Sanierung und Neubau von Schulen in Bochum: Investitionen, Herausforderungen und zukunftsfähige Konzepte

Einleitung

In den letzten Jahren hat Bochum eine umfassende Sanierungs- und Neubauplanung für seine Schulen in die Wege geleitet. Ziel ist es, die Lernumgebungen für Kinder und Jugendliche zu verbessern, den baulichen Standard zu erhöhen und den Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung ab dem Schuljahr 2026/2027 zu gewährleisten. Im Rahmen dieser Maßnahmen entstehen nicht nur moderne Unterrichts- und Betreuungsflächen, sondern auch nachhaltige Gebäude, die den Anforderungen der Zukunft entsprechen.

Die Sanierungen und Neubauten umfassen verschiedene Schwerpunkte: von der Erneuerung historischer Gebäude über den Ausbau der Offenen Ganztagsbetreuung (OGS) bis hin zu komplexen Neubauvorhaben in zentralen Stadtbereichen. Diese Projekte sind nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch finanziell bedeutend. So steigen beispielsweise die Kosten für die Sanierung der Paul-Dohrmann-Schule fast auf das Doppelte der geplanten Summe, was zeigt, wie schnell sich bei solchen Projekten die Rahmenbedingungen verändern können.

In diesem Artikel werden die aktuellsten Entwicklungen im Bereich der Schulsanierungen und -neubauten in Bochum detailliert vorgestellt. Dabei werden die Investitionen, technischen Herausforderungen, pädagogische Konzepte und die politischen Hintergründe beleuchtet.

Sanierungsprojekte: Herausforderungen und Kostensteigerungen

Die Paul-Dohrmann-Schule: Kostensteigerungen und verlängerte Bauzeit

Die Sanierung der Paul-Dohrmann-Schule in Bochum ist eines der prominentesten und gleichzeitig problematischsten Projekte. Ursprünglich war für die Sanierung 2022 ein Budget von 9,8 Millionen Euro vorgesehen. Ziel war es, die beiden Standorte der Förderschule an der Wasserstraße und an der Hiltroper Straße zusammenzulegen und das Gebäude an der Hiltroper Straße umfassend zu modernisieren. Geplant waren unter anderem Brandschutzmaßnahmen, ein zweigeschossiger Anbau mit Klassen- und OGS-Räumen sowie die Erneuerung des über 100 Jahre alten Daches.

Während des Rückbaus des Daches wurden jedoch erhebliche Schäden an der Unterkonstruktion festgestellt, die durch Metallverblechungen verdeckt waren. Statiker empfahlen daraufhin, die Dachschalung komplett zu erneuern. Zudem zeigte die detaillierte Planung, dass auch Betonelemente des Gebäudes stark beschädigt sind. Insgesamt rechnet die Stadt Bochum nun mit Kosten von rund 17,86 Millionen Euro – fast doppelt so hoch wie ursprünglich geplant.

Nicht nur die Kosten, auch die Bauzeit verlängert sich erheblich. Statt der ursprünglich geplanten Fertigstellung im November 2026 ist nun ein Abschluss der Arbeiten im Dezember 2027 vorgesehen. Während der Umbauphase lernen die Schülerinnen und Schüler der Paul-Dohrmann-Schule am Ausweichstandort am Lenneplatz in Grumme.

Die Sanierung umfasst neben Brandschutzmaßnahmen und dem Anbau auch die umfassende Erneuerung des Daches. Die laufenden Arbeiten werden durch Luftbilder und aktuelle Fotos dokumentiert. Nach Abschluss der Sanierung wird die Schule an einem zentralen Standort vereint sein, wodurch eine moderne Lernumgebung entsteht. Die Schule legt besonderen Wert auf die emotionale und soziale Entwicklung ihrer Schüler und bietet vielfältige Fördermöglichkeiten durch Arbeitsgemeinschaften und individuelle Lernangebote.

Die Goethe-Schule: Sanierung als pädagogischer Neubeginn

Ein weiteres zentrales Projekt ist die Sanierung der Goethe-Schule in Bochum. Seit November 2022 wird die traditionsreiche Schule umfassend modernisiert. Im ersten Bauabschnitt wurde der ehemalige Stelzentrakt, einst Heimat der naturwissenschaftlichen Fachräume, nachhaltig umgebaut. Künftig wird dieser Bereich als modernes Jahrgangshaus für die Klassen 5 bis 8 dienen.

Im Rahmen eines Vor-Ort-Termins überzeugten sich Mitglieder der UWG: Freie Bürger vom Baufortschritt. Der Fraktionsvorsitzende und Oberbürgermeisterkandidat Jens Lücking betonte, dass der Altbau nicht abgerissen werden musste und die Tragestruktur erhalten bleiben konnte. Dies sei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich vernünftig.

