Einführung
Die Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH, ein traditionsreicher Anbieter von Schlacht- und Fleischverarbeitungssystemen, stand im Jahr 2018 vor einer wirtschaftlichen Krise, die letztlich in der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mündete. Das Unternehmen, das sich seit 1868 auf die Entwicklung und Lieferung von Anlagen für die Schlacht- und Fleischverarbeitungsindustrie spezialisiert hatte, verzeichnete weltweit rund 250 Mitarbeitende und einen Umsatz von etwa 30 Mio. Euro pro Jahr. Die Insolvenz in Eigenverwaltung, angemeldet im April 2018, war der erste Schritt in einem langen Prozess, der schließlich zur Sanierung führte. Ziel war es, einen strategischen Neuausrichtung des Unternehmens zu ermöglichen, wobei der Service- und Ersatzteilbereich besonders betont wurde.
Durch die Zusammenarbeit mit diversen Experten, darunter der Insolvenzverwalter Silvio Höfer von anchor Rechtsanwälte, das Restrukturierungsteam von Ebner Stolz unter der Leitung von Jan Hendrik Groß, und FalkenSteg, gelang es, den Geschäftsbetrieb des Unternehmens in einem Übertragenden Sanierungsverfahren zu retten. Am 1. Januar 2019 wurde der Geschäftsbetrieb durch JWE-Baumann, einen strategischen Investor aus Aalen, erworben. Damit wurde der sogenannte "profitable Teil des Unternehmens", insbesondere der Service- und Ersatzteilbereich, bewahrt und in die Hand einer neuen Führung übergeben. Dieser Artikel geht detailliert auf die Sanierung, die Struktur des Insolvenzverfahrens, die Rolle der Beteiligten sowie die wirtschaftlichen und operativen Implikationen ein.
Die Insolvenz in Eigenverwaltung
Am 24. April 2018 meldete die Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH Antrag auf Eigenverwaltung an. Dieser Schritt ist im Insolvenzrecht ein Instrument, das Unternehmen ermöglicht, unter eigenständiger Verwaltung ihre Finanzkrise zu begegnen, ohne direkt in einen Insolvenzverfahren zu fallen. Ziel der Eigenverwaltung ist es, innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine Sanierung zu erreichen, um die Existenz des Unternehmens zu sichern.
Unter der Leitung von Jan Hendrik Groß, einem Partner von Ebner Stolz, wurde ein multidisziplinäres Restrukturierungsteam eingesetzt, das den Prozess begleitete. Guido Glörfeld, ebenfalls von Ebner Stolz, war für die finanzwirtschaftliche Beratung verantwortlich. Der vorläufige Sachwalter war Silvio Höfer, Partner bei anchor Rechtsanwälte. Seine Aufgabe bestand darin, den Fortgang des Verfahrens zu überwachen und sicherzustellen, dass die notwendigen Maßnahmen zur Sanierung rechtsgültig und effizient durchgeführt wurden.
Die Eigenverwaltung diente als Grundlage für die spätere Übertragende Sanierung, die letztlich den Erhalt des Service- und Ersatzteilgeschäfts ermöglichte. Die Insolvenz in Eigenverwaltung wird oft in Fällen angewendet, in denen das Unternehmen noch über ausreichende Liquidität verfügt, um seine laufenden Geschäfte fortzuführen, aber nicht in der Lage ist, alle Verpflichtungen langfristig zu erfüllen. In diesem Fall lag der Fokus darauf, die wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsteile zu identifizieren und zu retten, während andere Bereiche stillgelegt wurden.
Der M&A-Prozess und die Übertragende Sanierung
Im August 2018 wurde das Insolvenzverfahren in Fremdverwaltung eröffnet. Das bedeutet, dass die Geschäftsführung nicht mehr in den Händen des Unternehmens lag, sondern durch den Insolvenzverwalter übernommen wurde. Der M&A-Prozess, der unter der Leitung von Jan Hendrik Groß und Silvio Höfer angestoßen wurde, spielte eine entscheidende Rolle bei der Sanierung. Ziel war es, einen Investor zu finden, der bereit war, den Geschäftsbetrieb zu übernehmen und so die Arbeitsplätze sowie wertvolle Geschäftsanteile zu sichern.
