Kellerabdichtung ist eine zentrale Maßnahme in der Bau- und Sanierungspraxis, insbesondere um Schäden durch Feuchtigkeit, Schimmel und Wasserdruck zu vermeiden. Eine bewährte und in der Praxis etablierte Methode ist die Anwendung von kunststoffmodifizierten Bitumen-Dickbeschichtungen (KMB). Diese Abdichtungsmethode ist besonders für erdberührte Bauwerksflächen geeignet und wird in der Regel in Kombination mit weiteren Systemelementen wie Sockelabdichtungen, Fugenabdichtungen und Schutzschichten eingesetzt. Im Folgenden wird eine detaillierte Übersicht über die Anwendung, Voraussetzungen, Schichtdicken, Vorarbeiten und Sanierungsmaßnahmen für KMB-Abdichtungen gegeben, basierend auf verfügbarem Fachwissen und geltenden Normen.
Was sind KMB-Abdichtungen?
Kunststoffmodifizierte Bitumen-Dickbeschichtungen (KMB) sind pastöse, spachtel- oder spritzfähige Massen auf Basis von Bitumenemulsionen. Sie bestehen aus wässrigen Bitumenemulsionen, die durch Emulgatoren stabilisiert werden, und oft um kunststoffische Additive erweitert werden, um die Elastizität und Rissüberbrückungsfähigkeit zu erhöhen. Nach Aushärtung sind KMB-Abdichtungen wasserdicht, wasserfest und rissüberbrückend, was sie besonders für den Einsatz in feuchten oder wassereinwirkenden Umgebungen wie Kellern geeignet macht.
Im Gegensatz zu einfachen Bitumenanstrichen oder -bahnen sind KMB-Abdichtungen in der Regel mehrschichtig aufgebracht, was eine bessere Dichtung und Flexibilität gewährleistet. Sie können entweder als Ein-Komponenten-Systeme (1K) oder Zwei-Komponenten-Systeme (2K) verwendet werden. 1K-Systeme sind direkt einsatzbereit, während 2K-Systeme vor der Anwendung gemischt werden müssen. Letztere haben den Vorteil, schneller auszuhärten und eine höhere Belastbarkeit zu besitzen.
Anwendungsbereiche und Lastfälle
Die Anwendung von KMB-Abdichtungen richtet sich nach dem sogenannten „Lastfall“, der beschreibt, welche Art und Stärke der Wasser- oder Feuchteinwirkung auf das Bauwerk einwirkt. Anhand des Lastfalls wird entschieden, welche Schichtdicke und welche Ausführungsform der KMB-Abdichtung erforderlich ist. Die relevanten Lastfälle sind in der DIN 18195 sowie in der KMB-Richtlinie definiert:
Bodenfeuchte (nicht aufstauendes Sickerwasser)
Bei dieser geringen Feuchteinwirkung reicht eine Schichtdicke von 3 mm aus. Dieser Lastfall ist für den Großteil der Kelleraußenwände typisch, insbesondere wenn der Grundwasserspiegel tief liegt und keine direkte Wasserdruckbelastung vorliegt.Aufstauendes Sickerwasser
Bei höherer Feuchteinwirkung, insbesondere in Regionen mit hohem Grundwasserspiegel, ist eine Schichtdicke von mindestens 4 mm erforderlich. Die Abdichtung muss in der Lage sein, Wasser, das sich im Erdboden sammelt, aufzunehmen und nicht in das Gebäude einzudringen.Drückendes Wasser
Bei dieser Lastfallvariante, bei der das Wasser aktiv gegen die Bauteile drückt, ist ebenfalls eine Schichtdicke von 4 mm vorgeschrieben. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass die Abdichtung robust genug ist, um den Wasserdruck abzufedern, ohne Schäden oder Risse zu erleiden. Die DIN 18195-4 legt hier zusätzliche Anforderungen fest.
Die genaue Bestimmung des Lastfalls ist zentral, um die richtige Schichtdicke und Systemauslegung zu wählen. Dazu ist oft eine Beurteilung der Bodenbeschaffenheit, des Grundwasserstandes und der baulichen Gegebenheiten notwendig. In der Praxis werden KMB-Abdichtungen häufig im Rahmen von Perimeterdämmungen eingesetzt, bei denen die Außenseite des Kellers mit Dämmmaterial und Abdichtungsschichten versehen wird.
Vorbereitung des Untergrunds
Eine fachgerechte Vorarbeit des Untergrunds ist entscheidend für den Erfolg der KMB-Abdichtung. Die Oberfläche muss sauber, trocken, frostfrei, tragfähig und feinporig sein. Vor dem Auftragen der Dickbeschichtung sollten alle losen Materialien, Schmutz, Staub, alte Anstriche oder Zementleimschichten entfernt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Rissen, Unebenheiten und Übergängen wie Ecken oder Wand-Bodenanschlüssen, die mit Dichtschlämmen oder Mörtel ausgeglichen werden müssen.
Zur Erzeugung von Hohlkehlen, die als Übergang zwischen Wand und Boden dienen und die Haftung der Abdichtung verbessern, können mineralische oder kunststoffmodifizierte Mörtel eingesetzt werden. Ebenfalls ist es wichtig, eine Grundierung vorzunehmen. Hierzu kommen Bitumen-Voranstriche oder spezielle Bitumengrundierungen in Frage. Bei stark saugfähigen Untergründen ist eine Vorbehandlung mit Wasser erforderlich, um die Schichtbildung der Dickbeschichtung nicht zu stören.
