Die Sanierung des Alten Berger Rathauses in Bergen-Enkheim ist ein Projekt, das sowohl kulturell als auch architektonisch von großer Bedeutung ist. Ebenso wie der Bau des neuen Rathauses in Berg am Starnberger See, das zurzeit in der Umsetzung ist, sind beide Projekte Beispiele für die Anforderungen und Komplexitäten, mit denen Kommunen bei der Renovierung oder Neugestaltung öffentlicher Gebäude konfrontiert sind. In diesem Artikel werden die Hintergründe, die Planung, die aktuelle Situation sowie die zukünftigen Perspektiven der Sanierungsarbeiten am Alten Berger Rathaus in Frankfurt sowie des Neubaus in Berg am Starnberger See vorgestellt.
Hintergrund: Geschichte und Bedeutung des Alten Berger Rathauses
Das Alte Berger Rathaus in Bergen-Enkheim ist ein bedeutendes historisches Gebäude mit einer langen und vielfältigen Geschichte. Erbaut um 1300 als „Spilhus“, ein überdachter Steingebäude, wurde es später im Jahr 1507 um ein Fachwerkhaus ergänzt. Es fungierte über Jahrhunderte als Rathaus, Feuerwehrhaus, Polizeistation und schließlich als Heimatmuseum. Heute ist das Gebäude ein Wahrzeichen des Stadtteils und ein kulturhistorisch wertvoller Bau.
Laut den Sanierungsplänen sollen die Arbeiten im Juni beginnen, wobei die Bauzeit zwei Jahre dauern wird. Die geplanten Kosten belaufen sich auf rund fünf Millionen Euro, obwohl aufgrund der Erfahrung aus früheren Sanierungen mit Verzögerungen gerechnet wird. Ziel der Sanierung ist es, das Gebäude instand zu setzen und einen barrierefreien Zugang zu schaffen, was für die heutige Zeit besonders wichtig ist. Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig betont, dass die Sanierung nicht nur den Erhalt des kulturhistorischen Werts sichert, sondern auch die barrierefreie Zugänglichkeit verbessert.
Sanierungskonzepte und Herausforderungen
Die Sanierung des Alten Berger Rathauses beinhaltet die Generalsanierung des Dachstuhls und des Fachwerks. Aufgrund der Alterung des Gebäudes war es notwendig, ein Stützkorsett einzubauen, wodurch das Gebäude seit einigen Jahren geschlossen ist. Die Planung sieht vor, den historischen Charakter des Gebäudes zu bewahren, gleichzeitig aber die baulichen Defizite zu beheben.
Ein zentrales Thema bei der Sanierung ist die Sicherstellung des barrierefreien Zugangs. Dies bedeutet, dass der Zugang für Menschen mit eingeschränkter Mobilität verbessert werden muss, was beispielsweise die Installation von Aufzügen oder barrierefreien Eingangslösungen erfordert. Die Planung muss hierbei sorgfältig abgewogen werden, um den historischen Charakter des Gebäudes nicht zu verändern.
Neubau des Rathauses in Berg am Starnberger See
Während das Alte Berger Rathaus in Frankfurt restauriert wird, wird im nahegelegenen Berg am Starnberger See ein neues Rathaus errichtet. Der alte Rathausstandort, ein Gebäude aus dem Jahr 1963, wird nicht mehr genutzt, nachdem die Verwaltung in das neue Rathaus umziehen wird. Das ehemalige Rathausgebäude wird möglicherweise abgerissen, um Platz für einen Neubau mit barrierefreien Wohnungen zu schaffen. Laut einer Machbarkeitsstudie könnten bis zu 20 Wohnungen entstehen, die barrierefrei und erschwinglich sind.
Ein zentrales Element des neuen Rathauses ist die Barrierefreiheit, die von Anfang an in die Planung eingebettet wurde. Barrierefreiheit bedeutet hier nicht nur die bauliche Zugänglichkeit, sondern auch die Sicherstellung, dass alle Räume, Türen, Treppen und Aufzüge so gestaltet sind, dass sie für alle Bürger zugänglich sind. Dies ist insbesondere für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen von großer Bedeutung.
Planung, Verzögerungen und Finanzierung
Die Planung des neuen Rathauses in Berg war ein langwieriger Prozess, der sich über mehrere Jahre erstreckte. Anfang 2020 wurden die Planentwürfe vorgestellt, und der Gemeinderat entschied sich schließlich für einen Entwurf, der als Sieger aus dem Wettbewerb hervorging. In der Sitzung vom 24. April 2020 wurde der Entwurf ausgewählt, und nach Ablauf der Einspruchfrist wurde dieser veröffentlicht.
