Die Sanierung historischer Museumsbauten in Berlin birgt nicht nur architektonische und konservatorische Herausforderungen, sondern auch logistische und finanzielle. In den letzten Jahren wurden zwei bedeutende Baudenkmäler der Berliner Museumsinsel – das Museum Berggruen und das Pergamonmuseum – umfassend saniert oder befinden sich in diesem Prozess. Diese Sanierungsmaßnahmen sind nicht nur in ihrer technischen Komplexität auffallend, sondern auch in ihrer Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und moderne Museumstechnik.
Die vorliegende Analyse basiert auf den aktuellsten Informationen zu den Sanierungsprojekten dieser beiden Institutionen. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Planung, die technischen und kulturellen Aspekte sowie die zeitliche und finanzielle Dimension gelegt. Alle Fakten stammen aus offiziellen Pressemitteilungen, Interviews und Projektplanungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR) sowie weiterer beteiligter Organisationen.
Museum Berggruen: Grundsanierung des Stülerbau West
Das Museum Berggruen, das seit 1996 im Stülerbau West beheimatet ist, hat sich über die Jahre als bedeutender Kulturort etabliert. Der Stülerbau West, ursprünglich als Offizierskasernen des Gardes-du-Corps-Regiments erbaut, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren saniert und anschließend für die Nutzung als Museum umgestaltet. Seitdem war keine umfassende Sanierung mehr vorgenommen worden, sodass ein dringender Instandsetzungsbedarf bestand.
Hintergrund und Planung
Im Oktober 2022 wurde das Gebäude an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) übergeben, um die Sanierungsarbeiten durchzuführen. Schon in den frühen 2020er Jahren wurde ein Planungsauftrag erteilt: Im Oktober 2018 stellte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) das BBR mit der Grundinstandsetzung des Stülerbau West beauftragt. Nach Abschluss der Entwurfsplanung und Genehmigung begannen im Herbst 2021 die Ausführungsplanungen. Als Objektplaner wurde das Berliner Architekturbüro merz merz GmbH & Co. KG beauftragt.
Die Sanierung beinhaltet eine umfassende Renovierung der Gebäudehülle, darunter Dach- und Fassadensanierung, sowie technische Modernisierungen wie Heizung, Sanitär, Klima, Lüftung, Beleuchtung und Sicherheitstechnik. Im Kellermauerwerk sind zudem komplexe Abdichtungsmaßnahmen erforderlich. Die Gebäudestruktur wurde so stark in die Jahre gekommen, dass Teile bis auf den Rohbau zurückgebaut werden mussten.
Zeitplan und Umsetzung
Die Sanierungsarbeiten begannen nach Voruntersuchungen und Beprobungen im September 2023. Die Wiedereröffnung ist für das Jahr 2026 vorgesehen, was bedeutet, dass das Museum für fast drei Jahre geschlossen bleibt. Die Schließung hat aber auch Vorteile: Zeit und Ressourcen können genutzt werden, um nicht nur die baulichen, sondern auch die museologischen Aspekte zu verbessern.
Dank der Schließung konnten Objekte in ein externes Lager verlagert werden, und die erforderlichen Genehmigungen sowie die Ausschreibungen für die Gewerke konnten abgeschlossen werden. Die Ausführungsplanung wurde ebenfalls finalisiert, sodass die Arbeiten auf einem soliden Planungsrahmen basieren.
Verbesserte Nutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit
Ein zentrales Ziel der Sanierung ist es, das Museum für die Besucherinnen und Besucher zugänglicher und bequemer zu gestalten. Im Erdgeschoss werden mehr Serviceflächen und eine bessere Wegeführung geschaffen. Der Grundriss des Untergeschosses wird optimiert, und die Sanitärbereiche werden umfassend saniert. Besonderes Augenmerk wird auf Barrierefreiheit und Besucherfreundlichkeit gelegt, was insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Mobilität wichtig ist.
In den beiden Obergeschossen wird ein durchgängiger Ausstellungsrundgang hergestellt, was den Besucherinnen und Besuchern ein kontinuierliches Erlebnis ermöglichen soll. Die Eingangssituation wird verbessert, was den Zugang und die Wahrnehmbarkeit des Museums erhöhen soll.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Auch die Nachhaltigkeit und Energieeffizienz spielen eine zentrale Rolle in der Sanierung. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, betonte, dass es gelungen sei, „nachhaltig zu bauen, was bei Baumaßnahmen im Bestand nicht immer ganz einfach ist“. Die Einführung moderner Technologien und die Anpassung an aktuelle Energievorgaben tragen dazu bei, die CO₂-Bilanz zu verbessern und den Museumsbetrieb zukunftsfähig zu gestalten.
Tournee der Sammlung
Während der Schließung ist die Sammlung des Museum Berggruen auf einer internationalen Tournee unterwegs. In Tokio und Osaka konnten beinahe 400.000 Besucher die Exponate bestaunen, und aktuell befindet sich das Museum in China, wo Werke von Paul Klee gezeigt werden. Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, betonte, dass diese Tournee nicht nur als Werbung für Berlin diene, sondern auch als Chance, die Sammlung in einem internationalen Kontext neu zu präsentieren. Die Wiedereröffnung 2026 wird den Besuchern ein Museumserlebnis auf internationalem Niveau bieten.
