Einführung
Das Zirndorfer Bibertbad ist ein zentrales Freizeit- und Gesundheitsangebot im Raum Fürth. In den letzten Jahren standen jedoch sowohl finanzielle als auch infrastrukturelle Herausforderungen im Fokus: Das Schwimmbad kämpfte mit einem Defizit von mehreren Millionen Euro, Schäden an der Bausubstanz erforderten dringende Sanierungsmaßnahmen, und der Betrieb stand mehrmals in der Kritik. Gleichzeitig gab es politische Diskussionen über die zukünftige Finanzierung, die Ausgrenzung von Gästen aus Nachbargemeinden sowie über die Frage, ob das Bibertbad langfristig erhalten bleiben kann.
Im Jahr 2014 begann die erste große Sanierung des Hallenbads und Saunabereichs mit einem Budget von 4 Millionen Euro. Die Kosten für Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen stiegen jedoch in den folgenden Jahren an, wodurch sich das Defizit weiter verschärfte. Die Stadt Zirndorf, die das Bibertbad als städtischen Eigenbetrieb betreibt, stand vor der Herausforderung, die notwendigen Investitionen zu stemmen, ohne die Qualität des Angebots zu opfern oder die finanzielle Belastung der Stadt zu übermäßig erhöhen.
Diese Artikel analysiert die Hintergründe, Vorgänge, Kosten, politischen Debatten und langfristige Perspektiven der Sanierung des Zirndorfer Bibertbads, unter Berücksichtigung der verfügbaren Dokumente, die von Architekten, Bauherren, Zeitungen und politischen Akteuren stammen.
Die Sanierung 2014–2016: Umfang und Kosten
Im Zeitraum 2014 bis 2016 fanden umfassende Sanierungsarbeiten im Zirndorfer Bibertbad statt, die von der Stadt Zirndorf in Auftrag gegeben wurden. Der Bauherr war die Stadt Zirndorf, und der Auftraggeber war das Bibert Bad. Die Gesamtkosten der Sanierung beliefen sich auf 4 Millionen Euro.
Leistungen der Sanierung
Die Sanierung umfasste die Leistungsphasen 1 bis 8 gemäß der HOAI (Honorare Ordnung für Architekten und Ingenieure), was bedeutet, dass sie von der Planung bis hin zur Abrechnung abgedeckt wurden. In der Sanierung wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:
- Sanierung der Dach- und Betondecken, die als besonders kritisch angesehen wurden.
- Neuaufbau der Böden im Hallenbad und Ergänzung der Abdichtungen, um Schäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden.
- Neustrukturierung des Gastronomiebereichs, um ihn personalfreundlich zu gestalten.
- Neuerrichtung des Saunabereichs, der entkernt und modern, aber unaufdringlich gestaltet wurde. Der Grundriss wurde so gestaltet, dass ein reibungsloser Ablauf gewährleistet war.
- Die Planung erfolgte in enger Absprache mit dem Stadtrat und unter Berücksichtigung von Vorgaben von Fachplanern zu Bauphysik, Brandschutz, Betonsanierung, Tragwerk und Schwimmbadtechnik.
- Einbindung des Bäderpersonals in die Planung, um zweckmäßige Abläufe in den Abteilungen sicherzustellen.
Diese Maßnahmen hatten zum Ziel, die Betriebsfähigkeit des Bades wiederherzustellen und die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Gleichzeitig sollten die Investitionen eine langfristige Stabilisierung ermöglichen.
Kostenrahmen und Investitionsplanung
Laut Berichten aus dem Jahr 2014 standen für die Sanierung 4,23 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt bereit. Davon entfielen 3,25 Millionen Euro auf die Dach- und Betondeckensanierungen, die Reparatur des geschlossenen Kinderplanschbereichs und die Realisierung eines Brandschutzkonzepts. Weitere 800.000 Euro waren für die Sanierung der Sauna vorgesehen, wobei eines der beiden Dampfbäder damals geschlossen war.
