Einführung
Die Sanierung des Bahnhofs Kirchheim, gelegen in der Region Baden-Württemberg, ist ein zentraler Baustein für die Entwicklung der lokalen Infrastruktur und den langfristigen Städtebau. Der Bahnhof, der sich seit Jahrzehnten in einem nicht immer attraktiven Zustand befand, ist Gegenstand intensiver Planungen und Bauarbeiten. Ziel ist es, den Bahnhof nicht nur barrierefrei zu machen, sondern auch als zentralen Anlaufpunkt für das Dorf und die Region weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang laufen umfassende Sanierungsarbeiten, Investitionen in neue Technologien und städtebauliche Neugestaltungen. In diesem Artikel wird der aktuelle Stand der Sanierung, die finanzielle und organisatorische Planung sowie die zukünftigen Vorstellungen der Gemeinde und der Beteiligten vorgestellt.
Die aktuelle Situation am Bahnhofsareal
Zustand des Bahnhofs vor der Sanierung
Der Bahnhof Kirchheim war historisch gesehen in einen eher heruntergekommenen Zustand geraten. Obwohl das Bahnhofsgebäude in Gemeindeeigentum stand und daher gewisse Renovierungsmaßnahmen durchgeführt werden konnten, war die allgemeine Wahrnehmung des Bahnhofs oft von mangelhafter Pflege geprägt. So wurde im Bericht des Bürgermeisters Uwe Seibold deutlich, dass der Bahnhof in der Vergangenheit nicht immer als attraktives Tor zur Gemeinde wahrgenommen wurde. Besonders die Bahnhofsunterführung stand in der Kritik: sie war nicht sauber, oft riechend nach Exkrementen, und an der Reinigung mangelt es an ausreichenden Ressourcen. Ein weiteres Problem war das ehemalige Stellwerk, das aufgrund von Vandalismus geschlossen und eingezäunt werden musste. Es war ein Risikofaktor, da Menschen darunter übernachteten, was aufgrund der Nähe zu den Gleisen nicht akzeptabel war.
Sanierung des Bahnhofsgebäudes
Im Jahr 2022 fand eine umfassende Sanierung des Bahnhofsgebäudes statt. Die Gemeinde investierte etwa 500.000 Euro in die Renovierung, die sich auf mehrere Ebenen erstreckte. Im Erdgeschoss entstanden ein Kiosk und saubere Toiletten, während im Obergeschoss Wohnungen für Flüchtlinge und Wohnungssuchende entstanden. Die Sanierung war ein zentraler Schritt, um den Bahnhof wieder in den Fokus der Gemeinde zu rücken. Bürgermeister Seibold betonte, dass die Nutzung des renovierten Gebäudes „sehr gut“ funktioniere. Diese Maßnahmen zeigen, wie ein sorgfältig geplantes Projekt nicht nur die Infrastruktur verbessern, sondern auch soziale Funktionen übernehmen kann.
Bauarbeiten und Erweiterungen
Gleisanlagen und Bahnsteige
Die Deutsche Bahn hat im Jahr 2022 umfassende Bauarbeiten am Bahnhof Kirchheim begonnen. Diese Arbeiten umfassten die Erweiterung der Gleisanlagen mit einem zusätzlichen Gleis, zwei neuen Weichen und einem weiteren Bahnsteig. Gleichzeitig wurden das bestehende Gleis und der bestehende Bahnsteig saniert. Die Modernisierung beinhaltete auch die Überarbeitung der drei Bahnübergänge in der Gemeinde. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Erhöhung der Kapazität und Zuverlässigkeit des Eisenbahnverkehrs bei, sondern auch zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.
Vollsperrungen und Bauablauf
Um die Bauarbeiten effizient durchzuführen, war eine Vollsperrung der Strecke zwischen Freinsheim und Grünstadt vom 22. Juli bis 5. September 2022 notwendig. Diese Maßnahme ermöglichte es, die Arbeiten in dieser Zeit zu konzentrieren und so die Störungen für die Öffentlichkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Die DB Netz AG und die ausführenden Baufirmen standen während der Bauarbeiten für die Belange der Bürger zur Verfügung und waren vor Ort ansprechbar.
Barrierefreiheit als Schwerpunkt
Ein weiterer zentraler Aspekt der Sanierung ist die Schaffung von barrierefreien Zugängen. In diesem Kontext hat die Deutsche Bahn in Heimstetten in den letzten drei Jahren umfangreiche Modernisierungsarbeiten durchgeführt, die auch als Vorbild für Kirchheim dienen können. In Heimstetten wurden Bahnsteige, Unterführungen, Zugänge, ein Bahnsteigdach, Beleuchtung und das Fahrgastinformationssystem erneuert. Zwei neue Aufzüge und Rampen sowie ein Blindenleitsystem wurden eingerichtet, um den Zugang für Menschen mit Einschränkungen zu optimieren.
