Sanierungen im Frankenjura: Praktische Handlungsleitlinien für Kletterfelsen

Einleitung

Die Sanierung von Kletterfelsen im Frankenjura ist ein zentraler Aspekt der Erhaltung und Sicherheit der Kletterrouten in der Region. In einem Umfeld, das durch seine geologische Vielfalt und historische Klettertradition geprägt ist, spielen fachgerechte Sanierungsmaßnahmen eine entscheidende Rolle. Die IG Klettern Frankenjura, der Deutsche Alpenverein (DAV), lokale Kletterverbände und begeisterte Kletterer tragen in ihrer ehrenamtlichen Arbeit dazu bei, dass Routen sicher, zugänglich und nachhaltig genutzt werden können.

Die hier vorgestellten Praktiken und Empfehlungen basieren auf mehreren Leitlinien, wie dem Gemeinsamen Sanierungsstatement, dem Neutourenappell und weiteren Dokumenten, die von den Kletterakteuren und Verbänden gemeinsam entwickelt wurden. Diese Leitlinien regeln unter anderem die Verwendung von Materialien, die Kommunikation mit Erstbegehrern, die Einbindung der Behörden sowie ökologische Aspekte. Sie bilden die Grundlage für ein verantwortungsvolles Vorgehen bei der Sanierung und Erschließung neuer Routen.

Der Artikel fokussiert sich auf die aktuelle Praxis in der Region, wobei besondere Aufmerksamkeit den Projekten wie der Sanierung der Bleisteinwand, des Immer-Höher-Turms und weiteren Routen gewidmet wird. Der Schwerpunkt liegt auf fachlich korrektem Handeln, auf die Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards sowie auf der Kooperation zwischen Kletterern, Verbänden und lokalen Behörden.


Handlungsleitlinien für Sanierungen

1. Einhaltung von Normen und Sicherheitsstandards

Ein zentraler Grundsatz der Sanierungsarbeit ist die Einhaltung gängiger technischer Normen. Laut Gemeinsamen Sanierungsstatement der IG Klettern Frankenjura und des DAV der Sektion Erlangen darf bei Sanierungen ausschließlich Material verwendet werden, das die gültigen Euro- und UIAA-Normen erfüllt. Insbesondere bei der Einrichtung von Umlenkhaken, Umlenkern und Bohrhaken ist auf die fachgerechte Ausführung zu achten.

Die DAV-Bohrhakenbroschüre 2022 dient hier als zentraler Leitfaden. Sie legt fest, wie Bohrungen durchzuführen sind, welche Hakenarten in welcher Tiefe eingesetzt werden dürfen und wie die Belastungsgrenzen korrekt eingeschätzt werden. Diese Dokumente sind nicht nur technische Handbücher, sondern auch ethische Richtlinien, die Sicherheit und Nachhaltigkeit im Klettersport sichern.

2. Kooperation mit Erstbegehrern und Kletterverbänden

Die Sanierung einer Route darf nicht willkürlich erfolgen. Laut Gemeinsamen Sanierungsstatement ist das Entfernen von Haken nur in Rücksprache mit dem Erstbegeher der ursprünglichen Tour oder den Kletterverbänden zulässig. Dies ist besonders bei technisch anspruchsvollen Routen von Bedeutung, da die Schwierigkeit einer Route durch die Sanierung nicht verändert werden darf. Technisch erstbegangene Routen sollen weiterhin technisch begehbar bleiben.

Diese Regelung schützt die ursprüngliche Kletterstilistik und verhindert, dass durch unsachgemäße Sanierungen die klettertechnische Herausforderung einer Route verfälscht wird. Sie unterstreicht zudem die Bedeutung des Dialogs zwischen Kletterern, Erstbegehrern und Verbandsmitgliedern.

3. Umgang mit Natur- und Umweltschutzaspekten

Die Sanierung von Kletterrouten ist nicht isoliert von der Umwelt zu betrachten. Insbesondere bei der Erschließung neuer Routen oder der Sanierung von bestehenden Felsformationen gelten klare Vorgaben, um Schäden an der Vegetation und Tierwelt zu vermeiden. Laut Neutourenappell der IG Klettern soll das Putzen zusammenhängender Vegetationszonen zur Errichtung einer Neutour unterbleiben. In solchen Fällen ist es ratsam, die Erschließung komplett zu unterlassen.

Ein weiterer Aspekt ist die Einbindung der Kletterverbände vor jeder Erschließung. Vor der Erstellung einer neuen Route sollte ein Vertreter der Kletterverbände über das Vorhaben informiert werden. Im Frankenjura ist dies idealerweise ein Vorstand der IG Klettern oder Guido Köstermeyer (DAV). Diese Kommunikation hilft, potenzielle Konflikte mit Behörden oder lokalen Interessengruppen vorzubeugen.

4. Schutz von Felsformationen geringer Höhe

Die IG Klettern hat klare Vorgaben zur Erschließung von Felsen geringer Höhe. Laut Neutourenappell soll die Erschließung von Felsen geringer Höhe unterbleiben. Der Grund liegt in der besonderen Sensibilität solcher Felsformationen, die oft durch ihre geringe Höhe auch für unerfahrene Kletterer oder Kinder zugänglich sind. Die Erschließung solcher Felsen würde nicht nur die natürliche Form beeinträchtigen, sondern auch das Risiko von Unfällen erhöhen.


