Einführung
Das ehemalige Heeresbekleidungsamt in Bernau bei Berlin, ein Gelände mit über 40 Hektar, stand über Jahrzehnte leer und verfiel. Einst genutzt für die Herstellung und Lagerung von Uniformen für die Wehrmacht und später von der Sowjetarmee genutzt, verlor der Standort nach 1993 an Bedeutung. Mit der Zeit verwandelte sich das Gelände in einen sogenannten „Lost Place“ – ein brachliegendes Areal, das in der Stadtpolitik von Bernau als „Schandfleck“ wahrgenommen wurde. Doch in den letzten Jahren hat sich ein radikaler Wandel abgezeichnet: Die Stadt Bernau hat mit Unterstützung privater Investoren begonnen, das ehemalige Militärareal in ein lebendiges Quartier mit Wohn- und Gewerbenutzungen zu überführen.
Durch umfassende Sanierungsmaßnahmen, die unter der Sanierungsbezeichnung „Panke-Park“ laufen, entsteht im Süden der Stadt ein neuer Stadtbezirk, der bis zu 4000 Menschen beherbergen und bis zu 2000 Wohnungen umfassen wird. Im Vordergrund steht dabei die Wiederauferstehung des denkmalgeschützten Gebäudeensembles des Heeresbekleidungsamtes – ein zentrales Element der Sanierung. Die Herausforderung besteht nicht nur in der Sanierung der bestehenden Gebäude, sondern auch in der Integration von Neubauten in die historische Struktur und die Schaffung einer nachhaltigen, lebenswerten Stadtkulisse.
Hintergrund der Sanierungsmaßnahmen
Historische Entwicklung des Geländes
Das Gelände des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes in Bernau hat eine langjährige Geschichte. Das Areal wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs errichtet und in der DDR-Zeit von der Sowjetarmee genutzt. Die Gebäude, die sich heute noch erhalten haben, bestehen hauptsächlich aus Klinkerstein und sind architektonisch durch ihre markante, viertelkreisförmige Anordnung geprägt. Nach dem Ende der Nutzung im Jahr 1993 blieben die Gebäude brachliegend und verfielen zunehmend. Graffiti und Naturwucher verdeckten die ehemaligen Funktionen des Areal.
Die Stadt Bernau identifizierte das Gelände in den Folgejahren als ein Problemareal, das dringend einer Sanierung bedurfte. Die Sanierung war jedoch komplex und erforderte eine umfassende Planung. Die Stadt führte Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 BauGB durch, um die gesamte Fläche – einschließlich der ehemaligen WGT-Liegenschaft, der Areale um die Gewässer Teufelspfuhl und Gottesauge sowie Teilen des angrenzenden Gewerbegebiets – in einen Sanierungsplan einzubinden.
Rechtskräftig festgelegtes Sanierungsgebiet
Im November 2015 beschloss die Stadtverordnetenversammlung Bernaus die Errichtung des Sanierungsgebiets „Panke-Park“. Mit der Veröffentlichung der Sanierungssatzung im Amtsblatt am 21. Dezember 2015 wurde das Sanierungsgebiet rechtskräftig. Die Sanierungsziele sind in der Vorbereitenden Untersuchung detailliert dargelegt und betreffen sowohl die bauliche Umgestaltung als auch die landschaftsgestalterische Entwicklung des Areals.
Der Sanierungsplan und die Sanierungsziele
Beseitigung städtebaulicher Missstände
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Beseitigung städtebaulicher Missstände. Das ehemalige Militärareal war jahrzehntelang brachliegend und verursachte städtische wie visuelle Defizite. Die Sanierung verfolgt das Ziel, das Gelände in ein wohn- und freiraumgeprägtes Quartier umzugestalten, das in direkter Nachbarschaft zur Innenstadt liegt und den Charakter eines identitätsstiftenden Ensembles ausbilden kann. Die Sanierung ist nicht nur eine reine bauliche Aufgabe, sondern auch eine städtebauliche Transformation, die in Einklang mit der umliegenden Stadtstruktur steht.
Wiedernutzung des Bauensembles
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung ist die Wiedernutzung des leerstehenden Bauensembles des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes. Die Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, sollen durch Umbau und Sanierung in eine Wohn- und Gewerbenutzung überführt werden. Die baulichen Strukturen, insbesondere die Mittelgang-Struktur der Gebäude, sollen erhalten bleiben. Die Dächer werden ausgebaut, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Dabei setzt die Sanierung auf nachhaltige Methoden, die den dringenden Wohnraumbedarf in Bernau adressieren.
