Sanierung des BMW Group Parkhauses München: Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und Modernisierung im Einklang

Einführung

Das historische Parkhaus der BMW Group in München ist ein städtebaulich prägender Bestandteil des Unternehmensgeländes. Errichtet zwischen 1969 und 1971 in Betonbauweise nach Entwürfen des Architekten Karl Schwanzer, war das siebengeschossige Bauwerk Teil eines Ensembles, das neben dem markanten „Vierzylinder“-Gebäude auch das BMW-Museum umfasste. Als das Parkhaus im Laufe der Zeit stark in die Jahre kam und die Tragkonstruktion stark beschädigt war, standen umfangreiche Sanierungsarbeiten an. Diese erfolgten in einer Arbeitsgemeinschaft aus den Planungstechnikern SAA Schweger Architekten und dem Planungsbüro pbr Rohling AG. Ziel der Sanierung war es, das historische Erscheinungsbild zu bewahren, gleichzeitig aber die Brandschutzvorschriften und funktionellen Anforderungen der Gegenwart zu erfüllen.

Die Sanierung wurde nach dem sogenannten „Haus-in-Haus“-Konzept durchgeführt, bei dem die historische Fassade weitgehend erhalten blieb, während das Innenleben des Parkhauses komplett neu gestaltet wurde. Im Folgenden wird die Planung, Umsetzung und technische Ausstattung der Sanierung detailliert beschrieben, wobei besonderes Augenmerk auf die Aspekte Denkmalschutz, Brandschutz und Nachhaltigkeit gelegt wird.

Historische Bedeutung und Grundlagen der Sanierung

Die architektonische Vorgeschichte

Das BMW Group Parkhaus wurde in den späten 1960er Jahren nach Entwürfen des Architekten Karl Schwanzer errichtet. Schwanzer, der auch das umliegende Gebäudeensemble gestaltete, verfolgte mit seiner Bauweise einen klaren, funktionalen und zeitgenössischen Stil. Das Parkhaus, errichtet in Betonbauweise, war ein Aushängeschild moderner Architektur der damaligen Zeit und stand in Einklang mit dem Gesamtkonzept der BMW-Flächen in München.

Notwendigkeit der Sanierung

Im Laufe der Jahrzehnte zeigten sich jedoch erhebliche Schäden an der Tragstruktur des Parkhauses. Die ursprüngliche Betonkonstruktion war so stark beschädigt, dass eine Sanierung allein der Tragkonstruktion nicht mehr ausreichte. Zudem musste das Parkhaus den aktuellen Brandschutzvorschriften entsprechen, die eine natürliche Belüftung erforderten. Die Verbindung von historischem Wert und modernen Anforderungen machte eine grundlegende Sanierung notwendig.

Die Sanierungsarbeiten wurden von einer Arbeitsgemeinschaft aus SAA Schweger Architekten und dem Planungsbüro pbr Rohling AG geleitet. Beide Unternehmen sind in der Planung und Sanierung von historischen Bauwerken erfahren und konnten so die besondere Herausforderung, historische und moderne Anforderungen zu vereinen, erfolgreich meistern.

Das „Haus-in-Haus“-Konzept und seine Umsetzung

Prinzip des Konzepts

Das Herzstück der Sanierung des BMW Group Parkhauses in München ist das „Haus-in-Haus“-Konzept. Es ermöglichte, die historische Fassade weitestgehend zu erhalten, während das Innenleben des Parkhauses komplett neu gestaltet wurde. Die Idee besteht darin, den bestehenden äußeren Schutz der Fassade zu bewahren, wobei der Innenraum durch eine moderne, funktionale Struktur ersetzt wird.

Die Sanierung erfolgte so, dass die historischen Fassadenelemente – insbesondere auf der Südseite sowie teilweise auf Ost- und Westseite – nach umfassender Renovierung erhalten blieben. Gleichzeitig wurde eine neue Tragstruktur aus Stahlverbundtragwerk errichtet, die den Anforderungen der Gegenwart entspricht.

Technische Umsetzung

Die historischen Fassaden bestanden aus Betonfertigteilen, die vor Ort zu großen Teilen gesichert wurden. Um die Fassade brandschutztechnisch abzusichern, war ein Aabrücken der Bestandsfassade vom Parkhaus erforderlich. Dazu wurde eine Fuge zwischen der historischen Fassade und dem neuen Bauwerk eingerichtet, die als notwendige Belüftungsfläche dient. Diese Fuge ist nicht nur eine technische Lösung, sondern auch ein architektonisches Merkmal, das die Differenz zwischen Alt und Neu betont.

Die historischen Fassaden wurden durch temporäre Stahlkonstruktionen gestützt, bevor sie abgetrennt wurden. Diese Stahlkonstruktionen übernahmen die Lasten der Fassadenelemente während der Bauphase. Nachdem die Fassaden per Sägeschnitt abgetrennt worden waren, wurden die erhaltenen Elemente in der Süd- und Westfassade wieder integriert.

