Sanierung des Berufskollegs Tecklenburger Land: Ein Modellbeispiel für nachhaltige Umbaumaßnahmen in Bildungseinrichtungen

Die Sanierung des Berufskollegs Tecklenburger Land in Ibbenbüren ist ein herausragendes Beispiel für die umfassende Renovierung und Modernisierung von Schulanlagen in laufendem Betrieb. Das Projekt, das von 2018 bis 2022 in vier Bauabschnitten durchgeführt wurde, ist nicht nur aufgrund seiner hohen Investitionssumme von 26,8 Millionen Euro bedeutsam, sondern auch aufgrund der architektonischen, pädagogischen und technischen Qualität, die es erfüllt. Es wurde in mehreren Ebenen ausgezeichnet, darunter mit dem Schulbaupreis Nordrhein-Westfalen 2023 und der Auszeichnung „vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen 2025“.

In diesem Artikel wird ein detaillierter Überblick über die Sanierung des Berufskollegs Tecklenburger Land gegeben. Dabei werden die strukturellen, architektonischen und technischen Aspekte, die Planung, die Herausforderungen während des Projekts sowie die erzielten Ergebnisse vorgestellt. Zudem wird beleuchtet, welche Rolle die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren spielte und wie die Sanierung als Modell für zukünftige Umbaumaßnahmen in Bildungseinrichtungen dienen kann.

Das Berufskolleg Tecklenburger Land: Eine Schule mit Geschichte und Bedeutung

Das Berufskolleg Tecklenburger Land (BKTL) ist mit einer Bruttogrundfläche von 22.300 m² die größte Schule des Kreises Steinfurt. Es beherbergt 2.500 Schülerinnen und Schüler sowie 120 Lehrkräfte und besteht aus zwei Gebäuden mit unterschiedlichen Bauperioden: einem sechsgeschossigen Altbau aus dem Jahr 1958 und einem fünfgeschossigen Neubaukomplex, der 1978 fertiggestellt wurde. Das BKTL ist zentral in Ibbenbüren gelegen und bildet ein zentrales Bildungszentrum, das in direkter Nachbarschaft zum Goethe-Gymnasium und zum städtischen Bürgerhaus steht. Seine Nähe zum Hauptbahnhof macht es zudem zu einem bedeutenden städtebaulichen Bezugspunkt.

Bereits in den 1970er Jahren wurde das BKTL um einen fünfgeschossigen Gebäudekomplex erweitert, was jedoch nicht ausreichte, um die anstehenden Herausforderungen in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu bewältigen. Die beiden Bestandsbauten erwiesen sich räumlich-funktional, energetisch und brandschutztechnisch als nicht mehr zeitgemäß. Um den Anforderungen moderner Bildungsgestaltung und baulicher Sicherheit gerecht zu werden, entschloss sich der Kreis Steinfurt im Jahr 2018, eine umfassende Sanierung und Modernisierung des Schulkomplexes in vier Bauabschnitten durchzuführen.

Planung und Durchführung der Sanierung

Die Planung der Sanierung wurde von dem Architekturbüro farwick+grote architekten BDA stadtplaner PartmbB aus Ahaus übernommen. Die Generalplanung umfasste tiefgehende Sanierungs-, Umbau- und Restrukturierungsmaßnahmen, die bei laufendem Schulbetrieb realisiert wurden. Der Generalplaner war für Leistungen in den Phasen 1 bis 6 verantwortlich, was bedeutet, dass er sowohl die Konzeption als auch die Bauplanung und Bauleitung abdeckte.

Ein zentrales Element der Sanierung war die Installation einer mechanischen Lüftung im gesamten Schulgebäude. Dies erforderte detaillierte Abstimmungen und Anpassungen der Tragkonstruktion, da die bestehenden Stahlbetonfassaden der Gebäude aus den 1970er Jahren durch eine speziell geplante Vormauerschale ersetzt wurden. Zudem wurden Betoninstandsetzungen, Brandschutzertüchtigungen und weiterreichende Eingriffe in das Deckentragwerk durchgeführt, insbesondere zur Schaffung des großzügigen zentralen Forums.

Die vier Bauabschnitte

Die Sanierung wurde in vier Bauabschnitten umgesetzt, wobei jeder Abschnitt spezifische Schwerpunkte betonte:

  1. Bauabschnitt 1: Fokus lag auf der Sanierung der Aula und der umgebenden Räume. Dieser Abschnitt war ursprünglich für einen frühen Abschluss vorgesehen, geriet jedoch aufgrund von Verzögerungen, insbesondere bei der Fensterlieferung, ins Stocken. Der Kreis Steinfurt gab zu Protokoll, dass die Auslastung der Baufirmen und Lieferengpässe die geplante Fertigstellung verzögerten. Durch Optimierung der Arbeiten in den folgenden Bauabschnitten hoffte man, die Verzögerungen zu kompensieren.

