Sanierung des Rathauses Bensberg: Denkmal der Moderne im Wandel der Zeit

Die Sanierung des Rathauses in Bensberg, heute als Technisches Rathaus der Stadt Bergisch Gladbach genutzt, ist ein zentrales Projekt der städtischen Baupolitik. Dieses Gebäude, errichtet in den späten 1960er Jahren nach Plänen des renommierten Architekten Gottfried Böhm, zählt zu den bedeutendsten Denkmälern der Moderne im Bergischen Land. Die jüngste Sanierung, die sich insbesondere auf die Fensterfront und die Dämmung konzentriert, unterstreicht die Herausforderung, die bauliche Substanz zu erhalten, während gleichzeitig energetische und funktionale Anforderungen der Gegenwart erfüllt werden. Im Folgenden werden die historische Entwicklung, die baulichen Besonderheiten, die bisherigen Sanierungsmaßnahmen sowie die aktuellen Arbeiten an der Fensterfront detailliert vorgestellt.

Die Geschichte und Architektur des Rathauses Bensberg

Das Rathaus in Bensberg entstand in zwei Bauabschnitten: Der erste Abschnitt wurde zwischen 1965 und 1967 fertiggestellt, gefolgt vom zweiten Abschnitt, in dem der Ratssaal errichtet wurde, von 1969 bis 1971. Das Gebäude wurde von Gottfried Böhm entworfen, einem der einflussreichsten Architekten der Nachkriegszeit. Böhm war bekannt für seine kraftvolle, expressive Architektur, die oft traditionelle Formen mit modernen Materialien und Funktionen verknüpfte. In Bensberg entwarf er ein Gebäude, das sich durch markante Betonformen und eine klare, aber nicht nüchterne Erscheinung auszeichnet.

Das Rathaus integrierte die Überreste der mittelalterlichen Alten Burg in den modernen Bürokomplex, was den städtebaulichen Kontext berücksichtigte und gleichzeitig einen symbolischen Brückenschlag zwischen Geschichte und Gegenwart schuf. Der stolze Bensberger Bürgermeister Dr. Ulrich Müller-Frank betonte bei der Fertigstellung 1969, dass Böhm es geschafft habe, ein Werk zu schaffen, das sich von den üblichen, nüchternen Rasterbauten abhob und dem kommunalpolitischen Willen einer modernen Stadt Ausdruck verlieh.

Böhm setzte bei der Planung und Ausführung auf massive Betonwände mit einer charakteristischen „gestockten“ Oberfläche, die heute noch als Aushängeschild des Gebäudes gilt. Diese Wände bestehen aus einer 13 Zentimeter dicken inneren Porenbetonschicht, einer 5 Zentimeter dicken Luftschicht und einer 27 Zentimeter dicken äußeren Stahlbetonschicht mit gestockter Oberfläche. Die Handarbeit, die damals erforderlich war, um diese Form zu erzielen, ist heute kaum mehr nachzuvollziehen.

Die markanten „Betonfelsen“ und die klare Formensprache des Rathauses machten es in der Anfangsphase Gegenstand von Spott. Doch die Zeit hat die Architektur bewährt, und heute gilt das Rathaus als ein Wahrzeichen der Stadt, gleichwertig mit dem Neuen Schloss von Kurfürst Johann Wilhelm II.

Bauliche Besonderheiten und Energieeffizienzmaßnahmen

Die ursprüngliche Bauweise des Rathauses Bensberg war für ihre Zeit revolutionär. Die massive Betonkonstruktion, kombiniert mit einer detaillierten Handarbeit an der Außenfassade, stellte eine klare Gegenposition zu den oft funktionalistischen Rasterbauten der Nachkriegsarchitektur dar. Dennoch wurden damals auch praktische Aspekte wie Dämmung und Energieeffizienz berücksichtigt.

Im Jahr 1999 fand eine umfassende Sanierung statt, die insbesondere auf die Verbesserung der Dämmung fokussiert war. Dabei wurde die ursprüngliche 5 Zentimeter dicke Luftschicht mit einer Perliteschüttung verfüllt, und die Stürze, Decken sowie Wandscheiben wurden mit 3 Zentimeter dicken Holzwolle-Leichtbauplatten gedämmt. Zudem wurden die Fensteranlagen ausgetauscht, wobei die Profile so angepasst wurden, dass sie in die alten Maße passten. Diese Maßnahmen halfen, die Energieeffizienz des Gebäudes zu steigern, ohne die äußere Erscheinung oder die historische Substanz übermäßig zu verändern.

Ein weiteres wichtiges Detail ist die Gestaltung der Fensterfront. Die Fensteranlagen bestehen aus massiven Glasscheiben, die bis zu 20 Meter hoch sind. Die größte Glasscheibe wiegt aktuell 800 Kilogramm – zuvor betrug ihr Gewicht lediglich ein Viertel davon. Diese Fenster, die in Einfachverglasung bestanden, wurden durch modernere, energieeffizientere Alternativen ersetzt, wobei der Denkmalschutz stets im Fokus blieb.

