Umfassende Sanierung des ZOB Bergedorf – Herausforderungen, Techniken und Ergebnisse

Einleitung

Der ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) Bergedorf in Hamburg war über viele Jahre ein zentraler Verkehrsknotenpunkt im Hamburger Norden. Mit rund 25.000 Fahrgästen pro Tag spielte er eine entscheidende Rolle als Umsteigemöglichkeit zwischen S-Bahn, Bus und anderen Verkehrsmitteln. Doch bereits kurz nach der Eröffnung im Jahr 2011 zeigten sich erhebliche Mängel in der Bauausführung und Planung, was letztendlich zu einer umfassenden Sanierung führte. Die Sanierungsarbeiten, die im Juni 2022 begannen und bis Dezember 2022 andauerten, standen vor erheblichen technischen und organisatorischen Herausforderungen. Die vorliegenden Quellen beschreiben nicht nur die Ursachen der Mängel, sondern auch die angewandten Sanierungsstrategien, die Materialien und Verfahren sowie die Auswirkungen auf die Verkehrsbetriebe und die Region. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die Sanierung des ZOB Bergedorf, unter Berücksichtigung der technischen, organisatorischen und logistischen Aspekte.

Die Ursachen der Mängel

Planungs- und Ausführungsmängel

Der ZOB Bergedorf wurde 2011 nach einem Komplettabriss der alten Anlage eröffnet. Schon kurz nach der Inbetriebnahme wurden erhebliche Schäden an der Fahrbahn festgestellt. Ein Gutachten zeigte auf, dass die Ursachen der Mängel sowohl auf der Planungs- als auch auf der Ausführungsseite zu finden waren. Laut den Quellen wurden die Materialien, die für die Fahrbahnflächen eingesetzt wurden, nicht in der Lage, den Belastungen durch Zug- und Schubkräfte standzuhalten. Dies führte zu Rissen, Löchern und Schlaglöchern, die schließlich eine umfassende Sanierung erforderlich machten.

Zusätzlich bestanden konstruktionstechnische Probleme: Es gab einen deutlichen Höhenunterschied zwischen dem westlich gelegenen Parkhaus und dem östlichen Empfangsgebäude. Dies war auf eine insgesamt ca. 50 cm dicke Lastverteilungsplatte mit Dämmung über dem DB-Gebäude zurückzuführen. Die Unebenheit erschwerte nicht nur den Bauablauf, sondern hatte auch Auswirkungen auf die Stabilität der gesamten Anlage.

Rechtsstreitigkeiten und Bauverzögerungen

Die Sanierung des ZOB Bergedorf fand nicht im idealfallmäßigen Kontext statt. Die Quellen weisen darauf hin, dass der ZOB bereits nach einem Jahr in Betrieb seines Eröffnungstermins im September 2011 erhebliche Schäden aufwies. Dies führte zu einem Rechtsstreit, der sich über mehrere Jahre zog und letztendlich zur Sperrung des ZOB ab Juni 2022 führte. Die vier Rampen blieben verwaist, und sämtliche Zugänge waren abgeriegelt. Die Ursachen dieser Probleme werden von den Quellen als „Pfusch am Bau“ bezeichnet, was auf mangelhafte Planung, Ausführung und Materialauswahl zurückzuführen ist.

Die Sanierungsarbeiten

Planung und Organisation

Die Sanierungsarbeiten am ZOB Bergedorf begannen im Juni 2022 und dauerten bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022. Der ZOB wurde vollständig gesperrt, und die Busse mussten auf Ersatzhaltestellen im Umfeld des Bahnhofs umgeleitet werden. Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) übernahmen die Planung und Organisation der Sanierungsarbeiten. Die Arbeitsgemeinschaft STRABAG/Leonhard Weiss wurde mit der Ausführung beauftragt, wobei das HANV-Verfahren als zentrales Sanierungsverfahren eingesetzt wurde.

VHH-Projektleiter Sohail Popal betont in den Quellen, dass eine umfassende Sanierung notwendig war, um die Asphaltflächen dauerhaft tragfähig zu machen und zukünftige Schäden wie Schlaglöcher und Rissbildungen zu vermeiden. Die Planung der Sanierungsarbeiten war äußerst detailliert, um die Verkehrssituation für die Fahrgäste so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Anne Prüfer, Projektleiterin für den Betriebsablauf, betont, dass die Planung der Umleitungen und die Information der Fahrgäste entscheidend dazu beitrugen, dass die Umbaumaßnahmen so angenehm wie möglich für die Nutzer des ZOB waren.

Technische Umsetzung

Die Sanierungsarbeiten umfassten mehrere Schritte:

  1. Entfernung des alten Fahrbahnbelags: Der Altbelag wurde in unterschiedlichen Dicken (5 bis 16 cm) entfernt. Dies erfolgte durch Fräsen, Abschleifen und teilweise auch durch Abtrag mit dem Bagger. Die unterste Gussasphaltschicht mit Abdichtung wurde ebenfalls mit dem Bagger abgekratzt.

  2. Untergrundvorbereitung: Nach dem Abtrag des Altbelags wurde der Beton feingefräst. Anschließend erfolgte die Untergrundvorbereitung durch Kugelstrahlen. Dieser Schritt war entscheidend, um den Konstruktionsbeton freizulegen und die Oberfläche für die nächsten Arbeiten vorzubereiten.

  3. Ausgleichsschichten: Die 5.800 m² große Fläche des Busbahnhofs wurde mit Ausgleichsschichten aus Beton, teilweise aus PCC (Polymerzementzusatz) behandelt. Diese Schichten dienten dazu, Unebenheiten auszugleichen und die Tragfähigkeit der Fahrbahn zu optimieren.