Die Finanzierung des Neubaus stellte sich als Herausforderung heraus. Der Bürgermeister Rupert Steigenberger betonte, dass es bei der Finanzierung und der Abstimmung zwischen den beteiligten Baufirmen Schwierigkeiten gab, was zu Verzögerungen führte. Ursprünglich war der Einzug in das neue Rathaus für Ende 2024 geplant, doch aufgrund von Pannen und mangelnder Abstimmung wurde der Einzug auf den Sommer 2025 verschoben. Zudem erwies sich die Baustelle als besonders anspruchsvoll, da sie sich in einem Gebiet mit starkem Regenaufkommen befand, was die Planung zusätzlich erschwerte.
Baufortschritt und aktueller Stand
Zur Zeit des Ortsbesuchs durch den Gemeinderat im Juni 2023 war der Baufortschritt erheblich. Der Bürgermeister berichtete, dass der Innenausbau läuft und mit den Außenanlagen sowie den Arbeiten am Kreisverkehr begonnen wurde. Allerdings stockten die Arbeiten aufgrund der Witterung. Insgesamt gab es aber auch positive Nachrichten: Das neue Rathaus hatte trotz der Starkregenereignisse in diesem Jahr keine negativen Auswirkungen, was den Bürgermeister beruhigte.
Ein besonderes Problem war die Lieferung der Außentreppe, die über Monate ausblieb. Als sie schließlich ankam, erwies sich die obere Stufe als stolpergefährlich, was korrigiert werden musste. Die Firma, die die Treppe geliefert hatte, musste nachbessern, und die Treppe war schließlich gefahrlos nutzbar. Zudem wurde berichtet, dass der Taubendreck auf dem schwarzen Metall des Treppenbaus ein weiteres Problem darstellt, das gelöst werden muss.
Integration in die Gemeinde und zukünftige Nutzung
Ein weiteres wichtiges Element der Planung ist die Integration des neuen Rathauses in die Gemeinde. Das Gebäude soll nicht nur als Verwaltungsgebäude dienen, sondern auch als Veranstaltungsort genutzt werden. Der entstehende Saal mit einer Fläche von 164 Quadratmetern ist so groß, dass er bis zu 200 Personen aufnehmen kann. Bürgermeister Steigenberger erwähnte, dass dort sogar eine Bürgerversammlung stattfinden könnte.
Zudem ist geplant, zwei barrierefreie Mitarbeiterwohnungen in das Rathaus integrieren zu lassen. Die Erdgeschosswohnung ist bereits barrierefrei, während die Wohnung im Obergeschoss mit Galerie und mehreren Freisitzen noch in der Bearbeitung ist. Es gibt bereits Bewerbungen für diese Wohnungen, was zeigt, dass das Projekt bei den Mitarbeitern der Gemeinde auf Interesse stößt.
Barrierefreiheit und Zukunft der Gemeindeplanung
Die Planung des neuen Rathauses in Berg ist ein Meilenstein in der Entwicklung der Gemeinde, insbesondere in Bezug auf die Barrierefreiheit. Der Bürgermeister betonte, dass das Rathaus nicht nur funktional, sondern auch inklusiv gestaltet werden müsse. Dies spiegelt sich in der Architektur, den baulichen Lösungen und der allgemeinen Zugänglichkeit wider.
Die Gemeinde ist zudem Mitglied im Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum, der bei der Entwicklung von bezahlbarem Wohnraum unterstützt. Dieses Modell ist insbesondere in Regionen wie dem Landkreis Starnberg wichtig, in denen der Wohnraum teuer und Mangelware ist. Die Gemeinde Berg hat in diesem Zusammenhang eine sogenannte „Konzeptvergabe“ angestrebt, um den Neubau in Einklang mit den regionalen Planungszielen zu bringen.
Fazit
Die Sanierung des Alten Berger Rathauses in Bergen-Enkheim und der Neubau des Rathauses in Berg am Starnberger See sind zwei Beispiele für komplexe Renovierungs- und Bauprojekte, die von großer kultureller, architektonischer und sozialer Bedeutung sind. Beide Projekte zeigen, dass die Planung, Finanzierung und Umsetzung solcher Gebäude Herausforderungen mit sich bringen, aber auch Chancen, um den sozialen und kulturellen Stellenwert der Gemeinde zu stärken.
Die Sanierung des Alten Rathauses betont den Wert der Erhaltung historischer Gebäude und die Notwendigkeit, sie für die heutigen Anforderungen fit zu machen. Der Neubau in Berg hingegen unterstreicht die Bedeutung der Barrierefreiheit und die Entwicklung von inklusiver Architektur. Beide Projekte sind Beispiele dafür, wie Kommunen mit dem Wandel umgehen und gleichzeitig ihre Identität bewahren können.
Quellen
- Frankfurt: Rathaus ohne Barriere
- Berg am Starnberger See: Rathaus-Grundstück und Zukunft
- Barrierefreier Bezug im nächsten Frühjahr
- Rathausumzug in Berg
- Neues Berger Rathaus – Einzug um den ersten Advent
- Gemeinde Berg: Rathausbau
- Neues Rathaus in Berg am Starnberger See
- Rathauseinzug verzieht sich und wird teurer