Altlastenbeseitigung
Ein weiteres zentrales Element der Sanierung ist die Altlastenbeseitigung. Aufgrund der langjährigen militärischen Nutzung des Geländes bestehen potenzielle Altlasten, die vor jeder baulichen Nutzung beseitigt werden müssen. Die Sanierungssatzung sieht die Überwindung altlastenbedingter Nutzungseinschränkungen explizit als Ziel vor. Die Altlastenbeseitigung ist ein technisch und rechtlich komplexer Prozess, der enge Kooperationen mit Behörden und Gutachtern erfordert. Sie ist Voraussetzung für die langfristige Nutzung des Areals für Wohn- und Gewerbezwecke.
Schaffung des Panke-Parks
Ein weiteres wichtiges Ziel der Sanierung ist die Schaffung des öffentlichen Stadtparks „Panke-Park“. Der Park ist als ein Freizeit- und Erlebnisbereich mit überörtlicher Ausstrahlung geplant und soll in mehreren Schritten realisiert werden. Die landschaftliche Gliederung des zukünftigen Parks wird aus Waldflächen, waldartigem Aufwuchs, offenen Vegetationsflächen und Gewässerstrukturen bestehen. Die Schaffung eines neuen grünen Stadtraumes hat nicht nur ökologische, sondern auch soziale und kulturelle Vorteile für die Bevölkerung Bernaus.
Öffentliche Zugänglichkeit und Freiraumstruktur
Die Sanierung verfolgt außerdem das Ziel, die öffentliche Zugänglichkeit der Sanierungsfläche zu verbessern. Die Planung sieht eine schrittweise Öffnung des Areals vor, wobei die Entwicklung des Panke-Parks eine zentrale Rolle spielt. Eine vernetzte Siedlungs- und Freiraumstruktur wird geschaffen, die die Bevölkerung in das Quartier integriert und zugleich den Charakter eines zusammenhängenden Lebensraumes unterstreicht. Die Sanierung schafft so nicht nur Wohnraum, sondern auch einen lebendigen und zugänglichen öffentlichen Raum.
Straßenanbindung und Infrastruktur
Die Sanierung beinhaltet auch die Anpassung der Straßenanbindung. Ziel ist eine zweiseitige öffentliche Verbindung des Gesamtraums an das umgebende Straßennetz. Dabei werden die besonderen Gegebenheiten wie die Gleisquerung an der Albertshofer Chaussee berücksichtigt. Die Anbindung an das umliegende Straßennetz erfolgt unter Berücksichtigung der Eingriffsminimierung in private Grundstücke und der Zugänglichkeit zu den baulichen Strukturen.
Der konkrete Sanierungsprozess
Projektentwicklung und Investor
Die Sanierung des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes wurde durch den privaten Investor Nordland GmbH aus Niedersachsen initiiert. Im Jahr 2016 erwarb das Unternehmen das Gelände mit der Vision, aus dem brachliegenden Militärareal ein lebendiges Wohn- und Gewerbequartier zu machen. Insgesamt sollen bis voraussichtlich 2033 insgesamt 2000 Wohneinheiten entstehen. Diese Wohnungen sind Teil einer sogenannten „Gartenstadt“, die bis zu 4000 Einwohner beherbergen wird und soziale Infrastruktur bereithält.
Die Investition ist ein Meilenstein in der Geschichte Bernaus, da der Erwerb und die Entwicklung eines solch großen Areals in einer Stadt mit knapp 45.000 Einwohnern außergewöhnlich ist. Der Investor betont, dass die Entwicklung nicht nur auf Wohnraum abzielt, sondern auch auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und einer lebenswerten Umgebung. Die Stadt Bernau begrüßt diese Entwicklung und sieht in der Zusammenarbeit mit dem Investor eine Chance, die bislang vernachlässigte Fläche in einen zentralen Stadtraum zu integrieren.
Umbau der denkmalgeschützten Gebäude
Ein zentrales Element der Sanierung ist der Umbau der denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes. Drei der imposanten Bestandsbauten werden durch das Architekturbüro CKSA für eine Wohnnutzung umgeplant. Dabei bleibt die ursprüngliche Mittelgang-Struktur der Gebäude erhalten. Die Dächer werden ausgebaut, um auf nachhaltige Weise zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die Planung erfolgt in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden, sodass die neue Nutzung von außen ablesbar wird – unter anderem durch neue Fenster und vorgestellte Balkonanlagen.
Die Umbauarbeiten an den denkmalgeschützten Gebäuden sind technisch und organisatorisch anspruchsvoll. Die Gebäude, die aus Stahlbetonskelettbauweise mit Klinkerverblendung bestehen, erfordern eine sorgfältige Planung, die sowohl die baulichen als auch die kulturellen Aspekte berücksichtigt. Der zentrale Empfangsgebäude mit seinem dreiteiligen Portal und den 35-achsigen Flügeltrakten wird denkmalgerecht umgebaut und als zentrales Element der neuen Wohnanlage genutzt.
