Frankfurt setzt auf eine ambitionierte Sanierungsoffensive: Förderprogramme, Klimaneutralität und Vorbilder

Frankfurt am Main hat sich in den letzten Jahren als eine der führenden Städte im Bereich der Gebäudesanierung und Klimaschutzpolitik etabliert. Mit der sogenannten „Sanierungsoffensive“ setzt die Römerkoalition – bestehend aus den Parteien Grüne, SPD, FDP und Volt – auf eine umfassende und langfristige Modernisierung des städtischen Gebäudebestandes. Ziel ist es, bis 2030 mindestens 50 Prozent und bis 2040 alle städtischen Gebäude klimaneutral zu sanieren. Dieses Vorhaben umfasst nicht nur eine Vielzahl an technischen und organisatorischen Herausforderungen, sondern auch eine beträchtliche finanzielle Investition.

Energetische Sanierung als zentraler Schwerpunkt

Die Energetische Sanierung ist das zentrale Element des Frankfurter Sanierungsplans. Derzeit stehen etwa 2500 städtische Gebäude unter dem Fokus, die bis 2030 teilweise und bis 2040 vollständig klimaneutral saniert werden sollen. Die Fläche dieser Gebäude beträgt insgesamt rund zwei Millionen Quadratmeter, wovon bislang etwa 250 000 Quadratmeter bereits mit Passivhaus-Komponenten ausgestattet wurden. Die verbleibenden 1,75 Millionen Quadratmeter sind Gegenstand der Sanierungsoffensive.

Die Kosten für diese Maßnahmen sind erheblich: Mit rund 2000 Euro pro Quadratmeter Sanierungsfläche werden Kosten in Höhe von etwa 3,5 Milliarden Euro veranschlagt. Diese Summe übertreffen die Kosten für den Neubau der Städtischen Bühnen deutlich. Die Römerkoalition betont jedoch, dass das Geld nicht auf einmal bereitgestellt wird, sondern in Etappen über mehrere Jahre. Für die Haushaltsjahre 2023 bis 2026 sind jeweils 25 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Zudem sollen externe Fördermittel aus EU-Programmen wie „Elena“, Bundesprogrammen wie der BEG (Bundesförderung für effizientes Bauen), Landesprogrammen wie der „Klima-Richtlinie“ und der „Kommunalrichtlinie Energie“ sowie KfW-Förderungen genutzt werden.

Ambitionierte Ziele und digitale Unterstützung

Die Stadt hat sich ambitionierte Sanierungsziele gesteckt. Der aktuelle Sanierungsfortschritt liegt bei einer Quote von etwa 2,2 Prozent. Bei dieser Geschwindigkeit würde die Sanierung aller städtischen Gebäude bis 2060 dauern. Um die Zielsetzung bis 2040 zu erreichen, plant die Koalition, die Sanierungsquote auf 4,4 Prozent zu verdoppeln. Zudem verweist sie auf gesetzliche Verpflichtungen der EU, die vorsehen, dass jährlich drei Prozent der städtischen Gebäude saniert werden müssen. Die Stadt Frankfurt möchte diese Vorgaben nicht nur erfüllen, sondern übertreffen.

Ein zentrales Instrument zur Erfüllung dieser Ziele ist ein digitales Sanierungsmanagement-Tool. Dieses Tool soll den energetischen Zustand der Gebäude erfassen, Prioritäten setzen und Sanierungsmaßnahmen koordinieren. Die Priorisierung erfolgt nach Kriterien wie Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen und Sanierungskosten. Besonders dringend ist die Sanierung von Bildungseinrichtungen. Ein Beispiel hierfür ist die Helmholtzschule im Ostend, wo im Sommer Temperaturen über 30 Grad keine Seltenheit sind.

Förderprogramme als Anreiz für Eigentümer

Ein weiteres zentrales Element der Sanierungsstrategie ist das städtische Förderprogramm „Modernisierungsbonus“, welches das bereits bestehende Programm „Klimabonus“ ergänzt. Der „Modernisierungsbonus“ fördert insbesondere die energetische Sanierung und den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen. Zudem werden Maßnahmen wie Solaranlagen, Batteriespeicher und Gebäudebegrünung unterstützt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Schutz der Mieter vor Preisanstiegen, die durch Modernisierungen entstehen könnten.

