Die Berliner Bäderlandschaft befindet sich aktuell in einem intensiven Sanierungsprozess. Die Berliner Bäderbetriebe (BBB), die für die Betreuung der städtischen Bäder verantwortlich sind, haben sich seit mehreren Jahren auf ein umfassendes Sanierungsprogramm konzentriert. In 2024 markiert der Prozess einen sogenannten „Höhepunkt“, wobei gleichzeitig auch die größten Herausforderungen entstehen – nicht zuletzt durch die Sparmaßnahmen des Senats, die sich auf Finanzierung und Umsetzung der Projekte auswirken.
Die Sanierung der Bäder umfasst nicht nur grundlegende Instandsetzungen, sondern auch Modernisierungen, die Energieeffizienz steigern und neue Funktionen für Vereine, Schulen und Privatpersonen bereitstellen. Dennoch bleibt ein Problem bestehen: Der vorübergehende Mangel an Wasserfläche durch geschlossene Bäder belastet Sportvereine, Schulschwimmbäder und Freizeitsportler. Diese Herausforderungen sind eng mit den finanziellen, politischen und planerischen Rahmenbedingungen verbunden.
Im Folgenden wird der aktuelle Stand des Sanierungsprogramms der BBB beleuchtet, mit Fokus auf die geplanten und laufenden Projekte, die Finanzierungssituation, mögliche Verzögerungen und die Auswirkungen auf die Nutzung der Bäder.
Der aktuelle Stand der Sanierungsprojekte
Die Berliner Bäderbetriebe haben sich in den letzten Jahren intensiv auf die Sanierung der Bäder konzentriert. Aktuell befinden sich mehrere Projekte im Umsetzungsstadium, während weitere in der Planung oder Ausschreibung sind.
Laut Johannes Kleinsorg, Vorsitzender der BBB, hat die Sanierungsstrategie in 2024 ihren „Höhepunkt“ erreicht. Insgesamt sind in den Jahren 2023 und 2024 Bauprojekte mit einem Volumen von 210 Millionen Euro in der Umsetzung – darunter Grund- und Teilsanierungen, Modernisierungen und Neubauten. Etwa 50 Millionen Euro davon entfallen auf Projekte, die im Jahr 2024 konkret starten.
Fertiggestellte Projekte
Schon abgeschlossene Sanierungen belegen die Notwendigkeit des Programms. So wurden beispielsweise das Stadtbad Tiergarten und die Kleine Schwimmhalle Wuhlheide saniert. Die Paracelsus-Bäder, Wellenbäder am Spreewaldplatz und die Schwimmhalle in der Zingster Straße gehören zu den Bädern, die bereits in der Sanierung oder Modernisierung waren. Diese Projekte zeigen, dass die BBB mit einer langfristigen Strategie arbeiten und nicht nur kurzfristige Reparaturen durchführen.
Laufende Sanierungen
Im Jahr 2024 beginnen oder laufen bereits vier große Sanierungsprojekte. Dazu gehören:
Kombibad Mariendorf: Die Sanierung begann bereits vorzeitig im Jahr 2023, nachdem ein Brand im Keller den geplanten Zeitpunkt vorverlagerte. Ursprünglich war die Sanierung für 2025 vorgesehen, doch nach dem Unfall beschlossen die BBB, die Arbeiten vorzuziehen. Mit einem Volumen von 32 Millionen Euro ist dieses Projekt eines der größten.
Stadtbad Schöneberg: Im Stadtbad Schöneberg werden die Becken, Whirlpools und technische Anlagen erneuert. Die Arbeiten umfassen auch die Sanierung der Fassade und der Brandmeldeanlage. Die Bauarbeiten sollen bis 2026 andauern.
Sommerbad Spandau Süd: In diesem Badekomplex wird das Sommerbad saniert. Die Arbeiten beinhalten unter anderem die Erneuerung der Schwimmbecken und der technischen Infrastruktur.
Außenbecken im Stadtbad Tiergarten: Nachdem das Badekomplex bereits saniert wurde, entsteht jetzt ein neues Außenbecken, das die Nutzung im Sommer weiter ausweiten soll.
Diese Projekte spiegeln die Priorisierung der BBB wider: Sanierungen, die sowohl technisch als auch funktionell notwendig sind, stehen im Vordergrund. Gleichzeitig werden Investitionen getätigt, die die Energieeffizienz verbessern – beispielsweise durch den Einbau von Photovoltaikanlagen auf Hallendächern.
