Einführung
Die Barsbütteler Straße und ihre Umgebung, insbesondere die Rodigallee, stehen im Fokus einer umfassenden Sanierung und Neukonzeption. Die Planungen umfassen nicht nur die Instandsetzung der Fahrbahn, sondern auch die Reduktion von Fahrstreifen und die Einrichtung von Radfahrstreifen sowie einer Busspur. Diese Maßnahmen sind Teil eines größeren Projekts zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur im Gewerbegebiet Barsbüttel und der Stadtteile Jenfeld und Marienthal im Bezirk Wandsbek, Hamburg.
Die aktuelle Situation ist geprägt von hohem Verkehrsaufkommen und der Notwendigkeit, den Straßenverlauf an die Anforderungen des modernen urbanen Verkehrs anzupassen. Zudem zeigt sich, dass der Planungsprozess bislang von Kritik begleitet wurde, insbesondere was die Beteiligung der Bevölkerung und lokalen Gremien angeht.
Die folgende Analyse basiert auf den verfügbaren Informationen, die im Wesentlichen aus zwei Quellen stammen: einer Pressemitteilung der WAS – Wirtschafts- und Arbeitsförderung Stormarn und einem Antrag der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung Wandsbek. Beide Quellen werden in der Quellenliste am Ende des Artikels genannt.
Hintergrund und Planungsziele
Geografische und infrastrukturelle Lage
Die Rodigallee erstreckt sich zwischen der Jüthornstraße in Marienthal und der Barsbütteler Straße in Jenfeld. Mit einer Länge von 3,3 Kilometern durchschneidet sie ein bedeutendes Verkehrskorridor. Insbesondere der östliche Abschnitt der Rodigallee ist ein Hauptverkehrsknotenpunkt, an dem die Anschlussstelle Jenfeld der A24 liegt. Die drei Hauptverkehrsachsen – Jenfelder Allee, Rodigallee – Barsbütteler Straße und Öjendorfer Damm – tragen täglich bis zu 32.000 Kraftfahrzeuge.
Diese Verkehrszahlen verdeutlichen, dass die Rodigallee eine zentrale Verbindung in der Region darstellt und eine entsprechend robuste Planung erforderlich ist. Gleichzeitig aber bringt dieser hohe Verkehrsaufkommen auch Probleme mit sich, insbesondere im Hinblick auf Verkehrsfluss, Lärmbelastung und Umweltbelastung.
Zielsetzung der Sanierung
Die Sanierungsmaßnahmen an der Rodigallee sind Teil des Endausbaus des Gewerbegebiets Barsbüttel. Ziel ist es, die Infrastruktur zu modernisieren und gleichzeitig den Rad- und ÖPNV-Verkehr zu stärken. Die Planung sieht unter anderem folgende Maßnahmen vor:
- Instandsetzung der Fahrbahn
- Reduktion eines Fahrstreifens pro Richtung, um Platz für Radfahrstreifen zu schaffen
- Einrichtung einer Busspur stadteinwärts
- Anpassungen an Randbereichen der Straße
Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und gleichzeitig den Umwelt- und Lärmschutz zu verbessern. Zudem wird ein mehrdimensionales Verkehrsmanagement angestrebt, das auf die Bedürfnisse der verschiedenen Verkehrsteilnehmer abzielt.
Durchführung und Betroffenheit
Asphaltierungsarbeiten an der Rahlstedter Straße
Ein Meilenstein im Endausbau des Gewerbegebiets Barsbüttel war die Asphaltierung der Rahlstedter Straße, die im Juni abgeschlossen wurde. Dafür war eine drei Tage dauernde Vollsperrung der Straße erforderlich.
Diese Maßnahme war Teil der umfassenden Sanierungspläne und erfolgte nach einer Informationsveranstaltung im März, an der zahlreiche Unternehmensvertreter:innen teilnahmen. Auf dieser Veranstaltung wurden die Sperrung sowie die langfristigen Planungen für den Endausbau des Gebietes erläutert. Die Veranstaltung fand in den Räumen der Firma SINUS Nachrichtentechnik statt, einer der ersten Ansiedlungen im Gebiet. Anwesend waren Expert:innen der Strabag AG, des Fachdienstes Tiefbau & Umwelt der Gemeinde Barsbüttel sowie eines begleitenden Ingenieurbüros.
Zusätzlich wurde auch das Erschließungsteam der WAS mit in den Dialog eingebunden, um auf mögliche Fragen der Unternehmensvertreter:innen einzugehen. Die Veranstaltung unterstreicht die wichtige Rolle der Stakeholder in solchen Sanierungsprojekten und zeigt, wie die Betroffenen frühzeitig in den Prozess einbezogen werden können.