Die genauen Sanierungskosten waren jedoch damals noch nicht abschließend bekannt. Das Ingenieurbüro Pfaller, das als Projektsteuerer tätig war, hatte weiteren Untersuchungsbedarf. Der Zeitplan für die Bauarbeiten war als „ambitioniert“ bezeichnet worden: Die Arbeiten sollten ab Juli 2014 beginnen und bis Februar 2016 abgeschlossen sein. Dies führte dazu, dass die Badesaison des nächsten Winters weitgehend beeinträchtigt werden würde.
Die wirtschaftliche Situation des Bibertbads
Trotz der Investitionen blieb das Bibertbad in den folgenden Jahren finanzschwach. Die Sanierung war zwar notwendig, führte aber nicht zu einer langfristigen Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage.
Defizite steigen an
Laut einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2024 lag das Defizit des Wirtschaftsplans 2025 bei etwa 3 Millionen Euro, was einen Anstieg gegenüber dem Jahr 2024 bedeutete, in dem das Defizit noch bei 2,4 Millionen Euro lag. Bürgermeister Thomas Zwingel erklärte, dass der Investitionsaufwand in den Jahren 2014/15 als „einmalige Geschichte“ bezeichnet werden könne und danach die Situation ruhiger werden würde. Allerdings stellte sich in der Praxis heraus, dass die wirtschaftliche Situation sich nicht stabilisierte, sondern sich vielmehr verschlechterte.
Gründe für die Defizite
Die Pressemitteilung der AfD wies auf die hohen Energie- und Personalkosten hin, die sich nur schwer reduzieren ließen, ohne die Betriebsqualität zu gefährden. Zudem wurden Investitionen wie das neue Kassensystem als notwendig bezeichnet. Ein weiterer Kritikpunkt lag in der fehlenden finanziellen Unterstützung durch die Stadtwerke Zirndorf. Die AfD sprach in diesem Zusammenhang von einem „Elefanten im Raum“.
Sparmaßnahmen und Sparvorschläge
Um das Defizit zu reduzieren, wurden Sparmaßnahmen diskutiert. Der Bäderausschuss der Stadt Zirndorf beriet mehrfach über den Wirtschaftsplan 2025 und mögliche Kostenreduzierungen. Eine Teilschließung des Bades war unter Diskussion, ohne jedoch ausdrücklich als Maßnahme vorgeschlagen zu werden. In der öffentlichen Debatte wurde jedoch immer wieder auf die mangelhafte Bauausführung als Ursache für die anhaltenden Sanierungskosten hingewiesen.
Personelle Krisen
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen gab es auch personelle Schwierigkeiten. Der Leiter des Bibertbads verließ die Anlage im Februar 2025, was als weiterer Rückschlag im Zusammenhang mit der finanziellen Belastung und der allgemeinen Betriebssituation angesehen wurde. Die Gründe für die Abberufung blieben in den Berichten ungeklärt.
Politische und gesellschaftliche Diskussionen
Die wirtschaftliche Situation des Bibertbads führte zu einer intensiven politischen und gesellschaftlichen Debatte, in der sowohl die Finanzierung als auch die Zukunft des Bades diskutiert wurden.
Kritik an Eintrittspreisen
Im Jahr 2025 wurde eine neue Preisstruktur eingeführt, die eine Differenzierung zwischen Einheimischen und Auswärtigen vorsah. Zirndorfer mussten 6 Euro für eine Tageskarte zahlen, während Gäste aus anderen Gemeinden 7 Euro bezahlen mussten. Diese Maßnahme war Teil der Bemühungen, das Defizit durch zusätzliche Einnahmen zu reduzieren.
Die Grünen Zirndorf kritisierten diese Entwicklung als ungerecht und betonten, dass das Bibertbad ein Ort der Begegnung und des Miteinanders sein müsse. Sie forderten eine interkommunale Zusammenarbeit, bei der mehrere Gemeinden gemeinsam die Kosten und Nutzen des Bades tragen würden. Dieses Konzept war bereits mehrfach in der Vergangenheit diskutiert worden, ohne jedoch eine dauerhafte Lösung zu finden.