Praktische Sanierungsprojekte im Frankenjura

1. Sanierung der Bleisteinwand: Ein Mammutprojekt

Im Jahr 2025 wurde die Bleisteinwand im Oberen Püttlachtal zu einem neuen Hot-Spot des Klettersports. Das Projekt wurde von Manuel Welt, Moritz Welt und Johannes Seitz realisiert, die in einer Mammutaktion die gesamte Wand sanierten und gleichzeitig sechs Neutouren erschlossen. Insgesamt wurden 40 Haken in 50 Arbeitsstunden eingebaut, was unterstreicht, dass solche Projekte nicht nur klettertechnisch anspruchsvoll sind, sondern auch eine enorme Menge an Planung und Koordination erfordern.

Die Route Umami Power (8+) ist eine der Highlights der Sanierung, gefolgt von Ekrem Bora (9), Unknown Pleasures (8+) und weiteren. Die Felsqualität ist hervorragend, was die Attraktivität der Wand weiter steigert. Nach der Sanierung gibt es insgesamt 14 Routen im Schwierigkeitsgrad zwischen 7 und 9, wobei in den Riss-Routen auch noch Keile notwendig sind.

Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie eine sorgfältige Sanierung nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern auch die klettertechnische Vielfalt der Region bereichert. Es zeigt zudem, wie Kletterer, die über die notwendigen fachlichen Kenntnisse verfügen, eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung und Weiterentwicklung der Kletterlandschaft spielen.

2. Immer-Höher-Turm: Rettung eines historischen Kletterturms

Der Immer-Höher-Turm im Pegnitztal war fast in Vergessenheit geraten. Laut einer Meldung auf frankenjura.com hat Michael Fick, einer der Erstbegeher, den Turm durch zusätzliche Haken und Umlenkhaken nachsaniert. Damit wurde das Klettern an diesem 12- bis 14 Meter hohen Felsen deutlich komfortabler gemacht.

Die meisten Routen stammen aus dem Jahr 1991 und befinden sich auf der Südseite. Die Schwierigkeiten liegen im sechsten und siebten Grad. Eine besondere Route ist die Südostwand (3), die Verschneidungskletterei im dritten Grad bietet. Die Südwestwand | Westwand | Mittlere Talseite (5) ist bis auf einen Zwischenhaken im oberen Wanddrittel hakenfrei, was die ursprüngliche Herausforderung dieser Route bewahrt.

Durch die Nachsicherung mit zusätzlichen Haken ist der Turm nun wieder für Kletterer zugänglich, ohne die ursprüngliche Stilistik der Routen zu verfälschen. Ein weiteres Plus ist die Aktualisierung des Topos auf frankenjura.com und in der Kletter-App.

3. Sanierungen an der Lochbergwand

Die Lochbergwand bei Nankendorf hat im Jahr 2025 eine erhebliche Sanierung erfahren. Jörg Perwitzschky sanierte die vier linken Routen in der Platte. Gemeinsam mit Teffi Büchting, Jonas Perwitzschky, Birgit Gelder und Olaf Perwitzschky kreierte er zudem fünf Neutouren im rechten überhängenden Teil der Wand. Dazu gehören die Alter Finne (9), Alter Schwede (8+/9-), Perspektivenwechsel (8-), Ein besonderes Geschenk (6) und Mühlzwerger (6+).

Diese Neutouren bereichern die bestehende Palette an Neuner-Routen um leichtere, aber dennoch anspruchsvolle Aufwärmtouren. Die Wand ist knapp 20 Meter hoch und ostseitig ausgerichtet. Sie ist in der Regel von September bis Dezember zugänglich, da sie unter vogelschutzrechtlichen Vorgaben steht.

Die Sanierung der Lochbergwand zeigt, wie Kletterer nicht nur Routen sichern können, sondern auch durch die Erstellung neuer Touren das Kletterangebot der Region erweitern. Gleichzeitig wird auf die Einhaltung von Umweltvorgaben geachtet, um den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten.


Fazit

Die Sanierung von Kletterfelsen im Frankenjura ist ein Prozess, der sowohl fachliche Kompetenz als auch ein Bewusstsein für Umwelt- und Sicherheitsaspekte erfordert. Die hier vorgestellten Projekte – wie die Sanierung der Bleisteinwand, des Immer-Höher-Turms oder der Lochbergwand – zeigen, wie Kletterer, Kletterverbände und lokale Klettergruppen zusammenarbeiten können, um die Kletterlandschaft nachhaltig zu erhalten und gleichzeitig zu bereichern.

Die Prinzipien, die in den Handlungsleitlinien formuliert wurden, tragen dazu bei, dass Sanierungsarbeiten nicht willkürlich, sondern nach klaren Vorgaben durchgeführt werden. Sie betonen die Notwendigkeit der Kommunikation mit Erstbegehrern, die Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards sowie die fachgerechte Ausführung der Arbeiten. Diese Regeln sind nicht nur für Kletterer wichtig, sondern auch für Bauherren, die beispielsweise in der Region Kletteranlagen errichten oder bestehende Kletterrouten modernisieren möchten.

Immer wieder betonen die Beteiligten, dass Sanierungsarbeiten ehrenamtlich durchgeführt werden – oftmals in freien Stunden, bei schlechtem Wetter und unter hohem körperlichem Aufwand. Dieser Einsatz trägt nicht nur der Sicherheit der Kletterer Rechnung, sondern auch der Erhaltung der Klettertradition und der kulturellen Bedeutung der Felsen in der Region.


Quellen

  1. Gemeinsames Sanierungsstatement der IG Klettern Frankenjura und des DAV der Sektion Erlangen
  2. Sanierungen im nördlichen Frankenjura
  3. Kletterblock: Sanierungen im nördlichen Frankenjura
  4. Frankenjura.com – Kletternews
  5. Frankenjura.com – Allgemeine News

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