Der Bahnhof Eschersheim in Frankfurt ist aktuell im Fokus umfangreicher Sanierungsarbeiten, die in den nächsten Jahren den Verlauf der S-Bahnstrecke und die Infrastruktur der Anlage grundlegend verändern werden. Diese Sanierung steht nicht isoliert, sondern ist Teil eines größeren Plans der Deutschen Bahn, der bis 2030 vorsieht, dass jeder dritte Bahnhof in Deutschland saniert wird. Im Fall von Eschersheim geht es nicht nur um den Erhalt des Bahnhofs als Verkehrsknotenpunkt, sondern auch um die barrierefreie Erreichbarkeit, die Sicherheit der Pendler:innen und den Ausbau der Gleisanlagen. Zentrale Aspekte der Sanierung sind die Errichtung eines provisorischen und später eines dauerhaften Mittelbahnsteigs, die Demontage des alten Bahnhofsgebäudes, die Anpassung der Maybachbrücke und die Erneuerung der Gleisanlagen. In diesem Artikel wird detailliert auf die Planung, die Herausforderungen und die konkreten Maßnahmen der Sanierung des Bahnhofs Eschersheim eingegangen.
Der aktuelle Zustand des Bahnhofs Eschersheim
Der Bahnhof Eschersheim ist historisch geprägt. Das Gebäude, erbaut im Jahr 1877 im neoklassizistischen Stil, war einst Teil der Main-Weser-Bahn, die als wichtige Verbindung durch das hessische und rheinische Flächenland diente. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Zustand des Bahnhofs jedoch stark verschlechtert. Der Putz bröckelt, die Fassade ist verblasst, und das Mauerwerk des Empfangsgebäudes ist so marode, dass ein Abbruch unumgänglich geworden ist. Die Deutsche Bahn hat aufgrund von Begehungen entschieden, das Gebäude 2023 abzureißen. Der Abriss erfolgt dabei sinnvoll in den Bauprozess integriert, sobald der provisorische Mittelbahnsteig fertiggestellt ist.
Ein weiteres Problem ist die fehlende Barrierefreiheit. Der Bahnhof ist aktuell nur über eine steile Treppe mit 38 Stufen zugänglich, was für Fahrradfahrer:innen, Menschen mit Gepäck und Rollstuhlfahrer:innen eine erhebliche Hürde darstellt. Die Sanierung sieht vor, dass der Bahnhof in Zukunft über die Maybachbrücke barrierefrei zugänglich sein wird, wobei ein Aufzug und eine Treppe eingerichtet werden. Diese Maßnahmen sind Teil des Ausbaus der S6, der für Ende 2023 geplant ist.
Planung und Ausführung der Sanierung
Der provisorische Mittelbahnsteig
Die Sanierung des Bahnhofs Eschersheim beginnt mit der Errichtung eines provisorischen Mittelbahnsteigs. Dieser dient als Übergangslösung, bis der endgültige Bahnsteig fertiggestellt ist. Der provisorische Bahnsteig ist geplant für den Frühjahr 2023, wobei die alten Außenbahnsteige dann abgebaut werden. Zugang zum provisorischen Bahnsteig wird über eine neue Treppe und einen Aufzug von der Maybachbrücke erfolgen. Die Deutsche Bahn hat den Ortsbeirat 9 über diese Planung informiert und betont, dass die Sanierung im Rahmen der Osterbaustellen 2023 fortgeführt wird.
Die Errichtung des provisorischen Bahnsteigs erfolgt parallel zu anderen Arbeiten an der S-Bahnstrecke. Bagger und schwere Maschinen rüsten die Flächen vor, während Tiefenentwässerung und Erdbau durchgeführt werden. Diese Vorbereitungen sind notwendig, um die Gleisanlagen für den zukünftigen Ausbau und die Verlegung von neuen Gleisen zu rüsten. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, dass bis 2023 auch das Fernbahngleis fertiggestellt sein wird, was eine weitere Verstärkung der Infrastruktur und Verbesserung der Kapazitäten bedeutet.