Die Aufstockung des Neubaus – die über die ursprüngliche Höhe hinausging – wurde durch eine geschwungene Lochblechkonstruktion optisch abgegrenzt, was die visuelle Trennung zwischen Alt und Neu betont. Diese Lochbleche sind nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch ein prägendes Element der neuen Fassade.

Brandschutz und Sicherheit

Brandschutzanforderungen

Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die Einhaltung der aktuellen Brandschutzvorschriften. In einem offenen Parkhaus wie dem BMW Parkhaus ist eine natürliche Be- und Entlüftung notwendig, um im Brandfall eine schnelle Rauchentwicklung zu ermöglichen. Da die historische Fassade nicht vollständig integriert werden konnte, war ein Abrücken erforderlich, um die notwendige Belüftungsfläche sicherzustellen.

Die Fuge zwischen historischer Fassade und Neubau erfüllt diese Funktion. Sie ist nicht nur eine technische Notwendigkeit, sondern auch ein architektonisches Merkmal, das die Differenz zwischen Alt und Neu sichtbar macht. Zudem wurde das neue Parkhaus mit modernen Brandschutzsystemen ausgestattet, die die Sicherheit der Nutzer*innen gewährleisten.

Modernisierung und Technische Ausstattung

Funktionale Anpassungen

Die Sanierung bot nicht nur die Gelegenheit, das historische Erscheinungsbild zu bewahren, sondern auch, das Parkhaus an die aktuellen Anforderungen der Nutzung anzupassen. Dazu gehörten:

  • Breitere Stellplätze und Fahrzeuggassen, um den Anforderungen moderner Fahrzeuge und den Bedürfnissen der Nutzer*innen gerecht zu werden.
  • Ein Parkleitsystem, das die Effizienz der Parkplatzsuche erhöht und den Verkehrsfluss optimiert.
  • Eine präsenzgesteuerte LED-Beleuchtung, die Energie spart und gleichzeitig die Sicherheit erhöht.
  • Ladesysteme für Elektroautos, die das Parkhaus für die zukünftige E-Mobilität rüsten.

Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit

Ein weiteres wichtiges Anliegen der Sanierung war die Barrierefreiheit. Dazu gehörten:

  • Der Einbau von Aufzügen und Rampen, um den Zugang für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu verbessern.
  • Die Anordnung von speziellen Parkplätzen, die für Menschen mit Behinderungen reserviert sind.

Diese Maßnahmen tragen dazu bei, das Parkhaus für alle Nutzer*innen zugänglich und nutzbar zu gestalten.

Nachhaltigkeit

Die Sanierung des BMW Group Parkhauses folgte auch den Prinzipien der Nachhaltigkeit. Durch die Erhaltung der historischen Fassade und die Reduzierung von Abbruchmaterialien wurde der Energieverbrauch minimiert. Zudem wurde die Energieeffizienz durch moderne Technologien wie LED-Beleuchtung und E-Mobilitätsanbindungen erhöht.

Bauzeit und Inbetriebnahme

Die Sanierungsarbeiten begannen im November 2015 und wurden federführend von den Planungsbüros pbr Rohling AG und SAA Schweger Architekten geleitet. Die Bauphase war in mehreren Phasen unterteilt, um die Sicherheit der Nutzer*innen zu gewährleisten und den städtischen Verkehr nicht übermäßig zu stören.

Im November 2018 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen und das Parkhaus vollständig in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme markierte nicht nur das Abschluss der Sanierungsmaßnahmen, sondern auch den Start in eine neue Ära für das historische Parkhaus der BMW Group.

Fazit

Die Sanierung des BMW Group Parkhauses in München ist ein beeindruckendes Beispiel für die Vereinigung von Denkmalschutz, Modernisierung und Nachhaltigkeit. Das „Haus-in-Haus“-Konzept ermöglichte es, die historische Fassade weitestgehend zu erhalten, während das Innenleben des Parkhauses durch moderne Technologien und bauliche Anpassungen auf den neuesten Stand gebracht wurde.

Die Sanierung war nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein Meilenstein in der Planung und Umsetzung von städtebaulichen Projekten mit historischem Hintergrund. Sie zeigt, dass es möglich ist, den Schutz historischer Bauten mit den Anforderungen der Gegenwart in Einklang zu bringen.

Für Bauherren, Planer und Architekten bietet die Sanierung eine wertvolle Referenz für zukünftige Projekte, bei denen historische Bauten in den städtischen Kontext integriert und gleichzeitig modernisiert werden müssen. Der Erfolg des Projekts unterstreicht die Bedeutung von sorgfältiger Planung, technischer Innovation und nachhaltiger Bauweise in der Sanierung historischer Gebäude.

Quellen

  1. Sanierungsprojekt BMW Group Parkhaus
  2. Sanierung des BMW Group Parkhauses im Zeitplan
  3. Sanierung des BMW Group Parkhauses München ist abgeschlossen
  4. pbr Planungsbüro Rohling AG – Sanierungsprojekt
  5. Neubau hinter historischer Fassade
  6. Revitalisierung des BMW Parkhauses München
  7. Parkhaussanierung – Definition und Maßnahmen

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