Im Rahmen der Übertragenden Sanierung, die letztlich zum Erfolg führte, wurde der Geschäftsbetrieb der Banss GmbH am 1. Januar 2019 von JWE-Baumann, einem Investor aus Aalen, erworben. Der Kaufpreis blieb geheim, da die Parteien Stillschweigen vereinbart hatten. JWE-Baumann ist eine Unternehmensgruppe, die sich in der Vergangenheit erfolgreich in der Lebensmittelindustrie bewegt hat und somit gut positioniert war, die Expertise von Banss weiterzuführen.
Die Übertragende Sanierung ist ein Insolvenzverfahren, das es ermöglicht, einen wirtschaftlich tragfähigen Teil des Unternehmens durch einen Investor zu übernehmen, ohne dass das gesamte Unternehmen in einen Insolvenzverfahren verfällt. In diesem Fall war es möglich, den Service- und Ersatzteilbereich, der als profitabel und strategisch wichtig eingestuft wurde, zu erhalten. Dieser Bereich umfasste nicht nur die Bereitstellung von Ersatzteilen für bestehende Anlagen, sondern auch den Kundenservice, der für die langfristige Stabilität des Unternehmens entscheidend war.
Die Rolle des Insolvenzverwalters
Silvio Höfer, Partner bei anchor Rechtsanwälte, übernahm die Rolle des Insolvenzverwalters in diesem Fall. Seine Erfahrung in Schutzschirm- und Eigenverwaltungsverfahren war entscheidend für den Erfolg der Sanierung. Höfer betonte, dass es aufgrund der schwierigen Marktkonstellation und des hohen Vorfinanzierungsaufwands nicht möglich war, den gesamten Anlagenbau zu retten. Allerdings gelang es, den Service- und Ersatzteilbereich nach seiner Stilllegung wieder aufzunehmen und erfolgreich weiterzuentwickeln.
Höfer nannte den Erhalt von rund 30 Arbeitsplätzen in Biedenkopf als einen wichtigen Erfolg. Diese Arbeitsplätze waren nicht nur für die lokale Wirtschaft von Bedeutung, sondern auch für die Stabilität des Unternehmens. Johannes von Neumann-Cosel, Partner bei FalkenSteg, zeigte sich zufrieden mit der Wahl des neuen Investors. Er betonte, dass JWE-Baumann unter der Führung von Familie Weiss sowie Thilo und Harald Weide das Unternehmen „neu erblühen lassen“ würde.
Die Neuausrichtung des Unternehmens
Nach der Übernahme durch JWE-Baumann begann die strategische Neuausrichtung des Unternehmens. Die erste Phase bestand darin, das Unternehmen als Service- und Ersatzteilhersteller weiterzuentwickeln. Dieser Schritt war entscheidend, da der Bereich als profitabel und unverzichtbar für die bestehende Kundenbasis eingestuft wurde. Der Fokus lag darauf, Ersatzteile für bestehende Anlagen bereitzustellen und den Kundenservice weiterzuentwickeln, um langfristige Kundenbeziehungen zu sichern.
In der zweiten Phase war es geplant, kleinere Schlachtanlagen wieder anzubieten. Dieser Schritt sollte dazu beitragen, das Unternehmen nicht nur auf dem Ersatzteilmarkt, sondern auch im Anlagenbau wieder stabil zu machen. Die Neuausrichtung war also nicht nur auf den Erhalt der bestehenden Geschäftsbereiche ausgerichtet, sondern auch auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens.
Der Übergang an Fortifi
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Geschichte des Unternehmens war die Übernahme der Vermögenswerte und des geistigen Eigentums durch Fortifi im Sommer 2024. Fortifi Food Processing Solutions, ein Unternehmen mit Sitz in Texas, USA, erwarb die Kundenbeziehungen, die Bibliothek mit technischen Designs und Teilezeichnungen sowie ausgewählte Vorräte und Anlagevermögen der JWE-Banss GmbH.
Massimo Bizzi, CEO von Fortifi, betonte, dass Fortifi nun der einzige Anbieter von BANSS-Ersatzteilen sei und exklusiver Eigentümer der technischen Designs. Dennis Gallagher, Präsident von Frontmatec (einem Tochterunternehmen von Fortifi), erklärte, dass Frontmatec als autorisierte Quelle für Ersatzteile und modernste Lösungen für die Lebensmittelverarbeitung bereitstehe, um das Wachstum und den Erfolg der Kunden zu fördern.
Der Übergang wurde von Frontmatec verwalten, das weltweit führende kundenspezifische Lösungen für die Automatisierung der Wertschöpfungskette in der Proteinindustrie anbietet. Die Produktionsstätte und Büros von Frontmatec in Beckum, Deutschland, übernahmen die Aufgabe, die Kunden im Bereich Kundendienst, Geräte- und Systemsupport sowie Ersatzteile zu unterstützen.