Bürgerinitiativen und Petitionen
Aufgrund der Gefahr einer dauerhaften Schließung des Bades im Jahr 2024 wurde eine Online-Petition gestartet, die sich für den Erhalt des Bades einsetzte. Die Petition wies darauf hin, dass das Bibertbad nicht nur ein Freizeitangebot, sondern auch ein wichtiger Arbeitsplatz sei und für Vereine, Schulklassen und Kursangebote unverzichtbar sei. In der Petition wurde auch betont, dass das Bad in öffentlicher Hand bleiben müsse, um den Interessen der Bevölkerung dienen zu können.
Öffentliche Sitzungen und Entscheidungsprozesse
Im Dezember 2024 fand eine öffentliche Sitzung des Bäderausschusses statt, in der entscheidende Fragen zur Zukunft des Bades gestellt wurden. In der Sitzung wurde über den Wirtschaftsplan 2025 und mögliche Sparmaßnahmen beraten. Die Sitzung war von einem hohen öffentlichen Interesse begleitet, mit rund 50 Bürger:innen, die anwesend waren.
Zukunftsperspektiven und Handlungsbedarf
Die Diskussionen um das Bibertbad zeigen, dass die langfristige Sicherung des Bades eine komplexe Herausforderung ist, die sowohl technische, wirtschaftliche als auch politische Aspekte berücksichtigt.
Investitionsbedarf und Finanzierung
Die bisherigen Sanierungsmaßnahmen haben gezeigt, dass das Bibertbad regelmäßig hohen Investitionsbedarf hat. Die Anfangsanstrengungen in den Jahren 2014/15 erwiesen sich als notwendig, führten aber nicht zu einer dauerhaften wirtschaftlichen Stabilisierung. Um das Bad langfristig zu sichern, müssen klare Finanzierungsmodelle entwickelt werden, die die hohen Betriebs- und Sanierungskosten tragen können.
Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden
Eine mögliche Lösung könnte in einer interkommunalen Zusammenarbeit liegen, bei der mehrere Gemeinden gemeinsam für das Bibertbad verantwortlich zeichnen. Dieses Modell wird seit einigen Jahren diskutiert, aber bislang ist es nicht gelungen, eine dauerhafte Kooperation zu etablieren.
Qualitätssicherung und Transparenz
Um Vertrauen in das Projekt zu gewinnen, ist eine hohe Transparenz bei der Planung, Durchführung und Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen notwendig. Die kommunale Verwaltung muss sicherstellen, dass die Investitionen nachvollziehbar sind und dass die Kriterien für die Finanzierung klar definiert sind.
Fazit
Die Sanierung des Zirndorfer Bibertbads war in den Jahren 2014 bis 2016 ein notwendiger Schritt, um die Betriebsfähigkeit und die Nutzerfreundlichkeit des Bades wiederherzustellen. Allerdings blieb die wirtschaftliche Situation unsicher, und das Defizit stieg in den folgenden Jahren an. Die Diskussionen um die Zukunft des Bades zeigen, dass es keine einfache Lösung gibt, um die Anlage langfristig zu sichern. Eine Kombination aus Investitionen, finanzieller Unterstützung durch externe Partner, Transparenz und politischem Willen ist erforderlich, um das Bibertbad als zentrales Freizeit- und Gesundheitsangebot im Raum Fürth zu bewahren.
Quellen
- Bibert Bad – Projekt Bibert Bad Zirndorf
- Nordbayern.de – Bibertbad wird für mehrere Millionen saniert
- Petitionen.com – Nein zur Schließung, Bibertbad bleibt
- Nürnberger Nachrichten – Die Zukunft des Zirndorfer Bibertbades
- Grüne Zirndorf – Ein Bibertbad für alle
- Bastian Treuheit – Pressemitteilung zu Defiziten
- Nürnberger Nachrichten – Personeller Paukenschlag
- Bibertbad.de – Offizielle Website