  4. Abdichtung mit dem HANV-Verfahren: Die Abdichtung der Fahrbahnflächen erfolgte mit dem HANV-Verfahren (Hohlräume nachträglich verfüllt). Bei diesem Verfahren wird Asphalt mit Hohlräumen aufgetragen und diese Hohlräume später mit Harz verfüllt. Dies ermöglicht es, sowohl Elastizität als auch Festigkeit der Fahrbahn sicherzustellen.

Andreas Stuhlmacher, Projektbauleiter der Arbeitsgemeinschaft, erläutert, dass der Bauzeitplan durch die ausgereifte Planung und das günstige Wetter gut eingehalten werden konnte. Das HANV-Verfahren erwies sich als besonders effektiv, um zukünftige Schäden an der Fahrbahn zu vermeiden.

Die Wiederinbetriebnahme

Zeitlicher Ablauf

Die Sanierungsarbeiten begannen im Juni 2022 und endeten pünktlich zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2022. Ab diesem Tag fuhren die Busse wieder regulär an der Busanlage in Bergedorf. Die Ersatzhaltestellen im Umfeld des Bahnhofs wurden aufgehoben und zurückgebaut. Der VHH-InfoShop und der Reisering Hamburg zogen in den Pavillon zurück und öffneten ihre Tore am 12. Dezember 2022.

Neue XpressBus-Linien

Mit dem Fahrplanwechsel wurden zwei weitere XpressBus-Linien an der Busanlage in Betrieb genommen. Die Linie X81 (Bergedorf – Schwarzenbek – Mölln) startet im Abfahrtsbereich „G“, während die Linie X82 (Bergedorf – Geesthacht) weiterhin vom Abfahrtsbereich F abfährt. Die Buslinie 8810 beginnt und endet ebenfalls am Bahnhof Bergedorf. Diese Erweiterung der Linien zeigt, dass der ZOB nach der Sanierung nicht nur wieder in Betrieb genommen wurde, sondern auch weiterentwickelt wurde, um den steigenden Verkehrsanforderungen gerecht zu werden.

Erfolg und Rückmeldung

Die Rückmeldung aus der Region war überwiegend positiv. Die Fahrgäste konnten sich schnell an die neue Situation gewöhnen und fanden sich gut zurecht. Sohail Popal und Anne Prüfer dankten allen Fahrgästen und Bergedorf-Bewohnern für ihre Geduld während der Sanierungsarbeiten. Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein betonten, dass die Sanierung nicht nur technisch erfolgreich war, sondern auch die Erwartungen der Nutzer erfüllte.

Herausforderungen und Kritik

Kritik an der Bauausführung

Trotz des Erfolgs der Sanierungsarbeiten blieben einige kritische Stimmen. In einem Artikel wird der ZOB Bergedorf als „Hamburgs größter Pfusch-Bahnhof“ bezeichnet. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die ursprüngliche Bauausführung, die bereits nach einem Jahr erhebliche Schäden aufwies. Der Rechtsstreit, der sich über mehrere Jahre zog, und die damit verbundene Sperrung des ZOB ab Juni 2022 wurden als zusätzliche Belastung für die Region empfunden.

Wetterabhängigkeit des HANV-Verfahrens

Auch wenn das HANV-Verfahren sich als effektiv erwies, war es stark von den Wetterbedingungen abhängig. Sohail Popal betont, dass das günstige Wetter und die ausgereifte Planung entscheidend dazu beitrugen, dass der Bauzeitplan eingehalten werden konnte. Dies zeigt, dass das HANV-Verfahren, obwohl technisch vorteilhaft, in der Praxis auf günstige äußere Bedingungen angewiesen ist.

Fazit

Die Sanierung des ZOB Bergedorf war eine komplexen und herausfordernde Baumaßnahme, die sowohl technisch als auch organisatorisch hohe Anforderungen stellte. Die Ursachen der Mängel lagen in Planungs- und Ausführungsmängeln sowie in der mangelhaften Standhaftigkeit der verwendeten Materialien. Mit dem HANV-Verfahren, dem Einsatz von Beton- und PCC-Schichten sowie einer sorgfältigen Planung gelang es, die Fahrbahn wieder in einen sicheren und funktionalen Zustand zu versetzen.

Die Wiederinbetriebnahme im Dezember 2022 war ein Erfolg, der sowohl für die Verkehrsbetriebe als auch für die Fahrgäste eine Erleichterung bedeutete. Die Erweiterung des XpressBus-Angebots und die Rückkehr der Dienstleistungen im Pavillon zeigten, dass der ZOB nicht nur wieder genutzt werden konnte, sondern auch weiterentwickelt wurde.

Trotz einiger kritischer Stimmen und der langen Sperrung des ZOB ist die Sanierung insgesamt als gelungen zu werten. Sie zeigt, dass auch bei erheblichen Mängeln eine umfassende und zukunftsorientierte Sanierung möglich ist – vorausgesetzt, sie wird sorgfältig geplant und durchgeführt.

Quellen

  1. Sanierung des ZOB Hamburg-Bergedorf mit Sika
  2. ZOB Bergedorf: Busse fahren nach der Sanierung endlich wieder!
  3. Sanierung ZOB Bergedorf
  4. ZOB in Bergedorf wird ab dem 11. Dezember wieder angefahren
  5. Erfolgreiche Sanierung eines Busbahnhofs: Busse fahren wieder pünktlich
  6. Der Millionen-Pfusch vom Busbahnhof Bergedorf

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