Diese Förderung richtet sich nicht nur an die Stadtverwaltung, sondern auch an private Eigentümer. David Edelmann, klimapolitischer Sprecher der Grünen im Römer, betont, dass das neue Programm ein Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität sei. Es werde dazu beitragen, dass Gebäude in Frankfurt schneller und effizienter saniert werden können. Zudem werde es die Interessen von Eigentümern, Mieter*innen und Klimaschutz in Einklang bringen. Eigentümer könnten so den Wert ihrer Immobilien steigern und Mieter profitieren von einem höheren Wohnkomfort und geringeren Energiekosten.

Ein weiteres Argument für die Förderung ist der Schutz vor sozialer Verdrängung. Almuth Meyer, wohnungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Römer, betont, dass die Inanspruchnahme städtischer Gelder mit klaren Regeln verbunden ist, die dem Mieterschutz dienen. Energetische Sanierungen dürften nicht zur Verdrängung führen. Sebastian Papke, FDP-Stadtverordneter, ergänzt, dass der „Modernisierungsbonus“ ein starkes Signal sei und eine sinnvolle Ergänzung der städtischen Förderlandschaft.

Vorbilder und praktische Beispiele

Neben der reinen Zahlenspiele und Förderpolitik betont die Römerkoalition auch die Notwendigkeit inspirierender Beispielprojekte. Ein solches Projekt ist das Sanierungsprojekt der privaten „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ in der Ostendstraße 61. Hier wurde ein in die Jahre gekommenes Mehrfamilienhaus aus den 1960er Jahren durch nachhaltige Sanierung auf den neuesten technischen Stand gebracht. Die Maßnahmen umfassen die Verwendung von Holz und klimafreundlichem Beton, den Einbau von Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassade, die Begrünung von Dach und Fassade sowie die Nutzung von Regenwasser.

Ein weiteres Vorbild ist die Schirn Kunsthalle Frankfurt. Das postmoderne Gebäude am Römerberg erhält bis 2027 dreifachverglaste Fenster, neuen Brandschutz, Sonnenpaneele mit Dämmwirkung und begrünte Dächer. In den Jahren 2025 bis 2027 wird die Schirn interimsmäßig in die historische Dondorf-Druckerei umziehen, um die Sanierung abzuschließen. Die Sanierungsmaßnahmen an der Schirn sind als Modellprojekt für andere Gebäude konzipiert und sollen zeigen, wie sich Energieeffizienz und Klimaneutralität in städtischen Gebäuden umsetzen lassen.

Ein weiteres Beispiel für nachhaltige Umnutzung ist das Projekt „Nau!“ in Frankfurt. Das Bestandsgebäude wird mit neuen Fassaden und Staffelgeschossen modernisiert, um die Interaktion mit dem Stadtraum zu fördern. Die Sanierung umfasst Photovoltaikanlagen, Fernwärme und intelligente Technik. Zudem bietet das Projekt über 150 Pkw-Stellplätze und 460 Fahrradplätze an und fördert somit nachhaltige Mobilität. „Nau!“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie Umnutzungen statt Neubauten im urbanen Raum gelingen können.

Priorisierung von Sanierungsprojekten

Um die Sanierungsmaßnahmen effektiv umzusetzen, plant die Römerkoalition, bis 2025 eine Liste mit 100 Prioritätsimmobilien zu erstellen. Diese Liste wird Gebäude enthalten, die besonders viel Energie verbrauchen, viele Treibhausgase ausstoßen oder günstig zu sanieren sind. Ziel ist es, die Sanierungsprojekte gezielt auf die Gebäude zu konzentrieren, die am dringendsten eine Modernisierung benötigen.