Ein entscheidender Schritt ist die Naßschichtdickekontrolle. Laut DIN 18195-4 muss die Schichtdicke an mindestens 20 Stellen pro 100 m² geprüft werden. Die Naßschichtdicke darf an keiner Stelle um mehr als 100 % der empfohlenen Dicke überschritten werden. Nach Aushärtung ist die Trockenschichtdicke messbar, wobei die Minimalanforderungen (3 mm bei Bodenfeuchte, 4 mm bei Sickerwasser und drückendem Wasser) eingehalten werden müssen.
Vorgehensweise bei der Anbringung von KMB-Abdichtungen
Die Anbringung von KMB-Abdichtungen erfolgt in der Regel in zwei Schichten, wobei die erste Schicht als Grundierung und die zweite Schicht zur Dichtung dient. Die Anwendung kann entweder per Hand (z. B. mit Kelle und Glätter) oder im Spritzverfahren erfolgen, wobei letzteres effizienter, aber auch kostenintensiver ist. Die Aushärtung der KMB-Abdichtung erfolgt durch das Auslaufen der Lösungsmittel. Unter optimalen Bedingungen kann dies etwa eine Woche dauern, wobei die genaue Trockenzeit von der Wetterlage, der Luftfeuchte und der Schichtdicke abhängt.
Wichtig ist, dass die KMB-Abdichtung vor dem Verfüllen der Baugrube vollständig getrocknet ist. Dies gilt insbesondere für Hohlkehlen, die oft übersehen, aber für die Dichtigkeit und die Haftung der Schichten entscheidend sind.
Sanierung bestehender KMB-Abdichtungen
Bei der Sanierung bestehender KMB-Abdichtungen ist eine sorgfältige Prüfung des Untergrunds erforderlich. Bestimmte Bitumenanstriche oder -beschichtungen können durch Lösungsmittel wie Testbenzin getestet werden, um deren Zustand zu beurteilen. So können beispielsweise bitumenhaltige Anstriche identifiziert werden, die sich bei Anlösen leicht verändern, während alte Teeranstriche nur eine leichte Schwarzfärbung zeigen.
Bei einer Sanierung mit KMB-Abdichtungen ist es wichtig, alte Schichten sorgfältig zu beurteilen. Teerpechanstriche sind in der Regel nicht kompatibel mit neuen KMB-Beschichtungen und müssen vollständig entfernt werden. Bei gereinigten und getrockneten Bitumenanstrichen kann eine Kontaktschicht aus mineralischem Dichtschlamm aufgebracht werden, um die Haftung der neuen Schicht zu gewährleisten.
Die Sanierung kann entweder im Rahmen einer Neuanstrichmaßnahme oder in Kombination mit einer Perimeterdämmung erfolgen. In beiden Fällen ist darauf zu achten, dass die KMB-Abdichtung in das bestehende System integriert wird, um eine kontinuierliche Dichtung und Schutzfunktion zu gewährleisten.
Vorteile und Nachteile von KMB-Abdichtungen
KMB-Abdichtungen haben sich in der Praxis als robuste und flexible Lösung etabliert. Zu den Vorteilen zählen:
- Gute Rissüberbrückungsfähigkeit, besonders bei Bodensenkungen oder frostbedingten Verformungen
- Hohe Elastizität durch kunststoffische Additive
- Wasserdichtheit und Wasserfestigkeit nach Aushärtung
- Einsatz bei verschiedenen Lastfällen, von Bodenfeuchte bis zu drückendem Wasser
- Einfache Handhabung, besonders bei 1K-Systemen
- Kompatibilität mit weiteren Systemelementen wie Dichtschlämmen und Schutzschichten
Zu den Nachteilen gehören:
- Längere Trocknungszeiten, insbesondere bei 1K-Systemen
- Schichtdickenkontrolle ist erforderlich, was im Handbetrieb manchmal aufwendig ist
- Empfindlichkeit gegenüber Lösungsmitteln, was bei der Sanierung bestehender Anstriche zu Problemen führen kann
- Höhere Kosten im Vergleich zu einfachen Bitumenanstrichen
Fazit
Kunststoffmodifizierte Bitumen-Dickbeschichtungen (KMB) sind eine bewährte und flexible Lösung für die Abdichtung erdberührter Bauteile, insbesondere Kelleraußenwände. Sie sind für verschiedene Lastfälle geeignet, von geringer Bodenfeuchte bis hin zu drückendem Wasser, und können sowohl in Neubauten als auch bei Sanierungsmaßnahmen eingesetzt werden. Die fachgerechte Anwendung setzt eine sorgfältige Vorbereitung des Untergrunds voraus, einschließlich der Schichtdickenkontrolle und der Integration in das Gesamtsystem. Mit den richtigen Materialien und Arbeitsmethoden können KMB-Abdichtungen eine dauerhafte, wasserdichte Schutzschicht schaffen, die die Lebensdauer des Bauwerks und die Wohnqualität im Keller nachhaltig verbessert.
Quellen
- Ziegelwissen – Abdichtung des Ziegelkellers
- Haus.de – Bitumenanstrich Keller
- Energie-Experten – Bitumendickbeschichtung
- Sib-Teutenberg – Kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen
- Hausjournal – Bitumen-Dickbeschichtung Keller
- Bau-Schaden-Gutachter – KMB-Kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtung