Familien, die eine eigene Immobilie erwerben oder bauen möchten, können unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Unterstützung durch das Baukindergeld erhalten. Dieses Förderprogramm war bis zum 31. Dezember 2022 in Deutschland verfügbar und bot eine jährliche finanzielle Unterstützung für Familien mit Kindern. Nach Ablauf des Programms wurde ein neues Förderangebot für den Erwerb oder die Sanierung von Immobilien eingeführt. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Übersicht über die Voraussetzungen, Anwendungsmöglichkeiten und die aktuellen Entwicklungen im Bereich der staatlichen Förderung für Familien, die in Immobilien investieren.
Was war das Baukindergeld?
Das Baukindergeld war ein staatliches Förderprogramm, das Familien finanziell bei der Erwerbung oder dem Bau einer selbstgenutzten Immobilie unterstützte. Die Förderung wurde jährlich ausgezahlt und war für einen Zeitraum von zehn Jahren verfügbar. Pro Kind standen insgesamt 12.000 Euro zur Verfügung, was bedeutete, dass Familien mit zwei Kindern bis zu 24.000 Euro erhalten konnten. Die Zahlung erfolgte jährlich in Höhe von 1.200 Euro pro Kind.
Ein zentrales Merkmal des Baukindergeldes war, dass es nicht als Einmalzahlung erfolgte, sondern über einen Zeitraum verteilt wurde. Damit war es nicht direkt als Eigenkapital einsetzbar, sondern musste vielmehr in die Tilgung der Baufinanzierung investiert werden. Diese Form der Förderung war besonders vorteilhaft, da sie Zinsen sparen und die Tilgung der Immobilienkredite beschleunigen konnte.
Voraussetzungen für die Förderung
Um das Baukindergeld in Anspruch zu nehmen, mussten Familien bestimmte Voraussetzungen erfüllen:
- Die Immobilie musste zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. März 2021 erworben oder mit dem Bau begonnen worden sein.
- Der Kaufvertrag oder die Baugenehmigung musste spätestens am 31. März 2021 abgeschlossen sein.
- Das Familienkind musste unter 18 Jahre alt sein und im selben Haushalt wie die antragstellende Person leben.
- Der Kindergeldanspruch musste bestehen.
- Das Haushaltseinkommen durfte je nach Anzahl der Kinder bestimmte Grenzen nicht überschreiten:
- Bei einem Kind: 90.000 Euro jährlich
- Bei zwei Kindern: 105.000 Euro jährlich
- Bei drei Kindern: 120.000 Euro jährlich
Diese Einkommensgrenzen wurden über den Durchschnitt der Jahre 2019 und 2020 berechnet. Das bedeutete, dass Familien, die 2022 Baukindergeld beantragten, ihre Einkünfte aus diesen beiden Jahren berücksichtigen mussten.
Es ist wichtig zu beachten, dass das Baukindergeld nur für selbstgenutzte Immobilien gewährt wurde. Vermietung oder Verkauf der geförderten Immobilie führte zur sofortigen Rückzahlung aller erhaltenen Beträge. Zudem musste der Antragsteller keine weitere Immobilie besitzen, um förderberechtigt zu sein. Dies bedeutete, dass das Baukindergeld auch für Familien in Frage kam, die bereits vorher eine Immobilie besaßen, sofern sie diese nicht weiter nutzen.
Anwendungsmöglichkeiten des Baukindergeldes
Da das Baukindergeld jährlich und nicht als Einmalzahlung ausgeschüttet wurde, bot es verschiedene Möglichkeiten, wie es in die Baufinanzierung einfließen konnte:
1. Sondertilgungen nutzen
Eine der effektivsten Methoden, das Baukindergeld einzusetzen, war die Sondertilgung. Die jährlichen Beträge konnten direkt in die Tilgung des Kreditvertrages investiert werden. Dies hatte den Vorteil, dass die Restschuld schneller sank und die Zinskosten über den gesamten Kreditzeitraum reduziert wurden. Viele Kreditverträge erlaubten Sondertilgungen in Höhe von bis zu 5 % der Restschuld pro Jahr, ohne zusätzliche Gebühren.
Die Auswirkungen dieser Methode hingen von der Anzahl der Kinder ab. Bei einem Kind konnten 1.200 Euro pro Jahr in die Tilgung investiert werden, was nach zehn Jahren einen Tilgungsbonus von 12.000 Euro ergab. Bei zwei Kindern standen sogar 24.000 Euro zur Verfügung.
2. Bausparvertrag als Zinssicherung
Ein weiterer Ansatz war, das Baukindergeld in einen Bausparvertrag einzuzahlen. Diese Variante hatte den Vorteil, dass der Kreditnehmer sich bereits heute für die Anschlussfinanzierung nach Ablauf der ersten Zinsbindung absichern konnte. Viele Immobilienkäufer entschieden sich für Zinsbindungen von 10 Jahren. Nach Ablauf dieser Zeit standen höhere Zinsen in der Regel zu erwarten, was die Finanzierung der Immobilie teurer machte.
Durch das Einbringen des Baukindergeldes in einen Bausparvertrag konnte der Kreditnehmer nach 10 Jahren eine Bausparsumme von etwa 33.000 Euro erreichen. Diese Summe war dann genug, um den Kredit bei der Anschlussfinanzierung teilweise oder vollständig abzulösen, wodurch die monatliche Rate reduziert werden konnte.
