Einführung
Die Sanierung der Goethestraße 8 in Brandenburg ist ein prominentes Beispiel für den städtebaulichen Wandel und die Verbindung von Denkmalschutz mit moderner Wohnraumförderung. In den letzten Jahren wurden im historischen Stadtkern von Wittenberge, insbesondere in der Goethestraße, umfassende Sanierungsarbeiten durchgeführt, die durch staatliche Fördermittel unterstützt wurden. Diese Maßnahmen tragen nicht nur der Aufwertung des städtischen Images Rechnung, sondern schaffen auch lebenswerten und barrierefreien Wohnraum in zentraler Lage.
Die Goethestraße 8b, genauso wie die Goethestraße 1, 1a, 2 und 4, zählt zu den Bauten, die in den Jahren 2017 bis 2021 saniert wurden. Die Sanierung dieser Gebäude umfasste die Erneuerung der Gebäudehüllen, der Haustechnik, sowie die barrierefreie Erschließung der Wohnungen. Der gesamte Prozess wurde begleitet von Architekten und Ingenieuren, die den Erhalt der historischen Strukturen im Fokus hatten.
Durch die Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, der Stadt Wittenberge und der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt (WGW mbH) wurde ein städtebaulich bedeutendes Quartier revitalisiert. Die Förderung betrug insgesamt mehrere Millionen Euro, wobei sowohl Wohnraumfördermittel als auch Mittel aus dem Bund-Länder-Programm „Stadtumbau“ eingesetzt wurden.
In diesem Artikel werden die Hintergründe, die Vorgehensweise und die Ergebnisse der Sanierung der Goethestraße 8 näher beleuchtet. Zudem wird auf die Bedeutung solcher Sanierungsmaßnahmen für die Stadtentwicklung, den Denkmalschutz und die Wohnraumversorgung eingegangen.
Historische Entwicklung der Goethestraße 8
Die Goethestraße 8b gehört zu einer Blockrandbebauung, die um die Jahre 1925/30 in expressionistischen Formen errichtet wurde. Die Gebäude sind dreigeschossig, mit Satteldach, und weisen charakteristische Gestaltungselemente wie Ziegel- und Putzgliederungen, Dreiecksblenden über den Türen und dreieckige Dachgauben auf. Diese Bauten sind ein typisches Beispiel für die städtebauliche Entwicklung der Zeit um 1930, als in vielen Städten Deutschlands – auch in Brandenburg – die Nachfrage nach Mietwohnraum in zentraler Lage stark anstieg.
Die Goethestraße 8b war nach einem längeren Leerstand Gegenstand einer umfassenden Sanierung, die 2017 begann. Der Brandenburger Architekt Karsten Spangenberg begleitete das Projekt und erläuterte im Rahmen des „Tages der Städtebauförderung 2019“ die Sanierungsarbeiten an dieser Immobilie. Die Sanierung betraf nicht nur die äußere Erscheinung des Hauses, sondern auch die technischen und funktionellen Aspekte, um die Wohnqualität nach heutigen Standards zu verbessern.
Die Sanierungsarbeiten an der Goethestraße 8b erfolgten im Kontext einer Gesamtsanierung des Jahnschulviertels in Wittenberge. Ziel war es, die historische Substanz zu erhalten, gleichzeitig aber den Wohnraum zu modernisieren und neue Wohnmöglichkeiten in historisch wertvollen Bauten zu schaffen.
Sanierung als Teil der städtebaulichen Entwicklung
Die Sanierung der Goethestraße 8b ist Teil eines umfassenderen städtebaulichen Programms, das den Wiederaufbau und die Aufwertung historischer Quartiere in Wittenberge zum Ziel hat. In den letzten Jahren wurden verschiedene Projekte in der Innenstadt umgesetzt, darunter die Sanierung der Prignitzer Badewelt und die Erneuerung des Bahnhofsempfangsgebäudes. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Attraktivität der Innenstadt zu steigern und die Bevölkerung zu stabilisieren.
Die Goethestraße 8b ist dabei ein besonders gelungenes Beispiel für die Kombination aus Denkmalschutz und moderner Wohnraumversorgung. Die Sanierung erfolgte unter Einbeziehung der historischen Strukturen, wobei gleichzeitig die Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und technischen Komfort erfüllt wurden.
Ein weiteres wichtiges Element der städtebaulichen Entwicklung ist die Förderung durch staatliche Mittel. Im Jahr 2019 erhielt die Stadt Wittenberge insgesamt rund 5,2 Millionen Euro aus dem Programm „Stadtumbau 2019“ für die Jahre 2020 bis 2023. Diese Mittel wurden in verschiedene Projekte investiert, darunter die Sanierung der Goethestraße 1, 1a, 2 und 4. Für diese Maßnahmen wurden insgesamt 4,5 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm des Landes Brandenburg bereitgestellt, davon 3,85 Millionen Euro als Darlehen und 689.000 Euro als Zuschuss. Zudem flossen rund 2,3 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Stadtumbau“ in das Projekt.
Diese finanzielle Unterstützung war entscheidend für die Realisierung der Sanierung, da sie es ermöglichte, die Kosten für die umfassenden Arbeiten zu bewältigen. Gleichzeitig trugen die Fördermittel dazu bei, dass die Wohnungen nach der Sanierung sozial verträgliche Mietpreise aufweisen, was für die langfristige Integration in das Quartier entscheidend ist.