Die aktuelle Sanierung: Fensterfront und Fassade

Im Jahr 2023 begann die aktuelle Sanierungsphase des Rathauses Bensberg, die sich insbesondere auf die Fensterfront konzentriert. Die Arbeiten, die bereits im Sommer begonnen hatten, führten dazu, dass der Ratssaal für eine Zeit lang nicht genutzt werden konnte. Die Stadt Bergisch Gladbach entschied, politische Ausschüsse in den Großen Sitzungssaal des historischen Rathauses am Konrad-Adenauer-Platz 1 zu verlegen, bis die Sanierung abgeschlossen ist.

Die Sanierung der Fensterfront war von besonderer Bedeutung, da sie sowohl energetische Vorteile als auch die Erhaltung des architektonischen Charakters des Gebäudes betreffen sollte. Die neuen Fensterfronten sind um 5 Zentimeter nach vorne gewandert und kunstfertig zwischen den Natursteinen und den Betonfelsen integriert. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Fassade optisch nicht verändert wird. Die Fenstersanierung war daher ein Projekt, das sowohl die Anforderungen der Moderne als auch die historische Substanz berücksichtigte.

Die Arbeiten wurden nicht ohne Hürden abgeschlossen. Die Untere Denkmalbehörde und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) stellten höhere Anforderungen an die Umsetzung, was zu Verzögerungen führte. Zudem konnten die Arbeiten nur in einem Zeitfenster durchgeführt werden, in dem der Ratssaal problemlos für Veranstaltungen und Sitzungen gesperrt werden konnte. Eine terminliche Neuabstimmung zwischen der Stadt Bergisch Gladbach als Bauherr und der ausführenden Firma war notwendig. Ab Montag, 15. Januar 2024, war der Sitzungsaal nicht mehr nutzbar, und mit der voraussichtlichen Fertigstellung war bis Ende März 2024 zu rechnen.

Denkmalschutz als Herausforderung und Chance

Die Sanierung des Rathauses Bensberg verdeutlicht, wie anspruchsvoll es ist, bauliche Substanz zu erhalten, während gleichzeitig modernere Anforderungen wie Energieeffizienz und Nutzbarkeit erfüllt werden. Denkmalschutz bedeutet nicht nur die Erhaltung von Fassaden und Formen, sondern auch die Balance zwischen historischem Erbe und zukunftsorientierter Nutzung.

Die Rathausfassade, die aus Naturstein, Beton und Glas besteht, ist ein Paradebeispiel für die Moderne der 1960er Jahre. Die markanten „Betonfelsen“ sind nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt, sondern auch ein Symbol für die architektonische Kreativität dieser Zeit. Doch die Zeit, die an den Materialien und der Konstruktion nagt, macht Sanierungen notwendig. Die Stadt Bergisch Gladbach hat sich hier bewusst dafür entschieden, den Ratssaal nicht einfach zu renovieren, sondern seine bauliche Identität zu bewahren.

Die Sanierung wurde unter dem Motto „Eins zu eins“ durchgeführt, was bedeutet, dass die Fassade so restauriert wurde, dass sie optisch und strukturell unverändert bleibt. Die noch fehlenden Verblendungen der Streben zeigen, dass die Arbeiten zwar weit fortgeschritten sind, aber noch nicht abgeschlossen sind. Dennoch haben bereits erste Veranstaltungen im Ratssaal stattgefunden, was zeigt, dass die Sanierung auch funktional auf die Zukunft ausgerichtet ist.

Bauliche Herausforderungen und denkmalpflegerische Konzepte

Die Sanierung des Rathauses Bensberg war nicht nur ein Projekt der technischen Umsetzung, sondern auch eines intensiven Planungsprozesses, der denkmalpflegerische Konzepte berücksichtigte. Die Denkmalbehörde und die Stadt Bergisch Gladbach arbeiteten eng zusammen, um sicherzustellen, dass die baulichen Eingriffe nicht nur funktional, sondern auch kulturell verträglich sind.

Ein besonders interessanter Aspekt der Sanierung war die Behandlung der gestockten Betonoberflächen. Diese Flächen, die ein Markenzeichen des Böhm’schen Stils sind, wurden in den 1990er Jahren bereits teilweise wiederhergestellt. Bei der aktuellen Sanierung wurden die bestehenden Veränderungen nicht weiter angegangen, da die Denkmalbehörde und die Stadt sich dafür entschieden haben, den ursprünglichen Zustand so weit wie möglich zu erhalten. Die Hydrophobierung der gesamten Außenflächen, die in der 1990er Sanierung nicht erfolgte, blieb auch in der aktuellen Sanierung aus, was zeigt, dass die Stadt bewusst auf die Erhaltung der historischen Substanz setzte.

