Einleitung
Die Marzahner Promenade in Berlin-Marzahn-Hellersdorf war ein Vorzeigeprojekt der DDR-Zeit, geplant und gebaut in den 1970er und 1980er Jahren. Über einen Kilometer lang, von der S-Bahn-Station Marzahn bis zum Freizeitforum Marzahn, war sie als multifunktionales Stadtteilzentrum konzipiert, das Wohnen, Einkaufen, Kultur und Freizeit integrieren sollte. Nach der Wiedervereinigung und der Eröffnung des Einkaufszentrums Eastgate 2005 verlor die Promenade jedoch an Vitalität. Leerstand, qualitativ unzureichende Angebote und gestalterische Mängel führten dazu, dass das Image der Promenade außerhalb des Bezirks Marzahn-Hellersdorf leiden musste.
Um die Marzahner Promenade wiederzubeleben und für zukünftige Herausforderungen fit zu machen, wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des Programms „Aktive Stadt-zentren“ durchgeführt. Ziel dieser Sanierungen war es, die Multifunktionalität des Stadtteilzentrums zu stärken, das Außenimage zu verbessern und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu erhöhen. In den Fokus standen dabei insbesondere die Renovierung des Freizeitforums Marzahn, die Aufwertung der Promenade als Fußgängerzone, die Erschließung neuer Wohnflächen durch Nachverdichtung sowie die Förderung kultureller Angebote und städtebaulicher Gestaltungskonzepte.
Dieser Artikel beschreibt detailliert die verschiedenen Sanierungsmaßnahmen, die im Zuge der Revitalisierung der Marzahner Promenade umgesetzt wurden. Dazu gehören energetische Sanierungen im Freizeitforum, die Umgestaltung des öffentlichen Raums, die Erweiterung des Wohnquartiers durch Neubau und die Einbindung der Bevölkerung in den Planungsprozess. Dabei werden auch die finanziellen Rahmenbedingungen und Förderprogramme, die die Maßnahmen ermöglichten, dargestellt.
Die Marzahner Promenade – ein Überblick
Historische Entwicklung
Die Marzahner Promenade wurde in den 1970er Jahren als Teil der Großsiedlung Berlin-Marzahn konzipiert und bis Ende der 1980er Jahre gebaut. Sie ist charakterisiert durch eine weitläufige Fußgängerzone, die von Geschosswohnungsbauten gesäumt wird und in mehreren Abschnitten Einzelhandel, Dienstleistungen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen beherbergt. Der südwestliche Anfangspunkt der Promenade liegt am S-Bahnhof Marzahn, wo sich das Eastgate Einkaufszentrum befindet. Der nördliche Endpunkt ist das Freizeitforum Marzahn, ein wichtiges Kultur- und Freizeitzentrum.
Die Eröffnung des Eastgates 2005 führte zu einem deutlichen Wandel in der Funktion der Promenade. Während das Einkaufszentrum stark frequentiert wird, verlor die Promenade an Attraktivität. Leerstände in Handel und Gewerbe, ein unzureichendes Angebot im Einzelhandel und gestalterische Mängel im öffentlichen Raum trugen dazu bei, dass das Stadtteilzentrum seine Funktion als zentraler Treffpunkt verlor.
Sanierungsmaßnahmen an der Marzahner Promenade
Revitalisierung des öffentlichen Raums
Im Rahmen des Programms „Aktive Stadt-zentren“ wurden umfassende Maßnahmen zur Revitalisierung des öffentlichen Raums umgesetzt. Die Sanierungsmaßnahmen begannen im Jahr 2008 und endeten 2020. Insgesamt wurden ca. 20,1 Mio. € aus dem Programm investiert, zusätzlich kamen ca. 5,8 Mio. € aus weiteren Förderprogrammen wie „ZIP“ und „Stadtumbau“ hinzu. Ziel war es, die Marzahner Promenade als attraktives Stadtteilzentrum mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln.
Sanierung von Gehwegen und Grünflächen
Ein Schwerpunkt lag auf der Sanierung der Gehwege entlang der Promenade. Die Wege wurden barrierefrei gestaltet, um die Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Zudem wurden neue Sitzmöglichkeiten geschaffen und Grünflächen aufgewertet. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu erhöhen und die Promenade als Treffpunkt attraktiver zu machen.
Gestaltungskonzept und Imageverbesserung
Um eine gemeinsame Identität für die Marzahner Promenade zu schaffen, wurde ein Werbe- und Gestaltungskonzept mit Logo entwickelt. Dazu gehörten die Gestaltung von Fahrradständen, Sonnenschirmen und Wegweisern, die im Einklang mit dem neuen Image standen. Die Mittel dafür kamen aus dem Verfügungsfonds Berlins.
Zudem wurde eine Gewerbebroschüre erstellt, die die Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote der Promenade hervorhob. Eine weitere Maßnahme war die Erstellung des sogenannten „Skywalks“, einer kostenlosen Aussichtsplattform auf einem Hochhaus an der Promenade. Der Skywalk, der 2015 eröffnet wurde, bietet einen Ausblick in die Berliner Innenstadt und dient als zusätzliche Attraktion mit Außenwirkung.
Wettbewerbe für kulturelle Angebote
Seit 2010 finden auf öffentlichen Flächen der Marzahner Promenade regelmäßig temporäre Kunstaktionen statt. Die Kunstinstallationen werden im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ausgewählt, an dem auch Bürgerinnen und Bürger beteiligt sind. Diese Aktionen tragen dazu bei, die Promenade nicht nur als Einkaufsstraße, sondern auch als kulturellen Treffpunkt zu etablieren.