Finanzierung und Sparmaßnahmen
Die Finanzierung der Sanierungsprojekte ist ein entscheidender Faktor, der die Umsetzung stark beeinflusst. Im Jahr 2024 starten vier Projekte mit einem Volumen von knapp 50 Millionen Euro, wobei der Gesamtbetrag der aktuellen und geplanten Sanierungen auf rund 210 Millionen Euro geschätzt wird.
Allerdings wird die Finanzierung durch Sparmaßnahmen des Senats beeinträchtigt. Laut einer Mitteilung der BBB wirken sich die Kürzungen sowohl auf laufende Betriebskosten als auch auf Investitionen in Sanierungen und Neubauten aus. Eine geplante Ausweitung des Bäderangebots, insbesondere in Form neuer Wasserflächen, ist laut der BBB nicht mehr finanzierbar.
Auswirkungen auf Neubauten und Erweiterungen
Einige geplante Projekte wurden zurückgestellt oder abgesagt. So ist beispielsweise die vollständige Erneuerung des Sommerbades Humboldthain, inklusive eines Edelstahlbeckens, nicht mehr finanzierbar. Stattdessen konzentrieren sich die BBB auf Hallenbäder, die für die Versorgung mit Wasserfläche im Winter entscheidender sind.
Ein weiteres Projekt, das von den Sparmaßnahmen betroffen ist, ist das Funktionsbad am Kienberg. Obwohl es als notwendige Ergänzung der Wasserfläche in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg gilt, wird derzeit geprüft, ob ein Außenbecken hinzugefügt wird oder ob das Projekt an den ursprünglichen Plan angepasst wird.
Auch das Funktionsbad in Pankow, das als Ersatz für ein geplantes Multifunktionsbad dienen soll, wird durch die Sparmaßnahmen beeinflusst. Es dient primär der besseren Versorgung von Schulen und Vereinen, doch die Finanzierung für zusätzliche Funktionen bleibt offen.
Finanzierungskonzept für Mariendorf
Ein Beispiel für die klare Planung der BBB ist das Kombibad Mariendorf. Ein Sanierungskonzept liegt vor, die Finanzierung ist gesichert, und die Ausschreibung soll 2025 starten, sobald die Finanzierung final geklärt ist. Die Arbeiten sollen 2026 beginnen und mindestens drei Jahre andauern. Dies zeigt, dass bei Projekten mit klarem Finanzierungskonzept die Umsetzung meist planbar bleibt.
Herausforderungen: Verzögerungen, Engpässe und bauliche Mängel
Obwohl die BBB ein klares Sanierungsprogramm verfolgen, gibt es mehrere Herausforderungen, die den Prozess erschweren. Dazu gehören unvorhergesehene bauliche Mängel, gestiegene Baukosten und politische Entscheidungen, die Investitionen beeinflussen.
Sanierungsengpässe durch geschlossene Bäder
Ein aktuelles Problem ist der Mangel an Wasserfläche, der durch geschlossene Bäder entsteht. Laut BBB sind derzeit sieben Hallenbäder geschlossen, was etwa ein Fünftel der Kapazitäten ausmacht. Dies hat direkte Auswirkungen auf Sportvereine, die Trainingsstätten benötigen, und auf Schulen, die Schwimmunterricht anbieten müssen.
Ein Beispiel dafür ist das Stadtbad Schöneberg, in dem die Sanierungsarbeiten andauern. Die meisten Becken und Whirlpools sind bereits neu gefliest, doch der letzte Innenbereich wird noch bearbeitet. Parallel dazu werden auch die Badewassertechnik und die Brandmeldeanlage erneuert.
Auch im Stadtbad Neukölln gibt es Verzögerungen. Die Arbeiten am Warmbecken in der Sauna verzögerten sich, da Fundamente des alten Kaltbeckens gefunden wurden, die entfernt werden mussten. Der Neubau des Warmbeckens ist inzwischen abgeschlossen, doch die Fliesenarbeiten stehen noch aus.
Unvorhergesehene bauliche Mängel
Neben den finanziellen Herausforderungen gibt es auch bauliche Probleme, die die Sanierungsarbeiten verzögern. So wurde das Paracelsus-Bad in Reinickendorf, das 1960 eröffnet wurde, 2019 für eine umfassende Renovierung geschlossen. Die Arbeiten zogen sich jedoch länger als geplant, sodass das Bad zur Dauerbaustelle wurde.