Die Sanierung des Bahnhofsgebäudes
Das historische Bahnhofsgebäude in Eschersheim ist nicht unter Denkmalschutz. Dies liegt daran, dass der ursprüngliche Zustand des Gebäudes Anfang des 20. Jahrhunderts stark verändert wurde. Aufgrund dieser baulichen Veränderungen konnte das Gebäude nicht als Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutz eingestuft werden. Im Gegensatz zu anderen Bahnhöfen entlang der Main-Weser-Bahn ist das Gebäude in Eschersheim daher für den Abriss freigegeben.
Die Deutsche Bahn hat klargestellt, dass das Areal nach dem Abriss nicht neu bebaut wird. Die Fläche wird stattdessen als Rettungsplatz für die viergleisige Bahnstrecke vorgesehen. Dies bedeutet, dass nach dem Abbruch des Bahnhofsgebäudes keine neuen baulichen Strukturen entstehen. Ein neues Bahnhofsgebäude oder ein neuer Bürgertreff – ein Wunsch, der von der Bevölkerung Eschersheims und dem Ortsbeirat 9 bereits seit Jahren geäußert wird – wird nicht realisiert. Diese Entscheidung hat unter den Anwohner:innen und lokalen Politikern Verwunderung und Enttäuschung ausgelöst.
Barrierefreiheit und Sicherheit
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Schaffung von barrierefreien Zugängen zum Bahnhof. Derzeit ist der Bahnhof Eschersheim nur über die bereits erwähnte Treppe mit 38 Stufen zugänglich, was für viele Pendler:innen eine erhebliche Einschränkung darstellt. Tanja Jung, eine Pendlerin, berichtet, dass sie ihr Fahrrad täglich die Treppe hinaufschleppen muss – eine Aufgabe, die bei schlechtem Wetter oder mit Gepäck besonders anstrengend und gefährlich ist. Für Rollstuhlfahrer:innen ist die Treppe nahezu unüberwindbar, was im vorliegenden Fall bereits zu einer unangenehmen Situation geführt hat: Ein Rollstuhlfahrer, der in Eschersheim ausgestiegen ist, musste von mehreren Helfer:innen die Treppe hinaufgebracht werden, da keine Alternativen zur Verfügung standen.
Die Deutsche Bahn hat auf die Kritik reagiert, jedoch betont, dass keine provisorischen Maßnahmen für einen barrierefreien Zugang bis zur Fertigstellung der Aufzüge möglich seien. Pendler:innen mit besonderen Bedürfnissen werden daher alternativ den Bahnhof Frankfurt West nutzen, wo barrierefreier Zugang bestünde. Dies wird als vorübergehende Lösung akzeptiert, bis Ende 2023 die endgültigen Maßnahmen abgeschlossen sind.
Auch die Sicherheit der Pendler:innen wird durch die aktuellen Bauarbeiten eingeschränkt. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, dass es bis zu dieser Zeit keine Durchsage im Zug geben wird, die auf die fehlende Barrierefreiheit hinweist. Dies wird von Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) kritisch gesehen, der fordert, dass in den Zügen zumindest während der Dauer der Baustelle darauf hingewiesen wird, dass der Bahnhof Eschersheim nicht barrierefrei ist.
Der Ausbau der Gleisanlagen
Neben der Sanierung des Bahnhofs selbst ist auch der Ausbau der Gleisanlagen ein zentrales Projekt. Die Deutsche Bahn hat bereits mit den Arbeiten an der S-Bahnstrecke begonnen, wobei insgesamt 4.500 Tonnen Gleisschotter, 3.400 Quadratmeter Unterschottermatten und zehn Weichen ausgetauscht wurden. Die Arbeiten fanden in Koordination mit schwerem Gerät statt, darunter fünf Arbeitszüge, ein Spezialkran mit 150 Tonnen Lastaufnahme, eine Weichen- und Gleisstopfmaschine sowie mehrere Bagger und Förderwagen.
Ein weiteres Projekt im Rahmen der Sanierung ist die Erneuerung der Bewetterungsanlage im Offenbacher City-Tunnel. Diese Anlage dient dazu, Emissionen abzuleiten und die Sicherheit der Bahnsteige und Tunnelwände zu gewährleisten. Die Ostendstraße bleibt bis zum 28. April gesperrt, um den Rückbau der Bewetterungsanlage abzuschließen. Zudem finden noch bis zum 8. Mai nächtliche Nacharbeiten an Weichen und Schotter statt, wobei der tägliche Verkehr der Pendler:innen weitgehend unberührt bleibt.