3. Tilgung des Eigenkapital-Ersatz-Darlehens beschleunigen
Nicht alle Immobilienkäufer konnten genügend Eigenkapital für die Finanzierung bereitstellen. In solchen Fällen wurde oft ein Eigenkapital-Ersatz-Darlehen abgeschlossen, um die Anschlusskosten zu finanzieren. Diese Kredite trugen in der Regel höhere Zinsen als der Hauptkredit.
Das Baukindergeld bot eine effektive Methode, um solche Zusatzkredite schneller abzulösen. Die jährlichen Zahlungen konnten direkt in die Tilgung investiert werden, wodurch die Monatsrate reduziert und die Zinslast verringert wurde. Dies war besonders vorteilhaft, da die Zinsen für diese Kredite meist höher lagen als bei der Hauptfinanzierung.
Das KfW-Programm 308 „Jung kauft alt“
Neben dem Baukindergeld gab es auch das KfW-Programm 308 „Jung kauft alt“, das junge Familien beim Kauf einer sanierungsbedürftigen Bestandsimmobilie unterstützte. Dieses Programm war insbesondere für Familien interessant, die eine günstige Immobilie erwerben und gleichzeitig durch Sanierungsmaßnahmen den Wohnwert steigern wollten.
Die Voraussetzungen für dieses Programm waren ähnlich wie beim Baukindergeld: Es musste sich um eine selbstgenutzte Immobilie handeln, und der Käufer musste jünger als 35 Jahre sein. Zudem musste der Kaufvertrag innerhalb eines bestimmten Zeitraums unterzeichnet worden sein. Zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse standen zur Verfügung, um die Sanierungsarbeiten zu finanzieren.
Was ist nach Ablauf des Baukindergelds?
Das Baukindergeld wurde am 31. Dezember 2022 ausgesetzt. Neue Anträge konnten nicht mehr gestellt werden, und die Förderung für KfW 424 war nicht mehr verfügbar. Allerdings wurde ab Juni 2023 ein neues Programm eingeführt: „Wohneigentum für Familien“, das als eine Art Nachfolger des Baukindergeldes fungiert. Dieses Programm bot zinsgünstige Kredite für den Neubau von Immobilien an.
Zusätzlich zur Neubau-Förderung blieb das KfW-Programm 308 „Jung kauft alt“ bestehen. Damit konnten Familien weiterhin staatliche Unterstützung für den Kauf einer sanierungsbedürftigen Bestandsimmobilie erhalten.
Rückzahlung des Baukindergeldes
Die Rückzahlung des Baukindergeldes war nur in bestimmten Fällen erforderlich. Ein häufiger Grund war der Verkauf oder die Vermietung der geförderten Immobilie vor Ablauf des zehnjährigen Förderzeitraums. In solchen Fällen mussten alle erhaltenen Beträge vollständig an die KfW zurückgezahlt werden.
Auch bei einer Scheidung oder Trennung der Ehepartner während der Förderzeit gab es komplexe Regelungen. Grundsätzlich musste der Partner, der aus der Immobilie auszog, das Baukindergeld zurückzahlen, es sei denn, die Kinder blieben bei ihm. In solchen Fällen konnte die Förderung unter bestimmten Umständen auf eine neue, selbstgenutzte Immobilie übertragen werden.
Weitere Gründe für die Rückzahlung waren falsche Angaben bei der Antragstellung oder das Überschreiten der Einkommensgrenzen nachträglich. Die KfW führte Stichproben durch und konnte zusätzliche Nachweise verlangen. Bei vorsätzlichen Fehlern wurden zusätzliche Zinsen auf die zurückzuzahlenden Beträge erhoben.
Wie wurde der Antrag gestellt?
Der Antrag auf Baukindergeld musste über das Zuschuss-Portal der KfW gestellt werden. Dieser Antrag war erst nach der Einziehung in die Immobilie möglich. Die Antragstellung war innerhalb von sechs Monaten nach Einzug möglich. Dazu waren folgende Unterlagen erforderlich:
- Grundbuchauszug, um zu beweisen, dass die Immobilie dem Antragsteller gehörte
- Steuerbescheide der Jahre 2019 und 2020
- Kaufvertrag oder Baugenehmigung
- Kindergeldbescheid, um die kindergeldberechtigte Situation nachzuweisen
Nach Prüfung durch die KfW wurde entschieden, ob die Familie förderberechtigt war. War dies der Fall, wurde der erste Betrag nach etwa einem Jahr ausbezahlt, und die Familie erhielt anschließend weitere neun Zahlungen jährlich.
Fazit
Das Baukindergeld war ein wertvolles Instrument für Familien, die in Immobilien investieren wollten. Es bot finanzielle Unterstützung durch jährliche Zahlungen, die in die Tilgung der Baufinanzierung investiert werden konnten. Dies führte zu einer schnelleren Tilgung und geringeren Zinskosten. Allerdings mussten die Familien die Voraussetzungen genau beachten, um die Förderung in Anspruch zu nehmen, und mussten bei Veränderungen ihrer Lebenssituation umgehend die KfW informieren, um Rückzahlungen zu vermeiden.
Nach Ablauf des Baukindergeldes gab es neue Förderprogramme, die weiterhin staatliche Unterstützung für den Immobilienkauf und die Sanierung ermöglichen. Familien, die aktuell in eine Immobilie investieren möchten, sollten sich daher über die aktuellen Förderangebote informieren und gegebenenfalls einen Experten konsultieren, um die bestmögliche Finanzierung zu finden.