Ein ähnliches Problem trat beim Kombibad Mariendorf auf. Ursprünglich war die Sanierung für 2025 geplant, doch ein Brand im September 2022 zwang die BBB, die Arbeiten vorzuziehen. Der Brand entstand, als ein Schaltschrank Funken sprang. Der Stromausfall führte dazu, dass der Brand frühzeitig bemerkt und das Bad rechtzeitig evakuiert werden konnte. Diese unvorhergesehene Entwicklung veränderte die Planung und zeigte, wie sensibel Sanierungsprojekte gegenüber externen Ereignissen sind.
Politische und wirtschaftliche Zusammenhänge
Die Sanierungsstrategie der BBB ist nicht isoliert zu betrachten, sondern steht in engem Zusammenhang mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen. Die Entscheidung, welche Bäder saniert oder erweitert werden, hängt stark von der Finanzpolitik der Stadt und der Priorisierung durch den Senat ab.
Zudem hat die Corona-Pandemie zu Verzögerungen und Kostenaufschlägen geführt. Bauarbeiten wurden unter erschwerten Bedingungen durchgeführt, und die Planung musste oft angepasst werden. Gleichzeitig hat die angespannte Finanzlage vieler Bezirke dazu geführt, dass Sanierungen immer wieder aufgeschoben werden.
Die BBB arbeiten in einem Spannungsfeld zwischen Investitionen in die Zukunft und der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen. Die Kombination aus langfristigem Planungsrahmen und kurzfristigen Verzögerungen macht den Prozess komplex, aber auch notwendig.
Ausblick und zukünftige Projekte
Trotz der Herausforderungen bleibt das Sanierungsprogramm der BBB ein zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge in Berlin. Die geplanten Projekte sollen nicht nur die baulichen Zustände verbessern, sondern auch die Funktionen der Bäder für Vereine, Schulen und Privatpersonen optimieren.
Ein weiteres Projekt, das in Planung ist, ist das neue Funktionsbad in Marzahn-Hellersdorf. Es soll die Wasserfläche in der Region ausweiten und neue Sport- und Freizeitangebote schaffen. Obwohl die Finanzierung hier noch nicht abschließend geklärt ist, zeigt das Projekt die langfristige Perspektive der BBB.
Auch im Bereich der Energieeffizienz werden Fortschritte erzielt. Photovoltaikanlagen auf Hallendächern, wie sie im Kombibad Mariendorf geplant sind, tragen dazu bei, die Energiekosten zu senken und die Nachhaltigkeit zu steigern.
Fazit
Die Sanierungsstrategie der Berliner Bäderbetriebe ist ein komplexer Prozess, der sowohl technische als auch finanzielle Herausforderungen beinhaltet. Die aktuellen Projekte zeigen, dass die BBB sich auf eine langfristige Strategie konzentrieren, um die Bäderlandschaft zu erhalten und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig wirken sich Sparmaßnahmen, Verzögerungen und bauliche Mängel auf den Prozess aus.
Die Sanierung der Bäder ist nicht nur eine Frage der technischen Funktionalität, sondern auch ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge in Berlin. Sie ermöglicht es, dass Berlinerinnen und Berliner weiterhin Zugang zu Schwimm- und Sporteinrichtungen haben – unabhängig von Altersklasse, sozialem Hintergrund oder sportlichem Niveau.
Mit einem Investitionsvolumen von über 210 Millionen Euro in den Jahren 2023 und 2024 hat die BBB einen klaren Schwerpunkt gesetzt. Dennoch bleibt es wichtig, die Herausforderungen transparent zu kommunizieren und die Erwartungen der Badegäste realistisch zu steuern. Der Prozess ist langfristig, aber notwendig – sowohl für die Infrastruktur als auch für die Zukunft der Freizeit- und Sportkultur in Berlin.
Quellen
- Berlin, Sanierung von vier Bädern geplant
- Berliner Bäder 2024 starten Bauprojekte im Wert von fast 50 Millionen Euro
- Berliner Bäder im Umbau 2024 markiert den Höhepunkt des Sanierungsprogramms
- Sparmaßnahmen bei Berliner Bäderbetrieben: Was heißt das für Neubauten und Sanierungen
- So viele Hallen geschlossen wie nie: Diese Berliner Bäder werden ab 2024 saniert
- Vom Kombibad Mariendorf bis Zingster Straße: Berliner Bäder in Bewegung
- Berliner Schwimmbäder: Baustellen und Verzögerungen bei Neubauprojekten