  2. Bauabschnitt 2: Schwerpunkt lag auf der Sanierung der Klassenzimmer, Sanitäranlagen und der allgemeinen Haustechnik. Die Räume wurden energetisch ertüchtigt, und es wurden neue Fenster, eine verbesserte Lüftungstechnik und modernisierte Beleuchtungssysteme eingebaut.

  3. Bauabschnitt 3: Der dritte Bauabschnitt konzentrierte sich auf die Ertüchtigung des Brandschutzes sowie auf die Sanierung von Fluren und Gemeinschaftsräumen. In dieser Phase wurden auch die Tageslichtfensterbänder installiert, die heute eine natürliche Belichtung der Räume ermöglichen.

  4. Bauabschnitt 4: Der letzte Bauabschnitt war geprägt von der Schaffung neuer, offener Lerninseln und Gemeinschaftsflächen, die als zentraler Bestandteil des pädagogischen Konzepts verstanden wurden. Dazu gehörte auch die Erstellung eines Selbstlernzentrums, eines Bistros mit Außenterrasse und einer Freitreppe, die als Aufenthaltsbereiche dienen.

Die gesamte Sanierung wurde von HEG Tragwerksplanung begleitet, die für die Bauplanung zuständig war. Insgesamt waren die Planungen so konzipiert, dass sie die Nutzung des Schulgebäudes im laufenden Betrieb gewährleisten konnten, was als besondere Herausforderung galt.

Architektonisches Konzept und pädagogische Neuausrichtung

Die Sanierung des BKTL war nicht nur eine technische, sondern auch eine architektonische und pädagogische Neuausrichtung. Das architektonische Konzept umfasste städtebauliche, energetische und pädagogische Maßnahmen. Ziel war es, die mangelnde Adressbildung des alten Campus zu eliminieren und einen neuen, identitätsstiftenden Lern- und Lebensort zu schaffen.

Ein zentrales Element des Konzepts war das Forum, das als Erschließungs- und Verbindungsfläche zwischen den beiden Hauptgebäuden und dem Außenbereich fungiert. An das Forum schlossen sich das Selbstlernzentrum, ein Bistro mit Außenterrasse und eine Freitreppe ins Obergeschoss als Gemeinschaftsflächen an. In den Obergeschossen wurden sowohl räumlich getrennte Klassenräume als auch offene Lernbereiche in Lerncluster integriert, die besonders anpassungsfähig und vielseitig nutzbar sind.

Die natürliche Belichtung durch großflächige Fensterbänder und die warme Material- und Farbwahl der Architekten trugen maßgeblich zur positiven Raumwahrnehmung bei. Das Ensemble wurde dabei so konzipiert, dass die ursprünglichen Gebäude erhalten blieben, aber gleichzeitig durch neue Elemente ergänzt wurden. Der Wert des Bestands und dessen Graue Energie wurden weitergenutzt, vorhandene Potenziale freigesetzt und Raum für eine zukunftsfähige Pädagogik geschaffen.

Technische und energieeffiziente Maßnahmen

Die Sanierung umfasste eine Vielzahl von technischen und energieeffizienten Maßnahmen, die auf die Erhöhung der Energieeffizienz, die Verbesserung der Lufthygiene und die Sicherstellung eines sicheren Brandschutzes abzielten.

Energetische Modernisierung

Die Energieeffizienz des Gebäudes wurde durch folgende Maßnahmen verbessert:

  • Neue Fenster mit hoher Dämmung und Sonnenschutz
  • Neuinstallation der Haustechnik, einschließlich Lüftungs- und Beleuchtungssystemen
  • Betoninstandsetzungen zur Erhöhung der Dämmung
  • Ertüchtigung des Brandschutzes durch Brandschutztüren, Rauchabzugsanlagen und Feuerlöschsysteme

Diese Maßnahmen trugen dazu bei, dass das Gebäude heute deutlich weniger Energie verbraucht und gleichzeitig ein komfortablerer Lernraum ist.

Brandschutzmaßnahmen

Die Brandschutzertüchtigung war ein zentraler Bestandteil der Sanierung. Sie umfasste:

  • Installation von Brandschutztüren an strategischen Stellen
  • Einbau von Rauchabzugsanlagen in Klassenzimmern und Gemeinschaftsflächen
  • Errichtung von Feuerlöschsystemen in den relevanten Bereichen

Diese Maßnahmen trugen dazu bei, dass das Gebäude heute den geltenden Brandschutzvorschriften entspricht und im Notfall eine höhere Sicherheit gewährleistet.

Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit

Die Sanierung des BKTL war nicht nur eine technische Modernisierung, sondern auch ein Schritt hin zu nachhaltiger und zukunftsfähiger Architektur. Das Projekt setzte auf den Erhalt der vorhandenen Bausubstanz, was einen ressourcenschonenden Umgang mit Materialien und Energie bedeutete. Gleichzeitig wurden neue Elemente integriert, die die Lern- und Lebensqualität der Nutzer verbesserten.