Das neue Jahrgangshaus folgt dem Konzept sogenannter Lern-Cluster: Vier Klassenräume gruppieren sich um einen zentralen „Marktplatz“, der als flexibler Lernraum dient – offen, transparent und vielseitig nutzbar. Tim Pohlmann betonte, dass hier kein einfacher Umbau entsteht, sondern ein pädagogischer Neustart. Gestalterisch passt sich der Neubau mit Klinkerfassade und Rundbogenfenstern harmonisch in das Ensemble ein. Die markante Platane an der Zufahrt blieb erhalten – ein Zeichen für gelebte Nachhaltigkeit.

Neben modernen Fachräumen und einem begrünten Dach sorgen eine Photovoltaikanlage sowie nachhaltige Materialien für ein zukunftsfähiges Schulgebäude. Im Untergeschoss entsteht zudem eine neue Pausenhalle als zentraler Treffpunkt. Die Fertigstellung des Jahrgangshauses ist für Juni 2025 geplant. Danach folgt die Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus inklusive der Wiederbelebung des Haupteingangs an der Goethestraße. Insgesamt investiert die Stadt rund 30 Millionen Euro in das Projekt.

Investitionen in die Zukunft: Sanierung und Neubau von Grundschulen

153 Millionen Euro für Sanierungen und Neubauten

In den kommenden Jahren investiert die Stadt Bochum insgesamt mehr als 153 Millionen Euro in die Sanierung von Grundschulen, den Bedarf an Unterrichts- und Betreuungsräumen sowie den Ausbau der Offenen Ganztagsbetreuung (OGS). Vorbehaltlich der Zustimmung des Rates wird mit diesem Investitionsvolumen der Unterricht für die Grundschülerinnen und Grundschüler in guten Gebäuden sichergestellt.

„Guter Unterricht braucht gute Rahmenbedingungen“, sagt Dr. Eva-Maria Hubbert, zuständige Dezernentin für die Zentralen Dienste. „Wir haben in den letzten Jahren schon viel getan. Nun schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass für die nächsten Generationen von Schülerinnen und Schülern gute Lernorte geschaffen werden.“

Im Rahmen der Schulentwicklungsplanung und der Planung für die außerunterrichtlichen Betreuungseinrichtungen (OGS) wurden 14 Grundschulen mit baulichem Handlungsbedarf beurteilt. Der bevorstehende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem Schuljahr 2026/2027 macht es darüber hinaus nötig, weiteren Platz zu schaffen.

Bereits in den Vorjahren wurden in den Aus- und Umbau von Grundschulen rund 37 Millionen Euro investiert. Die Stadt Bochum sorgt mit diesem Invest für beste Lern- und Lehrmöglichkeiten und macht die Schulen für die derzeit rund 12.300 Grundschüler und Grundschülerinnen zukunftsfähig.

Neubau- und Sanierungsprojekte für verschiedene Schulen

Neben den Sanierungen bestehender Gebäude gibt es auch Neubauvorhaben, die in den kommenden Jahren abgeschlossen werden. Ein solches Projekt ist die Sanierung und Nutzung des ehemaligen Schulgebäudes an der Unterstraße für die Nelson-Mandela-Sekundarschule, die spätestens zum Schuljahr 2026/2027 in eine Gesamtschule umgewandelt wird.

Auch an der Annette-von-Droste-Hülshoff-Realschule wird das alte Gebäude der westfälischen Schauspielschule durch einen Neubau ersetzt. Der ehemalige Sportplatz am Beckmannshof in Wattenscheid wird in den kommenden Jahren ebenfalls bebaut, um den Bedarf an Schulräumen zu decken.

Ein weiteres zentrales Projekt ist das Graf-Engelbert-Gymnasium, an dem ein neues Gebäude errichtet wird, das dann zusammen mit dem Schiller-Gymnasium genutzt werden kann. Das Theodor-Körner-Gymnasium wird zum Schuljahr 2025/2026 5-zügig geführt und die freien Räume an der Rupert-Neudeck-Schule nutzen, die auslaufend geschlossen wird. Dabei wird sichergestellt, dass die Schülerinnen und Schüler den Abschluss normal ablegen können und niemand aus dem laufenden Betrieb ausgeschlossen wird.

Schulzentrum Bochum Nord: Ein Modell für zukunftsorientierte Schulentwicklung

Konzeption und städtebauliche Integration

Das Schulzentrum Bochum Nord ist ein weiteres zentrales Projekt, das exemplarisch für die Schulentwicklungsplanung in Bochum steht. Es umfasst das Heinrich-von-Kleist-Gymnasium und die Anne-Frank-Realschule. Die Neubebauung des Grundstücks schafft eine städtebaulich eindeutige Raumbildung und stellt attraktive Wegebeziehungen her.