Für Kirchheim sind ähnliche Maßnahmen geplant. So hat die Gemeinde Förderzusagen für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs erhalten, und Bürgermeister Seibold verspricht, „alle Hebel in Bewegung zu setzen“, damit die Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden. Zudem ist ein neuer Aufzug am S-Bahnhof Kirchheim/Rohrbach in Bau, der im Jahr 2022 realisiert wird. Die Kosten für diesen Aufzug beliefen sich auf rund 280.000 Euro.
Finanzierung und Förderung
Bundesprogramm „Barrierefreiheit an kleinen Stationen“
Die Sanierung des Bahnhofs Kirchheim profitiert stark von staatlichen Förderungen. So hat der Bund insgesamt 8,65 Millionen Euro für den Umbau der Bahnhöfe entlang der Teckbahn bereitgestellt. Dies umfasst auch den Bahnhof Kirchheim/Teck Süd. Nils Schmid, SPD-Bundestagsabgeordneter, betonte, dass diese Finanzierung den Städten und Gemeinden einen klaren Rahmen für die Umsetzung der Maßnahmen bietet. Die Gelder stammen aus dem Bundesprogramm „Barrierefreiheit an kleinen Stationen“, das seit 2019 verstärkt umgesetzt wird. Ziel des Programms ist es, die Schieneninfrastruktur zu stärken und den Zugang zur Bahnsteigfläche für alle Menschen sicherzustellen.
Kosten für die Sanierung
Die Kosten für die Sanierung des Bahnhofs Kirchheim sind in mehreren Projekten unterschiedlich hoch angesetzt. So hat die Sanierung des Bahnhofsgebäudes etwa 500.000 Euro gekostet. Für den Umbau des Bahnhofs Heimstetten, der als Vorbild dienen kann, wurden zehn Millionen Euro investiert, wovon rund acht Millionen vom Freistaat Bayern getragen wurden. Auch in Kirchheim wird die Gemeinde zusätzliche Gelder einsetzen, um den Vorplatz des Bahnhofs zu verschönern, wie Bürgermeister Stephan Keck ankündigte.
Städtebauliche Planungen und Investorenwettbewerbe
Entwicklung des Bahnhofsareals
Der Bahnhof Kirchheim ist nicht nur ein Verkehrsknotenpunkt, sondern auch ein zentraler städtebaulicher Punkt. Die Gemeinde hat daher nicht nur die Sanierung des Bahnhofs selbst im Fokus, sondern auch die Entwicklung des Bahnhofsareals. In diesem Zusammenhang ist ein Investorenwettbewerb für das alte Postareal geplant. Ruprecht Neulinger vom Stuttgarter Büro Zoll Architekten ist hierbei beteiligt und hat in einer Gemeinderatsitzung seine Vorstellungen vorgestellt. Ziel ist es, ein überzeugendes Entwurfskonzept zu entwickeln, das den städtebaulichen und infrastrukturellen Anforderungen entspricht.
Nutzung des Cronimet-Geländes
Ein weiteres Projekt, das in der Diskussion steht, ist die Nutzung des erworbene Cronimet-Geländes. Die Gemeinde erwägt, dieses Areal als große Parkplatzanlage zu nutzen, um den Verkehr zu beruhigen. Gleichzeitig laufen Untersuchungen, inwieweit das Verwaltungsgebäude des Cronimet-Unternehmens künftig genutzt werden kann. Die Ergebnisse dieser Prüfungen sind für eine der nächsten Gemeinderatsitzungen geplant.
Entwicklung des ehemaligen Postgebäudes
Das ehemalige Postgebäude ist ein weiterer Schwerpunkt der Sanierungs- und Bauplanungen. Hier hat die Kirchheimer Firma ASC bereits einen städtebaulichen Wettbewerb gewonnen. Der Geschäftsführer Samet Cihanoglou plant, in den nächsten Jahren mit dem Abbruch und der Neubebauung zu beginnen. Die geplanten Bauvorhaben umfassen drei kleinteilige Wohn- und Geschäftshäuser mit Satteldach. Cihanoglou sieht auch die Entwicklung eines Bäckergeschäfts mit Café sowie eines kleinen Geschenkeladens als sinnvoll.