Ein weiteres positives Beispiel für die solidarische Zusammenarbeit im Gewerbegebiet war die Unterstützung durch die Firma Möbel Höffner, die einem Betrieb in Barsbüttel die Möglichkeit bot, seine Lieferfahrzeuge über das Wochenende auf ihrem Parkplatz abzustellen. Dieser Schritt half, den Verkehrsfluss während der Sperrung zu entlasten und unterstreicht die wichtige Rolle der Nachbarschaftshilfe in solchen Projekten.
Zeitplanung und Bauablauf
Der geplante Baubeginn für den Umbau der Rodigallee ist für Mitte 2023 vorgesehen. Die Bauarbeiten sollen bis Ende 2025 andauern. In dieser Zeit sind zahlreiche Arbeiten vorgesehen, darunter:
- Fahrbahninstandsetzung
- Neugestaltung von Verkehrsflächen
- Einrichtung von Radfahrstreifen
- Planung und Bau der Busspur
Die Zeitplanung ist ambitioniert, da sie nur etwa 2,5 Jahre umfasst. Die Bauzeit ist somit relativ kurz für ein Projekt dieser Größenordnung. Eine zeitliche Verschiebung oder Verzögerung könnte daher erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr und die Gewerbetreibenden im Gebiet haben.
Herausforderungen im Planungsprozess
Trotz der gut geplanten Maßnahmen und der Beteiligung einiger Stakeholder gibt es Kritikpunkte im Planungsprozess. Insbesondere wird die mangelnde Beteiligung der Bezirksversammlung Wandsbek und der Bevölkerung hervorgehoben. Laut dem CDU-Antrag wurde die Bezirksversammlung weder im Vorfeld der Planung informiert noch in den Entscheidungsprozess einbezogen.
Zudem blieb auch eine Beteiligung der Bürger:innen aus, was in Anbetracht des hohen Verkehrsaufkommens und der zentralen Lage der Rodigallee umso auffälliger ist. Ein weiteres Problem ist, dass die genauen Pläne des LSBG (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer) nicht vollständig transparent sind. Dies hat zu Sorgen hinsichtlich der Umsetzung und möglicher unvorhergesehener Probleme geführt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die geplante Busspur nicht alle Probleme lösen wird, insbesondere da Linienbusse den Radstreifen überqueren müssten, um an der Haltestelle zu halten. Zudem wird die Fahrstreifenreduzierung mit einem Anstieg von Rückstaus in Stoßzeiten verbunden, was die Lärmbelastung und Umweltbelastung weiter erhöhen könnte.
Transparenz und Kommunikation
Die Kritik an der Planungstransparenz und Bürgerbeteiligung ist in der Bezirksversammlung Wandsbek besonders deutlich gewesen. Laut CDU-Fraktion kam die Pläne für den Umbau der Rodigallee für viele Mitglieder der Bezirksversammlung und des Ausschusses für Mobilität und Wirtschaft überraschend. Dies deutet auf Defizite in der Kommunikationsstrategie des LSBG hin.
Zudem bestand nur eine zweiwöchige Frist, um Anregungen für die Planung einzubringen, was als sehr kurz und nicht ausreichend angesehen wird, um umfassende Diskussionen und Vorschläge einzubringen. In einem solchen Kontext ist eine gründliche Planung oft nicht möglich, was zur Entstehung von Schwachstellen führen kann.
Fazit
Die Sanierung und der Umbau der Barsbütteler Straße und der Rodigallee stellen ein komplexes Projekt dar, das zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt. Auf der einen Seite zeigt sich, dass gute Planung, frühzeitige Beteiligung der Stakeholder und transparente Kommunikation zum Erfolg beitragen können, wie es im Fall der Asphaltarbeiten an der Rahlstedter Straße gezeigt wurde. Auf der anderen Seite weisen die Kritikpunkte im Hinblick auf die Bürgerbeteiligung und die Transparenz der Planung auf Schwächen im Prozess hin.
Zukünftige Sanierungsprojekte könnten von einer erweiterten Beteiligung aller betroffenen Parteien profitieren, einschließlich der Bezirksversammlung, der Bevölkerung und der lokalen Unternehmen. Zudem ist es wichtig, dass die genauen Planungsinhalte frühzeitig kommuniziert werden, um Missverständnisse und Überraschungen zu vermeiden.
Auch wenn die geplante Fahrstreifenreduzierung und die Einrichtung von Radfahrstreifen positive Impulse für den nachhaltigen Verkehr setzen, müssen mögliche negative Auswirkungen, wie Verkehrsstaus und Lärmbelastung, sorgfältig abgewogen werden. Insgesamt bleibt abzuwarten, ob die ambitionierten Zeitplanung und die aktuelle Planungstransparenz in der Praxis Bestand haben.