Auch die Fensterfront war ein zentrales Projekt, da sie den Übergang zwischen dem inneren Bürokomplex und der äußeren Fassade darstellt. Die neue Fensterfront, die sich um 5 Zentimeter nach vorne bewegt hat, wurde so eingefügt, dass sie sich harmonisch in die bestehende Struktur einfügt. Die Verblendungen, die während der Bauarbeiten notwendig waren, sind inzwischen weitgehend entfernt, und das Gebäude zeigt sich in seiner ursprünglichen Pracht.

Der Ratssaal als Orts der Begegnung und Politik

Der Ratssaal des Rathauses Bensberg ist nicht nur ein Ort der politischen Beratungen, sondern auch ein Raum der Begegnung, der Kultur und des städtischen Lebens. Er war und ist bis heute ein zentraler Ort für die Kommunalpolitik der Stadt Bergisch Gladbach. Die Sanierung, die seit Mitte 2023 läuft, war daher nicht nur aus baulichen Gründen notwendig, sondern auch, um die Funktion des Raumes sicherzustellen.

Die Sanierung umfasste nicht nur die Fensterfront, sondern auch die allgemeine Instandsetzung der Räumlichkeiten. Da der Ratssaal für die Dauer der Sanierung nicht genutzt werden konnte, mussten politische Ausschüsse in andere Räumlichkeiten verlegt werden. Die Stadt entschied sich dafür, die Ausschüsse im Großen Sitzungssaal des historischen Rathauses am Konrad-Adenauer-Platz abzuhalten. Dieser Saal, der im Jahr 1906 gebaut wurde, bot genügend Platz für Mandatsträger, Verwaltungsleitung und Besucher.

Die Verlegung der politischen Gremien war nicht nur eine logistische Notwendigkeit, sondern auch ein Anlass, um die historische Substanz des Rathauses in der Stadtmitte zu betonen. Der Große Sitzungssaal ist ein weiteres Beispiel für die bauliche Identität der Stadt, die sich aus der Kombination von historischen und modernen Elementen zusammensetzt.

Die Zukunft des Rathauses Bensberg

Die Sanierung des Rathauses Bensberg ist ein Projekt, das nicht nur die bauliche Substanz erhält, sondern auch die Funktion des Gebäudes für die Zukunft sichert. Die Rathausfassade, die im Jahr 2024 wieder vollständig saniert sein wird, zeigt, wie Denkmalschutz und moderne Anforderungen in Einklang gebracht werden können.

Die Stadt Bergisch Gladbach hat bewusst entschieden, das Rathaus nicht einfach zu renovieren, sondern es als Teil der städtischen Identität zu bewahren. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, in der viele moderne Gebäude aus der Nachkriegszeit in Vergessenheit geraten. Das Rathaus Bensberg ist jedoch ein Beispiel dafür, wie Moderne als kulturell wertvoller Bestandteil der Stadtgeschichte angesehen werden kann.

Zukünftige Sanierungsphasen könnten sich auf andere Bereiche des Gebäudes konzentrieren, wie z. B. die Dämmung der Decken oder die Instandsetzung der Böden. Doch die aktuelle Sanierung der Fensterfront ist ein Meilenstein, der zeigt, wie sensibel mit baulichem Erbe umgegangen werden kann.

Fazit

Die Sanierung des Rathauses Bensberg ist ein Projekt, das sowohl bauliche als auch kulturelle Aspekte berücksichtigt. Es zeigt, wie ein Gebäude, das ursprünglich in den späten 1960er Jahren als Rathaus der Stadt Bensberg errichtet wurde, heute als Technisches Rathaus der Stadt Bergisch Gladbach genutzt wird und dennoch seine historische Substanz bewahrt. Die aktuelle Sanierung der Fensterfront war nicht nur notwendig, um die Energieeffizienz und die bauliche Stabilität zu sichern, sondern auch, um das Erbe der Moderne zu bewahren.

Die Rathausfassade, mit ihren markanten Betonformen und der klaren Fensterfront, ist ein Wahrzeichen der Stadt. Die Sanierung, die im Jahr 2024 abgeschlossen sein wird, unterstreicht die Bedeutung des Denkmalschutzes und zeigt, wie moderne Anforderungen mit historischem Erbe in Einklang gebracht werden können. Das Rathaus Bensberg ist nicht nur ein Gebäude, sondern auch ein Symbol für die städtische Identität der Region und ein Beispiel für die bauliche Kreativität der Nachkriegsarchitektur.

Quellen

  1. www.rundschau-online.de
  2. www.bergischgladbach.de
  3. www.ksta.de
  4. www.beton.org
  5. www.rundschau-online.de

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