In der Regel strebt die Koalition bei diesen Projekten einen Passivhaus-Standard an. Bei denkmalgeschützten Gebäuden wird hingegen der Effizienzhaus-Denkmal-Standard angestrebt. Die Sanierungsmaßnahmen sollen dabei möglichst umfassend durchgeführt werden: Photovoltaik-Anlagen, Gebäudebegrünung, Wärmepumpen und andere Technologien sind Standard.

Herausforderungen und Kritik

Trotz der positiven Entwicklungen und der klaren Zielsetzungen gibt es auch Kritik an der Sanierungsstrategie. Die geplanten 25 Millionen Euro pro Jahr gelten vielen Experten als zu niedrig, um die Sanierungsziele in der gewünschten Geschwindigkeit zu erreichen. Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der langfristigen Finanzierung des Projekts. Die Römerkoalition setzt stark auf externe Fördermittel, die nicht immer garantiert sind. Zudem ist unklar, wie die Sanierungsmaßnahmen in der Praxis umgesetzt werden und ob die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Priorisierung der Sanierungsprojekte. Die CDU fordert beispielsweise, dass Schulgebäude vorrangig saniert werden sollen, da sie besonders dringend in einen klimaneutralen Zustand versetzt werden müssen. Zwar ist dies in der Planung berücksichtigt, doch der Fokus auf alle städtischen Gebäude könnte dazu führen, dass wichtige Projekte wie in der Helmholtzschule nicht genügend Aufmerksamkeit erhalten.

Fazit

Frankfurt hat sich auf einen ehrgeizigen Kurs begeben, um die Energetische Sanierung ihrer städtischen Gebäude voranzutreiben. Mit der „Sanierungsoffensive“ und dem „Modernisierungsbonus“ setzt die Römerkoalition auf eine Kombination aus Förderung, Digitalisierung und Vorbildfunktion. Ziel ist es, bis 2030 mindestens 50 Prozent und bis 2040 alle städtischen Gebäude klimaneutral zu sanieren. Diese Ambitionen sind ambitioniert, aber nicht unübersehbar: Mit einer Sanierungsquote von 4,4 Prozent ließe sich das Ziel bereits 2040 erreichen.

Die finanziellen Mittel für die Sanierungen werden in Etappen bereitgestellt, wobei externe Fördermittel eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig setzt Frankfurt auf inspirierende Beispielprojekte wie die Sanierung in der Ostendstraße 61 oder die Schirn Kunsthalle, die zeigen, wie Energieeffizienz und Klimaneutralität in der Praxis umgesetzt werden können. Zudem wird ein digitales Sanierungsmanagement-Tool eingesetzt, um den Fortschritt zu überwachen und Prioritäten zu setzen.

Trotz aller positiven Entwicklungen bleiben Herausforderungen bestehen: Die Finanzierung, die Priorisierung der Projekte und die langfristige Umsetzung der Sanierungsziele sind weiterhin Themen, die in der Politik und Öffentlichkeit diskutiert werden. Dennoch ist die Sanierungsoffensive ein wichtiges Signal für die Zukunft Frankfurts – nicht nur im Hinblick auf Klimaschutz, sondern auch im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit, Wohnqualität und Nachhaltigkeit.

Frankfurt zeigt, dass eine umfassende Sanierungsoffensive nicht nur möglich, sondern auch notwendig ist. Mit klaren Zielen, finanziellen Anreizen und inspirierenden Vorbildern setzt die Stadt einen Weg, der auch für andere Städte und Kommunen ein Modell sein kann.

Quellen

  1. Sanierungsoffensive: Römerkoalition legt attraktives Förderprogramm für die Gebäudesanierung auf
  2. Sanieren statt lamentieren: Frankfurt packt den Umbau endlich an
  3. Sanierungsoffensive in Frankfurt kostet etwa 3,5 Milliarden Euro – Vorbild Schirn
  4. Frankfurt plant eine verdammt ambitionierte Sanierungsoffensive
  5. Sanierungsoffensive – Die Grünen im Römer
  6. Re-Use statt Abriss in Frankfurt: 5 Umnutzungsprojekte im Fokus

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