Der Bahnhof Pferdemarkt: Sanierung und Erneuerung eines städtischen Zentrums

Die Sanierung und Erneuerung des Bahnhof Pferdemarkt in Langenhagen ist ein Paradebeispiel für den Umgang mit historischen Stätten und deren Integration in die moderne Stadtplanung. Der Bahnhof, der in den vergangenen Jahren in mehreren Abschnitten umgestaltet wurde, steht heute nicht nur als kulturell bedeutender Ort, sondern auch als zentraler Knotenpunkt für Verkehr und Begegnung im Zentrum von Langenhagen. Die Arbeiten, die zwischen April und November 2020 durchgeführt wurden, kosteten insgesamt etwa eine Million Euro, wobei die Stadt selbst etwa 350.000 Euro beisteuerte und der Rest der Finanzierung aus einem Fördertopf stammte, der von Bund und Land befüllt wird.

In den folgenden Abschnitten wird der Prozess der Sanierung, die technischen und gestalterischen Maßnahmen sowie die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung des Vorplatzes des Bahnhof Pferdemarkt ausführlich dargestellt. Zudem werden die zukünftigen Planungen und Herausforderungen, etwa die geplante Erneuerung der Eisenbahnüberführung bis 2040, berücksichtigt.


Die Sanierung des Vorplatzes: Ein Meilenstein der Stadtentwicklung

Der Vorplatz des Bahnhof Pferdemarkt war seit Jahrzehnten ein vergleichsweise tristes Areal, das sich in seiner Funktion und Erscheinung nicht der städtischen Entwicklung entsprach. In den vergangenen Jahren wurde dieser Bereich daher in mehreren Abschnitten umgestaltet, wobei die Stadtverwaltung in enger Zusammenarbeit mit Anliegern, dem Sanierungsbeirat und weiteren Partnern die Planung gestaltet hat. Die Arbeiten begannen im April 2020 und wurden bis Ende November abgeschlossen.

Gestalterische und infrastrukturelle Veränderungen

Die Sanierung umfasste eine Vielzahl von Maßnahmen, die sowohl die ästhetische Qualität als auch die Nutzbarkeit des Platzes verbessern sollten:

  • Neue Bäume und Grünflächen: Auf dem Vorplatz wurden 1900 Quadratmeter Asphalt und 1030 Quadratmeter Pflaster entfernt. An ihre Stelle traten frisch verlegter Rollrasen und neu gepflanzte Bäume. Die Grünflächen dienen nicht nur der optischen Aufwertung, sondern auch der Verbesserung des Mikroklimas und der Schaffung von Rastplätzen.

  • Neue Sitzmöbel und Fahrradständer: Die Einrichtung wurde umgestaltet, sodass nun Sitzmöbel zur Verfügung stehen, an denen sich Besucher des Bahnhofes und der umliegenden Geschäfte und Restaurants erholen können. Zudem wurden Fahrradständer und Stellbügel installiert, die aufgrund der hohen Nachfrage – insbesondere in der Innenstadt – als notwendig erachtet wurden.

  • Neuanordnung der Parkflächen: Die Parkflächen wurden neu angeordnet, um den Verkehr und die Begehung des Platzes zu optimieren. Diese Maßnahme ist besonders wichtig in städtischen Zentren, in denen der Flächenbedarf zwischen Parken, Verkehr und Freizeit stetig wächst.

  • Neubau von Wegen und Weichen: Die Wegeführung wurde angepasst, um die Durchlässigkeit des Platzes zu erhöhen. Zudem wurden Weichen und Wegmarkierungen so angeordnet, dass sie den Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern gleichermaßen zugänglich sind.

  • Beleuchtung und Sicherheit: Die Beleuchtung wurde verbessert, um den Platz auch nachts sicher und nutzbar zu machen. Zudem wurde auf die Integration von Sicherheitsmaßnahmen, wie bauliche Schutzmaßnahmen oder Videoüberwachung, verzichtet, um den Charakter des offenen Platzes zu bewahren.

