Sanierung und Erhaltung der St. Bernharduskirche in Rastatt: Historische Herausforderungen und moderne Lösungen

Die St. Bernharduskirche in Rastatt ist nicht nur ein architektonisches Juwel der Region, sondern auch ein lebendiges Zeugnis spätgotischer Baukunst. Bereits 1207 urkundlich erwähnt, ist die Kirche von großer historischer und kultureller Bedeutung. Im Laufe der Jahrhunderte überstand sie Kriege, Brände, Umbauten und verschiedene Phasen der Nutzung. Heute steht sie im Fokus der Sanierung, um ihre strukturelle und kulturelle Integrität für die Zukunft zu sichern.

Die Geschichte der St. Bernharduskirche

Die St. Bernharduskirche in Rastatt hat eine wechselvolle Geschichte, die eng mit der Stadtgeschichte verbunden ist. Schon im Jahr 1207 wird sie erstmals urkundlich erwähnt und zählt damit zu den ältesten Kirchen Rastatts. Im 17. Jahrhundert litt sie unter Kriegswirren, die die Kirche stark beschädigten und baufällig machten. Im 19. Jahrhundert dienten die Räumlichkeiten den napoleonischen Truppen als Stall und Lazarett, und um 1850 wurde die Kirche als Friedhofskapelle genutzt.

Im Jahr 1771 wurde die Kirche nach einer Umgestaltung und Erneuerung dem Seligen Markgrafen Bernhard von Baden geweiht. Diese Namensgebung markiert einen bedeutenden kulturellen und religiösen Wandel in der Geschichte der Kirche. Die Bernharduskirche blieb bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in ihrer Funktion als Friedhofskapelle erhalten. Im Laufe der Zeit durchlief sie verschiedene Bauphasen, die sie von einem einfachen Gotteshaus bis hin zu einer neobarocken Erscheinung veränderten.

Die Notwendigkeit der Sanierung

Die Sanierung der St. Bernharduskirche war aufgrund mehrerer struktureller Schwächen dringend notwendig. Im Jahr 2017 wurde festgestellt, dass der Turmhelm in einem kritischen Zustand war, was zu einem sofortigen Abbau führte. Gleichzeitig musste das Dachtragwerk im Kirchenschiff instandgesetzt werden. Um die Sanierung zu finanzieren, erhielt die Kirchengemeinde Unterstützung durch die Denkmalstiftung Baden-Württemberg, die 40.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale bereitstellte.

Bei der Sanierung standen sowohl die Sicherheit als auch das historische Erscheinungsbild im Vordergrund. Die Konstruktion des Turmhelms wurde originalgetreu und statisch zuverlässig wiederaufgebaut, wobei möglichst viele Originalteile verwendet wurden. Zudem wurde die Holzkonstruktion im Dachraum ergänzt oder ersetzt. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, die Stabilität und den ursprünglichen Charakter der Kirche zu bewahren.

Besonderheiten der Kirche und deren Erhaltung

Die St. Bernharduskirche ist nicht nur von historischem Interesse, sondern auch architektonisch und künstlerisch wertvoll. Besonders hervorzuheben sind die Fresken aus dem 15. Jahrhundert, die in der Kirche erhalten blieben. Diese Fresken sind ein seltenes Zeugnis der spätgotischen Malerei und unterstreichen die kulturelle Bedeutung der Kirche. Die Fresken wurden bei der Sanierung sorgfältig berücksichtigt und bei Bedarf restauriert.

Ein weiteres historisches Element der Kirche ist der Chor mit hochgotischer Architektur, der in den Kriegen des 17. Jahrhunderts beschädigt wurde, aber dennoch erhalten blieb. Die Chormauern weisen sogar Reste von Wandmalereien auf, die den ursprünglichen Stil der Kirche noch heute sichtbar machen. Die Sanierung berücksichtigte diese historischen Elemente und setzte auf eine sanfte Restaurierung, die die ursprüngliche Erscheinung der Kirche bewahrt.

Die Rolle der Kirchenbauvereine

Die Renovation der St. Bernharduskirche wurde durch die Arbeit der Kirchenbauvereine unterstützt, die eine zentrale Rolle in der Finanzierung und Planung der Maßnahmen spielten. Beim Kirchenbauverein St. Alexander war großer Beifall für die Innenrenovation der Stadtkirche zu spüren, die auch die Dachsanierung und Orgelreinigung umfasste. Der Kirchenbauverein beteiligte sich aktiv an der Finanzierung und organisierte Spendenkampagnen, die zur Erhaltung der Kirche beitrugen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Finanzierung der Orgel, die nach der Schimmelpilzbeseitigung in der Bernharduskirche aufgestellt werden sollte. Die Orgel stammt von einer gebrauchten Instrumente aus der Kirchengemeinde St. Elisabeth in Wolfsburg. Das Instrument wurde ursprünglich für die St.-Hedwigs-Kirche in Braunschweig gebaut und später in die St.-Elisabeth-Kirche umgesetzt. Nachdem die alte Orgel aufgrund von Schimmelbefall nicht mehr nutzbar war, wurde diese gebrauchte Orgel erworben und für die Bernharduskirche angepasst.