Planung und Koordination
Lokaltermin mit Akteuren
Ein Lokaltermin mit Vertretern der Deutschen Bahn, der Stadtverwaltung und politischen Akteuren brachte weitere Handlungsvorschläge ans Tageslicht. Andreas Schwarz (MdL) und der Verfasser der Pressemitteilung identifizierten mit den Beteiligten Handlungsbedarfe und -möglichkeiten. Der Baubürgermeister Riemer betonte, dass der Bahnhof, obwohl er sich seit 50 Jahren in Betrieb befindet, in einem schlechten Zustand ist. Alle Beteiligten – darunter auch Oberbürgermeister Dr. Bader und Vertreter der Deutschen Bahn – waren sich einig, dass ein moderner Bahnhof anders aussehen muss.
Themen der Koordination
Im Fokus der Diskussionen standen insbesondere die fehlende Barrierefreiheit bei der Querung der Bahnanlagen und der Zustand des Busbahnhofs. Letzterer wird als trist und nicht überdacht beschrieben. Eine Idee, die von der Stadt bereits diskutiert wird, ist die Ersetzung der nicht barrierefreien Unterführung durch einen Steg über den Bahnanlagen. Damit ließe sich das Wohngebiet in Hanglage besser integrieren. Zudem könnten durch Rampen und/oder Aufzüge die Barrierefreiheit hergestellt werden.
Kommunikation und Transparenz
Informationspolitik
Die Deutsche Bahn informiert die Öffentlichkeit über die anstehenden Bauarbeiten. So wurden die Vorbereitungen für die Baustelle bereits im Januar sichtbar, darunter auch der Grünschnitt und die Errichtung der Baustelleneinrichtungsflächen. Die Inbetriebnahme des ausgebauten Bahnhofs ist für Ende November 2022 vorgesehen. Die Beteiligten betonen, dass sie für die Belange der Bürger:innen während der Bauarbeiten immer vor Ort ansprechbar sein werden.
Bürgerbeteiligung
Die Sanierung des Bahnhofs hat auch eine starke Bürgerbeteiligung erfahren. So wurde ein Bürger, der auf bestehende Missstände hingewiesen hatte, als Anlass genommen, um einen Termin mit allen relevanten Akteuren einzurichten. Dieser Termin ermöglichte es, die Planungen vor Ort zu besprechen und die Zuständigkeiten zwischen Deutscher Bahn und Stadt abzugrenzen. Die ein oder andere Idee der Stadt, wie die Ersetzung der Unterführung durch einen Steg, existiert bereits.
Fazit
Die Sanierung des Bahnhofs Kirchheim ist ein komplexes Vorhaben, das sich nicht nur auf die bauliche Erneuerung beschränkt, sondern auch auf die Entwicklung der umliegenden Areale. Die Gemeinde hat hier mit einer Investition von 500.000 Euro in die Renovierung des Bahnhofsgebäudes bereits einen ersten Schritt unternommen. Gleichzeitig sind umfassende Bauarbeiten durch die Deutsche Bahn im Gange, die bis Ende 2022 abgeschlossen sein sollen. Ziel ist es, den Bahnhof barrierefrei zu machen und als zentralen Anlaufpunkt für die Region zu etablieren.
Die Finanzierung der Maßnahmen wird stark durch staatliche Förderungen unterstützt. So hat der Bund insgesamt 8,65 Millionen Euro für den Umbau der Bahnhöfe entlang der Teckbahn bereitgestellt. Die Sanierung ist also nicht nur ein lokales Vorhaben, sondern auch Teil einer größeren Initiative zur Verbesserung der Schieneninfrastruktur und zur Stärkung ländlicher Räume.
In städtebaulicher Hinsicht stehen Investorenwettbewerbe und Planungen für das Bahnhofsareal im Vordergrund. Hierbei ist das alte Postgebäude ein Schwerpunkt, an dem bereits konkrete Vorstellungen existieren. Gleichzeitig wird diskutiert, wie das Cronimet-Gelände genutzt werden kann, um den Verkehr zu beruhigen.
Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Deutscher Bahn und anderen Beteiligten ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Sanierung. Die Diskussionen im Rahmen von Lokalterminen und Pressemitteilungen zeigen, dass die Beteiligten sich auf eine gemeinsame Vision einigen können: einen modernen, barrierefreien Bahnhof, der als zentraler Knotenpunkt für die Region dienen kann.
Quellen
- Nahe dem Bahnhof in Kirchheim: Weichen für Postareal werden gestellt
- Bauarbeiten am Bahnhof beginnen
- S-Bahn-Haltestelle Heimstetten: Barrierefreier Bahnhof
- Bahnhofsareal Kirchheim: Gegenentwurf zu trostlosem Bahnhof
- Bahn baut neuen Aufzug am Bahnhof Kirchheim ein
- Kreuzungsbahnhof in Kirchheim
- Wie entwickelt sich der Bahnhof Kirchheim weiter?
- Endlich barrierefreier Umbau der Bahnhöfe entlang der Teckbahn