Der zeitliche Ablauf der Sanierung
Die Sanierung des Bahnhofs Eschersheim ist in mehrere Phasen unterteilt. Der erste Schritt war die Errichtung des provisorischen Mittelbahnsteigs im Frühjahr 2023. Diese Maßnahme erfolgte parallel zur Sanierung der Gleisanlagen und der Erneuerung der Weichen an der S-Bahnstrecke. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, dass bis Ende 2023 sowohl der provisorische als auch der endgültige Bahnsteig fertiggestellt sein werden.
Ein weiterer Meilenstein der Sanierung ist der Abriss des alten Bahnhofsgebäudes, der für das erste Quartal 2023 geplant ist. Abhängig vom Fortschritt der Bauarbeiten könnte der Abbruch auch Ende 2022 erfolgen. Nach dem Abriss wird das Areal nicht bebaut, sondern als Rettungsplatz für die viergleisige Bahnstrecke genutzt.
Die Sanierung des Bahnhofs Eschersheim ist zudem Teil eines größeren Plans der Deutschen Bahn. Laut Berichten will die Bahn bis 2030 etwa jeden dritten Bahnhof in Deutschland sanieren, um den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. Im Kontext dieser Strategie ist der Ausbau der S6 in Frankfurt ein Pilotprojekt, das in Zukunft auf weitere Strecken ausgebaut wird.
Auswirkungen auf die Region
Die Sanierung des Bahnhofs Eschersheim hat weitreichende Auswirkungen auf die Region. Zum einen wird der Bahnhof in Zukunft für mehr Pendler:innen zugänglich sein, was die Verkehrsanbindung der umliegenden Stadtteile verbessert. Die Schaffung von barrierefreien Zugängen wird insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine Erleichterung darstellen. Zudem wird die Erweiterung der Gleisanlagen den S-Bahn-Verkehr entlasten und die Kapazitäten der Strecke erhöhen.
Zum anderen hat die Sanierung auch soziale und politische Auswirkungen. Der geplante Abriss des Bahnhofsgebäudes hat in der Bevölkerung Eschersheims und im Ortsbeirat 9 Enttäuschung ausgelöst. Die Hoffnung auf einen Bürgertreff oder eine alternative Nutzung des Areals hat sich zerschlagen. Dies zeigt, dass die Sanierung nicht nur technische, sondern auch soziale und kulturelle Dimensionen hat, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen.
Fazit
Die Sanierung des Bahnhofs Eschersheim ist ein umfassendes Projekt, das sowohl technische Herausforderungen als auch soziale und politische Aspekte umfasst. Der Ausbau der Gleisanlagen, die Errichtung eines barrierefreien Zugangs, der Abriss des alten Bahnhofsgebäudes und die Schaffung eines Rettungsplatzes sind zentrale Komponenten dieser Sanierung. Die Deutsche Bahn hat klargestellt, dass die Arbeiten im Rahmen der Osterbaustellen 2023 fortgeführt werden und bis Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen.
Die Sanierung des Bahnhofs Eschersheim ist nicht nur für die lokale Bevölkerung, sondern auch für die Region Frankfurt von großer Bedeutung. Sie verbessert die Verkehrsanbindung, erhöht die Sicherheit der Pendler:innen und trägt zur Entlastung der S-Bahnstrecke bei. Gleichzeitig zeigt sich, dass bei solchen Projekten nicht nur technische, sondern auch soziale und kulturelle Aspekte eine Rolle spielen. Die Sanierung ist daher nicht nur ein Bauvorhaben, sondern auch ein Prozess der Anpassung und Gestaltung der Infrastruktur an die Bedürfnisse der Menschen.
Quellen
- Aus für Bürgertreff im Eschersheimer Bahnhofsgebäude
- Im Frühjahr kommt der Mittelbahnsteig für den Bahnhof Eschersheim
- Gefangen am Gleis: 38 Stufen als Hindernis
- Deutsche Bahn plant: Jeder dritte Bahnhof soll bis 2030 saniert werden
- Neue Infrastruktur für Frankfurt – Presseblog zu den Osterbaustellen