Die Orgel und ihre Integration

Die Installation der neuen Orgel war ein bedeutender Meilenstein in der Sanierung der Kirche. Die Orgel, die 1980 von Breil aus Dorsten für die St.-Hedwigs-Kirche in Braunschweig gebaut wurde, wurde in der Bernharduskirche aufgestellt und integriert. Aufgrund der notwendigen Stabilisierung der Empore war die ursprüngliche Aufstellung nicht möglich, weshalb die Orgel umgebaut und in ein neues Gehäuse eingepasst wurde. Die Pfeifenorgel verfügt über 14 Register auf zwei Manualen und Pedal, wobei die Spiel- und Registertrakturen mechanisch sind.

Die Orgelbaufirma Matz & Luge aus Rheinmünster/ Stollhofen war für den Aufbau verantwortlich. Sie nutzten vorhandene Gehäuseteile aus der Werkstatt, die nach einem Orgelneubau in Wintersdorf noch vorhanden waren. Die neue Gehäusform der Orgel ist neubarock und harmoniert optisch sowie klanglich mit dem Kirchenraum. Die Einweihung der Orgel fand im Dezember 2018 statt, und seitdem begleitet sie die Gottesdienste in der Kirche.

Die Rolle der Archivale und Dokumentationen

Die Sanierung der St. Bernharduskirche ist nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern auch ein historisches. Die Archivale des Generallandesarchivs Karlsruhe dokumentieren die Baugeschichte der Kirche und ihre Veränderungen im Laufe der Zeit. Diese Archivien, die unter der Signatur 220 Nr. 646 geführt werden, enthalten detaillierte Berichte über Renovationen, Umbauten und andere bauliche Maßnahmen. Sie reichen von 1771 bis 1772 und sind ein wertvolles Archiv für Historiker und Architekten.

Dokumentationen von Renovations- und Restaurierungsarbeiten wurden ebenfalls angefertigt, um einen umfassenden Bericht über die Sanierungsarbeiten zu liefern. Diese Dokumentationen beinhalten Abschlussdokumentationen, Befunddokumentationen und detaillierte Berichte über die Arbeiten. Ein Beispiel ist die Teilrestaurierung der Sandsteinplatten im Innenbereich des Pagodenburgs in Rastatt. Ebenfalls dokumentiert wurden die Restaurierungsarbeiten am Niederbühler Tor sowie an der Einfriedung des Biergartens. Diese Dokumente tragen dazu bei, die Sanierungsmaßnahmen transparent und nachvollziehbar zu machen.

Die Zukunft der St. Bernharduskirche

Die Sanierung der St. Bernharduskirche war nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein soziales und kulturelles. Durch die Zusammenarbeit von Kirchenbauvereinen, lokalen Unternehmen und staatlichen Förderinstitutionen gelang es, die Kirche in ihrem historischen Kern zu bewahren und gleichzeitig sicherzustellen, dass sie für die Zukunft genutzt werden kann.

Die Kirche ist heute wieder ein lebendiger Teil der Gemeinde Rastatt. Sie dient nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als Veranstaltungsort für Andachten, Konzerte und andere kirchliche Aktivitäten. Die Renovation brachte nicht nur finanzielle Investitionen, sondern auch neue Einnahmen durch die Mitgliedschaft im Kirchenbauverein. Zudem organisierte der Verein ein Benefizkonzert, das zur Finanzierung der Renovationsmaßnahmen beitrug.

Die St. Bernharduskirche ist ein Beispiel dafür, wie historische Bauten durch gezielte Sanierungen in ihrer ursprünglichen Form bewahrt werden können, ohne auf moderne Techniken und Materialien verzichten zu müssen. Die Kombination aus historischer Sensibilität und moderner Technik hat es ermöglicht, die Kirche für die Zukunft zu sichern.

Fazit

Die Sanierung der St. Bernharduskirche in Rastatt ist ein Meilenstein in der Erhaltung von Kulturdenkmälern in Deutschland. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen, die sorgfältige Planung und die Nutzung von historischen und modernen Techniken wurde es möglich, die Kirche in ihrem ursprünglichen Charakter zu bewahren. Die Investitionen in die Sanierung haben nicht nur die Sicherheit der Kirche gewährleistet, sondern auch ihre kulturelle und religiöse Bedeutung für die Zukunft gesichert.

Die Erfahrungen aus diesem Projekt können auch für andere kirchliche oder historische Gebäude in Deutschland wertvoll sein. Sie zeigen, wie Renovationsmaßnahmen durchgängig geplant, finanziert und durchgeführt werden können, um die historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig den heutigen Anforderungen gerecht zu werden. Die St. Bernharduskirche ist nicht nur ein religiöser Ort, sondern auch ein architektonisches und kulturelles Wahrzeichen, das für die Zukunft erhalten werden muss.

Quellen

  1. 40.000 Euro für die St. Bernharduskirche in Rastatt
  2. Archivale
  3. Rastatt Stadt
  4. Unsere Kirchen
  5. Dokumentationen
  6. Neues von unseren Kirchenbauvereinen
  7. Orgel St. Bernhard

Ähnliche Beiträge