Der Entwurf sieht einen wirtschaftlichen Neubau vor, anstelle von Lösungen unter Einbeziehung des kontaminierten Baubestands. Die Umsetzung ist mit minimalen Eingriffen in den Bestand möglich, um Umzüge und Provisorien auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

Das Schulzentrum bietet den baulichen Rahmen für ein modernes pädagogisches Konzept, das sowohl Aufenthaltsqualität und Identifikationen schafft, als auch einen effizienten Ablauf des Schulalltages ermöglicht. Es ist zudem Rückgrat eines Gesamtkonzeptes aus Schule und Sporteinrichtung, (IST) Innovationszentrum und Technik, Sporteinrichtungen und Stadteilbibliothek, welches den Stadtteil nachhaltig stärkt.

Die selbstverständliche städtebauliche Disposition schirmt das Schulgrundstück nach Norden ab und schafft zugleich einen Campuspark im Süden, in dem sich alle zukünftig geforderten Nutzungen unter Beibehalt der bestehenden Gebäude realisieren lassen. Der Campuspark ist ein Geschenk der Schule an den Stadtteil und ermöglicht Begegnung.

Politische Hintergründe und Perspektiven

Schulentwicklungsplanung als zentrales Instrument

Die Schulentwicklungsplanung in Bochum ist ein zentrales Instrument, um den Bedarf an Räumen und die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine qualitative Ausbildung zu planen. Diese Planung ist vor allem in der aktuellen Situation notwendig, in der der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung ab dem Schuljahr 2026/2027 besteht.

Die SPD Bochum betont, dass sie sich hinter die Schulentwicklungsplanung stellt. Die Partei unterstützt die Maßnahmen, die in den Gremien konstruktiv diskutiert wurden. Der Vorsitzende des Bochumer Schulausschusses, Ernst Steinbach, betont, dass die Stadt Bochum einen wichtigen Beitrag leistet, um den Schulbetrieb qualitativ hochwertig aufrecht zu erhalten.

Auch aus der UWG: Freie Bürger wird die Sanierung der Goethe-Schule als Vorbild bezeichnet. Die Mitglieder des Fraktionsvorstands sehen in dieser Sanierung einen gelungenen Mix aus Nachhaltigkeit, Funktionalität und architektonischer Qualität.

Kritische Betrachtungen und Herausforderungen

Trotz der ambitionierten Pläne und Investitionen bleiben Herausforderungen bestehen. Die Kostensteigerungen bei Projekten wie der Sanierung der Paul-Dohrmann-Schule zeigen, wie schnell sich die Planungskosten verändern können. Zudem ist es wichtig, dass die Planung transparent und partizipativ bleibt, um die lokalen Bedürfnisse und Anliegen der Elternschaften und Lehrkräfte zu berücksichtigen.

Ein weiterer Aspekt ist der Bedarf an zusätzlichen Lehrerstellen. Jentsch, ein Mitglied der SPD, betont, dass man kein Hellseher sein müsse, um zu erkennen, dass die Planung in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Euro kosten wird. Dies müsse aber in der Zukunft der Kinder investiert werden.

Fazit

Die Sanierung und Neubau von Schulen in Bochum ist ein zentrales Thema, das sowohl politisch als auch pädagogisch und infrastrukturell von großer Bedeutung ist. Die Projekte, die aktuell umgesetzt werden, zeigen, wie vielfältig die Herausforderungen und Chancen im Bereich der Schulentwicklung sind. Die Investitionen in moderne Lernumgebungen, Nachhaltigkeit und pädagogische Innovationen sind entscheidend für die Zukunft der Bildung in Bochum.

Während einige Projekte wie die Sanierung der Goethe-Schule gelobt werden, stehen andere Projekte wie die Sanierung der Paul-Dohrmann-Schule vor erheblichen Herausforderungen. Dennoch ist das Gesamtbild eines Stadtschulwesens, das sich aktiv an der Zukunft orientiert, deutlich zu erkennen.

Die Sanierungen und Neubauten in Bochum sind nicht nur technische Projekte, sondern tragen auch symbolisch den Wunsch nach Qualität, Nachhaltigkeit und Bildungsgerechtigkeit in sich. Sie zeigen, wie sich die Stadt für ihre jüngsten Einwohner einsetzt und wie sie bereit ist, für eine bessere Zukunft in die Bildung zu investieren.

Quellen

  1. Sanierung der Paul-Dohrmann-Schule in Bochum
  2. Goethe-Schule: Nachhaltige Sanierung schafft moderne Lernlandschaft
  3. Millioneninvestitionen in Grundschulen und OGS-Ausbau
  4. Millioneninvestitionen in Grundschulen und OGS-Ausbau
  5. SPD Bochum: Steht hinter der Schulentwicklungsplanung
  6. Neubau Schulzentrum Nord

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