Pergamonmuseum: Sanierung in mehreren Phasen
Während das Museum Berggruen bis 2026 geschlossen bleibt, befindet sich das Pergamonmuseum bereits seit 2023 in Sanierungsarbeiten, wobei der komplette Prozess bis 2037 andauern wird. Dieses Projekt ist noch umfangreicher und komplexer, da es sich um einen dreiflügeligen Bau handelt, der nicht nur architektonisch, sondern auch konservatorisch besondere Herausforderungen aufwirft.
Hintergrund und Bauhistorie
Der dreiflügelige Bau des Pergamonmuseums wurde ursprünglich von Alfred Messel konzipiert und von Ludwig Hoffmann nach dessen Tod 1909 bis 1930 umgesetzt. Der Bau zog sich über 20 Jahre, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution 1918 und die Inflation 1922/23. Zudem wurden ursprüngliche Planungen, wie der Portikus im Innenhof, die Kolonnade am Kupfergraben und ein vierte Flügel, nicht realisiert.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museum stark beschädigt, insbesondere die Dächer über den großen Architektursälen. Der Wiederaufbau dauerte von 1948 bis 1959, und 1980 wurde eine Brücke über den Kupfergraben gebaut, um die Zugangssituation zu verbessern. Der ursprünglich geplante vierte Flügel blieb jedoch unfertig und ist nun Teil der Sanierungsplanung.
Sanierungsplanung und Zeitverzögerung
Im März 2023 gab die Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen neuen Zeitplan für die Sanierung des Pergamonmuseums bekannt, der aufgrund der Komplexität der Baumaßnahmen verlängert wurde. Die Sanierung des Nord- und Mittelflügels war für 2025 vorgesehen, doch die Öffnung für den regulären Betrieb ist erst 2027 geplant. Der Südflügel bleibt hingegen für mehr als zehn Jahre geschlossen, da hier besonders aufwendige Arbeiten notwendig sind.
Die Schließung des Südflügels ist für die Berliner Museumslandschaft eine Hiobsbotschaft, da sich dort der berühmte Ischta-Tor, ein Nachbau des Stadttors von Babylon, befindet. Dieses Exponat gehört zu den am häufigsten besuchten Museumsexponaten in Deutschland. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, betonte, dass der Südflügel „in einem fürchterlichen, maroden Zustand“ sei, was die Notwendigkeit der Sanierung unterstreicht.
Technische und konservatorische Herausforderungen
Die Sanierungsarbeiten im Südflügel sind besonders komplex, da sich dort fest verbauten Großarchitektur befindet, die während des Baus nicht beschädigt und nicht ausgelagert werden darf. Zudem weist der Baugrund, auf dem der Südflügel steht, auf Risse in der Betonbrücke aus den 1920er Jahren hin. Diese Struktur ist entscheidend für die Fundamente des Gebäudeteils und muss mit besonderer Sorgfalt behandelt werden.
Die Stiftung plant, den Südflügel bis 2036 zu sanieren und ab 2037 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der ursprünglich geplante vierte Flügel, der ursprünglich von Alfred Messel konzipiert wurde, wird nun bis 2036 errichtet.
Teileröffnungen und Neuerungen
Im Jahr 2027 soll der Pergamonaltar wieder für Besucher zugänglich sein, was über einen neuen Eingang erfolgen wird, der noch erstellt werden muss. Die Restaurierungsarbeiten am Altar sind weitgehend abgeschlossen, sodass sich die Techniker nun auf die baulichen und logistischen Aspekte konzentrieren können.
Zudem plant die Stiftung, die digitalen Erschließungs- und Vermittlungsprozesse zu optimieren. Parallel zur Sanierung wird die Sammlungsgeschichte von 100 Jahren bearbeitet, und die Objekte werden digital aufgenommen und katalogisiert. Nach Abschluss der Schließung soll das Museum mit einer gut erforschten, digital aufgenommenen und verschlagworteten Sammlung an den Start gehen.
Fazit
Die Sanierung historischer Museumsbauten in Berlin, insbesondere des Museum Berggruen und des Pergamonmuseums, spiegelt die Herausforderungen der modernen Baupraxis wider. Beide Projekte zeigen, wie notwendig es ist, nicht nur bauliche Defizite zu beheben, sondern auch technische Anlagen, Energieeffizienz und Barrierefreiheit in den Fokus zu rücken. Zudem ist die konservatorische Pflege der Exponate genauso wichtig wie die architektonische Stabilität der Gebäude.
Die Schließung der Museen während der Sanierungsarbeiten hat es ermöglicht, die Sammlungen international zu verbreiten und neue Publikumsschichten zu erreichen. Gleichzeitig bot sie den Museumsleitern und Restauratoren die Gelegenheit, die Sammlungen umfassend zu prüfen, zu restaurieren und neu zu kontextualisieren. Diese Prozesse sind entscheidend, um die Museen auch in Zukunft als kulturelle und wissenschaftliche Leuchttürme zu präsentieren.
Die umfassenden Sanierungsarbeiten an den Berliner Museumsbauten unterstreichen die Bedeutung von langfristigem Denkmalpflege- und Baukonzepten, die sowohl kulturelle als auch praktische Anforderungen berücksichtigen. Sie sind nicht nur architektonische Meilensteine, sondern auch Beispiele dafür, wie historische Gebäude in die Zukunft übertragen werden können.