  • Denkmalschutz und historische Werte: Das Bahnhofsgebäude selbst, das unter Denkmalschutz steht, wurde ebenfalls saniert. Nach Abschluss der Arbeiten erhielt das Gebäude eine Denkmal-Plakette, die für eine beispielhafte Sanierung steht.

Finanzierung und Förderung

Die Kosten der Sanierung beliefen sich auf insgesamt etwa eine Million Euro. Die Stadt Langenhagen trug etwa 350.000 Euro davon, während der Rest aus einem Fördertopf stammte, der von Bund und Land befüllt wird. Diese Finanzierung entspricht einem klassischen Modell für städtebauliche Sanierungsprogramme in Deutschland, bei dem Kommunen und Bundesländer gemeinsam Investitionen in die Infrastruktur und Lebensqualität der Städte tätigen.

Die Sanierung des Bahnhof Pferdemarkt war ein zentraler Baustein des Sanierungsprogramms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren – Kernstadt Nord/Walsroder Straße“. Dieses Programm zielt darauf ab, die Innenstädte lebendiger zu gestalten, den Verkehr zu entlasten und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. In diesem Rahmen wurden nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern auch soziale und kulturelle Initiativen wie das „Ganz Langenhagen ist ein Museum“-Projekt unterstützt.


Die symbolische Eröffnung: Ein Fest der Begegnung

Die symbolische Eröffnung des neuen Vorplatzes fand im Dezember 2020 statt. Inmitten der Vorweihnachtszeit war das Fest von einer Weihnachtsatmosphäre geprägt, bei der es weniger um Reden und offizielle Proklamationen als um Begegnung, Musik und kulinarische Angebote ging. Der Posaunenchor der Matthias-Claudius-Gemeinde sorgte mit Weihnachtsliedern für musikalische Untermalung, während das Café und Restaurant Emma Glühwein und Punsch anbot. Die benachbarte Kita Wichtelhagen bereitete Kekse vor, die von Kindern dekoriert werden konnten.

Die Festivitäten standen jedoch nicht nur für die Eröffnung einer neuen städtischen Fläche, sondern auch für die Anerkennung der Sanierung. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude erhielt eine Denkmal-Plakette, die für die Anerkennung einer beispielhaften Sanierung steht. Zudem wurde ein Schild der Initiative „Ganz Langenhagen ist ein Museum“ (GLIEM) neu aufgestellt, das vor Beginn der Arbeiten entfernt worden war.

Diese symbolische Eröffnung markiert nicht nur den Abschluss der baulichen Arbeiten, sondern auch den Beginn einer neuen Phase, in der der Vorplatz als offener, lebendiger Ort für Begegnung, Freizeit und Kultur dienen soll.


Funktionale und soziale Auswirkungen der Sanierung

Die Sanierung des Vorplatzes des Bahnhof Pferdemarkt hat nicht nur bauliche, sondern auch funktionale und soziale Auswirkungen. Der Platz wird heute als ein multifunktionaler Bereich genutzt, der sowohl für den täglichen Verkehr als auch für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen dienen kann.

Kurze Wege und bessere Verkehrsanbindung

Ein zentrales Ziel der Sanierung war es, den Zugang zur Bahn zu verbessern. Der Bahnhof Pferdemarkt ist ein wichtiger Knotenpunkt im Regionalverkehr, und durch die bessere Wegführung und die Schaffung von Rastplätzen konnten die Wege für Pendler und Touristen kürzer und bequemer gestaltet werden. Die neue Infrastruktur, einschließlich der Fahrradständer und der besseren Wegeführung, trägt dazu bei, den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu erleichtern.