Technische Aspekte der Sanierung
Die Sanierung der Goethestraße 8b war keine einfache Renovierung, sondern eine umfassende Modernisierung, die sich auf mehrere Ebenen erstreckte. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung der Gebäudehüllen, die barrierefreie Erschließung, die Sanierung der Haustechnik und die Ertüchtigung der Energieeffizienz. Zudem erfolgte die Anpassung der Grundrisse, um die Wohnqualität zu verbessern und die Wohnungen für zeitgemäße Anforderungen fit zu machen.
Erneuerung der Gebäudehülle
Die Gebäudehülle der Goethestraße 8b wurde im Rahmen der Sanierung energetisch ertüchtigt. Dazu gehörte die Dämmung der Außenwände, der Dachgeschosse und der Fenster. Die Fenster wurden ersetzt oder modernisiert, um den heutigen Standards der Wärmedämmung zu entsprechen. Zudem wurde die Dachabdichtung überprüft und bei Bedarf erneuert, um Schäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden.
Haustechnik
Die Haustechnik wurde komplett erneuert. Dazu gehörte die Installation neuer Heizungsanlagen, die Anpassung der Elektroinstallationen sowie die Modernisierung der Sanitäranlagen. In den Untergeschossen wurde eine zentrale Heizzentrale errichtet, die die Gebäude Goethestraße 1, 1a, 2 und 4 gemeinsam versorgt. Zudem wurden in den Untergeschossen jeder Einheit Unterzentrallen für die Warmwasserbereitung vorgesehen, um die Versorgung effizient und flexibel zu gestalten.
Barrierefreie Erschließung
Ein weiteres zentrales Element der Sanierung war die barrierefreie Erschließung der Wohnungen. Dazu wurde in den Gebäuden Goethestraße 1 a und 2 ein Aufzug mit Laubengangkonstruktion errichtet. In der Goethestraße 4 erfolgte ebenfalls der Einbau eines Aufzuges, der die barrierefreie Erreichbarkeit der Wohnungen ermöglicht. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Quartier für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen attraktiver und zugänglicher wird.
Energieeffizienz
Die Sanierung der Goethestraße 8b war auch ein Schritt in Richtung Energieeffizienz. Neben der Dämmung der Gebäudehülle wurde eine Solaranlage installiert, die die Energieversorgung der Wohnungen unterstützt. Die Solaranlage ist Teil eines gemeinsamen Systems, das auch in anderen Projekten im Quartier genutzt wird. Dies trägt dazu bei, die Energiekosten der Mieter zu senken und den ökologischen Fußabdruck des Quartiers zu reduzieren.
Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen der Sanierung
Die Sanierung der Goethestraße 8b hatte nicht nur städtebauliche und technische, sondern auch wirtschaftliche und soziale Auswirkungen. Durch die Schaffung von 27 Wohnungen in zentraler Lage wurde der Wohnraumangebot in Wittenberge erweitert. Gleichzeitig wurden die Wohnkosten für bestimmte Gruppen der Bevölkerung durch die Belegungsbindung begrenzt. Von den 27 geförderten Wohnungen unterliegen 18 einer Belegungsbindung, von denen 9 für Berechtigte mit Einkommensgrenzen und 9 für Berechtigte mit Einkommensgrenzen von maximal 20 Prozent über dem Limit eingerichtet wurden. Die Mietpreise betragen jeweils 4,90 EUR/m² und 5,50 EUR/m².
Diese Belegungsbindung trägt dazu bei, dass das Quartier sozial vielfältig bleibt und nicht in eine reinen Luxuswohngegend verwandelt wird. Gleichzeitig ermöglicht die Sanierung, dass auch Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen in zentraler Lage wohnen können. Dies ist besonders wichtig in Städten wie Wittenberge, in denen die Innenstadt eine zentrale Rolle spielt und dennoch die Wohnkosten oft nicht für alle Bevölkerungsgruppen tragbar sind.
Fazit
Die Sanierung der Goethestraße 8b in Wittenberge ist ein gelungenes Beispiel für die Kombination von Denkmalschutz, städtebaulicher Entwicklung und sozialer Wohnraumförderung. Durch die Zusammenarbeit zwischen dem Land Brandenburg, der Stadt Wittenberge und der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt konnten historische Bauten erhalten werden und gleichzeitig lebenswerte Wohnungen für die Bevölkerung geschaffen werden.
Die Sanierung erfolgte unter Einbeziehung moderner Techniken und Materialien, wobei gleichzeitig die historische Substanz respektiert wurde. Zudem trugen die staatlichen Fördermittel dazu bei, dass die Kosten für die Sanierung tragbar blieben und die Wohnkosten für die Mieter sozial verträglich sind. Durch die barrierefreie Erschließung und die Energieeffizienz der Gebäude wurde zudem die Lebensqualität der Bewohner verbessert.
Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Aufwertung des Quartiers bei, sondern auch zur langfristigen Stabilisierung der Innenstadt. Sie zeigen, wie historische Bauten im urbanen Raum durch sorgfältige Sanierung und moderne Ausstattung weiterhin lebendig und attraktiv bleiben können.
Quellen
- Brandenburg: Tag der Städtebauförderung – Schauwohnung in der Goethestraße
- Wittenberge: Fördermittel für Sanierung in der Goethestraße
- Wittenberge: 5 Millionen Euro Städtebauförderung
- Wittenberge: Sanierung der Goethestraße
- Stadt Brandenburg: Sanierung der Goethestraße 1, 1a, 2 und 4
- Braeunlin Kolb: Sanierungsprojekt in der Goethestraße