Baugenehmigungen und Projektfortschritt
Der Sanierungsprozess ist in mehreren Abschnitten geplant und in der Umsetzung. Nachdem im März 2023 der Antrag auf Baugenehmigung für das Hauptgebäude des Heeresbekleidungshauptamtes beim Landkreis Barnim eingereicht wurde, wurde im Februar 2024 schließlich die Baugenehmigung erteilt. Die Baugenehmigung für das 200 Meter lange Gebäude, das denkmalgeschützt ist, markiert einen Meilenstein in der Sanierung.
In den Abschnitten 1 und 2 der Wohnanlage WeTown Bernau wurden bereits Wohngebäude fertiggestellt und sind bezugsfertig. Der dritte Bauabschnitt befindet sich aktuell im Bau. Die Projektleitung betont, dass die Bauarbeiten in enger Koordination mit den Denkmalschutzbehörden stattfinden, um die bauliche Integrität der historischen Gebäude zu wahren.
Die zukünftige Entwicklung
Soziale Infrastruktur und Lebensqualität
Die Sanierung des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes ist nicht nur eine bauliche Aufgabe, sondern auch eine soziale. Das Projekt verfolgt das Ziel, eine lebenswerte Umgebung mit guter Infrastruktur zu schaffen. In der zukünftigen „Gartenstadt“ sollen nicht nur Wohnungen, sondern auch soziale Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote entstehen. Diese Entwicklung ist ein Schwerpunkt der Stadtpolitik in Bernau, die das Wachstum der Stadt in den letzten Jahrzehnten mit einer entsprechenden Infrastruktur abzusichern versucht.
Die Infrastrukturentwicklung ist ein zentraler Faktor für die Attraktivität des neuen Stadtbezirks. Die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr – der S-Bahnhof Friedenstal ist in wenigen Minuten erreichbar – sowie die Nähe zur Autobahn und zur Busverbindung machen das Areal attraktiv für Pendler und Familien gleichermaßen. Die Sanierung trägt somit auch zur Stärkung der Wohnbebauung und zur Stadterneuerung in Bernau bei.
Kulturelle und ökologische Aspekte
Neben den baulichen und sozialen Aspekten spielt auch die kulturelle und ökologische Dimension der Sanierung eine Rolle. Die Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäude und die Schaffung eines neuen Stadtparks tragen zur kulturellen Identität des Areals bei. Der Panke-Park wird nicht nur als grüner Freiraum dienen, sondern auch als Erlebnis- und Freizeitfläche, die überörtlich attraktiv sein soll.
Ökologisch setzt die Sanierung auf nachhaltige Baumaßnahmen, die sowohl Energieeffizienz als auch Ressourcenschonung im Fokus haben. Der Ausbau der Dächer und die Sanierung der bestehenden Gebäude erfolgen unter Berücksichtigung moderner Energiestandards. Zudem ist die Schaffung von Grünflächen und die Integration in die umliegende Landschaft ein zentrales Ziel der Sanierung.
Fazit
Die Sanierung des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes in Bernau bei Berlin ist ein Beispiel für die Transformation brachliegender Flächen in lebendige Wohn- und Gewerbequartiere. Mit dem Projekt „Panke-Park“ und der Wohnanlage WeTown entsteht ein neuer Stadtbezirk, der bis zu 4000 Menschen beherbergen wird. Die Sanierung verfolgt nicht nur bauliche, sondern auch soziale, kulturelle und ökologische Ziele, die in Einklang mit den städtischen Bedürfnissen und der regionalen Entwicklung stehen.
Die Erhaltung und denkmalgerechte Nutzung der historischen Gebäude, die Schaffung von Wohnraum und die Entwicklung einer lebenswerten Umgebung zeigen, wie Sanierungsprojekte in Städten wie Bernau einen Beitrag zur Stadterneuerung und zur Bewältigung des Wohnungsbaubedarfs leisten können. Das Projekt ist ein Meilenstein in der Geschichte Bernaus und ein Vorbild für andere Städte, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind.
Quellen
- Sanierungsgebiet „Panke-Park“ in Bernau
- WeTown Bernau – Neubau + Sanierung
- Luftbild des ehemaligen Militär-Heeresbekleidungsamtes in Bernau
- Stadtsanierungsprojekte in Bernau
- Heeresbekleidungshauptamt Bernau – Sanierungsprojekt
- Bauantrag für das ehemalige Heeresbekleidungshauptamt
- Baugenehmigung für das ehemalige Heeresbekleidungshauptamt
- Bernau: Aus ehemaligem Militärareal wird grüne Gartenstadt