Öffentlicher Raum als soziale Begegnungszone

Der Vorplatz ist heute ein Ort der Begegnung, in dem sich Einwohner und Besucher der Stadt begegnen können. Die Sitzmöbel, die Grünflächen und die offene Struktur des Platzes laden zum Verweilen ein. Zudem kann der Platz für kleinere kulturelle Veranstaltungen genutzt werden, was zu einem stärkeren sozialen Zusammenhalt beiträgt.

Integration in das städtische Umfeld

Der Bahnhof Pferdemarkt ist nicht isoliert, sondern Teil des umliegenden Quartiers. Die Sanierung des Vorplatzes ist daher auch als Beitrag zur Belebung der „Alten Mitte“ zu verstehen. In den vergangenen Jahren wurden in diesem Bereich weitere Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die darauf abzielen, die Innenstadt lebendiger und attraktiver zu gestalten.


Zukunftsaussichten: Herausforderungen und Planungen

Die Sanierung des Vorplatzes ist zwar abgeschlossen, aber der Bahnhof Pferdemarkt ist weiterhin ein Ort, an dem sich Herausforderungen und Planungen abzeichnen. Eine davon ist die geplante Erneuerung der Eisenbahnüberführung bis 2040. Der aktuelle Zustand der Brücke über die Hunte ist zwar noch tragfähig, aber aufgrund des zunehmenden Bahnverkehrs in Richtung Wilhelmshaven, Leer und Groningen wird ein drittes Gleis erforderlich. Dies könnte zu weiteren Umbaumaßnahmen führen, die den Bahnhof Pferdemarkt und seine Umgebung betreffen.

Zudem wird im Zusammenhang mit der geplanten Erneuerung der Eisenbahnüberführung ein Gesamtkonzept für die Region entwickelt. Solch ein Konzept könnte helfen, die verschiedenen Planungen – etwa zur Sanierung des Bahnhofes, zur Verkehrsanbindung oder zur Entwicklung der umliegenden Flächen – zu koordinieren und aufeinander abzustimmen.

Ein weiteres zentrales Thema ist der Rechtsstreit zwischen der Stadt und der Deutschen Bahn (DB), der vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) ausgetragen wird. Dieser Streit könnte Auswirkungen auf die weitere Zusammenarbeit zwischen Stadt und DB haben, was wiederum die Planung und Durchführung von Sanierungsmaßnahmen beeinflussen könnte.


Fazit

Die Sanierung des Vorplatzes des Bahnhof Pferdemarkt ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Zentrums von Langenhagen. Sie zeigt, wie historische Stätten in die moderne Stadt integriert werden können, ohne ihre kulturellen Werte zu verlieren. Die Arbeiten, die in mehreren Abschnitten durchgeführt wurden, haben nicht nur die ästhetische Qualität des Platzes verbessert, sondern auch dessen Nutzbarkeit und soziale Funktion gestärkt. Der Vorplatz ist heute ein lebendiger, multifunktionaler Ort, der sowohl für den täglichen Verkehr als auch für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt werden kann.

Zukünftige Herausforderungen, wie die Erneuerung der Eisenbahnüberführung und die Koordination mit der Deutschen Bahn, zeigen, dass der Bahnhof Pferdemarkt auch weiterhin ein zentraler Ort für Planung und Sanierung bleiben wird. Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass es möglich ist, historische Werte mit modernen Bedürfnissen in Einklang zu bringen – ein Erfolg, der für andere Städte und Gemeinden gleichermaßen eine Orientierung bieten kann.


Quellen

  1. Langenhagen: Nun wird es am Bahnhof Pferdemarkt eng
  2. Großer Bahnhof, kleines Fest am Pferdemarkt in Bildern
  3. Geplante Erneuerung der Brücke über den Pferdemarkt im Jahr 2035
  4. Bahnhof Pferdemarkt als krönender Abschluss einer Projekttour
  5. Bahnhof Pferdemarkt: Abschluss der Projekttour
  6. Tag: Pferdemarkt
  7. Langenhagen: Die Alte Mitte hübscht sich sichtbar auf

Ähnliche Beiträge