der Infrastruktur umgesetzt. Die Bahn plant, 100 Bahnhöfe modernisieren und barrierefrei umzubauen. Bereits 40 sogenannte "Zukunftsbahnhöfe" wurden nach Angaben der Bahn neu gestaltet, darunter mit besseren Informationssystemen, neuen Leitsystemen und einer komfortableren Ausstattung. An rund tausend Bahnhöfen und Haltepunkten laufen 2024 Modernisierungs- und Neubaumaßnahmen, unter anderem in den Hauptbahnhöfen München, Duisburg, Dresden, Hannover und Ulm. Zudem investiert die Bahn in zahlreiche kleinere und mittelgroße Stationen, um beispielsweise barrierefreie Zugänge, Wetterschutz und Fahrgastinformation zu verbessern.
Die Herausforderungen der Sanierung
Trotz der geplanten Investitionen bleiben mehrere Herausforderungen bestehen. Einer davon ist der immense Sanierungsbedarf. Laut internen Unterlagen der Bahn beläuft sich der Finanzbedarf bis 2034 auf rund 80 Milliarden Euro. Wenn auch der Aus- und Neubau des Netzes sowie die beschleunigte und erweiterte Digitalisierung berücksichtigt werden, ist sogar ein Finanzbedarf von bis zu 150 Milliarden Euro erforderlich. Diese Summen zeigen, dass die geplanten Investitionen, obwohl hoch, den tatsächlichen Bedarf noch nicht vollständig abdecken.
Ein weiteres Problem ist der Mangel an Personal und Maschinen. Ohne stabile Finanzierungsversprechen über 2027 hinaus ist es schwierig, die notwendigen Kapazitäten frühzeitig aufzubauen. Die Bahn betont, dass stabile Zusagen erforderlich sind, um Personal und Maschinen frühzeitig aufzustocken. Zudem ist die Sanierung der Infrastruktur mit einem hohen Ausfall von Zügen verbunden, was die Pünktlichkeit weiterhin beeinträchtigt. Im ersten Halbjahr 2025 kamen nur 63,4 Prozent aller Fernverkehrszüge pünktlich an, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur eine geringe Verbesserung darstellt.
Die Zukunft der Bahn
Um die Situation langfristig zu verbessern, ist es notwendig, nicht nur die bestehende Infrastruktur zu sanieren, sondern auch neue Verkehrswege zu planen. Verkehrsminister Patrick Schnieder hat angekündigt, bis zum Spätsommer eine neue Bahnstrategie vorzulegen. Neben Sanierungen soll künftig verstärkt auch neu gebaut werden, sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße. Diese Strategie soll es ermöglichen, das Bahnnetz langfristig zu stabilisieren und die Pünktlichkeit zu verbessern.
Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie ist die Digitalisierung. Mit dem europäischen Zugsicherungssystem (ETCS) und moderneren Stellwerken soll die Bahn effizienter und sicherer werden. Zudem sollen über 40 hochbelastete Strecken generalsaniert werden. Diese Maßnahmen sind notwendig, um das Bahnnetz langfristig zu stabilisieren und die Pünktlichkeit zu verbessern.
Fazit
Die Sanierung der deutschen Schieneninfrastruktur ist ein dringend notwendiges Projekt, das jedoch mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist. Der Sanierungsstau ist erheblich höher als angenommen, und die Finanzierung der Maßnahmen bleibt kritisch. Obwohl die Bundesregierung geplante Investitionen in Höhe von 166 Milliarden Euro beschlossen hat, sind die geplanten Beträge nicht ausreichend, um den tatsächlichen Sanierungsbedarf zu decken. Zudem ist die Finanzierungsstruktur, insbesondere die geplante Finanzierungsvereinbarung (LuFV), stark kritisiert worden.
Die Deutsche Bahn begrüßt die zusätzlichen Mittel, betont jedoch, dass stabile Finanzierungsversprechen über 2027 hinaus erforderlich sind, um Personal und Maschinen frühzeitig aufzustocken. Ohne langfristige Planungssicherheit könnte die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen nicht effektiv erfolgen. Zudem ist die Sanierung der Infrastruktur mit einem hohen Ausfall von Zügen verbunden, was die Pünktlichkeit weiterhin beeinträchtigt.
Um die Situation langfristig zu verbessern, ist es notwendig, nicht nur die bestehende Infrastruktur zu sanieren, sondern auch neue Verkehrswege zu planen. Verkehrsminister Patrick Schnieder hat angekündigt, bis zum Spätsommer eine neue Bahnstrategie vorzulegen. Diese Strategie soll es ermöglichen, das Bahnnetz langfristig zu stabilisieren und die Pünktlichkeit zu verbessern. Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie ist die Digitalisierung, die es ermöglichen soll, dass Züge miteinander kommunizieren und dichter hintereinander fahren können, was die Kapazität und Pünktlichkeit erhöht.
Quellen
- Noch mehr Baustellen voraus: 166 Milliarden Euro für Schienen und Brücken
- Rechnungsprüfer: Sanierungsstau bei der Bahn höher als angenommen
- Bahn braucht bis zu 150 Milliarden Euro
- Bahn-Desaster kostet Milliarden: So viel zahlen wir alle für die Sanierung
- Bahn will Schienennetz mit Milliardenaufwand sanieren
- Verkehrsministerium verschwendet viele Milliarden Euro für die Bahn
- Deutsche Bahn macht Fortschritte beim Sanierungsprogramm
- Deutsche Bahn, Milliarden, Bund: Verfassungskonform?