Nutzung der Grauen Energie

Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die Nutzung der Grauen Energie der bestehenden Gebäude. Die alten Stahlbetonfassaden wurden nicht abgerissen, sondern durch eine Vormauerschale ersetzt. Dies ermöglichte es, die Struktur der Gebäude weitgehend zu erhalten, während gleichzeitig neue Funktionen und Energieeffizienz hinzugefügt wurden.

Gemeinschaftsflächen und flexible Lernumgebungen

Die Schaffung von Gemeinschaftsflächen und flexiblen Lernumgebungen war ein weiteres zentrales Element der Sanierung. Das BKTL wurde von einer dunklen, unflexiblen Flurschule ohne Gemeinschaftsflächen und funktionale Zusammenhänge zu einem identitätsstiftenden Lern- und Lebensort qualifiziert. Die neuen Gemeinschaftsflächen trugen dazu bei, dass die Lernenden ein stärkeres Gefühl der Zugehörigkeit und Identifikation mit ihrer Schule entwickelten.

Auszeichnungen und Anerkennung

Die Qualität der Sanierung und Modernisierung des BKTL fand auch überregional Anerkennung. So erhielt das Projekt die „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen 2025“ des Landes NRW. Damit wurde das Projekt als herausragendes Beispiel für die Sanierung eines Schulgebäudes im Bestand gewürdigt. In ihrer Begründung hob die Jury die Erneuerung des „baulich und konzeptionell überalterten Bestandes“ hervor, die sich durch den Erhalt der ursprünglichen Gebäude durch einen nachhaltigen Ansatz auszeichnete.

Zudem wurde das BKTL mit dem Schulbaupreis Nordrhein-Westfalen 2023 ausgezeichnet. In der Jurybegründung hieß es: „Dieser äußerst gelungene Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz ist vorbildlich und lobenswert.“ Besonders hervorgehoben wurde, dass die Nutzer durch regelmäßige Abstimmungen aktiv in den Planungsprozess einbezogen wurden. Dies trug dazu bei, dass das Projekt nicht nur technisch, sondern auch pädagogisch auf den neuesten Stand gebracht wurde.

Herausforderungen und Lösungsstrategien

Die Sanierung des BKTL war mit mehreren Herausforderungen verbunden, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass sie bei laufendem Schulbetrieb durchgeführt werden musste. Zudem gab es Verzögerungen in der Lieferkette, insbesondere bei der Fensterlieferung, die den gesamten Projektplan beeinflussten.

Verzögerungen und Projektplanung

Die Kreisverwaltung Steinfurt gab zu Protokoll, dass die Auslastung der Baufirmen und Lieferengpässe zu Verzögerungen führten. Der erste Bauabschnitt, der ursprünglich für einen frühen Abschluss vorgesehen war, geriet ins Stocken. Um die Verzögerungen zu kompensieren, optimierte das Planungsbüro Farwick & Grote die Arbeiten in den folgenden Bauabschnitten. Durch diese Anpassungen hoffte man, die Fertigstellung aller Bauabschnitte wie geplant im Spätsommer 2020 zu halten.

Kooperation und Kommunikation

Die Sanierung des BKTL war ein Projekt, das auf enger Kooperation und Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren – dem Kreis Steinfurt, dem Architekturbüro und der Schule – beruhte. Diese Zusammenarbeit war entscheidend für den erfolgreichen Bauverlauf. So hob Carsten Rehers, Baudezernent des Kreises Steinfurt, in seiner Erklärung die überregionale Anerkennung des Projekts hervor und betonte, dass die Grundlage für den erfolgreichen Bauverlauf durch die gute Zusammenarbeit zwischen dem Berufskolleg, dem Architekturbüro und dem Kreis Steinfurt gelegt wurde.

Fazit

Die Sanierung des Berufskollegs Tecklenburger Land in Ibbenbüren ist ein herausragendes Beispiel für die umfassende Renovierung und Modernisierung von Bildungseinrichtungen. Mit einer Investitionssumme von 26,8 Millionen Euro wurde ein Gebäudekomplex saniert, der heute nicht nur baulich, sondern auch pädagogisch und technisch auf dem neuesten Stand ist. Die Sanierung erfolgte in vier Bauabschnitten, wobei besondere Aufmerksamkeit auf die Ertüchtigung der Haustechnik, den Brandschutz, die Energieeffizienz und die Schaffung von Gemeinschaftsflächen gelegt wurde.

Durch den Erhalt der ursprünglichen Gebäude und die Integration neuer Elemente wurde ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Lernumfeld geschaffen. Die Sanierung fand überregionale Anerkennung und wurde mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Sie steht als Modellbeispiel für zukünftige Umbaumaßnahmen in Bildungseinrichtungen, die nicht nur technische, sondern auch pädagogische und architektonische Aspekte berücksichtigen.

Quellen

  1. Sanierung des Berufskollegs Tecklenburger Land
  2. Zeitplan geriet ins Stocken
  3. Auszeichnung vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen 2025
  4. Berufskolleg Ibbenbüren
  5. Schulbaupreis NRW 2023
  6. Berufskolleg Ibbenbüren auf baukunst-nrw
  7. Berufskolleg Tecklenburger Land (BKTl)

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