Energetische Sanierung des Freizeitforums Marzahn
Funktion und Bedeutung des Freizeitforums
Das Freizeitforum Marzahn (FFM) ist das größte Kultur- und Freizeitzentrum im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Es wurde in den 1990er Jahren fertiggestellt und beherbergt unter anderem ein Schwimmbad mit Sauna, eine Frauensporthalle, einen Theater- und Veranstaltungssaal sowie eine Bezirkszentralbibliothek. Mit seiner Vielfalt an Angeboten spielt das Freizeitforum eine zentrale Rolle für die soziale Infrastruktur des Bezirks und ist ein Impulsgeber für die Revitalisierung der Marzahner Promenade.
Energetische Sanierung
Um das Freizeitforum Marzahn in einen zeitgemäßen Zustand zu versetzen, wurde ab 2009 eine umfassende energetische Sanierung durchgeführt. Ein Schwerpunkt lag auf der Sanierung der Dächer, einschließlich der Dachbegrünung in einzelnen Bereichen. Zudem wurde ein Blockheizkraftwerk installiert, das zur Energieeffizienz beiträgt.
Die Sanierungsmaßnahmen führten dazu, dass der Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen um rund 50 Prozent gesenkt wurden. Die Erneuerung der Haus- und Schwimmbadtechnik spielte dabei eine entscheidende Rolle. Die Sanierung wurde durch die zusätzliche Förderung aus dem Berliner Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP) ermöglicht und sollte Ende 2019 abgeschlossen sein.
Erweiterung des Wohnquartiers durch Nachverdichtung
Hintergrund und Planung
Die Nachverdichtung des Wohnquartiers Marzahner Promenade 8–11 wurde durch die Wohnungsbaugesellschaft degewo durchgeführt. Die Wohnsiedlung wurde in den 1970er Jahren erbaut und gilt bis heute als eines der wichtigsten Versorgungszentren im Bezirk. Aufgrund des steigenden Wohnraumbedarfs in Berlin, insbesondere in Marzahn-Hellersdorf, wurde entschieden, das Quartier durch einen Neubau mit ca. 140 Mietwohnungen zu erweitern.
Der Neubau entsteht im Rahmen der Nachverdichtung zum Busbahnhof Marzahn/Vorplatz des Eastgate Einkaufszentrums und bietet Raum für Wohnen sowie für Büro- und Gewerbenutzung. Damit wird zusätzlich bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum geschaffen, wobei die Hälfte der Wohnungen öffentlich gefördert wird.
Partizipationsprozess
Im Zuge der Planung gab es verschiedene Beteiligungsveranstaltungen, um die Anwohnenden in den Planungsprozess einzubeziehen. So fanden im Sommer 2023 zwei Informations- und Beteiligungsveranstaltungen auf der Grünfläche vor der Marzahner Promenade 11 statt. Ziel war es, die Anwohnenden über die Schritte im Planungsprozess zu informieren und ihre Meinungen einzubeziehen.
Die degewo orientiert sich dabei an den Leitlinien für Partizipation im Wohnungsbau. Der Neubau begann im Frühjahr 2025 und ist für das Jahr 2027 fertiggestellt.
Verkehrsbeeinträchtigungen durch Sanierungsmaßnahmen
Sanierung der Marzahner Promenade
Die Sanierung der Marzahner Promenade führte zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. Die Straße blieb zwischen der Landsberger Allee und der Märkischen Allee in beide Richtungen für die gesamte Bauphase vollständig gesperrt. Die Bauarbeiten begannen im April 2024 und endeten voraussichtlich am 6. September 2024. Für Pendler und Anwohner bedeutete dies eine lange Durststrecke, da die Marzahner Promenade eine wichtige Verkehrsader im Bezirk darstellt.
Sanierung der Kaulsdorfer Straße
Zusätzlich zu den Arbeiten an der Marzahner Promenade wurden auf der Kaulsdorfer Straße umfangreiche Kanalarbeiten durchgeführt. Betroffen war der Abschnitt zwischen der Egersfelder Allee und der Bahrendorfer Straße. Die Bauarbeiten dauerten voraussichtlich bis Freitag, wobei die genaue Dauer nicht angegeben wurde.
Diese Maßnahmen führten insgesamt zu einem erheblichen Verkehrschaos im Berliner Osten. Pendler und Anwohner wurden aufgefordert, alternative Routen zu berücksichtigen, um die Auswirkungen auf den Verkehr zu minimieren.
Fazit
Die Sanierung der Marzahner Promenade war ein umfassendes Vorhaben, das sich sowohl auf die physische Erneuerung des öffentlichen Raums als auch auf die Erschließung neuer Wohnflächen und die energetische Sanierung von Gebäuden konzentrierte. Durch die Maßnahmen wurde das Stadtteilzentrum wieder attraktiver gemacht und in die Lage versetzt, den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.
Die Revitalisierung der Promenade, die Erweiterung des Wohnquartiers und die Energetisierung des Freizeitforums Marzahn tragen dazu bei, die Multifunktionalität des Stadtteils zu stärken und die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner zu verbessern. Zudem wurden durch den Partizipationsprozess die Bevölkerung in die Planung eingebunden, was den langfristigen Erfolg der Maßnahmen unterstützt.
Die Sanierungsmaßnahmen zeigen, wie eine Großsiedlung wie Marzahn durch gezielte Investitionen in den öffentlichen Raum, Wohnraum und Energieeffizienz wieder zu einem lebendigen Stadtteil werden kann. Sie bieten eine Vorlage für ähnliche Projekte in Berlin und anderen Städten, in denen sich Großsiedlungen nach der Wiedervereinigung verändert haben.