Die wirtschaftliche und strategische Bedeutung der Sanierung
Die Sanierung der Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH war nicht nur ein Erfolg für das Unternehmen selbst, sondern auch für die betroffenen Mitarbeiter und die lokale Wirtschaft in Biedenkopf. Der Erhalt von rund 30 Arbeitsplätzen und die Weiterführung des Ersatzteil- und Servicegeschäfts trugen dazu bei, die wirtschaftliche Stabilität in der Region zu sichern.
Aus strategischer Sicht war der Fokus auf den Service- und Ersatzteilbereich eine kluge Entscheidung. In einer Branche, in der langfristige Kundenbeziehungen und technische Expertise entscheidend sind, ist der Ersatzteilkundenservice ein unverzichtbarer Bestandteil. Der Erhalt dieses Bereichs ermöglichte es, den Ruf des Unternehmens als Technologieführer zu bewahren, auch wenn der Anlagenbau nicht in seiner vollen Ausprägung weitergeführt werden konnte.
Zudem war die Zusammenarbeit mit Experten aus Recht, Finanz- und Restrukturierungswirtschaft ein entscheidender Faktor für den Erfolg. Der M&A-Prozess, der insbesondere durch die Arbeit von Jan Hendrik Groß, Silvio Höfer und FalkenSteg ermöglicht wurde, zeigte, wie wichtig es ist, professionelle Unterstützung in solchen Fällen zu haben.
Die Bedeutung des Falls für die Bau- und Immobilienbranche
Obwohl die Banss GmbH ein Maschinenbauunternehmen ist und nicht direkt zur Bau- und Immobilienbranche gehört, bietet der Fall wertvolle Einblicke in die Praxis der Sanierung und Restrukturierung. Insbesondere für Bauunternehmen, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stehen, kann die Banss-Sanierung als Vorbild dienen. Der Fokus auf wirtschaftlich tragfähige Geschäftsteile, die Zusammenarbeit mit Experten aus Recht und Finanzwirtschaft sowie die klare strategische Neuausrichtung des Unternehmens sind Faktoren, die auch im Baugewerbe entscheidend sind.
Für Bauunternehmen, die in Eigenverwaltung gehen, kann der Banss-Fall zeigen, wie es möglich ist, einen wirtschaftlichen Neuanfang zu schaffen, ohne das gesamte Unternehmen zu verlieren. Die Erfahrung von Silvio Höfer und Jan Hendrik Groß zeigt, dass professionelle Unterstützung entscheidend ist, um solche Sanierungen erfolgreich umzusetzen.
Fazit
Die Sanierung der Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH ist ein Beispiel dafür, wie es möglich ist, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, einen wirtschaftlich tragfähigen Teil eines Unternehmens zu retten. Durch die Zusammenarbeit mit Insolvenzverwaltern, Restrukturierungsexperten und strategischen Investoren gelang es, den Service- und Ersatzteilbereich zu bewahren und so Arbeitsplätze sowie Kundenbeziehungen zu sichern.
Die Sanierung zeigt zudem, wie wichtig es ist, in solchen Fällen klare strategische Ziele zu formulieren und diese mit professioneller Unterstützung zu erreichen. Für Bauunternehmen und andere Unternehmen, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stehen, kann der Banss-Fall als Vorbild dienen, um eigene Sanierungsstrategien zu entwickeln.
Die Banss-Sanierung ist nicht nur ein Erfolg für das Unternehmen selbst, sondern auch für die lokale Wirtschaft und die betroffenen Mitarbeitenden. Sie unterstreicht die Bedeutung von Flexibilität, strategischem Denken und professioneller Unterstützung im Rahmen der Sanierung.
Quellen
- anchor Rechtsanwälte: Rettung des Ersatzteil- und Servicegeschäfts der Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH
- FalkenSteg: Rettung des Ersatzteil- und Servicegeschäfts der Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH
- Insolvenz-Portal: Banss Schlacht- und Fördertechnik GmbH
- anchor Rechtsanwälte: Banss saniert sich mit Ebner Stolz und Anchor in Eigenverwaltung
- Bettcher: Fortifi erwirbt Vermögenswerte und geistiges Eigentum von Banss
- OP Marburg: Schlachtanlagen-Spezialist Banss ist insolvent